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Shahabad liegt 48 km südlich von Gonabad, Khorassan, in einem länglichen Gebirgskessel, der sich von NW nach SO erstreckt. Die mittlere Höhenlage des Kessels beträgt 1.500 bis 1.600 in ü. NN. Die umgebenden Gebirgszüge stammen aus der jüngeren Phase der ostpersischen Gebirgsbildung.

Die Durchschnittstemperatur beträgt max. 38 - 40° in den letzten 10 Jahren. Die kältesten Werte lagen zwischen -8 und -25° C je nach Jahr verschieden. Im gleichen Zeitraum betrug der durchschnittliche Jahresniederschlag 163 mm. Das Jahr mit dem höchsten Niederschlag ergab 251 mm, das mit dein niedrigsten nur 86,3 mm erreichte. Dieses Jahr ist besonders regenreich. Bis zu unserer Abfahrt (5 Monate) waren schon 115 mm gefallen. Die ganztägig vorherrschende Windrichtung ist bei trockener Witterung SW, bei Regenwetter NO. Die Luftdruckverhältnisse schwanken zwischen 762 und 767 Torr.

Vor dem Erdbeben, das am 9.6.1347 (iranische Zeitrechnung) um 14 Uhr die Region heimsuchte, lebten in den 10 Dörfern des heutigen Projektgebietes ∼ 6.000 Menschen. Durch das Erdbeben kamen etwa 200 Menschen ums Leben, und der größte Teil der baulichen Substanz wurde infolge der Lehmziegelbauweise total zerstört. Die Bevölkerung dieses Gebietes war auf Grund der ungünstigen Besitzverhältnisse sehr arm. ∼ 60 - 70 % des Bodens und der Siedlungen gehörte dem Großgrundbesitz, insbesondere der sehr einflussreichen Familie Alam. Dieser Familie gehörte der größte Teil des Gebietes von Südkhorassan und gesamt Iranisch-, Belutschistan. Bei der Landreform, die vor dem Erdbeben in diesem Gebiet stattfand, gelang es Alam auf Grund seines einflussreichen Regierungspostens (z. Z. Minister des Königshauses), dass ihm das Geld für seine Ländereien sofort und in bar ausgezahlt wurde. Normalerweise, so die gesetzliche Bestimmungen, wird ein Großgrundbesitzer in 15jähriger Ratenzahlung abgefunden, bzw. erhält er eine einmalige Auszahlung minus der in den 15 Jahren anfallenden Zinszahlungen. Heute hat der Minister gewaltige Anteile am Betriebskapital der wichtigsten staatlichen und privaten Industrieunternehmen des Iran. Während des zweiten Weltkrieges sympathisierte sein Vater mit den Engländern, während der Schah eine enge Kooperation mit dem Deutschen Reich anstrebte. Nicht zuletzt Alam ist es zu verdanken, dass durch sein Gebiet der gesamte Nachschub für Russland von der Bahnendstation in Zahedan über die ostpersische Meridionalstraße bis nach Rascht ans Kaspische Meer rollte. Während der Kriegsjahre war im großen Fruchtgarten vom heutigen Shahabad sogar 2 Monate lang die britische Botschaft untergebracht. Alam wollte sich nach England absetzen, wurde aber vorher von Anhängern des Schahs ermordet. Nach dem Kriege heiratete sein Sohn in eine sehr reiche Großgrundbesitzerfamilie Südpersiens ein (Besitz der gesamten Provinz Fars). Durch diese Heirat (Politik á la Habsburg) bekam Alam eine gewaltige innenpolitische Macht. Alam ist heute neben dem Schah der einflussreichste Mann im Iran. Der ständige Wohnsitz dieser Großgrundbesitzer war vorwiegend (für Khorassan) Birdjand und Maschad.

Nur etwa 30% des Landes gehörte kleinen Bauern. Der Großgrundbesitz wurde durch Anteilbauern bewirtschaftet. Zum Großgrundbesitz gehörten auch die Wasserrechte, das Saatgut, das Zugvieh und die Arbeitsgeräte.

Nach dem Erdbeben kaufte der Staat das restliche im Besitz des GGB gebliebene Land auch noch auf Der Schah, der selbst das Katastrophengebiet besuchte, versprach der Bevölkerung großzügige Hilfe. 1347 begannen Vermessungstechniker der Armee, das Gelände zu vermessen. Am 28.6.1347 erfolgte dann die Grundsteinlegung und offizielle Benennung in Shahabad. Das Projekt erhielt die folgende offizielle Bezeichnung (Umschrift): Scherkate Sahami Serail Shahabad Ghaenat

Projekte dieser Art wurden in den wirtschaftlich unterentwickelten Grenzbereichen Persiens durch die Regierung angelegt, um einmal der Bevölkerung zu helfen und diese Gebiete dem Rest Persiens anzugleichen und so eine politische Stabilisierung zu erreichen.

Der Wert des vormaligen Grundbesitzes der einzelnen Bauern in Shahabad wurde nach einem komplizierten System von Fachleuten geschätzt und in Anteile umgerechnet. So ergaben sich insgesamt 67.000 Anteile zu einem Nennwert von je 100 Toman, von denen 40 % (32.000) sich im Staatsbesitz befindet, die restlichen 35.000 im Besitz der einzelnen Familien. Der Reingewinn des Projektes wird jährlich auf die Anteile verteilt. Die Bauern werden ausgezahlt, und der Staatsanteil wird interessanterweise für Investitionen im Projekt einbehalten. Durch diese großen frei gewordenen Geldmittel gelang es Shahabad, sich zum Musterbeispiel hochzuarbeiten. Dadurch stiegen die Anteile inzwischen auf einen Wert von rund 3.000 Toman, sie können auf Grund eines Gesetzes aber nur zum Einkaufspreis veräußert werden, d. h. für 100 Toman. Da die Bauern sowieso nur untereinander diese verkaufen dürfen, ist somit eine Besitzkonstanz gewährleistet, da keiner daran interessiert ist, teure Anteile billig abzugeben.

Die ersten 1 ½ Jahre arbeitete das Projekt verständlicherweise mit Verlust. Seit 1349 arbeitet das Projekt mit stark steigendem Gewinn. Die Bauern haben durchschnittlich 35 Anteile (höchste Anteilzahl lag bei ∼ 150, die geringste bei ∼ 15). Dass ein Existenzminimum vorhanden bleibt, von ∼ 15 Anteilen, wird staatlich überwacht. Einige haben so viele Anteile, dass sie nicht mehr auf dem Projekt arbeiten brauchen, sondern in der Stadt wohnen und sich nur noch ihre Anteile auszahlen lassen brauchen.

Normalerweise werden pro Jahr und Anteil 30 Toman ausgezahlt, so dass ein Bauer im Durchschnitt rund 1.000 Toman erhält. Dazu kommen noch die recht guten Arbeitslöhne und die Leistungsprämien. Die Familien bilden Kollektive gemäß der Bodenqualität und der Brunnenkapazität. Die Monatslöhne gliedern sich beispielsweise wie folgt ...

Traktorfahrer

∼ 600 Toman

Mechanikermeister

∼ 3.000 Toman

Pumpmeister

∼ 3.000 Toman

Arbeiter

∼ 600 Toman

Projektleiter

∼ 10.000 Toman

Auch die Bediensteten des Kindergartens, die Verkäufer der Ladenkette, die Verwaltung, die Krankenpfleger und der Arzt, etc. ... werden vom Projekt selber bezahlt.

Ich danke im Namen der Leser Ihnen, Herr JöJa für dieses Diktat - UlKa (Diese Zeile wurde aus Platzgründen vorgezogen - ich bitte um Nachsicht.)

Sämtliche Projektmitglieder sind pflichtkrankenversichert. Der Beitrag beträgt pro Familie und Jahr 36 Toman. Hierin sind auch Leistungen enthalten wie ein Flug nach Teheran oder Krankenhausaufenthalt in Maschad, wenn erforderlich. Der Gesamtgewinn des Projektes ist für 10 Jahre steuerfrei. Ebenso die Löhne bis 500 Toman monatlich.

Der wichtigste Mann im Ort ist der Generaldirektor und Projektleiter. Dieser Projektleiter wird von drei Wahlmännern des Sherkats gewählt, wobei der Staat sich vorbehält, die wählbaren Diplomlandwirte, in diesem Fall drei, vorzuschieben. Diese drei haben gleichzeitig eine Kontrollfunktion. Sie werden jährlich neu gewählt. Ansonsten formiert sich die Verwaltung aus Angestellten.

Inzwischen gibt es 67 Projekte dieser Art in Persien.

(Zum Vergleich lese man die kurzen Notizen über Bampur, dann wird dem Leser erst bewusst werden, wie weit Shahabad bereits entwickelt ist, UlKa.)

In Shahabad 1 + 11 gibt es ungefähr 8.000 Einwohner. Das Einkommen beträgt bei jeder der 1.247 Familien ungefähr 5.000 Toman im Jahr, eine für den Iran stolze Summe. Aufgrund dieser Einkommensverhältnisse und wegen der guten Sozialleistungen hat jetzt ein Dorf, das bisher nicht zum Projekt gehörte, von sich aus den Antrag gestellt, ins Projekt aufgenommen zu werden.

Shahabad besteht aus zwei modernen Ortsteilen, die in erdbebensicheren Flachbauweise errichtet sind. In beiden Orten und den noch verbliebenen alten Orten gibt es eine Ziegelbrennerei, einen Flugplatz, ein Schwimmbad, einen Campingplatz, eine überregionale Berufsschule, eine Mittelschule, zwei Teppichfabriken, vier Volksschulen, drei Postämter, eine Zentralverwaltung, zwei moderne Badehäuser, zahlreiche moderne Ställe, 45 Pumpen, eine Wetterstation, zwei Krankenstationen, zwei Kindergärten, eine Käsefabrik, moderne Werkstätten, Fahrzeughallen, eigene Straßenbaumaschinen, eine Gendarmerie, 27 Traktoren, drei Bulldozer, ein Scraper, drei Mercedes-LKW + Ladekran, vier Willys, fünf große Jeeps, ein Landrover - für den Chef -, fünf russische Motorräder für die Oberhirten, zehn Fahrräder für Behörde und Werkstätten, ein Gaz-Werkstattwagen, drei große Mähdrescher, acht Anhänger, 1.232 ständig Beschäftigte, sechs Säemaschinen, sechs Landnivelliergeräte, 20 Scheibeneggen, zwei Netzeggen, 20 Pflüge, drei Spezialscharpflüge, fünf Spritzen, 5 Düngemaschinen, fünf Zuckerrüben-Erntemaschinen, vier Kultivatoren, drei Bewässerungsfurchenzieher, eine Funkstation, vier Diplomlandwirte, zwölf Läden, Kuh-, Schaf- und Kamelställe, 15.000 Fleischschafe, 15.000 Milchschafe, 565 Kamele, 36 Rinder (Zahlen von 1352), ein Arzt. Gesamtanbaufläche: 13.500 Hektar, davon Weizen 1.280 ha = 1.600 t = 1.000 Toman, Gerste 183 ha = 280 t = 750 Toman, Zuckerrüben 1.200 ha = 24.000 t = 150 Toman, außerdem Safran, Mohn = Opium, Luzerne, Obst, Gemüse = Melonen, Kartoffeln, Gurken, Tomaten, Schafskäse (kg = 8 Toman), Schaffleisch kg = 8 - 15 Toman je nach Tot- oder Lebendgewicht.

Für genauere Angaben siehe Examensarbeit von Herrn JöJa, Gö. Trotzdem Analphabetenquote von ∼ 75 %! Bei den Alten natürlich rund 100 %. 1% des jährlichen Gesamteinkommens wird für Notzeiten zurückgelegt. Die Rücklage nebst den Rücklagen des Projektes werden zusätzlich zu hohen Zinssätzen (9 %) auf die Bank gelegt.

Die Erträge werden im Großen und Ganzen privat verkauft, da dort mehr Geld rein kommt.

(der Chef hat was drauf, alle anderen sind so ziemlich Stoffel, das liegt daran, dass der Arefmanesch vernünftig in Deutschland studiert hat! - UlKa)

Die Bauern dürfen sich privat noch Vieh halten. Dieses wurde auf Anregung - oder besser Druck des Chefs in Gemeinschaftsställen untergebracht. Am Rande der modernen Siedlung gibt es so eine Art Slumbildung in alter Lehmziegelbauweise mit Gewölben, in denen aber anscheinend nur Hirten mit ihren Familien leben. Pro Hektar werden ungefähr 800 kg Kunstdünger und x kg Stalldünger verwendet.

JöJa liest jetzt noch Stichwortangaben ohne Gliederung vor ...

Gliederung der Mittelschule in Shahabad 1 (als Beispiel): 

Horst Walther, Hamburg,