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Durch Sistan und Beluchistan

1974-03-08 Birjand

Am nächsten Morgen dauerte es wieder endlos lange, bis sich die Leute im Hause regten und ungestüm nach ihren Waschsachen verlangten. Unser Gastgeber, der Bankhossey hatte schon Besuch am frühen Morgen. Es waren viele unbekannte Herren, die alle unheimlich seriös aussahen. Auch der Bruder der Frau, ein junger Specht, dem schon ein Geschäft gehörte, war, ebenso wie schon am Abend zuvor, wieder da. So armselig gestern das Abendbrot war, so reichhaltig war das Frühstück, das üppigste, das ich bisher im Iran bekam. Es hat richtig Spaß gemacht, hier zu essen. Leider geriet UlKa in Hektik, was den Genuss etwas störte. Grund der Aufregung war eine Münzsammlung des Vaters von Hosseyn, in der sich außer vielen anderen wertvollen Stücken auch Sassanidische Münzen, Daraiken, griechischer und byzantinischer Krams befand. Das musste natürlich sofort im Bilde festgehalten werden, wobei Tee, Milch und Eier kalt, das Brot trocken wurde. Der Vater von Hosseyn ist überhaupt ein begnadeter Sammler. Er besitzt neben umfangreichen Briefmarkensammlungen eine Uhr mit den Insignien von Ajub Chan, in London hergestellt und eine goldene mit dem Bilde von Reza Shah, außerdem noch allerlei silbernen Schmuck etc.

Rüttel, rüttel ...

Nach dem Frühstück hob eine große Rundfahrt an. Zunächst zum Bazar. Da JöJa’s Teppichlust keine solche mehr war, bzw. Geldmangel ihn im Zaume hielt, wurden nur einige billige Schwerter, die ich auch sehr gerne genommen hatte und Musikkassetten mit persischem Gedudel gekauft. Danach ging es kreuz und quer durch die Stadt zu einer stattlichen Burg, einem komischen pagodenähnlichen Gebäude und wieder durch die Altstadt. Die Lage von Birjand ist wirklich schön. Umrahmt von hohen Bergen, auf denen uns zu Ehren Schnee lag auf einem kleinen Hügel in einem großen Tal. Inzwischen, vor 20 Jahren soll das noch nicht der Fall gewesen sein, ist Birjand auch eine grüne Stadt, in der jede Straße von Kiefern gesäumt ist. Das erinnert ein wenig an Kandahar. Als wir von dem Ausritt, übrigens in einem Willy's Jeep, den Hosseyn selber malträtierte, zurückkehrten, stand vor unserem Wagen schon wieder eine große Meute. Darunter war ein Mädchen, irgendwo aus Deutschland, die von der UNO hierher geschickt worden war, um den Leuten Handweben beizubringen. Nicht zu uns, hierher haben sie wohl ihre derzeitigen Gastgeber geschleppt.

Sie wollte auch zum Nouruz in Shiraz sein, und so wurde vereinbart, sich dort per Anhang in der Uni zu suchen. Das einzig Interessante, das wir beredeten, war ihr Job. Sie hatte sich beim DED für 2 Jahre verpflichtet und war von dem an die UNO verscheuert worden. Hier im Iran bekam sie für ihre Arbeit ∼ 600 DM, das ist ja durchaus genug, wenn man bedenkt, dass manche Studenten sogar von ihrem BaföG-Geld leben .... äh, vegetieren Können. Nach dem UNO-Dienst sollte sie dann ∼ 7.000 DM als Abfindung oder Verdienstausfall oder was weiß ich bekommen. Nun, für uns war zunächst interessanter, dass irgendwas an unserer Kühlwasseranlage undicht war, also an der unseres Wagens. Der vermeintliche Fehler war auch schnell gefunden und repariert - eine Schlauchschelle, so eine billige Iran made, war aufgegangen.

Als ich dann aber mit dem Junggeschäftsmann zum Bierholen fuhr und einmal zufällig unter den Wagen sah, da tropfte es schon wieder fröhlich, und zwar an einer Stelle, wo Wasser eigentlich gar nichts zu suchen hatte. Da ich mir keinen rechten Reim auf diese Sache machen konnte, war dies entweder eine Fata Morgana oder etwas Ernstes. Wie ich diese Hiobsbotschaft aber schonend beibringen wollte, erntete ich nur großen Unwillen. Nun, wenn man bedenkt, dass früher im Iran die Boten von Unglücksbotschaften hingerichtet wurden, so war diese Behandlung gar nicht so unwürdig. Das Basteln aber wurde bis nach der Abfahrt vertagt. Zunächst war nämlich das Essen da, und das drängte alle anderen Gedanken zur Seite: Haifisch gebraten, Reisauflauf mit Fleisch und ein wunderbarer Salat, den ich im Iran auch zum ersten Mal gegessen habe. Dazu Torschi, sauer und pikant eingelegte Zwiebeln und anderes, nicht leicht definierbares Zeugs, etwa Mixed Pickles, frisches Brot, Schafskäse und gutes kühles Bier. Die Güte des Essens, bzw. die Gier der Esser kann man gut an dem hinterher eintretenden Geräuschdefizit messen. Bei uns war das Schweigen fast total. Hier übrigens trank ich zum ersten Mal seit 4 Jahren wieder iranischen Wodka, ein ganz nettes Getränk. Doch dann kam der Abschied. Und das, obwohl wir doch nur bis vor die Tür gingen und dort anfingen zu basteln. Zu unser aller Freude ließ sich der Schaden beheben und war nur eine Nachwirkung des Einbaues des Wasserthermometers. Das Wasser lief dort aus und über Schleichwege nach hinten, wo es an einer Stelle austrat, wo es nun wirklich nicht hingehörte. Nun, für uns alte Rödelmeister war auch das kein großes Problem, und die Stunde kam, wo wir abfahren konnten. Eines hatten wir noch vergessen, nämlich nach dem Getriebe zu sehen.

Das mussten wir im nächsten Ort nachholen. Das war aber wohl keine so gute Idee, denn wie die Ruine eines VW-Busses verriet, waren hier bereits Engländer verreckt, und das merkte man den Leuten hier immer noch an. Sie waren gleich doppelt so schwer zu ertragen wie in anderen Orten. Dann ging es wieder auf Piste, zunächst leichte gewellte, mit Wadis, durch die man so schön hindurch rauschen konnte, dass den Hintermännern das Frühstück wieder hoch kam, später saumäßig gewellt. Ein Waschbrett, dass man glaubte, das Fahrzeug werde einem unter dem Hintern zerrissen. Das Lenkrad musste mit beiden Händen festgehalten werden und fühlte sich nun an wie ein Presslufthammer. Fahren konnte man überhaupt nur mit 80 km/h, bei 40 km/h dem verlor man die Gewalt über den Wagen. Für Kranke war das denn auch nicht dazu angetan, Besserungen zu provozieren, weshalb JöJa wieder gelähmt dalag und am Verscheiden war. In dieser Nacht schlief ich z um 1. Mal auf dieser Reise eine Nacht in freier Wüste.

1974-03-09 Infos über F.J. Strauß und Gerstenmeier

Rappel, rappel ...

Seit Shahabad kann übrigens das Tonband von UlKa wieder benutzt werden. Für uns hat das nur theoretischen Wert, denn er hat das immer selber in Beschlag. Vorgestern saß er die ganze Zeit auf seinem Teppich im hinteren Kabäuschen mit den Kopfhörern um und machte verklärte Miene zum affigen Spiel. Wenn man dann anhielt und irgendwas von hinten brauchte, kreischte er nur mit verdrehten Augen im Takte der Musik, die wir ja nicht hören konnten. Außenstehende, z. B. beim Tanken in Ghaen, wurden so ihrem Bilde von den ausgeflippten Touristen bestätigt. JöJa musste ohnehin hinten liegen, weil er ja gelähmt war, und so kam ich streckenweise in den Genuss, alleine durch die Gegend zu fahren, was so unangenehm gar nicht ist, weil man dann ungestört seinen Gedanken nachhängen kann und keine Gespräche aufgezwungen bekommen kann, von denen man wegen der Wagengeräusche doch nur die Hälfte versteht.

Wenn man draußen in der freien Einöde schläft, beginnt der Tag recht früh, nämlich mit der Morgenkälte kurz vor Sonnenaufgang. So kamen wir auch an diesem Tage, nach Einnahme eines wärmenden Tees, in aller Herrgottsfrühe los. Die Landschaft blieb unheimlich trostlos, und die Piste wurde immer schlechter. Jetzt weiß man erst, was es bedeutet, wenn man in Birdocht in den Bus steigt, und der Bus kommt schon aus Zahedan.

Eine Staubwolke ...

UlKa lag die ganze Zeit im Bett und steckte den Kopf unter die Decke. Offenbar muss es dort sehr interessant gewesen sein, denn alles andere kümmerte ihn nicht, bis das Mittag nahte. Hinterher meinte er aber, er sei einigermaßen krank gewesen, was von höherer Stelle nicht ganz ernst genommen wird. Als wir gegen Mittag eine nette kleine Palmenoase erreichten, beschlossen wir, hier unser Frühstück-Mittag-Abendbrot einzunehmen. Wir hatten nämlich beschlossen, ab jetzt, wenn wir nicht eingeladen werden, nur noch eine Mahlzeit pro Tag einzunehmen. Aus Geldmangel und weil wir alle ohnehin zu fett waren. Bei JöJa, so sollte sich allerdings herausstellen, blieb das ein Lippenbekenntnis, und er redete sich damit heraus, dass für ihn Mahlzeiten, die keine warmen Mahlzeiten sind, keine Mahlzeiten sind. Erst ab drei Tellern aufwärts begänne er zu zählen.

Der Name der Palmenoase ist Urmak. Es war wirklich ein sehr schöner Ort hier, in einem herrlich ausgewaschenen Flusstal gelegen, mit vielen grünen Dattelpalmen. Hier wärmte die Sonne auch wieder. Der Teppich, bzw. einer der Teppiche von JöJa wurde ausgerollt, Tee gekocht und gemahlzeitet. Es liefen nicht einmal viele Leute zusammen. Der Ort schien also nicht sehr stark bewohnt zu sein oder eine Schule zu haben. Während ich auf dem Beifahrersitz saß und tippte und UlKa die durchgescheuerten Ölkanister anders verstaute, bzw. entleerte, kam ein Mann zu uns ans Fenster, der fließend Englisch sprach, ein typisches Zeichen dafür, dass wir hier einen Vertreter der höheren Schichten vor uns hatten. Es war "one of the big owners of Bod Jnurd" im Norden von Chorassan. Er und sein Kollege waren dabei, neue Grenzen für ein Wildschutzgebiet in Sistan abzustecken. Der Typ meinte übrigens, er hätte schon mit E. Gerstenmeier und F.J. Strauß zusammen Tiger gejagt. Na ja!

Die Piste hatte noch mehr Opfer gefordert als nur durchgescheuerte Ölkanister. Ein Seitenspiegel und die beiden Rücklichthalter waren ebenfalls abvibriert. Reparatur hatte hier aber, solange wir noch auf Piste waren, und die geht bis Shiraz keinen Sinn. Was lose war, wurde festgebunden. Eigentlich hatten wir ja vor, nach Zabol zu fahren und uns den Sistansee aus der Nähe anzusehen, aber mit Rücksicht auf JöJa’s erbärmlichen Zustand mussten wir das fallen lassen und sind an der Abzweigung vorbeigefahren. Sehr zum Leidwesen der archäologischen Seele in UlKa’s Brust .......


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Nicht nur zu meinem Leidwesen, auch JöJa bedauerte es sehr, zum zweiten Mal an Zabol vorbeigefahren zu müssen, aber mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit hielten wir es für richtiger, gleich Bampur anzusteuern. Aber jetzt zu meinem Bedauern! Bei Zabol befindet sich der einzige größere See in Sistan, wobei ich den Rückschluss ziehen muss, dass dann auch dort an diesem See der Kuh Khvadja liegt. Ganz sicher bin ich aber nicht. Der Kuh Khvadhja ist ein Gebirgszug, auf dessen Seeseite sich ein Heiligtum kombiniert mit einem Palast befindet. Die heute noch anstehenden Baureste stammen aus Sassanidischer Zeit. Der Platz war aber auch eindeutig in parthischer Zeit bebaut und einer der Ausgräber, der Italiener G. Gullini vermutet in Archittetura Iranica sogar das es eine achämenidische Bauphase gibt, die sich aber nicht eindeutig nachweisen lässt. Durch einen Eingangsiwan gelangte man in einen Arkandenhof, zweistöckig, auf den sich links und rechts zwei Iwananlagen mit T-förmigem Grundriss öffnen. Die gegenüber liegende Seite bildet einen Treppenaufgang hinter Arkaden mit Rundbögen zur nächsten Terrasse, auf der sich ein typisches Feuerheiligtum erhebt. Anhand' der Bauformen, besonders der Gewölbekonstruktion möchte ich die sassanidische Anlage ins 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr. datieren. Die ganze Anlage ist von einer Mauer umgeben, erstreckt sich in mehreren Terrassen über den Berghang und wird auf dem Gipfel von einem Fort 'überragt. Urteil: Auch für Laien instruktiv und sehenswert, da erst jüngst ausgegraben und viel noch zu sehen ist.

 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---


Bis Zahedan waren es jetzt nur noch 60 km und die durfte UlKa fahren, was er dann auch mit Begeisterung tat. Den letzten Gebirgszug, der dieses Becken von Sistan von dem von Zahedan trennte, galt es noch zu überwinden. Eine bizarre Landschaft tat sich da vor uns auf, die man gar nicht recht beschreiben kann. Im Bilde festhalten kann man sie aber auch schwer, weil da nur die Hälfte mitgenommen werden kann. Nein, das muss man einfach erleben. Die Landschaft wirkt zerrissen und bizarr, abweisend, fast grotesk, eben wie eine Mondlandschaft. Oh, was würde dieses Land doch schon weiter sein, wenn es hier vernünftige Straßen gäbe. Man müsste sich doch direkt einmal ausrechnen, was hier für volkswirtschaftlicher Schaden entsteht, durch all die Lkws, die hier ruiniert werden. Dann sahen wir Zahedan unter uns liegen. Bei Tage ist es doch ein recht unansehnliches Nest und 40.000 Einwohner sind ja auch nicht eben viel.

Ich hatte einen ganz anderen Eindruck bekommen, als ich vor 2 ½ Jahren hier war. Das aber lag wohl in erster Linie daran, dass wir damals aus Pakistan kamen und dort alles viel primitiver war als hier. Als wir da aus dem Mittelalter in das hell erleuchtete Zahedan mit Blumen und allen Annehmlichkeiten der Zivilisation kamen, erschien es uns wie ein Sprung von Jahrhunderten. Etwas anderes ist es da schon, wenn man eine Woche lang in Shahabad verwöhnt worden ist und dann auch noch bei Tage ankommt, wo man allen Dreck, der nachts nicht erleuchtet ist, sieht. Hier wollten wir nur zur Post und dann gleich weiter. So hielten wir denn kurz, um noch einige Briefe zu schreiben. Meine Briefe konnte ich kurz halten, weil ich doch immer Tagebuchseiten verschicke und so den Begleittext kurzhalten kann. Allerdings werden so die einzelnen Leute, wenn sie nicht miteinander kommunizieren, und das geht bei vielen schon aufgrund der Entfernung nicht, nur sehr bruchstückhaft informiert. Die meisten können sich sicher keinen rechten Reim darauf machen.

In Städte hineinzufinden ist im Orient meist kein großes Problem. Allein das Finden der Ausfallstraßen ist nicht ganz einfach, zumal, wenn es eine Ausfallpiste ist. Nicht einmal eine Tankstelle war hier zu finden, so dass man wieder ganz in die Stadt zurückfahren musste. Schnurpsel (UlKa-UlMe) war in Zahedan urplötzlich erkrankt, was ihn sonderbarerweise recht angriffslustig machte. Aber so hatte ich wenigstens wieder das Vergnügen, vorn allein zu sein. Die Piste war noch schlechter als schon das Stück von Shahabad aus. Dazu ging es die ersten 30 km auch noch bergauf.

Es wird hier gerade mit großem Elan eine neue Straße gebaut, die breit und gerade wie eine Rennbahn einmal Zahedan und Chah Bahar als Nabelschnur verbinden wird. Dann ist eine solche Reise sicher kein Problem mehr, und so mancher Perser wird seinen Urlaub hier verbringen. Der Iran legt übrigens großen Wert auf die Verbindungsstraßen mit dem südlichen Meer, dem Persischen Golf, dem Golf von Oman und dem Indischen Ozean. Als wir uns vor 2 ½ Jahren nach der Straße von Shiraz nach Bushir erkundigten, sagte man uns, diese Straße sei schon zur Hälfte asphaltiert und würde in Kürze fertig. JöJa, der im Sommer 1972 hier war, erzählte, dass die Straße von Kerman nach Bander Abbas schon asphaltiert sei. Zusammen mit der Straße Zahedan - Chah Bahar kommt nun auch noch eine von Bam dazu, die diese hier in Bampur trifft. Man bedenke, dass die Verbindungen von Zahedan in alle Richtungen noch Piste sind. Sowohl zu der sehr wichtigen Stadt Mashad, als auch über Bam, Kerman, Yazd nach Isfahan. An dem letzten Abschnitt allerdings wird wieder kräftig gebaut. Man muss dem Iran allerdings zugutehalten, dass er sein Gesicht innerhalb der letzten 20 Jahre enorm gewandelt hatte.

Im Gegensatz zu Indien, wo alles stagnierte oder gar schlimmer wurde. Wenn man alte Reisebeschreibungen des Iran liest, so gewinnt man den Eindruck, als sei das Land damals noch ärmer gewesen als der große Bruder Indien. Heutzutage ist es keine Frage mehr, wer hier der stärkere Bruder von beiden ist, und der Iran ist ein Land auf der Kippe, das sich durchaus allein helfen kann, wenn nur der Öl-Segen noch eine Weile fließt und noch einige kluge Perser in Deutschland oder England studieren können. Nach noch, einmal 20 Jahren werden wohl auch Landstriche wie Beluchistan, die erst heute aus ihrem Dornröschenschlaf aufwachen, der Zivilisation anheimfallen.

Nun zurück zur Straße von Zahedan ans Meer. Die beste Trasse hatte natürlich wieder die neue Straße, die uns noch nichts nützte. Die alte Scheißpiste aber, die sich wie eine kranke Schlange um den Neuling wand, sich an ihn anschmiegte, ihn kreuzte, war dafür sträflich vernachlässigt. Solche Pisten sind immer das Leid dessen, der hinten sitzt. Fahrer und Beifahrer sehen ja, was auf sie zukommt und wissen, wenn es rappelt und schaukelt, dass es nicht viel anders geht. Der aber, der hinten im dunkeln Kasten sitzt und von einer Ecke in die andere geworfen wird, bekommt langsam aber sicher eine Scheißwut auf die "Wildsau", die da vorne durch die Gegend nagelt, als sei der leibhaftige Teufel hinter ihr her. Das ist noch zu ertragen, weil man ja dem Beifahrer als Kronzeugen für die eigene Fahrweise hat. Wenn aber beide hinten liegen, dann muss man wirklich leiden, und es kann einem der stille Gram ankommen. So hielt ich dann lieber an, zumal ich diese neue Gegend auch lieber bei Tage fahren wollte. UlKa war an jenem Abend leicht giftig und benutzte seine Krankheit als moralische Waffe. Gut aber war, dass JöJa immer bereit ist, einzulenken und Streit zu vermeiden, außer zu den Zeiten, wenn er nicht dazu bereit ist. Besser war da schon, dass in dieser Nacht wieder die Wüste, die diesmal an Wärme und Anschmiegsamkeit zu wünschen übrig ließ, mein Bett war und mich dort außer einigen vorwitzigen Steinen und der immer sehr aufdringlichen Kälte keiner störte.

1974-03-10. Da wird die Dattel am Baume sauer

Oh, ich dachte immer Wadi hieße Trockenflusstal ...

Der Tag begann damit, dass JöJa seinen Eierkopf zum Fenster herausstreckte und die Frage in die kalte Nacht stellte, ob denn nicht schon losgefahren werden konnte. Das wurde verneint, auch wenn JöJa’s Schmerzen tatsächlich groß sein sollten, denn im Schlafsack war es, wenn man die Ritzen zuhielt, warm, draußen aber kalt. Damit war die Sache erledigt. Nun aber, schwant mir kommt noch jemand gänzlich anders gearteter zur Rede.


So jetzt tippe ich = UlKa (!) mal ein bisschen weiter -

Heute haben wir wieder fürchterlich ohne JöJa’s starken Arm rödeln müssen. Dies erinnert mich wieder an die Scheiß Rödelei vor der Abfahrt, und deshalb folgt jetzt ...


Der Preliminary Rödel Report, Teil 1

Bevor ich mit dem eigentlichen Geochse beginne, will ich erst einmal beschreiben, wie ich überhaupt in diese seltsame Gesellschaft kam.

Boing, boing ...

Also ich saß nichts ahnend in R. B. Arabischkursus, und da setzte sich doch noch ein größerer Stümper, als ich es schon war, neben mich, laberte, lenkte mich ab und schlug mir schließlich vor, eine arabische AG zu gründen, da es allein schlecht möglich ist, vernünftig diese Horrorsprache herein zu kriegen / Zuhause bei sich horchte er mich dann nach meinen finanziellen Verhältnissen aus und schlug mir vor, mit ihm nach Oman zu fahren. Wie unreflektiert das damals war, konnte i c h noch nicht absehen und so schlug ich begeistert ein, da das Gebiet archäologisches Neuland ist und dort direkt noch Lorbeeren für mich zu holen gewesen wären. Na ja, es kam eben anders als gedacht.

Dann wurde mir der zweite Mann vorgeführt namens WoZi, Göttingen, Frau, ein Kind, nette Wohnung, Rammelhöhle, seltsame politische Anschauungen aber ansonsten sehr annehmbar. Dieser wurde dann auch gleich mit der Beschaffung der Visa beauftragt.

Noch vor Weihnachten war dann der dritte Mann mittels Oman eingefangen, zwar nicht so kapitelstark wie wir, aber selber Unimogbesitzer, Mechaniker, Chemie, VWL + Persisch-Student, 22, Freundin, Hamburg, Pistenfahrer, Ziegenbartträger, ansonsten ganz annehmbar. Das Herz der Sache war jedoch JöJa. JöJa hatte eine Wohnung in Göttingen, Beziehungen über seine fast eheliche Freundin zu einer Traktorwerkstatt, von der später noch die Rede sein wird, eine Wohnung nebst Mutter in Wunstorf, viel Idealismus, blonde Haare und Bart, Durchschnittsgröße 2 m und viel Elan und Initiative, von seinen Rödelfähigkeiten ganz zu schweigen. Tja, das sind sie nun, meine Anhängsel: HoWa, WoZi, der genau wie Big Rödel alias JöJa Geographie studiert. Letzterer, unser Reserve Oberleutnant JöJa!

Haaallo, haaallo ...

Tja, und so begann dann die Fehlplanung. Wir trafen uns alle vier noch vor Weihnachten und fuhren zur Werkstatt hinaus, nach Bevensen. Der Uni war total auseinander genommen, machte aber ansonsten einen sehr guten Eindruck, so dass wir beschlossen, erst nach Weihnachten mit der Ausrüstung zu beginnen. Dies erwies sich als Fehler. Denn es musste viel mehr gemacht werden als gedacht. Also, so saß dann JöJa jedes Wochenende bei Günther in der Werkstatt, und einer von uns, manchmal auch zwei, waren mit von der Partie. So reparierte ich vornehmlich mit WoZi den Kasten, das hieß neue Balken einziehen, innen alles heraus reißen und umbauen, streichen - diese Tätigkeit übernahm dann später zu unserer aller Zufriedenheit, meine Freundin An - Elektrische Leitungen legen, Betten bauen, mein VW-Bus Tisch wurde gleich in einem unbewachten Augenblick versozialisiert und eingebaut, während HoWa und JöJa sich um die Mechanik kümmerten und ab und zu Ersatzteile von Kraftczik, Nienburg, holen fuhren. Später setzte ich auch meine Kräfte an vielen, für meine süße kleine Freundin bedauernswerten Wochenenden für das Wrack ein, wobei ich enorme Fähigkeiten im Wechseln von Lichtmaschinen und ähnlichen Teilen entwickelte. Zwischendurch hatte ich den Wagen auch ein paar Tage zu Hause, um ihn vorzuführen und innen auszumalen, wobei ich mich für dreckiges, bäuerlich-rustikales - beige und kackbraun - entschied, die mir und An auch gut gelangen. - Gleich folgt die weiterführende Fortsetzung-


Es folgt 'überhaupt keine Fortsetzung, aber da sich UlKa, SiMeUlKa, UlMe, Schnurpsel ... nicht selber vorstellen kann, muss ich dieses schmutzige Geschäft übernehmen. UlKa, also U. B. G. K. (G. wird erst später, so UlKa sich noch entsinnt, in Istanbul eingetippt), ein Mensch mit einem unmöglichen Spitznamen, Ur- und Frühtümler, Archäo-Gelehrter, also ist ein Mensch von hohen Prinzipien und niederen Instinkten. Eine pikante Mischung also, die wir uns da angelacht haben. Wenn es um tote, längst vergessene Dinge geht, so ist es er, der sie gerne wieder ausgräbt. Er singt auch gerne von Skeletten. D. h. eigentlich kann er gar nicht singen. Dabei will er schon oft auf der Bühne gestanden haben. Sicher hat er dort nur Faxen gemacht. Dafür kann er schon ganz nett Gitarre spielen.

Ansonsten ist er noch der leibhaftige Rallyefahrer, Inhaber des Rekordes 'über den Pyrmonter Pass, der nur dann richtig aufwacht, wenn ihn der Duft von Benzin in der Nase kitzelt. Wenn er im Cockpit sitzt, gleicht er einer Riesenspinne, die mit ihren Tentakeln gierig die unschuldigen Bedienungselemente unseres biederen Unimog vergewaltigt. Mit windschnittigem Ziegenbart, Rennbrille, gewichtsparendem Muskelschwund - dafür einem unpassenden Wanst - die Zunge geifertriefend im zahnlosen Winkel rast er - koste es, wen es wolle - Abgründen, Steilwänden und Gräben entgegen. Der 21-jährige Spucht hat 3 Mary's: Eine Gitarre, eine Frau, einen VW-Bus, davon schreibt er am meisten an sein holdes Weib, was wohl daran liegt, dass sein Bus abgemeldet und seine Gitarre mit auf der Reise ist. Seine Frau kenne ich zwar noch gar nicht, aber so viel kann ich von den Bildern her sagen: Sie ist viel schöner als er, was aber, wie jeder bestätigen kann, der unseren Freund einmal aus der Nähe betrachten durfte, nichts zu bedeuten hat. Sein Traum ist, außer vielem Anderen, eine Oase in Saudi-Arabien im Kretisch-Japanisch-Sassanidischem Stil, dazu ein Flug-, ein Dhauschein und ein Lamborghini (Trecker). Er ist kein Wurzelmann, wie er gerne feststellt.

So, nun reicht es aber, wird mir soeben von kompetenter Seite zugeraunt... So, wir waren stehengeblieben bei dem fehlgeschlagenen mitternächtlichen Aufbruch. Gegen Sonnenaufgang waren wir, jedenfalls mit 2/3 Mehrheit, nicht mehr zu halten. Gut, dass JöJa vorne saß. Die Gegend meinte es wirklich gut mit unserem lädierten physischen Geographen. Halb aus dem umliegenden Gestein heraus präparierte Vulkane, fast abgetragene, alte Rumpfflächen, bizarre Felsformationen. Alle gute Nase lang musste angehalten werden, damit unser zukünftiger Geographielehrer Fotos für seinen Unterricht schießen konnte. Als ersten größeren Ort auf dieser Reise erreichten wir gegen 10 Uhr Khash (sprich Chasch), wo wir Brot kauften und nebenbei wieder von der örtlichen Polizei gefangen genommen wurden, wie das in allen abgelegenen Orten des Iran der Fall war.

Es ist ja im Grunde ganz klar, dass wir Schwerverbrecher sind, die eine unschuldige, verträumte Kleinstadt überfallen wollen. So ohne vernünftigen Hippie- oder normaltouristischen Grund auf entlegener Strecke, wo es weder Museen noch Hasch Hasch gibt, sondern nur wilde Belutschen und andere finstere Typen, die schon alleine schwer in Schach zu halten sind. Vielleicht sind wir ja gar Aufwiegler, die nur den geliebten Shahinshaharyamehr stürzen wollen und diesem freien Wohlstandsstaat nur den Bolschewismus bringen wollen. Eigentlich waren wir so verdächtig, dass man uns sicherheitshalber gleich hätte hängen sollen. Wer weiß, was wir so noch alles anrichten könnten. Es ist wirklich traurig, dass die iranische Polizei noch so machtlos ist. Aber wartet nur ab, alle Zeiten werden einmal besser, auch für euch Jungs, und dann geht's rund. Die Leute, die hier herumliefen, könnten genauso gut aus Pakistan sein. Lammfellmützen, Moslembärte, Afghanengewänder, dunkle Haut, edel majestätische Stumpfsinnigkeit. Der lichte Baumbestand am Straßenrand, die kleinen Läden im Kabulstil, nichts war hier mehr persisch außer den unvermeidlichen Kreiseln und den geschniegelten Bullen. So suchten wir uns schnell ein weit genug weg liegendes Stück Wüste, das malerischerweise mit scharfen Zacken gesegnet war, um dort unseren Frühstücksteppich auszurollen.

Die Gegend ist deshalb so merkwürdig, weil hier die Gesteinsschichtung sehr steil verläuft, man könnte sagen, senkrecht und aus immer einigen dicken Lagen weichen und einer dünnen Lage harten Gesteins, irgendein Tongestein, bestand. Die dünnen harten Schichten waren aus der weichen Umgebung herausgewittert worden und ragten in langen Reihen wie Messer in den Himmel. Keine leichte Sache also, hier mit Gummireifen Slalom zu fahren. - Das Teewasser war noch nicht warm und noch nicht die erste E-Pa-Dose geöffnet, als auch schon der erste Jeep umkehrte und noch einmal langsam auf der nicht weit entfernten Piste zurückfuhr, um sich die verrückten Vögel, die da mit nacktem Oberkörper durch die laue Wüstenluft tobten, noch einmal genau anzusehen. Das heißt, es war nicht so sehr der Jeep (iranmontiert), den es zum Halt drängte, sein Anlasser war nämlich defekt, sondern die beiden Insassen, zwei junge Leute aus Teheran, die der Straßenbau hierher verschlagen hatte.

Wir luden sie zu Tee und Frühstück ein, wovon sie ersteres auch annahmen. Sie waren direkt froh, wieder Menschen und nicht nur Belutschen zu treffen. Iraner sind da in der Unterscheidung viel strenger, und ihr Paris des 17. Jahrhunderts ist Teheran, das reine Teheran und nichts als das Teheran, so wahr ihnen Allahhuakbar helfe. Unsere Mahlzeit wurde an diesem Tage übrigens durch Wüstenrhabarber bereichert, über dessen Wohlgeschmack die Geister allerdings auseinandergingen. Ein herrliches Wetter hier draußen im März. Nicht zu warm, nicht zu kalt, gerade richtig. UlKa hat im Anschluss zum ersten Mal als Beifahrer während der Fahrt auf der Maschine getippt, was in mir den Gedanken erzeugte, bei meinem Unimog doch eine feste, reversible, also entferntere Halterung für die Maschine z u bauen, so dass der Beifahrer alles leicht brühwarm zu Papier bringen kann. Nach dem Fahrerwechsel bei Briefende hatte ich die Gelegenheit, mich hellbraun brennen zu lassen, von oben durch die Panzerluke. Noch besser aber war es, wenn man auf dem Dache saß und 360° Rundsicht hatte. Man muss sich dabei zwar gut festhalten, aber es geht immerhin Die Landschaft rundherum wurde, zumindest subjektiv, immer bizarrer und zerrissener.

Richtig hohe Pässe gab es hier und gefährliche Engstellen in Haarnadelkurven usw. Dann die erste Datteloase. Wo es hier Wasser in der glühenden Einöde gibt, feiert die Natur wahre Orgien der Pracht. Herrliche dunkle Dattelwälder mit meterlangen, dunkelgrünen Wedeln, darunter bewässerte Weizenfelder, auf denen das Korn, schon 50 cm hoch, ein blendendes Grün ausstrahlte, das man nach so viel Wüste fast als unwirklich empfand. Fotos von dieser Oase hätten wir zumindest für grünstichig, wenn nicht gar für schlecht koloriert gehalten. Dann dieser Duft. Nach so viel trockener Staubluft hier kühle, feuchte, aromatische Luft, die nach Blüten und feuchter Erde roch. Die Vögel sangen und bunt gekleidete Frauen schritten gebückt durch das schattige Licht der üppigen Felder. Doch dann gleich wieder flimmernde Luft und Staubfahnen. In Serpentinen schraubte sich der Weg in einer Canyon-ähnlichen Schlucht bergan. Gefährliche Situationen gab es, wenn hinter einer unübersichtlichen Kurve plötzlich ein LKW in voller Fahrt heran gerauscht kam und die Straße, eigentlich konnte man sie ja kaum Piste nennen, knapp für einen reichte. Aber "everythingispossible" gilt auch hier, wenn auch nicht in dem Maße wie in Indien. Auf einer steilen Stelle stand ein alter Belutsche, der gerne irgendwo mitwollte. Da ich ja ohnehin auf dem Dache saß, hielt UlKa an und lud den Kerl auf den Beifahrersitz. Der Typ wollte nach Iranshahr, ∼ 150 km von hier, um dort seine zwei kleinen Hühner zu verkaufen, die er in einem Korb mit sich führte. Hier im Iran sind Dimensionen doch ganz anders als in Deutschland, wie wir am gleichen Abend noch in Bampur erfahren sollten. Hier in dieser Landschaft wurde sogar unser dahindämmernder Kranker wieder wach und filmte mit meiner Unterstützung einige Stellen, die sich für viel mehr lohnten. Lauschige Täler mit murmelnden Bächen, enge, fürchterlich zerrissene Schluchten, lichter Baumbestand im Schotter ehemaliger Flüsse. Erst wird der Motor glühend heiß gefahren, dann geht es durch eine Furt, dass das Wasser bis an das Dach spritzt, hinterher werden die von der unfreiwilligen Dusche noch feuchten Glibber gleich mit dem Staub der Jahrhunderte bedeckt. Jede Furt führte so zu ihrer eigenen unverwechselbaren Kruste auf der Haut. Nein, wie schade, dass man sich doch wieder wäscht, was könnte man sonst für Erinnerungen handgreiflich mit nachhause bringen. Der Weg nach Iranshar wurde schier endlos, ich müsste mich, um keinen Sonnenbrand zu bekommen, durch das Schiebedach wieder vom Dache zurückziehen, UlKa fuhr auch immer skrupelloser durch die Furten und Löcher. Das Pappdach schwang, wie eine Hochbarrenstange unter dem Gewicht eines Meisterturners und bog sich immer weiter durch. Der Wagen glich ohnehin schon einer Gurke.

Schade nur, dass UlKa auch durch die schönsten Oasen mit dem üppigsten Grün so hindurch brauste, dass ich mich zum Blitzfotographen entwickeln musste. (Nicht Blitzlicht, sondern blitzschnell). Nach dieser wilden Jagd war UlKa in dem letzten Ort vor Iranshar, "Damen" mit Namen, auch entsprechend fertig - Tee Pause. Die Leute hier schauten aber teilweise recht dumm aus der Wäsche, typische Oasenmentalität war unser fachmännisches Urteil. Es wurde aber mehr als eine Tee Pause. Der rechte Hinterreifen nämlich bekam urplötzlich das heiße Zischen. Ein Ventil oder besser: das Ventil, hatte sich am Mantel aufgescheuert - Opfer der Piste. Der Reifenwechsel wurde vor einer Militärstation ausgeführt, wo von uns von starker Hand wenigstens der ärgste Pöbel vom Hals gehalten wurde. Während UlKa einem alten Manne die Augen verarztete und JöJa mit Dorflehrern Kontakt aufnahm und sein Hobby, mit Militärs ins Fachgespräch kam, konnte ich sehen, wie hier eine Blume von Mädchen in einem Jeep mit Fahrer und einem bewaffneten Soldaten Bedeckung zu einigen Häusern gefahren und wieder abgeholt wurde. Die höheren Klassen sind halt überall schon auf der Höhe ihrer Zeit, zumindest in äußeren Dingen. Die Kleine sah nämlich recht europäisch aus, UlKa hatte sich total verausgabt, so durfte ich die 32 km bis Iranshar fahren, wo wir den Alten Belutschen absetzten und wieder Gefangene der örtlichen Polizei wurden, die sich hier schon dreist viel Zeit nahmen. Wenigstens waren sie immer ausgesucht höflich, auch wenn wir aus unserem Unwillen keinen Hehl machten. Noch 34 km bis Bampur. In diesem kleinen Ort, so hatte uns schon Hosseyn Arefmanesh erzählt, sollte eines der 67 Sherkats sein, mit einem Chef, der ebenfalls in Gießen Landwirtschaft studiert hatte. Hieran klammerte der Leidende unter uns alle seine Hoffnungen.

Wie ärgerlich für ihn, als gleich nach Iranshahr die Ladekontrollampe der Batterie aufleuchtete und auch gar nicht wieder verlöschen wollte. Den Fehler konnten wir auch nicht finden. Wer wusste auch, was da nicht alles kaputt sein sollte. UlKa und ich, die wir ohnehin nicht auf einen begeisterten Empfang in Bampur rechneten, waren für ein Verbleiben in der Einöde, während JöJa durchdrückte, dass diese letzten Kilometer von der Batterie gespeist wurden. Das Projekt war sogar noch vor Bampur. Ich konnte die Bezeichnungen noch entziffern. Nach einigem Suchen, bei dem die Frage nach dem Chef wieder Wunder wirkte und alle Leute willfährig machte, fanden wir dann den Herrn Abdullah. Ich hatte ihn gar nicht für den Chef gehalten, sondern wollte ihn gerade nach selbigem ausfragen, als die überraschende Frage: "Sprechen Sie Deutsch?" von ihm kam. Er wollte eigentlich an diesem Abend nach Mashad fahren, und überhaupt waren wir wohl nicht sehr gelegen, weil er ja auch noch nichts vorzuweisen und anzubieten hatte, so wie etwa die Leute im erfolgreichen etablierten Shahabad. Aber da wir von Herrn Arefmanesh kamen und JöJa krank war, kamen wir dennoch unter, und während wir ihn über das Projekt ausquetschten, wie wir es gewöhnt waren, gab er sogar für jeden eine Flasche Bier aus, von denen er einen ganzen Kühlschrank voll hatte. Sogar Abendbrot bekamen wir noch, wenn auch kärgliches. überhaupt ist hier nicht alles so rosig wie in Shahabad. Chorassan ist Urpersien, hier aber sind die Perser fremde Kolonisatoren. S.B. ist bereits 6 Jahre alt, hier sind erst 2 Jahre seit der Gründung vergangen. S.B. kann in Gonabad oder Mashad auf den Markt gehen, hier ist die Vermarktung ungleich schwieriger. Zahedan ist ein kleines Nest mit 40.000 Einwohnern und sehr schwierig zu erreichen. Nach Mashad und Yazd führen nur saumäßige Pisten, die alles Obst und Gemüse unterwegs wertmindern und stark verteuern. Die Umgebung ist so sehr Selbstversorger, dass man teilweise nicht einmal Eier kaufen kann. Um Ersatzteile zu holen, muss man 1.500 km nach Mashad fahren, die Strecke Hamburg - Rom, und das auf Piste. Nun, wir haben noch vieles erfahren, aber das schreibe ich unter morgen. Inzwischen singt UlKa ein Lied über seinen Gesang:

Die Datteln werden am Baume sauer
Und die Milch vertrocknet im Euter
Und das Öl gerinnt im Motorblock
Und die Suppe gefriert auf dem Feuer...

...wenn UlKa singt.


Briefe 1 ...

Auf der Piste zwischen Chash und Bampur, den 10.03.74

Also mein liebes Kleines!'Wir sind auf dem Weg ins sonnige Chabahar am indischen Ozean. Letzte Nacht ging es mir genauso dreckig wie JöJa, der ja bereits seit Shahabad sehr krank ist und sich kaum rühren kann. Ich fühle mich aber wieder blendend, ich habe anscheinend nur ein bisschen Zug bekommen.

Wegen JöJa laufen wir jetzt erst einmal Bampur an. Das ist ein anderes Landwirtschaftsprojekt mitten in Belutschistan, dessen Leiter nach Aussage von Hosseyn ebenfalls in Deutschland studiert haben soll. Wir werden versuchen, den JöJa dort wieder hin zu stauchen. Dann wollen wir erst einmal im äußeren Zipfel Irans Badeurlaub machen. Von dort werden wir nach Möglichkeit noch einen Abstecher per Schiff nach Oman/Maskat machen. Ansonsten brechen wir rechtzeitig Richtung Shiraz auf, da wir ja noch vorm Nouruzfest dort sein wollen, um noch persönliche Kontakte knüpfen zu können. Bis jetzt ist das ja gut gelaufen. In Birjand waren wir einen Tag beim Bankdirektor von Shahabad zu Gast, wo es einen richtigen Reiskuchen gab. Es war dort einfach formidable. Der Vater vom Direktor hatte eine große Münzsammlung, aus der ich erst einmal einige antike Stücke aufs Foto bannte. Auf jeden Fall entging mir dadurch das phantastische Frühstück. Nun ja, von ihm bekamen wir auch nun die Adresse eines befreundeten Direktors in Shahabar.

Wir schlagen uns von Einladung nur so durch. Zwischendurch machen wir Fastenkuren, d.h. unser kleiner Teufel und ich essen nur Frühstück, also eine Mahlzeit am Tage - Ich habe trotzdem. zugenommen! - JöJa dagegen, unser krankes Huhn, isst noch 5 bis 6 mal zwischendurch, na ja! Wir stehen hier mitten in der Wüste, ringsum nur Steine, Kies, Sanddünen gibt's nicht, nur Geröllhalden. Es ist ein unheimlich gutes Gefühl, hinten im Wagen zu liegen, schön mollig im Schlafsack, durch den Ohrhörer quillt John Mayall und draußen zieht die bizarre Landschaft von Schlaglöchern unterbrochen - ruhig vorbei. Das ist schon ein duftes Land. Die Sonne scheint jetzt permanent. Sind eigentlich fertige Filme von mir angekommen?

Die Sonne sticht mir durch die Panzerluke ins Auge. JöJa liegt schon wieder hinten, lässt sich bedienen und stöhnt. Er ist manchmal doch wie ein großes Kind, will seine Medizin nicht nehmen oder verschludert sie, und dann hängt er wieder mir am Rockzipfel und will was gegen Schmerzen haben. Eben waren zwei Perser bei uns. Wir saßen auf unserem Teppich mitten in der Wüste, und da konnten sie nicht umhin, nachzusehen, was das doch für seltsame Vögel seien. Es waren zwei Bauingenieure, die hier die neue Straße bauten. Wir luden sie natürlich zum Cay ein. Wir sind jetzt wieder auf Piste, ich sitze vorne auf dem Beifahrersitz und habe die Schreibmaschine auf dem Schoß. Die Piste ist mörderisch, ich komme nur langsam voran. Unser Rücklicht ist kaputt gegangen. Wir mussten eine völlig neue Konstruktion bauen, unsere hinteren Stoßdämpfer sind infolge permanenter Überladung - JöJa liegt hinten - hm - auch schon hinüber. Ansonsten läuft der Wagen wieder ausgezeichnet. Es ist aber ein einziges Gerappel, eben kam wieder mal ein ausgetrocknetes Wadi, was mir bald die Maschine aus den Händen geschlagen hätte. Es ist schon eine Scheißfahrerei hier. Wie steht's Zuhause, hältst Du Dich an Deine Treueschwüre? Oder bin ich schon passé? Ist Mutti wieder Zuhause? Und wie steht's sonst so? Ich vermisse Dich halt doch hier. Scheiß Piste. Ja nenne mich jetzt besser Hosseyn nannte mich ULI MESCHEDI, da es mir gelungen war, in das innere Heiligtum in Mashad Vorzustoßen. Du kannst das später alles ganz genau im Tagebuch nachlesen. Deshalb mache ich hier Schluss, die Straße nähert sich wieder den Bergen und wird dementsprechend immer schlechter.

In love,

Dein Schnurpsel

XXX

P.S. Ich habe leider keinen Stift zum Unterschreiben vorne. Du nimmst mir diese Unpersönlichkeit doch nicht bös?

Wenn UlKa singt?!

Das habe ich nun nicht gedichtet, in meiner Version hieß es nach der Melodie von Gershwins Summertime ... wenn JöJa’s Stroganoff stinkt ...

Nun habe ich aber mit JöJa's Hilfe einen Unimogsong á la "Hoch auf dem gelben Wagen" gedichtet: betitelt.


Auf der Piste

Nach Süden, da lang ...

-

Zu singen als Blues, aber auch zur MeIodie Hoch auf dem gelben Wagen möglich!

Idee: JöJa Text und Musik: UlKa


1974-03-11. Seltsames Beluchistan

Der gelähmte Riese ...

Morgens nach dem Frühstück führte uns, d.h. UlKa und mich der zweite Chef, ein Pflanzenpathologe, durch die Pflanzungen. Ein Teil des Projektes ist bereits 15 Jahre alt und zu einem herrlichen Garten geworden, mit riesigen Laub- und Dattelbäumen. Die Sonne war draußen schon recht heiß hier unter den Bäumen aber war es angenehm kühl. Mich wunderte doch, dass der Chef nicht hier unter den schattigen Bäumen wohnte, sondern draußen auf dem freien Acker, wo es doch im Sommer hübsch warm werden konnte - bis zu 60° im Schatten und in der Sonne noch viel mehr. Aber Abdullah war halt nicht der starke Mann, wie es Hosseyn war. Er schien leichter schwermütig zu werden und hatte im Wesentlichen nur eine Idee. Weg von hier und ins gelobte Teheran. Seine gesamte Wohnungseinrichtung strahlte schon durch ihr Nichtvorhandensein eine rechte Feldlageratmosphäre aus. Die anderen Verbannten hatten sich da besser eingerichtet.

Es fehlen hier ohnehin permanent Fachleute, da nur wenige den Sommer hier aushalten. Die ganze Station befindet sich noch im Versuchsstadium, und die meisten Felder sind noch nicht bebaut, weil man noch dabei ist, herauszufinden, welche Sorten hier am besten gedeihen. außer den Dattelpalmen, die hier so gut wie sonst nirgendwo im Iran gedeihen, und von denen das Projekt, das insgesamt 33.000 ha umfasst, ∼ 40 ha besitzt, werden ∼ 40 verschiedene Weizensorten und z. B. 10 Gerste Arten getestet, neben vielem anderen. Große Hoffnungen werden auf Tomaten gesetzt, die hier 2 Monate früher als in anderen Orten des Iran geerntet werden können. Allerdings ist dann wohl eine bessere Verbindung auf Asphaltstraßen von Nöten, wenn die Tomaten nicht als Ketchup in Mashad oder Teheran ankommen sollen. Ansonsten wird an Gemüse beispielsweise noch getestet:

In der Wüste gibt es keine Küste ...

Die vierjährigen Dattelpalmen waren hier fast doppelt so groß wie die kindlichen Dinger gleichen Alters in Tabbas. Der ganze Gartenbau hier ist natürlich nur möglich, weil der Bampur-Fluss genug Wasser liefert.

Abdullah hat 4 Jahre in Shahabad gearbeitet, bevor er hierher kam. Aber er ist vielmehr Perser geblieben als Hosseyn und redet nicht so viel von seiner Studienzeit. Wahrscheinlich hat er es schwerer gehabt.

Zum Mittagessen wurden wir in ein anderes Haus gebeten. Es gab einen großen Berg mit zerlaufender Butter gefetteten, angebackenen Reises, dazu Hammel. Hier saßen auch gleich die richtigen Leute beisammen. Der Chef der Werkstatt war auch dabei. So konnten wir gleich nach dem Essen in die Werkstatt fahren, wo uns die Leute allerdings nicht helfen konnten, weil niemand etwas von Autoelektrik verstand. Wer hier nicht Perser sondern Belutsche ist, kann getrost als ungebildet angesehen werden. Eine von den Typen hier sprach etwas Italienisch, was uns im ersten Augenblick leicht verwirrte, denn er sah auch etwas wie ein Italiener aus. Sein Italienisch war nach dem überraschungsangriff aber so schlecht, dass wir ihm mit einigen Lateinismen Glauben machen konnten, wir seien Italiener.

Den Fehler in der elektrischen Anlage fanden wir nur durch Zufall. Das dicke wasserdichte Kabel von der Lichtmaschine zum Regler war defekt. Wir merkten es daran, dass mit dem Ersatzkabel die Ladekontrolllampe verlöschte. Die Rücklichthalter wurden etwas gekürzt und wieder angeschweißt, die Kupplung nachgestellt, die Spiegelhalterung repariert und eine abgebrochene Hupe wieder angebracht. Wie gut, dass wir öfter eine kostenlose Werkstatt hatten, sonst hätte es mit den Finanzen traurig ausgesehen. Gut auch, dass wir viele Ersatzteile dabei haben. Die bisher relevanten, z. B. Thermostat und Wasserthermometer allerdings haben wir Zuhause in Deutschland liegen lassen. Abdullah verabschiedete sich bald, weil er nun endlich nach Zahedan fahren wollte. Gestern konnte er nicht mehr, weil wir ihn aufgehalten hatten, so dass die Bank von der er noch Geld brauchte, schon geschlossen war.

Nun, der war doch sehr froh, wieder wegzukommen, und wir waren froh, weil wir noch eine Nacht in seinem Hause bleiben konnten. Vielleicht gibt er wieder einige 1.000 DM auf einmal aus. Hier gibt es gar keine Gelegenheit, das Geld los zu werden. Abdullah arbeitet von früh bis spät und hat so kaum Zeit fürs Vergnügen, aber zu kaufen gibt es hier auch kaum etwas. Nicht einmal Schuhe oder Würfelzucker, einfach gar nichts.

Nach der Reparatur fuhren UlKa und JöJa nach Bampur hinein, um Pepsi Cola zu kaufen. Wie bekannt ist UlKa ja ein großer Pepsi-Fan. Ich trollte mich derweil in der würzigen Luft des nächtlichen Gartens. Wir durften zwar noch im Hause bleiben, aber die Zeit der Vollpension schien doch vorüber. Nun, darauf waren wir nicht angewiesen. Eine Dose Ravioli rettete den Abend. JöJa konnte es sich aber doch nicht verkneifen, in das hell erleuchtete Fenster des Zimmers zu sehen, in dem wir heute Mittag gegessen hatten. Was er dort sah, ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen. Riesige Reisberge mit Hammelfleisch und alle Leute am mampfen. Nun, wenn das so ist und die uns nicht einladen können, dann bedienen wir uns halt an deren Bier, war darauf die einhellige Reaktion, worauf UlKa auch gleich drei volle Flaschen holte. Hinterher zu fortgeschrittener Stunde überkam uns dann noch die Reue, und wir beschlossen, im Gegenzug einige E-Pa-Dosen hier zu lassen. Der Abend ging erst zu Ende, nachdem UlKa noch einige schauerliche Gesänge in dem Gewölbe unseres Gemaches hatte erschallen lassen.

1974-03-12 Als der Windflügel den Kühler küsste ...

Tröpfel, tröpfel, tröpfel ...

6 Uhr 30 klingelte der Wecker. JöJa war nämlich gestern in der Krankenstation des Sherkats gewesen, und der Arzt hatte ihn für heute früh nach Iranshahr ins Krankenhaus bestellt. So sitzen wir also hier in Iranshahr und warten auf die Ergebnisse von JöJa's Blutuntersuchung, die 12 Uhr bekannt gegeben werden sollen. Wir wissen jetzt übrigens, dass wir hier nicht mehr die einzigen Touristen sind. Zwei Franzosen mit einem R4, die wir schon in Isfahan gesehen hatten und die auf ihrem Wagen irgendeine Route mit Sistan aufgemalt hatten, fahren in die gleiche Richtung. Zur Zeit warten wir auf JöJa, der in die Stadt entfleucht ist und lassen uns von den Fliegen plagen. Jetzt geht’s weiter mit der Rödelei ...


Der Preliminary Rödel Report, Teil 2

Also, ich weiß ja nicht, wie viele Wochenenden ich mir da bei Günther um die Ohren geschlagen habe, aber das wollte ja der WoZi mal alles in Prozenten ausrechnen, Aber das klappte wie so vieles nicht. So eröffnete er uns erst in Bulgarien die verfahrene finanzielle Situation, dass die Visa nicht gekommen waren, erfuhren wir 5 Tage vor Abfahrt, wenn er nicht genauso wie HoWa durch Abwesenheit in Bevensen glänzte, so bestand doch seine Tätigkeit im Wesentlichen in der sogenannten theoretischen Vorbereitung und im Stückeln von Styropur, mit dem wir den ganzen Innenraum auskleideten. Um meine Freundin nicht jedes Wochenende allein lassen zu müssen, habe ich sie einmal zum Basteln mitgenommen. Sie hat das Auto und besonders sich dann in drei Schichten mit Farbe versehen. wir haben dann bei JöJa übernachtet und auch den Sonntag noch durchgerödelt, so dass wir erst sehr spät in Hameln ankamen, wo sich Angelika prompt den ärger ihrer Eltern zugezogen hatte, da sie es mal wieder nicht für nötig befunden hatte, dieselben darüber zu informieren, dass sie das Wochenende bei mir zu verbringen gedachte. Na ja, hier muss denn auch erwähnt werden, dass ich mir besondere Lorbeeren durch den fast vollständigen Teerüberzug des Wagens verdient hatte. (1) Dieses wurde aber bisher nicht genügend gewürdigt. Am besten habe ich noch die vorletzte Nacht vor der Abreise in Erinnerung, und zwar deshalb, weil ich sie zum Tage gemacht hatte. JöJa war noch in Göttingen und musste noch von Texaco öl und von der BW E-Pa's holen, so dass ich gegen 3 Uhr begann, den Wagen zu bearbeiten. Meine Klamotten waren schon inside, da ich nicht mehr gedachte, die Leute Zuhause noch mal mit meiner Erscheinung zu beehren. So baute ich denn mehrmals die Lichtmaschinen aus, legte Lichtleitungen, reparierte Schlösser, baute Riegel ein, legte eine neue Batterie an, etc. und ehe ich reich versah stand Günther vor mir und meinte ich solle man die Werkstatt erst einmal räumen, da um 8 sie wieder Traktoren reparieren müssten. Na ja, ich Besorgungen gemacht, JöJa abgeholt und wieder in die Werkstatt so gegen 5. Wie die Geschichte weitergeht, steht zu Anfang dieses Tagebuchs. Im Endeffekt habe ich da wohl 48 Stunden durchgebastelt. Eine andere Story ist noch unsere TüV-Abnahme. Wir hatten ein bisschen Muffe wegen der Neutypung und weil der Wagen eben doch noch nicht ganz so war, wie er sein sollte, z. B. die Handbremse haben wir erst auf dem Platz dort richtig festgeknallt, so standen dann JöJa und ich erst einmal eine oder auch zwei Stunden an. Wir hatten schon wieder Samstag/Sonntag durchgemacht und waren dementsprechend müde. Dann bekamen wir noch einen beschissenen Prüfer. Wegen folgender Mängel sollten wir dann noch mal dort erscheinen ...

  1. Rücklehne für Personenmitnahme zu niedrig,

  2. Rechter Scheinwerfer verkanntet,

  3. Bescheinigung einer Mercedes-Vertragswerkstatt über Fahrgestellnummer, Motornummer, PS-Zahl und Typ,

  4. Wohneinrichtung vervollständigen, da sonst keine Neutypung!

Lauter kleine Einzelteile ...

Dieser Spinner! ! Wir wieder nach Bevensen gebrettert und die ganze Nacht durchgewerkelt. Abends noch zu Mercedes, die Bescheinigung brauchten wir dann nur noch am nächsten Morgen abholen, Scheinwerfer reparieren 5 Minuten und dann haben wir nur noch die Rücklehne und einige andere Sachen gebastelt, Schlafwagen gerödelt und gleich im Auto übernachtet. Morgens haben wir es dann ganz diplomatisch gemacht. Wir haben das Bett einfach gelassen und sind wieder zum TüV gefahren. Dort mussten wir wieder bis Nachmittag warten, dann bekamen wir aber auch einen anderen Prüfer. Dieser guckte ganz erstaunt, als er das Bett sah, blickte auf den Mängelbericht und fragte nach der Rückenlehne. Da haben wir dann innerhalb von drei Minuten den Wagen umgerödelt. Der Mann war so begeistert, dass er sich an unseren Tisch setzte und den Wagen hinten gleich für 4 also 2 Personen mehr zuließ. Beglückt entkamen wir aus Hannover. Eine andere Geschichte, die viel Zeit, Geld und km gekostet hat, war das defekte Getriebe. Ich habe zum Beispiel 450 km und einen Tag nur darauf verwandt, das Getriebe nach Göttingen in die Werkstatt zu schaffen. Ich hoffe ja, dass JöJa auch noch einen technischen Rödelreport über die ganzen Schwierigkeiten mit den Ersatzteilen, den Mucken, über die Werkstatt, über Günther, ohne den wir wahrscheinlich noch gar nicht hier unten in der Sonne wären, über den Bund, über Kraftczick, über Texaco, über die Planung mit Oman und Belutschistan, na ja, ich hoffe, ich habe ihm genug Anregungen gegeben und mache deshalb erst einmal Schluss.

UlKa - Iranshahr, 11.03.1974

vor einer Reifenwerkstatt


Nun also weiter in Iranshahr. Als JöJa von seinem Stadtbummel zurückkam, beschlossen wir gemeinschaftlich demokratisch, dass wir jetzt Zeit hatten und diese zu nützen sei. Eine Aufgabe offenbarte sich uns in Form unseres defekten Reifens, der ja auch geflickt sein wollte. Ein arbeitsloser, aber ansonsten wie ein Arbeiter aussehender Iranshahrnik hatte sich zu unserem Führer, Freund und Helfer aufgeschwungen und führte uns hin zu einer Reifenwerkstatt, nachdem er meinen beiden Begleitern zu ihrer unvermeidlichen Pepsi verholfen hatte. Reifenflicken kostete 10 Toman = 4,- DM, was ich nicht für billig erachte. Die restliche Zeit bis zur Enthüllung des Geheimnisses über JöJa's Blut beschlossen wir vor dem "Birmarestan", dem Krankenhaus zu warten. Während sich JöJa drinnen mit den Ärzten und Krankenschwestern trollte, ergingen UlKa und ich uns in den archäologischen Sehenswürdigkeiten, die uns um Shiraz erwarten sollten.

Hiiiiilfe ....

Schließlich kam doch JöJa, einen Zettel schwenkend, mit der Nachricht, man müsse jetzt nur noch kurz wieder nach Bampur, um dem dortigen Arzt, der unseren Riesen ja überhaupt erst hierher geschickt hat, diesen Wisch zu zeigen. Nun, also wieder auf der Scheißpiste bis Bampur, auf der JöJa die letzten vorhandenen Knochen noch einmal gründlich durchgerüttelt wurden. In der Krankenstation Bampur lungerten einige Belucho-Perser herum, vom Arzt keine Spur. Ja, der wohne doch in Iranshar und komme erst in 1 -2 Tagen wieder her, hieß es da. Na ja, dann eben nicht, wutentbrannt unter schrecklichen Flüchen stieg Big Rödel ins Auto weiter Richtung Chah Bahar. Dort haben wir ja etwas für den Direktor der Landwirtschaftsbank, dort werden wir sicherlich gut aufgenommen. In Bampur-City standen die beiden Sistan-Franzosen. Na, weit waren sie ja nicht gekommen, entweder hatte man sie schon davon überzeugt, dass mit Char Bahar nicht viel los sei, oder sie waren schon umgekehrt, oder aber sie hatten unheimlich viel Zeit. Ach so, soeben wird mir Von gewöhnlich gut unterrichteter Seite verlautbart, dass JöJa in Iranshahr seine "Djui-Premiere" hatte.

Er stieg, da er ja eleganterweise immer mit dem Hinterteil aus dem Wagen aussteigt und dort bekanntlich nur blinde Flecken aber keine Augen hat, mit der Grazie eines Nilpferdes in einen Djui, einen der typisch orientalischen Straßenbegrenzungsgräben. - Die Fahrt ging zuerst durch eine flache Landschaft mit lichtem Baumbestand, die persische Form der Trockensavanne. Das waren auch für mich, der ich schon fast alle Winkel des Iran kenne und schon 4 x hier war, ganz neue Landschaftsformen. Ich finde übrigens, dass eine solche leicht bewachsene Landschaft viel eher verlassen und öde aussieht als eine echte Wüste, weil hier nämlich die Weite der Landschaft fehlt und der Blick sich nicht am Horizont hält sondern in dem Baum- und Strauchgewirr verliert. - Links und rechts aber konnte man schon Berge sehen. Wir fuhren also in einem großen fossilen Flusstal. Nach der Karte aber mussten wir dieses bald verlassen, um die letzte Küstengebirgskette zu queren. Zunächst führte der Weg durch ein Dünengebiet. Teilweise war die Straße einfach über die Dünen gelegt, teilweise führte sie sorgfältig drum herum.

Dieses hier war die Landschaft Makran, die politisch zu persisch-Beluchistan gehört. Es sind schon merkwürdige Leute, die hier wohnen. Sie sehen nicht wie Pakistani, nicht wie Afghanen, nicht wie Inder, Araber oder gar Perser aus. Sie haben wie die ganze Landschaft etwas Urtümliches an sich, als sei die Zeit seit Sumer stehengeblieben. Einige Typen hier könnte man genauso gut in der südlichen Sahara treffen, andere sehen aus wie die unteren indischen Kasten, mit leicht weddidischem Einschlag, wieder andere gleichen den Leuten auf Bildern von einigen südarabischen Stämmen. Seltsame Bewohner, seltsame Landschaft. Mit den in leuchtendes Rot oder Orange gekleideten Frauen, die Kleidung erinnert wie auch teilweise die Landschaft an Rajastan in Indien, nimmt sich das Land ganz und gar unpersisch aus. Nach Durchfahrt einer dieser zeitlosen Datteloasen, mussten wir durch eine schwierige Stelle, wo wir sehr langsam fahren mussten. Hier kauerten einige in bunte Lumpen gekleidete alte Weiber, offenbar blind, an strategisch günstiger Stelle. Als sie unseren Wagen hörten, reckten sich aus diesem erbärmlichen Knäul vertrocknete Hälse und dürre braune Hände, wie die Arme einer einzigen Schlingpflanze in die Höhe, begleitet von einem rostigen Kreischen. Eigentlich bin ich ja recht abgebrüht, aber hier lief mir doch ein Schauer über den Rücken. Augen zu und Fuß aufs Gas. Es hat wahrscheinlich die Landschaft mitgeholfen, die allein schon recht beklemmend wirkt. Hier wieder fühlten wir uns wegen des Pflanzenbewuchses in das mexikanische Altiplano versetzt. Seit einiger Zeit schon war am Wagen ein verdächtiges Geräusch zu hören. Dieses Geräusch kannte ich sehr wohl. Es war der Windflügel, der am Kühler schrabbte. Das konnte nicht ewig so weitergehen. So suchten wir uns ein Plätzchen für Abendbrot und Reparatur.

So, der HoWa stürzt sich jetzt in die Wellen des indischen Ozeans, und deshalb schreibe ich, UlKa, jetzt weiter. Also ich begab mich an diesen Ort, der sich irgendwie schon mit negativer Bedeutung in einem meiner Träume niedergelassen hatte, ich dachte zwar wegen der Landschaft eher an einen Apachenüberfall, hinaus und schoss ein paar Sierrafotos inklusive Abendrot, die anderen aßen derweil Abendbrot. Reimt sich gut, was?

Wir schraubten dann mit aller Gewalt das Führerhaus fest und kamen zu der Ansicht, dass der Kühler somit auch genug gesichert sei, wobei ich dann von HoWa den Auftrag erhielt, das Kabel, das zum Festbinden gedacht war, wieder wegzurödeln. Dann fuhr ich los, JöJa lag hinten, und HoWa saß vorne bei mir, und zusammen hingen wir Träumen von Oasen, Geländefahrzeugen etc. nach, wohingegen JöJa wahrscheinlich von fleischlicheren Gelüsten träumte. Dann kamen wir ins Gebirge, und JöJa kam nach vorne, wohingegen HoWa sich in mein Schwedenfell stürzte und auf dem Dach Haltung bewahren versuchte. Die Landschaft wurde immer grandioser. HoWa beschrieb mir die Fahrt so: Also, das Dach schwingt unheimlich von rechts nach links und zurück. Ich sehe nichts außer der Strafe, bestehend aus einer Spur. Links steigt die Felswand lotrecht empor, rechts fällt sie ins Bodenlose. Und dann die Serpentinen. Mal hatte ich das Gefühl, an der Wand zerrieben zu werden, mal in einer unterhöhlten Kurve in die Schlucht geschleudert zu werden. - Tja, die Strecke war abgesehen von den Schlaglöchern schon grandios. Ab und zu tauchten dann Oasen im Talgrund auf, und die Straße schraubte sich höher und höher.

Und dann kam es. Das typische Schabegeräusch trat wieder auf. Ich stieg aus, konnte aber nur feststellen, genügend Abstand zwischen Kühler und Windflügel. Dies erwies sich Aber als Trugschluss. 500 m lief der Wagen ohne jegliches verdächtiges Geräusch. Dann machte es kng, kng, kng, krrrrabbbbtsch ..... klöterrötöterklöpöter!!!!!!!! Und dann drip, drrrrripppp-dripschschsch. Dieses Geräusch war nur zu hören, da ich den Motor gleich abgestellt hatte. Zu unserer Beruhigung nahm dieses gefährliche Geräusch Aber auch schnell ab. Tja, meinte ich, und guckte wie immer unwissend und herausfordernd den Rest der Bagage an. JöJa meinte müde und lakonisch: "Guck mal rein, da hat bestimmt der Windflügel den Kühler geküsst! Ich muss ihm Recht geben, auch unser Kühlwasser hatte sich inzwischen aus dem bzw. in den Staub gemacht, und der Kühler sah reichlich zerknutscht, pardon zerknautscht aus. Tja, und dem Windflügel war auch einer abgegangen - nämlich eine Schwinge, welches ihm ein leicht abstraktes funktionsungetreues und asymmetrisches Aussehen gab. Nun ja, frohen Mutes den Ersatzkühler vom Dach gerödelt und' eingebaut und den Wagen probeweise gestartet. Tja, da stellte sich heraus, dass der Windflügel röhrte und der Kühler wieder anfing zu drippeln und sich Stimmen Ober einen Notverkauf hörbar machten. Da war es dann soweit, dass ich all meinen ärger erst einmal artikulieren musste. Was ich hier nochmals tun werde.

Also, ich bin der Meinung, dass das Auto sich zu einem finanziellen Ungetüm entwickelt hat. Die Kosten sind immer nur gestiegen. Ich darf hierbei auf die ersten Seiten des Tagebuchs verweisen, auf denen sich die ganze finanzielle Fehlplanung zeigt. Nun ist kaum noch Geld für Sprit in der Kasse, und die Reparaturen beginnen sich zu häufen! Das heißt für mich persönlich ist der Effektivitätsgrad zwischen den Sachen, die ich sehen will und dem Kapital, das ich dafür aufbringen muss, überschritten. In Kültepe Kanish sind wir nachts vorbei gefahren, Topprakkale war eingeschneit, in Hoschup sind wir nachts durch, dann war geplant, dass in der Zeit, wo JöJa das Landwirtschaftsprojekt untersuchen wollte, ich mit HoWa und dem Wagen die Fundplätze in den Bergen im Norden Irans, Richtung Maschad und Nishapur, besuchen sollte, was aber wegen der andauernden Reparatur ins Wasser, bzw. ins Qanat fiel. wegen JöJa's Krankheit sind wir dann auch ohne links und rechts gucken zu können - Kuh Khvadhjah - durch Sistan und Belutschistan gefahren.

Zum andern ist unsere Gemeinschaft permanent am zerbröckeln, die ewige Rödelei versauert die Stimmung, und die Piste ruiniert den Wagen. Das ganze wurde mir dann zu unsicher und auch zeitlich zu knapp bemessen, so dass ich beschloss, mich bis Shiraz abzusetzen, dort Nou Ruz zu verbringen und mir wenigstens Fars eingehend ansehen zu können. Deshalb wollte ich meine Sachen packen und per LKW zurück nach Bampur, von Bampur nach Bam und von dort nach Shiraz, sollten doch die anderen zusehen, was sie mit der Scheißkarre machten, denn an dieser Gegend und an dieser Piste reizte mich nicht die Bohne, wenn wenigstens JöJa gesund und die Stimmung etwas besser gewesen wäre. Aber so. Na ja, ich bin doch noch hier. Das nur weil man mir zugesichert hat, folgende Sachen zu sehen: Firuzabad, Qala i Dukhtar, Istakhr, Naqsh i Rustam, Persepolis, Pasargadae, Sarvistan, Bishapur. Auf dem Rückweg entweder (wenn wir ein Visa bekommen) Ur, Uruk-Warka, Babylon, Ktesiphon, Assur, Niniveh, (Hatra, Karchemish, Dura Europos - je nach Straßenverlauf) oder wenn wir durch den Iran zurück müssen Susa, Tschoga Zambil, wenn ich's finde - Shustar, vielleicht noch einiges Urartäisches und auf jeden Fall Kültepe Kanish, vielleicht kann ich ja die Jungs noch überreden, einen kleinen Umweg zur Küste nach Troja zu machen. Für kommende Reisen bleibt für Iran und Irak genügend über, wie Shanidar, Jarmo, überhaupt die ganze Frühzeit bis zu Nush i Jan, dann die ganzen anderen großen Sachen, wie Takht i Suleiman und die vielen laufenden Grabungen z. B. Bastem. Nach Möglichkeit möchte ich auf dieser Reise auch noch was Hethitisches sehen z. B. Karatepe oder Hattuschas, das ich auch als Ersatz, wenn wir eine andere Route fahren, für Kültepe-Kayseri hinnehmen würde. Na ja, ich werde den Jungs in dieser Hinsicht noch zusetzen.

Meine nächste Reise wird dann Türkei und Syrien-Palästina umfassen, die darauffolgende Türkei noch ein bisschen und dann nur Norden Irans, Aserbeidschan bis hinüber nach Gorgon, dann der Norden Afghanistans und runter zum Indus zu meinem Traumziel dieser Reise − Mohendjo Daro. Allein es gibt hier so viele archäologische Sachen, dass man jedes Jahr hierher fahren müsste. Aber die Zeit und das Handikap des Wagens und die anderen Leute, denen man nicht so viel nur Archäologisches zumuten kann, so nur von Grabung zu Grabung, na ja, auf jeden Fall aber habe ich jetzt erst einmal einen Überblick gewonnen Ober die Gegebenheiten wie Klima, die Entfernungen, die Leute etc. Ich brauche jetzt nicht mehr theoretisch die Landkarte ansehen, ich habe jetzt immer ein Bild vor Augen, und das ist schon sehr viel wert. Insofern hat die Reise doch ein bisschen Sinn für mich, aber ansonsten haben sich meine Erwartungen in meiner Richtung nur mangelhaft erfüllt, das Ganze war mit Belutschistan und dieser Scheißkarre doch zu aufgebläht. Zum anderen freut mich, dass ich hier die Möglichkeit habe, viele Leute kennenzulernen, bei denen ich später mal unterkriechen kann. Soweit für heute und für den letzten Tag.

Das also waren seine inneren Beweggründe. Rein äußerlich bot sich das Schauspiel nicht so klar da. Als sich nämlich herausstellte, dass der neue Kühler ein Scheißkühler war und aus lauter Angst vor seiner Verantwortung das Wasser nicht halten konnte, dass wir mit dem nunmehr 5flügeligen Ventilator nicht fahren konnten, wenn wir nicht ein Kurbelwellenlager riskieren wollten, da verlor UlKa aus angegebenen Gründen plötzlich Mut und Lust. Er müsse erst mal weggehen, um mit sich ins Reine zu kommen. "Du Arschloch, Dich vor der Verantwortung und Arbeit drücken! Das geht aber nicht! Komm sofort her, sonst haue ich Dir eins in die Fresse, dass Dir Hören und Sehen vergeht!! war dazu JöJa's kraftvolle Äußerung. "Mach doch! Mich stimmst Du damit nicht um. außerdem kannst Du Dich ja doch kaum rühren!" kam es trotzig zurück. Sprach's und verschwand in der Finsternis. Mit Mühe konnte ich den wutschnaubenden Wikinger, der drauf und dran war, alles in Reichweite Befindliche, das irgendwie nach UlKa aussah zu atomisieren, davon überzeugen, dass es doch besser sei, die Sache in Ruhe zu durchdenken, da wir doch zumindest bis Chah Bahar alle in der gleichen Scheißkarre saßen.

So viel Schuld hat übrigens der Wagen nicht. Der Kühler ist nämlich nie ordnungsgemäß festgemacht worden. Als ich ihn damals in Deutschland an seinen Platz steckte, war es bereits Sonntagabend II Uhr 35, und ich musste schleunigst nach Hause, denn ich hatte noch 100 km mit meinem Unimog nach Haus zu fahren. Ich setzte JöJa allerdings von dem halben Erfolg des Kühlereinbaus noch in Kenntnis. Das kann allerdings genauso gut im Getöse untergegangen sein. Als ich dann am nächsten oder zwei Sonntage später nachfragte, wurde mir von UlKa oder WoZi, genau weiß ich das nicht mehr, bestätigt, der Kühler sei noch befestigt worden. Der Wagen lief ja inzwischen schon. In Wahrheit aber war der Kühler nie richtig fest. Denn als wir die Strecke über Dorud nach Isfahan fahren wollten, da schliff der Windflügel zum ersten Mal am Kühler. Das haben wir dadurch behoben, dass wir ihn, also den Kühler, mit Kabel festbanden. Das klingt sehr stümperhaft, war aber so schlecht gar nicht, denn eine solche Aufhängung war wenigstens vibrationsunempfindlich. Vibrationen sind ja der eigentliche Schrecken der Piste.

In Shahabad nun erteilte UlKa mit aller Strenge den unlustigen Werkstattleuten den Auftrag, den Kühler richtig zu befestigen. Sie murksten dann auch tatsächlich etwas, und es gelang Ihnen auch, es UlKa als ordnungsgemäß unterzujubeln. Dabei war die Sicherung des Kühlers jetzt schlechter als vorher. Als wir dann bei dem letzten Halt in den Makran Ranges dem Kühler mehr Halt geben wollten, da saß dieser doch ganz dicht am Grill. Es konnte also nur das Fahrerhaus selber locker sein. Denn Motor und Getriebe sind am Chassis, der Kühler aber teilweise am Fahrerhaus befestigt. Die Gummischläuche fangen normalerweise die gegenseitigen Bewegungen ab. Als wir uns nun die Befestigung des Fahrerhauses ansahen, so war da gar keine mehr. Nur noch zwei der sechs Schrauben steckten lose und ohne Muttern in ihren ausgeschlagenen Löchern. In der nächsten Kurve hätten wir den ganzen Salat verloren und hätten im Freien gesessen, wenn wir noch gesessen hätten. So wurde also das Fahrerhaus notdürftig befestigt.

Dass der Kühler dennoch lose war, entging uns dabei. Vielleicht konnte man UlKa einen Vorwurf daraus machen, dass er bei jenem denkwürdigen Stopp 500 m vor dem Ende nicht endlich den Kühler festband. Auf jeden Fall lag hier kein Konstruktionsmangel vor, sondern es war alles unsere Schuld. - UlKa war inzwischen wieder zurückgekehrt und hatte JöJa mit der Drohung, einfach den für den Umweg über Chah Bahar vereinbarten Zusatzeinsatz von 50,-- DM zu zahlen und sich abzusetzen, ohne sein Viertel aus der Gemeinschaftskasse zu fordern, ganz klein gekriegt und leicht freundlich gestimmt. Er behandelte UlKa jetzt wie schon damals den WoZi wie ein rohes Ei. Der Gedanke, dass einer nach dem anderen absprang, war ihm nicht ganz geheuer.

Dabei war UlKa's Angebot durchaus fair, wenn auch nicht ganz im Sinne dieser Reise. Aber Wo war der? So wurde die ganze Affäre auf den nächsten Tag vertagt bzw. vernachtet. Der Wagen wurde zur Seite gefahren, und ich packte Teppich und Schlafsäcke und verzog mich 15 m tiefer an den Fluss, wo ich im weichen Sand schlafen konnte. Wenn ich im Freien schlafe, werde ich pro Nacht meist 4 -6 Mal wach, meist um eine neue Lage zu suchen oder zu frieren. Bei einer solchen Schlafpause inmitten der Nacht steckte JöJa seinen Schädel aus dem Fenster und fragte mich, ob es denn nicht losgehen könne, er könne ohnehin nicht schlafen und man müsse doch die kühlen Morgenstunden noch ausnützen. Letzteres überzeugte mich ....

1974-03-13 Makran − Gedrosien − Beluchistan, ein seltsam Land.

Giaurs ... puff ... paff ...schneller ...wrööömmm ...

... und so machte ich mich an die Arbeit. Es galt den 5., dem abgebrochenen gegenüberliegenden Windflügel des Ventilators auch noch zu entfernen, damit die Sache wieder rund lief und den Kühler mit unserem Wunderzeug abzudichten. Ersteres gelang erst nach harter Arbeit, das zweite auf Anhieb: Motor warmlaufen lassen, Teufelszeug rein, dicht!!! Nun konnte es also losgehen. Als Ersatz für die abgebrochenen 2 Flügel schaltete ich die Heizung ein, die ja auch einige Kühlleistung hat. An der ganzen Arbeit hat sich UlKa übrigens nicht beteiligt. Er hatte ja keine Lust. JöJa war ohnehin nicht zu gebrauchen, weil krank. Vorsichtig, aber relativ gut ging es weiter durch das merkwürdig beklemmende Makran. Obwohl ich mir die Bewohner gerne einmal aus der Nähe hätte angesehen, hatte ich doch Scheu, mich ihnen zu nähern.

Ich war es auch nach 6 Wochen müde, mich immer nur wie ein Weltwunder anstarren zu lassen. Man brauchte jetzt wieder etwas Ruhe. Die Ortschaften hatten hier teilweise Lehmburgen wie in Arabiens Süden. Auch Nikshahr, die Stadt, die wir noch morgens erreichten, lag an einem palmenbestandenen Wadi, das genauso gut irgendwo in Arabien hätte stehen können. Nur gab es hier noch zu viel Wasser. Vielleicht hat das Wadi Hadramaut einmal so ausgesehen. Im Sommer mag das hier mit Wasser auch anders sein. Sicherlich fasst sich die Landschaft dann an wie eine glühende Herdplatte. Auf jeden Fall scheint es mir jetzt nicht mehr absonderlich, dass das Scheichtum Oman in dieser Landschaft, allerdings auf pakistanischer Seite, ein Enklave, Gwadar mit Namen, hat. Angeblich soll es in der Nähe von Chah Bahar auch einen Fluss mit Krokodilen geben. Ab Nikshahr fuhren wir in und an einem Fluss, durch teilweise recht tiefe Furten. Die Leutchen mit ihrem R 4 hätten sicherlich einiges zu tun, um bis hierher vorzustoßen. An einer besonders schönen Stelle machten wir halt. Der Fluss war hier so flach, dass wir den Wagen in seiner Mitte parken konnten. Auf einem großen Stein, der vom Wasser nicht erreicht wurde, obwohl er inmitten der Fluten lag, breiteten wir unseren Teppich und frühstückten ausgiebig. Doch, oh weh, was entdeckten da unsere müden Augen? Der Kühler tropfte schon wieder. Nicht stark aber mit schöner Regelmäßigkeit. Das hieß also mit Wassernachgießen bis Chah Bahar. Dorthin wollte vor allem JöJa sehr schnell!, weil er sich von dem Krankenhaus und der Adresse des Bankdirektors etwas versprach. Auch wiegte er sich in dem Wahn, den ich schon damals nicht teilte, dass hier alle Reparaturmöglichkeiten vorhanden seien. So ging es denn mit vielen Kühlwasserstopps langsam voran Richtung Küste. Der Beifahrersitz war mit Wasserkanistern vollgestopft, so dass UlKa es vorzog, auf dem Dache zu sitzen. Als einmal zur Abwechslung Benzin nachgefüllt werden musste, verbummelte ich auch noch den Reservetankdeckel. Der erste war schon bei Birjand draufgegangen. (Bei meinem Unimog ist der Tankdeckel unverlierbar). Die Straße wurde so eng, dass es Schwierigkeiten bereitete, den entgegenkommenden LKWs, alles Mercedes, auszuweichen. Eine Steigung war auch dabei. Das Kühlwasser kletterte in seiner Temperatur bedenklich, Und es war schon abzusehen, dass wir oben auf der Bergkuppe wieder H20 nachgießen mussten. Hoffentlich schafften wir noch die letzten Meter ...90°...95°...96°...97°...98°... doch dann war die Kuppe erreicht. Es war da auch gleich ein Platz zum Halten.

Ich ließ den Wagen nur noch ausrollen, wobei die Drehzahl stark absackte und der Hitzestau nicht mehr recht abgeführt wurde. Da schoss auch schon die brühend heiße Fontäne aus dem Tank, den wir gar nicht erst wieder verschlossen hatten, und floss mir schmerzhaft über die Füße. So schnell war ich noch nie aus dem Wagen gekommen, trotz spitzer Steine draußen. UlKa wählte den Fluchtweg nach oben durch das Panzerluk. Aber es half nichts, ich musste wieder hinein in die Waschküche, und zwar genau so schnell, denn der Wagen rollte auf einen gähnenden Abgrund zu und drohte abzustürzen, samt UlKa und JöJa. Und ich wollte doch nicht, dass UlKa’s Träume sich partiell bewahrheiteten ....

Erst mal Pause! Hier oben halfen wir auch noch einem Armee-Gaz mit einem Liter Öl aus. Auch im Unglück gute Menschen bleiben ist unsere Devise. Apropos Devisen, mit unserem Geld sind wir auch fast am Ende.

Noch 90 km bis Chah Bahar sagte uns der Fahrer. Die Kilometer Gebirgsstrecke waren von da an schon gezählt, und es hörte auch schlagartig auf, wie mit dem Messer abgeschnitten. Dass wir nicht einfach vom Rand herunterfielen verdanken wir dem Umstand, dass wir in einem Flusstal auf die Küstenebene zusteuerten. Hier in der Ebene war es ganz besonders langweilig, mit so niedriger Geschwindigkeit einher zu tuckern, aber die Straße war hier fast noch schlechter als in den Bergen. Als wir dann auf die Küstenstraße trafen, die Straße also, die einmal Chah Bahar mit Bander Abbas verbinden soll, gab es da sogar einige asphaltierte Strecke. Ein seit über 2.500 km nicht erlebter Genuss.

Aber die Stücke waren kurz, und im Gelände mussten wir umso langsamer fahren. Das Führerhaus war wieder locker, und das Getriebe schien auch nicht mehr ganz fest zu sitzen. Jedenfalls fuhr sich der Wagen wie ein Wackelpudding. Wo wir nun eine großartige Einfahrt in den zukünftigen Starbadeort erwarteten, da hörte die Piste schließlich ganz auf, und nur mehr einige Fahrspuren, die dazu noch in alle möglichen Himmelsrichtungen führten, waren sichtbar. UlKa und ich waren uns auch prompt uneins über die Richtung, die einzuschlagen sei. Ich meinte links um den Berg, UlKa rechts um den Berg. Rechts herum muss wohl besser gewesen sein, denn links herum gingen die Spuren quer durch die Einöde. Das Ganze muss vor kurzer Zeit oder auch langer Zeit ein großer Morast gewesen sein. Man sah noch Spuren, die ½ m tief in den Boden ragten. Jetzt aber war alles knochenhart. So manches Fahrzeug hat damals bestimmt auf die trockenen Jahre warten müssen, denn es gab auch Spuren, die einfach aufhörten und dann ganz dünn weitergingen. Wo keine Spuren waren, war der Brei mit brettebener Oberfläche erstarrt, über die man jetzt brausen konnte. Man musste nur vor Hindernissen rechtzeitig bremsen, wollte man nicht so manch lustigen Karbäuz, Kobolz oder so schießen. Und dann Chah Bahar. Piste bis ins Zentrum, kein Kreisel, keine Blumenrabatten, keine Bullen, die uns gefangen nahmen - War das überhaupt Persien? War das nicht schon Pakistan? Die Leute hier an der Küste sind eine bunte Mischung aus Ureinwohnern, Arabern, Negern, Indern, Persern usw. Teilweise findet man auch noch Gesichter, die an die alten Ichtyophagen erinnern, die von den Gelehrten des Alexanderzuges durch die Gedrosische Wüste beschrieben wurden. Es soll schon damals nicht viel mit dieser armseligen Gegend los gewesen sein. Aber das müsste eigentlich unser Archäo-UlKa besser wissen, oder?


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Also, ich kann die Eminenz dieses wahrhaft geschichtsträchtigen Bodens nur bestätigen. Chah Bahar, schon der Wortrhythmus, dieses Chah und dann Bah und dann das ausdrucksstarke harr, tja, dieser Wortrhythmus kann nur antiken elysischen Gesängen entnommen sei und dann die tiefe Bedeutung - 4 Frühling - erinnert dies nicht an den Januskopf? Vielleicht hat ja in diesen zwar kaum vorhandenen aber dennoch Dünen jener sinnreiche Schreiber des Feldherrn des Alexander und mit dem Blick auf die zahlreichen Schiffe der Griechen die das Wasser nur so verdrängten, nun so denn hier gesessen und jene tiefsinnigen Bemerkungen über jenes Volk, reich an unbekannten Sagen und Mythen, jene geheimnisvollen Ichtyophagen, zu Deutsch treffend "Fischesser" übersetzt, und diese saßen wohl auch hier am buchtenreichen Golf von Chah Bahar, handelt mit Händlern Hadramauts, dessen Geheimnisse ähnlich den Geheimnissen dieser Gegend, der gedrosischen Wüste sind, endlich jenes Faktum, das ein Geheimnis erst bedeutsam macht, die Ungehobenheit, das Unbekannte mit all seinem Zauber vergangener Epochen.

Welche Menschen mögen diesen Boden bebaut haben? Diese Frage stellt sich der Wissenschaftler immer wieder und immer wieder von Neuem. Denn wenn da bei Alexander steht, hier wohnten die Fischesser, kann man, ja darf man da so einfach Vertrauen in so alte lückenhafte Pergamente haben. Haben hier nicht doch vielleicht die Vorfahren jener kühnen, schöpferischen Menschen gewohnt, deren unauslöschlicher Stempel die imposante Natur hier überall ziert oder war es gar menschenleere, grausame Einöde, die hier das Land bedeckte. Man und besonders die konkrete Wissenschaft kann dies nicht ohne genauere Untersuchungen sagen, deshalb möchte ich an dieser Stelle noch als auf den großen Forscher Planck verweisen, der auch schon über eine ostpersische Stadt Wesentliches ausgesagt hat.

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Ja, ja der SiMeUlKa, das junge Forschergenie, lässt sich halt nicht verbergen. Mit einem Blick sagt er jeder Landschaft auf den Kopf zu, wie es mit ihr bestellt ist, war, sein wird. Das Erstaunliche daran aber ist, dass er so kluge Dinge vorbringen kann, obwohl es in dieser und über diese Gegend (noch?) überhaupt nichts gibt. Als die alten Meso- und Neopotamier mit den Induskulturen Handel trieben, haben sie diesen Fleck bestimmt gemieden.

Nun, als erstes zum Bankdirektor. Den zu finden war nicht schwer. Doch dann hatten wir ihn gefunden, fuhren mit unserem Wagen vor und standen dort herum. Die Leute wussten offenbar nicht recht, was sie mit uns anfangen sollten und wir auch nicht so recht, in welches Schubfach wir sie stecken sollten. So standen sie halt einige Zeit, bis einer der Jungs spitz kriegte, dass ich etwas Farsi konnte, worauf er auf mich einredete, als sei ich der Chefdolmetscher der Krone Pahlavi. Nun, wenn sie uns schon nicht wollten, dann sollten sie uns doch wenigstens zum Krankenhaus führen, das wir auch schon längst entdeckt hatten. Sie fragten uns also, ob wir erst zum Strand oder erst ins Krankenhaus wollten. So war das also! Schnöde zum Meeresufer abschieben wollten sie uns. Die persische Gastfreundschaft scheint wohl von Norden nach Süden abzunehmen. Denn es wurde ja von Shahabad, Birjand über Bampur bis hier immer weniger. Hier ist dann gar nichts mehr. Nun, woher sollen diese armen Leute auch Kultur haben. Das ist doch wirklich etwas zu viel verlangt. So blieb ich dann mit dem Unimog am Strand und ließ den Rest der Mannschaft zum Bimarestan toben, wo man JöJa gleich einkassierte. Ich blieb solange allein mit mir und meiner Enttäuschung über das Meer - bis UlKa zurückkam. Doch zwischendurch lese man den 4. Brief an Re!

Doch über JöJa's Erlebnisse lassen wir ihn selber reden


JöJa Krankenhaus Report

Krankenhaus ...

Noch an unserem Ankunftstage in Chah Bahar brachte mich Chalil Wegad, "Bankdirektor" in situ und Freund unseres ließen Hosseyn Daghighi, ins örtliche Krankenhaus. Der Arzt war sehr nett und begann gleich mit der Untersuchung, nachdem er die Bescheinigung über die Blutuntersuchung aus Iranshar zur Kenntnis genommen hatte. Er sagte: "Oh!" als er in mein linkes Ohr schaute und "Ah!" als er in meinen Rachen blickte. Danach sagte er nur noch: "l bis 2 Wochen Hospital Chah Bahar." UlKa, beunruhigt durch die Inponderabilie, das inzwischen alle archäologischen Schätze des Shirazer Raumes durch ein Erdbeben zerstört werden könnten und er sich hinterher nur noch alles auf Fotos anschauen könnte, ließ den Arzt kaum ausreden und warf mit geiergiftigem Blick ein: "But we have to be in Shiraz in a week etc." Ich habe den genauen Wortlaut leider vergessen. Aber UlKa schaute nach dieser Nachricht wirklich wie ein gerupftes Huhn aus - von Hahn kann schon lange keine Rede mehr sein, höchstens noch von einem halben Hähnchen.

Nach der Untersuchung wurde ich 4 zarten Händchen übergeben. Die eine Schöne heißt Fridanian, die andere noch schönere hat den stadtähnlichen Namen Havaz. Wenn ich sie sehe, denke ich immer schnell an die Stadt Ahvaz. Diese Eselsbrücke erlaubt es mir (Esel), sie von Mal zu Mal charmanter anzusprechen. Nun ergeht es mir ja fast immer so, dass mir zuerst die weniger hübschen, um nicht zu sagen hässlichen Frauen den Hof machen und sich schließlich einen Heiratsantrag nicht verkneifen können. Hier war es ähnlich. Die weniger hübsche, aber doch recht hübsche Schwester Fridanian - ich möchte bemerken, dass sie durchaus einige recht positiv einzuschätzende Eigenschaften hat, über die man natürlich erst aufgrund empirischer Untersuchungen letzte Gewissheit bekäme.

Sie hatte soeben meine Personalien aufgenommen und mich auf die Waage gestellt. Dabei müssen sie die beiden Faktoren ledig und keine Kinder sowie 108 Kilogramm, zu meiner Entlastung muss ich sagen, dass das mein Eigengewicht (mit Klamotten und Stiefeln) war und nicht mein Leergewicht, besonders beeindruckt haben müssen. Denn sie gab Laute und Zeichen von sich, die mir zu Verstehen gaben, dass sie große, kräftige Männer sehr, sehr gerne mag. Anschließend wurde mit ihre erste Zärtlichkeit zuteil. Ich ahnte Böses, als ich sie plötzlich mit einer großen Spritze ankommen sah. Aber es kam alles anders. Die Art und Weise, mit der sie die Einstichstelle desinfizierte, war mehr ein Streicheln, als die routinemäßige Tätigkeit einer Berufspiekserin. Und vom Einführen der Spritze in die Vene ganz zu schweigen. Sie bot ihr ganzes Spritzkönnen auf, so dass ich überhaupt nichts merkte, noch nicht einmal, als sie das Ding wieder herauszog. In brief: Es war ein Erlebnis. Danach wurde ich, begleitet von den beiden erstgenannten Schwestern und noch von einer dritten Schwester, die für Lauferei und Arbeiten mitgenommen wurde, in ein Einzelzimmer mit Waschbecken und Toilette verfrachtet. Nachdem die Betten gemacht waren, wollte man mir einen blauen Einheitsschlafanzug aufzwingen, in den noch nicht einmal WoZi hineingepasst hätte, geschweige denn ich. Ich machte ihnen klar, dass ich eigene Sachen hätte.

Und dann kamen sie auch schon, die beiden Tiere aus dem Unimog und brachten mir meine 77 Sachen. Beide fielen natürlich bei meiner Schwester unangenehm auf, besonders das UlKa'chen, das wieder einmal Komplikationen mit dem Umschaltwerk hatte, was zu kurzzeitigem Ausflippen führte. Dies äußerte sich besonders darin, dass er wie ein Hirsch durch die heiligen Hallen röhrte. Bevor die beiden gegangen wurden, verließen sie freiwillig diesen gastlichen Platz, um zu einem anderen, Chah Bahar-Inn genannt und für durchwachsene Preise bekannt, ihren Brand mittels Bier löschten. Sogar HoWa sagte, er wollte am entferntesten Punkt der Reise auch eine Flasche Bier trinken. Um ∼ 21 Uhr 30, ich war schon leicht eingedöst, kam plötzlich ein "snuggely-looking young man in English-Western Kleidung" into my room. Aber anstatt sich als Krankenpfleger vorzustellen, sagte er: "Police!" und lächelte. Es war wieder einmal einer jener Gesetzeshüter, von denen man den Eindruck hat, sie würden das ganze Jahr nur auf die Handvoll Ausländer warten, um sie in ihr Gästebuch einzutragen, was sowieso hinterher nicht mehr angeschaut wird. Ich gab ihm brav meinen Paß. Er notierte noch braver meine technischen Daten, salutierte und trollte sich.

Ich hätte fast vergessen, das gute Abendbrot zu erwähnen. Es gab eine leckere rötliche Nudelsuppe und eine Schale mit Kompott: 4 halbe Äpfel im eigenen Saft. Danach brachte mir Schwester Nr. 3 eine Plastikkanne mit köstlichem Wasser und Eisstücken darin. Das Wasser auf der Toilette ist übrigens stark salzhaltig, zum Waschen gerade noch geeignet. In der Nacht habe ich anfangs sehr geschwitzt, jedoch später gut geschlafen. Morgens, kurz nach 5 Uhr kam die hübsche Schwester zum Fiebermessen. Gegen 7 Uhr gab es Frühstück: I Schale Nudelsuppe, 1 Tasse Milch, 1 Schale Kompott: 4 kleine Aprikosen mit Saft und 1 Glas Chay. Um kurz nach 8 kam der Doktor zur Visite. Er erzählte, dass ich am Abend zuvor eine Vitaminspritze bekommen hätte. Ich erkundigte mich bei ihm, ob es eine Küstenverbindungsstraße nach Bander Abbas gäbe. Zuerst sagte er nein, aber nachdem ich ihm die Fähigkeiten des Unimogs beschrieben hatte, zeichnete er mir eine Strecke auf, die er selbst schon einmal mit seinem Jeep gefahren war. Einen Teilabschnitt musste man aber mit Führer fahren, was ∼ 3 Toman kosten würde. Um 9 Uhr bekam ich Chay und 7 Kekse (Gordi). Um 9 Uhr 15 bekam ich eine Spritze von einer Schwester (Nr. 4), die alle anderen an Schönheit noch übertrifft. Gegen 9 Uhr 30 wurde ein Abstrich meines Halsbelages gemacht. Etwas später kam einer aus dem Labor, und wir machten abwechselnd Geographie von Iran und Europa. Inzwischen habe ich ein Nickerchen gemacht. Um Punkt 12 Uhr gab es Mittagessen. Man servierte die bereits bekannte rote Nudelsuppe, einen Berg Reis mit einem gebratenen Hammelhoden, ein Stück Fladenbrot und Mirabellenkompott. Schluss.

Geschrieben von: JöJa
Verlesen von: UlKa
Getippt von: HoWa
Alle Rechte bei: HaGlä Matratzenvertriebs-GmbH (auch das diktiert von UlKa).


Chah Bahar Krankenhaus Report (Fortsetzung)

von JöJa -, ich tippe, UlKa -

Am Nachmittag des 14. gab es nichts Besonderes. In regelmäßigen Abständen schauten die Schwesterchen herein, um ihren Neueingang zu bestaunen und zu begaffen. Am Nachmittag wurde mir vom behandelnden Dr. ein Dr. Ahmed Elahi vorgestellt. Er arbeitet nicht im Krankenhaus, sondern für Unicef und fährt deshalb auch den Unicef-Landrover, der immer am Portal steht, dieser Dr. ist ein ziemlich nervöses Hemd, er hat hemdkragenlanges schwarzes Haar und einen ziemlich wilden Augenausdruck. Kurz und gut, er machte zuerst einen ziemlich ausgeflippten Eindruck auf mich. Schon nach kurzer Zeit begannen wir, uns über Politik, Wirtschaft und soziale Fragen zu unterhalten. Und dabei merkte ich, dass ich es mit einem hochgebildeten und vielwissenden Mann zu tun hatte. Sein englischer Vokabelschatz war sehr groß. Außerdem versteht er Französisch, nur mit dem Sprechen klappte es nicht, da ihm die Praxis fehlte. Er liest die Poesie und bei den Ausländern besonders Aragon. Auch von Satre hatte er schon einiges gelesen wie die Pest, die Fliegen etc. Er stellte mir viele kritische Fragen über Deutschland. Ich war immer wieder überrascht über sein für einen Perser ungewöhnliches Detailwissen. Am Freitag, dem 15. war er fast den ganzen Tag bei mir.

Mein Geburtstag begann mit dem üblichen Fiebermessen um 5:10 Uhr. Schwester Fridanya taumelte noch ein wenig verschlafen in mein Zimmer. Während des Fiebermessens sah ich sie an. Sie hatte eine große Träne in ihrem rechten Auge. Als ich sie nach der Ursache dieser Stimmung fragte, fasste sie in die Innenseite ihres Kittels und holte das Foto ihrer ältesten Tochter hervor. Es hatte einen großen Knick über das hübsche Mädchengesicht. Das Foto hatte sie mir am Vorabend gezeigt und vergessen, es danach wieder aus der Tasche zu nehmen.

Ich redete ihr gut zu, und bald stand wieder ein Lächeln auf ihrem Gesicht. Kurz nach 6 kam das Frühstück. Es war heute besonders gut. Vielleicht waren gerade neue Vorräte eingetroffen oder man hatte in der Küche erzählt, ich hätte Geburtstag. Es gab 1 Glas Cay, 1 Glas Zuckermilch, 1 Stück Fladenbrot, 1 Schale Marillen Kompott, und man höre und staune: zwei hartgekochte Eier, inklusive Salzstreuer. Nach dem Frühstuck hatte ich zum 2. Mal Flatterschiss. Das Niederhocken machte mir ziemliche Schmerzen, da ich über Nacht den alten ärger mit dem rechten Kniegelenk wieder bekommen hatte. Hinzu kamen dann auch wieder meine beiden kaputten Handgelenke sowie meine rechte Schulter. Ich legte mich nochmals ein wenig hin, um mich dann gegen 8 der Besonderheit des Tages entsprechend besonders intensiv zu waschen, um bei eventuellen Geburtstagsbesuchen wenigstens einigermaßen auszusehen und nicht zu stinken.

Es ist so heiß ...

Gegen 9 kam nun meine spezielle Freundin, die Schwester Miss Kaffili (Heimatstadt Ahvaz), die mir am Vortage mit der Penicillin Spritze so viel Ärgernis bereitet hatte. Obwohl mir der Doktor mehr oder weniger versprochen hatte, dass das nächste Mal irgendjemand anderes spritzen sollte, kam wieder diese Schlächterin vom Dienst. Zuerst gab ich ihr zu verstehen, dass ich mich von ihr nicht mehr spritzen ließe. Sie jedoch war hartnäckig, und so streckte ich ihr nach einer Weile denn doch meine rechte Arschbacke hin, nachdem ich sie nochmals darauf aufmerksam gemacht hatte, langsam zu spritzen! Und siehe da, es klappte wider Erwarten sehr gut. Bei der darauffolgenden Vitaminspritze in den rechten Arm fand sie natürlich beim ersten Anlauf wieder nicht die Vene, aber ich überstand auch dieses. Kurz darauf gab es wieder Cay und Kekse, was mir sehr gut tat. Und so lag ich dann auf dem Bett und dachte an die Weiterfahrt, an Zuhause, den Unimog, tja ....

Nach einer Weile kam UlKa hereingeschneit und knallte mir eine Tüte mit Nylondamenstrümpfen und eine Rolle Scheißhauspapier aufs Bett. So nebenbei fragte er, ob ich denn heute schon Geburtstag hätte oder erst morgen. Dabei hatte ich die beiden am Vorabend bei ihrem 2 Minuten-Besuch gebeten, für meinen Geburtstag einige Flaschen Bier und Pepsi einzukaufen. Als ich dann nun kundtat, ich hätte heute Geburtstag, da murmelte er sich ein herzloses herzlichen Glückwunsch in den Pissbackenbart (und so was muss ich nun auch noch tippen!) und erzählte dass er gleich wieder am Kühler rödeln musste!

Er hatte keine Zeit, 5 Minuten ruhig sitzen zu bleiben und mir etwas über den Film zu erzählen. Nach 2 Minuten war er dann verschwunden wie Richard Kimble, der Mann auf der Flucht! Jetzt ist es 10:30 Uhr und ich höre gerade den Sprechfunkverkehr mit der Zentrale in Zahedan aus dem Funkraum über den Hof schallen.

Wenig später kam HoWa. Er blieb fast eine viertel Stunde und erzählte ein wenig über den vergangenen Abend und klagte mir sein Leid über den Kühler, dann das Ding einfach nicht richtig dicht zu kriegen sei und dass es hier am Orte keine Kühlerreparaturwerkstätte gäbe. Er sagte, sie wollten abends nach der Rödelei noch mal bei mir vorbeikommen.

Nach dem Essen, es gab Apfelkompott und Reis mit fürchterlichem, stinkigem Fleisch, war ich ziemlich müde und schlief bis ∼ 13.45 Uhr, als mir Schwester Nr. 3 einen Cay brachte. - .....

Hier bricht das Manuskript abrupt ab. Aber man kann sehen, was so ein geschlagener Oberrödler alles so tut und denkt, wenn er nichts zu tun und denken hat.

UlKa -


Briefe 2 ...

 Persien, Belutchistan - Finsterster Winkel - Chah Bahar,

 14.03.74

Ihr Lieben daheim,

wie geht's Euch denn so im Moment im verregneten Deutschland? Wir stehen hier endlich nach 1.500 km schauerlichster Piste, die seltsamerweise als Straße eingezeichnet hier direkt an der Küste des Indischen Ozeans entlang läuft! Der Ort wird als großartiger Ferienort in der persischen Zeitung und Television angepriesen. Es wird auch begonnen, eine neue Straße hierher zu bauen, ansonsten ist dieser Ort aber das traurigste Nest, das ich in Persien kennengelernt habe, mit mehr Oasen-Bewusstsein selbst als Tabbas. Wir hatten die Adresse eines Bankdirektors hier von unserem Bankdirektor aus Shahabad bekommen, dies erwies sich aber als Schlag ins Wasser. Unterwegs hatten wir in Bampur in einem Projekt übernachtet und waren dort den Verhältnissen entsprechend gut aufgenommen worden. Das alles nicht so klappt, liegt daran, dass es mit JöJa so haperte. Wir waren schon in Shahabad, in Bampur, in Iranshahr beim Arzt und im Krankenhaus gewesen, Aber hier in Chah Bahar machte sich dann seine rheumatische Angina so durchschlagend bemerkbar, dass JöJa hier zwei Wochen im Krankenhaus bleiben muss, d. h. ich werde mit HoWa den Wagen reparieren, und wir werden uns dann per Piste nach Shiraz durchschlagen und dort meine Sachen besichtigen und halt auf JöJa warten, der dann auf dem bequemen Seeweg nachkommen wird. Trotzdem alles ziemlich beschissen ist, bleiben wir auf jeden Fall bis zum 17.03., da JöJa dann Geburtstag hat. Das Krankenhaus in Chah Bahar ist ausgezeichnet und kostet nichts! Der Ort ist sehr langweilig und rückständig. Die Küste ist auch nicht schön. Viel Steine, hohe, harte Wellen, viel Tang, gar keine Palmen und durchgehender Sandstrand, Scheiße. Wir sind die einzigen Ausländer im Umkreis von 400 km. Und dies wird nun als Touristenort propagiert, es ist noch nicht einmal eine Baustelle. Der Wagen hat unheimlich gelitten, es ist keine Schraube mehr richtig fest. Unterwegs hat HoWa zum zweiten Mal vergessen, den Tankverschluss drauf zu drehen, so dass wir auch unseren Ersatzverschluss los sind. Aber das ist ja nicht schlimm. Unser Windriegel hat nur noch 4 (statt 6) Flügel, unser Kühler ist total kaputt, und unser Ersatzkühler leckt auch. Aber den kriegen wir wieder hin! Dafür aber war die Landschaft unheimlich schön. Palmen durchzogene Wadis und permanent schönes Wetter. Wir haben auf einem großen Stein mitten im Flussbett gefrühstückt, das Wasser war so seicht, dass wir einfach mit dem Wagen drinnen parken konnten. Ich will gleich erst einmal eine Runde schwimmen gehen. Ich schicke Euch auch noch ein paar Durchschläge Tagebuch mit. Ansonsten geht's mir sehr gut. Nur ist die Reise ein finanzielles Ungetüm geworden. Ich werde auf jeden Fall aus Kayseri ein paar Kelims mitbringen. Und sonst ein paar Kleinigkeiten, aber ansonsten Baisse. Na ja, in Shiraz sieht alles besser aus. Es bleibt auf jeden Fall beim Schollenessen, wenn wir wiederkommen. Mutti wird ja inzwischen wieder Zuhause sein. Der Ort ist so beschissen, dass ich keine Lust habe, jetzt hier weiter zu schreiben.

Alles Gute, Euer Sohn, Stiefsohn, Enkel, Bruder, Freund etc .....

UlKa


Aber ich war ja mit dem 13.03. noch nicht zu Ende. Wir setzten uns also ins Chah Bahar Inn ab und tranken in dessen steriler Atmosphäre jeder zwei halbe Liter ARGO--Bier, welches, gemessen an seinem Preis: 5 Toman = 2, .... DM, gar nicht so besonders war, aber dennoch sehr wohl tat. Dieses Inn wird übrigens durchaus nicht nur von Touristen besucht, auch die LKW-Fahrer aus Teheran, die sich hier nicht viel einheimischer fühlen als wir, stiegen hier ab, um ihre Sinne zu benebeln. "Vor zwei Jahren sind da welche durchgekommen," sagte der dicke Wirt des "Chah-bahar Inn", während er mit einer Ruhe, wie sie für Staatsangestellte in diesem Lande typisch ist, unsere Biere einschenkte. "Sieben roll ausgerüstete Landrover waren es, und sieben Tage haben sie gebraucht - und hinterher haben sie hier bei mir kräftig einen gehoben." Nun, eine Straße schien es in der Tat nicht zu sein, was auf unseren Karten schon vorsichtig als gestrichelte Linie eingezeichnet war.

Aber was Landrover können, das kann ein Unimog schon lange, und so war es beschlossene Sache: Von Chabahar, im äußersten Südosten Persiens wollten wir an der Küste entlang bis Bander Abbas vorstoßen, jener aufblühenden Hafenstadt am Persischen Golf. Zuvor aber musste noch unser lecker Kühler sowie unser kecker Wühler (JöJa) repariert werden.

Aber zum Essen fuhren wir doch in ein anderes Restaurant, wo das ganze Volk saß. Hier gab es für ebenfalls 5 Toman ein großes Fisch-Reis-Gericht, dem man bescheinigen kann, dass es gut schmeckte. Geschlafen haben wir am Strand, den uns unser komischer Bankdirektor gezeigt hatte. Man musste dazu erst über einen freien Platz, eine Mischung aus Schieß- und Flugplatz brausen. Zum Glück war man hier einigermaßen ungestört, weil die Einheimischen mit dem Meer nicht viel im Sinn haben.

1974-03-14 Chah Bahar - Das Ende der Welt

Arabien, 10 km ...

Der Tag begann mit Arbeit, wie das für uns ja so typisch ist. Im Wagen sah es aus wie in einem schlecht gepflegten Schweinestall. So wurde alles Demontierbare herausgeschafft, neu sortiert und wieder hereingeschaut. Für kurze Zeit sah dann alles sehr ordentlich und leer aus. Dann zur Post: ein Brief an "Ließe Re", einer an "Ihr Ließen daheim". Die Post gefiel mir, sie muss wohl schon Alter sein und hätte genauso gut irgendwo in Andalusien stehen können. Sie strahlte mediterranes Müßiggängertum aus. Sie wollte so gar nicht an diese öde Küste passen. Das Bankgebäude der Melli-Bank war schon eher dazu angetan, iranisch zu wirken, obwohl ihr das auch nicht recht gelang. Hier wurde ausnahmsweise nur ein Spezialist hinzugezogen, der das suspekte Fremdgeld aus dem fernen Deutschland begutachten sollte. Zwei Cola für JöJa gekauft, Wasser, bei "unserem" Bankdirektor geholt, der gerade leichtsinnigerweise an der Straße stand und nichts zu tun hatte und dann ins Krankenhaus zu JöJa. Das einzige Süßwasser hier am Orte wurde übrigens mit großen Tankwagen aus einer nahegelegenen Quelle herangeschafft und hätte ohne Bankdirektor sicherlich etwas gekostet. So war dieser jämmerliche Typ doch noch zu etwas nütze. JöJa ging es wieder blendend. Er hatte sich wohl auf der ganzen Reise noch nie so wohl gefühlt, wie hier, wo er der Star war. Darüber hat er sich aber schon selber zur Genüge ausgelassen. Die nächste Etappe war eine klitzekleine Werkstatt, wo wir den Kühler reparieren zu lassen gedachten. Den Ausbau besorgten wir selber. Dabei stellte sich heraus, dass nicht unser Ersatzkühler sondern der "Geküsste" der Bessere war. So ging man halt daran, diesen zu löten. Es mussten 7 Durchflusskühllamellen stillgelegt werden.

Unser Mechaniker war Pakistani aus Karachi. Er sprach: Urdu-Hindi, Farsi, Baluchi und Arabisch. Er erzählte, dass die Schiffsreise von hier nach Karachi ∼ 40 DM kostete und 3 Tage dauerte, die auf dem Landwege ebenso teuer sei, aber 4 Tage in Anspruch nähme. Das wöchentliche Schiff von hier nach Oman kostet übrigens auch seine 100 Toman = 40, DM (Hin und zurück). Hier war eine große Zahl von Pakistani in diesem Ort. Gegenüber der Werkstatt war ein großer Filmpalast mit nur indischen und pakistanischen Filmen, von denen wir uns einen anzusehen beschlossen. Daneben war eine kleine pakistanische Teestube, wie sie genauso gut in Rawalpindi, Lahore oder Karachi hätte stehen können. Von einem Pakistani wurde ich hier zu Tee und Haschzigarette eingeladen, wobei mir von letzterer nach dem 1. Zug beinahe schlecht wurde. Nun, dieses Zeug ist halt doch nichts für mich. Inzwischen hatte UlKa im Wagen schon eine Suppe bereitet, die wegen ihres hohen Salzgehaltes in diesem heißen Klima durchaus gut tat. Dann war auch schon der Kahler fertig. Sehr überzeugend sah das ja nicht aus, was er da fabriziert hatte, aber es käme halt auf den Versuch an. Wieder beim Krankenhaus wollte uns der Pförtner zunächst gar nicht erst einlassen, tat es dann aber doch als wir ernste und wichtige Gesichter machten. Wir hatten für die autoritären Verhältnisse dieses Landes ohnehin schon unumschränkte Narrenfreiheit. Auf dem Rückweg hat uns der Pförtner, der gerade mit seiner Familie zum Abendbrot saß, zu demselben eingeladen. Es gab hier interessanterweise eine Art Kartoffelpuffer, zubereitet aus zerriebener Kartoffel (sib zemini), Ei und öl. Zum ersten Mal, dass ich so etwas in Persien fand.

Doch was sahen unsere erstaunten Augen, als wir wieder zum Wagen kamen? Eine große Lache Wasser unter dem Wagen und der Kahler leer. Es muss schneller ausgelaufen sein als je zuvor, dieses Scheißkühlwasser. Hätten wir doch einen luftgekühlten Motor nach Art von VW oder einen Deutz-Diesel! Diese Affäre sollte wohl noch nicht zu Ende sein. Morgen war Freitag, also erst wieder am Sonnabend.

1974-03-15 Langeweile - kommt angekrochen ...

Musst Du denn immer wie ein Verrückter bremsen?

Das Charakteristische an diesem Tage ist, dass wir eigentlich nichts Charakteristisches getan hatten. Zunächst lagen die Reparaturen an. Das Fahrerhaus musste festgeschraubt werden, ebenso das Getriebe, Stoßdämpferschrauben nachziehen, abschmieren. Beim Fahrerhaus waren die vorderen Bohrungen für die Schrauben ausgebrochen, so dass ich mit Unterlegscheiben etc. improvisieren musste. Die Getriebehalterung war total locker. Das Getriebe ist normalerweise mit 3 Schrauben an der Getriebehalterung befestigt. Eine war samt dem Gewinde im Getriebe herausgedreht, die mittlere saß leicht locker, dafür war an dieser Stelle die Halterung eingerissen. Die linke war zwar locker, ließ sich aber festziehen. An dieser Schraube hängt nun das Getriebe. Ansonsten haben wir getippt und in der Sonne gebraten. Gegen Nachmittag hat uns auch eine große Meeresschildkröte am Strand besucht. Gegen Dämmerung haben wir neu Wasser auf die Kühlanlage gekippt und sind, so schnell es ging, zum Krankenhaus gebraust, damit das Wasser nicht vorher schon wieder raus war.

Der Besuch bei JöJa ist nicht weiter beschreibenswert, und anschließend gingen wir nur noch ins Kino. 30 Rial = 1,20 DM kostete der Eintritt. Es war ein sehr alter indischer Schmalz- und Tränenfilm ohne viel Action, mit viel schlechter westlicher statt indischer Musik und dazu in schwarz / weiß. Es war aber dennoch ein netter Zeitvertreib. Wasseraufgießen und zurück zur Küste.


Briefe 3 ...

Chah Bahar, 14-03-1974

Liebe Re,

Na, wie geht es Dir in Deinem geliebten Rumänien? Hat Dich Frau Dunker...äh...Frau Virag wieder gut aufgenommen? Wenn ja, werde ich ihr aus Shiraz einmal eine Karte schreiben. Sie war doch immer eifrigste Verfechterin meiner Sache gewesen, die Gute. Ansonsten hätte ich es sicherlich keine zwei Wochen bei ihr ausgehalten. Bis Shiraz, das sind wohl noch so 10 Tage. Dieses Chah Bahar, auf Deutsch 4 Frühlinge, ist ein recht langweiliges Wüstennetz, das nur zufällig an der Küste liegt, dennoch am letzten Winkel der Welt. Würde man persischen Zeitungs- und Fernsehenten glauben, dann wäre hier ein neues Mamaia im Entstehen. Nun, man soll halt nicht alles glauben. Am meisten habe ich mich ja auf das Meer und das Schwimmen darin gefreut. Aber das wurde die größte Enttäuschung. Dieses Meer hat überhaupt kein Gesicht. Wo die Berge wie mit dem Wasser abgeschnitten aufhören, erstreckt sich die Halbwüste bis ans Meer, welches sie dort selbst schon schauerlich zerfressen hat. Zwischen den meterhohen Trümmern lugt hier und da ein kleiner Sandstrand hervor. Ansonsten keine Buchten, keine Inseln, kein richtiger Küstenstrich, die Bucht von Chah Bahar ist so groß, dass sie mit bloßem Auge nicht als solche erkannt wird.

Das Meer hier hat, außer dass es da ist, so wenig Überzeugungskraft, dass ich im Geiste nur immer die Küsten dahinter sehe: Abu Dhabi, Dubai, Ras al Chaima usw. Oman, Oman, Oman, Dofar, Hadramaut, Jemen - Ostafrika. Das Schlimmste aber ist, dass der Anblick des Wassers sofort die Erinnerungen an Griechenland in mir wach rief und dieser Vergleich fällt in der Tat für Chah Bahar vernichtend aus. Das liegt auch zum großen Teil an den besonderen persönlichen Erinnerungen, die uns mit Hellas verbinden: Stille Buchten, grünes, bergiges, gestaltreiches Hinterland, ein Meer mit Buchten, Inseln, lauschigen Ecken, Tauchen, Muschelessen, Motorbootbrausen, Angeln, traute Zweisamkeit, Retsina, Wein, Auberginen, das Flanieren am Abend in Stavros, das Einkaufen bei unseren Alten im Geschäft, die Inselerkundungen. Oh liebliches Hellas, Du mein Altersruhesitz in spe!

Und dafür heben wir solche Strapazen auf uns genommen, um hierher zu gelangen. Nach 2.500 km teils tierischer Piste ist unser Wagen dringend überholungsbedürftig. Keine Schraube sitzt mehr fest. Das Führerhaus ist lose, Motor und Getriebe hängen so lest wie der Dotter im Ei, und das ganze Fahrzeug fährt sich wie ein Wackelpudding. Ein Kühler ist geschlachtet worden, der Ersatzkühler leckt, unser Windflügel hat nur noch 4 statt 6 Flügelchen. Die Piste hat wieder knallhart zugeschlagen und alles losvibriert, die letzten Kilometer mussten wir permanent Wasser in den Kühler nachgießen. JöJa liegt im hiesigen Krankenhaus- für 1 - 2 Wochen. Er wird wohl nach Shiraz nachkommen müssen. Soweit für heute. Wir werden gleich losgehen und den Ort erkunden, dann basteln, zu JöJa Tagebuch schreiben, braten und dann nichts wie weg. Also bis Shiraz

Dein HoWa


1974-03-16. Der "Kühlertag"

Heute soll JöJa angeblich Geburtstag haben, und irgendwie soll dann auch eine Menge Bier bereitstehen, wo das herkommen soll, das weiß ich noch nicht. Ich bin ein armer Mann und kann mir solchen Luxus nicht leisten. Wir hatten ihm übrigens angedroht, am Tage nach seinem Geburtstag abzureisen, wenn er nicht schon entlassen würde. Ich weiß nicht, ob das seine Gesundung beschleunigt. Auf jeden Fall reist er nicht gerne alleine weiter, auch nicht nur bis Shiraz. Dieser Tag sollte noch als der Kühlertag in die Geschichte unserer teuren Reise eingehen (die teuerste Reise, die ich je gemacht habe. Dabei habe ich sie doch nur gemacht, weil ich nicht recht nein sagen konnte).

Die Werkstatt - die Leute hatten schon am Tage vorher erfahren, dass die Sache mit dem merkwürdig demolierten Unimog-Kühler noch nicht zu Ende ist. So gingen sie heute gleich als erstes bei uns an die Arbeit, als wir morgens vor dem Laden hielten. Der gute Akbar aus Karachi baute den Kühler aus, lötete ihn, prüfte ihn und baute ihn wieder ein, mit dem Erfolg, dass er immer noch leckte. Also das gleiche noch einmal. Diesmal half ein selbsternannter Spezialist des Ortes mit. Die Stunden verrannen. UlKa ging inzwischen kurz zu JöJa rüber, der einen leichten Rückschlag in der letzten Nacht hatte hinnehmen müssen, dennoch Willens war, am nächsten Tage mit uns die schwierige Strecke zu beginnen. Als er wiederkam, war man noch immer mit dem Kühler beschäftigt, so ging ich erst noch zu JöJa, der sich inzwischen von UlKa gar nicht gut behandelt fühlte. Auch seine Begeisterung für das Krankenhaus war inzwischen abgeflaut. Von Geburtstagsfeier war übrigens auch keine Rede mehr. Das Geld, sofern wir überhaupt noch von positiven Vorräten reden konnten, brauchten wir bestimmt für andere Dinge noch nötiger.

Ich schreibe das hier so lustlos, weil soeben gerade der Fall eingetreten ist, der uns eine gute Stange Geld kosten kann. - Wir haben so mir nichts, Dir erst recht nichts unterwegs zwei Batterien Verloren, die einzigen beiden. Nun ist guter Rat sündhaft teuer und das Starten schwer. Doch davon später mehr.

Als der Kühler gerade wieder eingebaut werden sollte, weil die Leutchen meinten, die Zeit sei mal wieder reif dafür, kam ein Soldat zu uns und fragte, ob wir wohl nach Bander Abbas führen. Ja allerdings, das hatten wir vor. Und mitkommen konnte er auch ruhig. Ein Soldat ist in so einer verlassenen Gegend immer gut. Er war denn zu Anfang auch ganz begeistert, dass wir einen so kurzen Weg nach Bander Abbas nehmen wollten, denn er hatte ja nur begrenzt Urlaub, meldete dann aber doch Bedenken an, als die Leute ihm erzählten, dass das gar keine Straße sei, die wir da fahren wollten. Ghulam Hosseyn, so sein Name, war ein ganz ließet Junge. Er lud uns zu sich zum Duschen per Eimer und zum Tee ein. Speise lehnten wir ab, weil UlKa gerade zuvor ein großes Ravioli, nein Hackfleisch mit Spaghetti, gekocht und auf den Tisch gebracht hatte. Ghulam Hosseyn (GuHo) hatte in Busheer, seiner Heimatstadt, die Highschool absolviert und war danach zur Armee in dieses verlassene Nest einberufen worden. Hier hauste er in einer winzigen Lehmbutze ohne alles, also quasi mit nichts und das für ∼ 20, DM pro Monat. Noch 6 Monate musste er hier dienen, dann sollte er wieder frei sein. Zum Studium beworben hatte er Sich auch schon, allerdings nicht hier im Iran, weit hier die Aufnahmegebühren zu hoch seien. Nach Lahore/ Pakistan hatte er geschrieben und auch eine Antwort erhalten, die er mir sogleich zeigte. Als ich ihm erzählte, dass er fürs Medizinstudium in Lahore noch wesentlich mehr, bzw. überhaupt erst einmal Englisch lernen müsste, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken und er fragte: "Really?", worauf ich nur bestärkend nicken konnte.

Er konnte ungefähr so gut Englisch wie ich Farsi, was für uns beide kein Kompliment ist. Nach diesem interessanten Intermezzo wurde, als ich ankam, der Kühler gerade wieder einmal eingebaut, und UlKa war schon ganz zuversichtlich. Ich nicht. Ich glaubte da mehr an das Gesetz der Serie, das irgendwann mal erlassen worden ist. So nahm ich denn ganz misstrauisch und gewissenhaft eine Probefahrt vor, bei der ich die Temperatur kräftig hochjagte, wie es im späteren Leben ja auch geschehen würde. Und siehe da, als ich den Wagen abgestellt hatte und gerade argwöhnisch den Kühler auf Tröpfchen untersuchte, schoss mir wieder ein fröhlicher Strahl brauner Kühlersoße entgegen, als wolle er mich zur nächsten Runde um den großen Kühlerpokal begrüßen. Um das weitere kümmerten wir uns nicht mehr so intensiv.


Briefe 4 ...

Ihr lieben daheim!

heute ist der 17. nach Europäischer Rechnung und der 26 Esfand Persischer Rechnung, wir verlassen heute diesen ungastlichen Ort Chah Bahar, von der Umgebung und auch von den vermeintlichen Krokofantilen haben wir nichts gesehen, da uns die permanent zwei Tage dauernde Kühlerreparatur keine Zeit lies. JöJa wird gleich entlassen, es geht ihm wieder einigermaßen, ich tippe kurz vor der Abfahrt noch diese paar Zeilen, ein bisschen tropft der Kühler immer noch, aber wir werden es schon bis Shiraz damit schaffen, wir nehmen von hier bis Bander Abbas noch einen Soldaten mit, der in den Urlaub fährt, er macht einen sehr netten Eindruck und spricht auch etwas Englisch, so eine Uniform kann uns in der Gegend, die wir jetzt durchfahren, ganz nützlich sein. die Strecke ist nämlich nur ein Karawanenpfad, den wir streckenweise nur mit Führer befahren können, nach etwa 220 km kommt dann aber guter Asphalt, so dass wir zum Now Ruz doch noch in Shiraz sind.

Trotzdem wird die Strecke noch einige Ansprüche an den Wagen stellen, auf jeden Fall ist es für uns besser, Gelände zu fahren anstatt noch mal die Scheißrappelwellblechálawaschbrettpiste nach Bampur einzuschlagen. denn dort kommt ja einem jede Schraube entgegen, wir warten jetzt nur noch darauf, dass JöJa seine "last examination" hinter sich bringt und wir weg können, unser Unteroffizier ist inzwischen Brot holen gegangen. auf der Straße gibt es kein Benzin und kein Trinkwasser, wir müssen alles von hier mitnehmen, auch Pepsi wird es in den paar Orten, die wir passieren, nicht geben, dafür aber schöne Einsamkeit und Ruhe. Wir werden 2 -3 Tage bis Bander Abbas brauchen und dann werden wir die Strecke nach Shiraz wieder in Einem durchklotzen, in Shiraz und Umgebung liegt ja dann einiges aus meinem Referat an. Außerdem natürlich Persepolis etc..

Lässt sich An von Zeit zu Zeit mal sehen? Im nächsten Brief an sie schicke ich wieder ein paar Tagebuchseitendurchschläge mit, das vollständige Tagebuch gibt’s erst hinterher, so quasi in Buchform, denn wir sind bereits auf Seite 82, hinzu kommen noch rund 25 Seiten andere Einschübe, Briefe, Fremdbeiträge etc., so dass wir in Wirklichkeit hier am Wendepunkt unserer Reise schon über 100 Seiten haben. Das wird ein regelrechter Roman. HoWa lebt ja nur noch fürs Tagebuch, ich für meine Ruinen und JöJa für seine Krankheit. Es ist auch ganz schön zynisch geworden. Lässt sich bei Euch das Wetter einigermaßen aushalten? Bei uns hier ist es wie bei uns zuhause im Hochsommer. Und dann das ewige Basteln am Wagen, nein, nach einer Weile kann man da wirklich die Schnauze voll kriegen.

Hinterher wollen wir unsere Dias alle mit schwarz / weiß-Filmen zusammen zu HoWa geben, der hat die Möglichkeit, umsonst in einer Bildstelle erst einmal von allen Dias Abzüge zu machen, von jedem Dia drei, d. h. pro Nase von jedem Bild einen. Außerdem können wir da auch Dias abfotografieren, da die Filme ziemlich beschissen sind und so manches Foto nichts geworden sein wird. So können wir schön untereinander austauschen. So verlieren wir hinterher auch den Kontakt nicht. Wir wollen uns einmal zum Aussuchen bei HoWa treffen und einmal bei JöJa. Dann sehen wir weiter, wenn inzwischen Filme angekommen sind, könnt ihr die guten Fotos inzwischen rahmen und mit Blickpunkten von 3.000 aufwärts durchnummerieren. Gerade kommt JöJa, und deshalb mache ich Schluss. Es geht ihm wieder ganz gut. JöJa will gleich eine Pepsi ausgeben.

Tschüs

Euer Sohn, Stiefsohn, Enkel, Schnurspel, Bruder, Freund, Mittier, etc. .......

UlKa


Am Golf von Oman ...

Inzwischen hatte hier wieder der Irano-Ungar, der so gut Deutsch sprach, Halt gemacht und gab uns jedem zwei Pepsi aus. Er wohnt schon seit 40 Jahren in Teheran und ist auch mit einer Perserin verheiratet. Er war hier, um Relaisstationen in den Bergen zu errichten, damit auch Chah Bahar sein Fernsehen bekommt.

Inzwischen war der Kühler tatsächlich dicht geworden, vielleicht, weil die Zeit einfach reif dafür war, und war mit keiner noch so böswilligen Unterstellung mehr zu mehr als einer gelinden Kühlrippenfeuchtigkeit zu bewegen. Dennoch war ich sicher, dass der Kühler auf dem heißesten, trockensten und einsamsten Stück unserer zukünftigen Strecke seinen Geist aufgeben werde. Ich hielt es aber dennoch nicht für klüger, die Strecke über Bampur - Zahedan etc. zurückzunehmen, weil die Rappelpiste unsere vom Zerfall bedrohte Kiste noch schlimmer gewesen wäre als Gelände. Kühler fertig, Besuch bei JöJa, keine Feier, früh ins Bett.

Horst Walther, Hamburg,