Creative Commons License  ---  Dieses Werk von Horst Walther steht unter einer Creative Commons Namensnennung 2.0 Deutschland Lizenz.  ---  
Rücksturz zur Erde

1974-03-28 Persepolis, ein Riesenspektakel

Großer Aufbruch, endlich geht es weiter. Ich muss ja schließlich mal wieder nach Hause. 5 Uhr morgens wollte man aufstehen, tönte noch am Abend vorher unsere Wühlratte UlKa und schlief, bis man ihm akut zusetzte. Großes Zeltabbauen, Frühstück, letzte Reparaturen, viel Klimbim, jedenfalls war abzusehen, dass wir in Persepolis in die Touristenströme kommen wurden. UlKa war schon ganz geknickt, jedenfalls nicht mehr besonders wirsch. Man musste noch zur Post von wegen der Restante, JöJa hatte es sich außerdem noch in den Kopf gesetzt für die letzte Woche eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, was auch prompt nicht gelang, dafür aber viel Zeit kostete. Wir waren nicht die Einzigen, die um diese Zeit Shiraz gegen Norden verließen. Die Straße war leicht gefüllt mit heimkehrenden Nouruzlern. Herrlich diese Perser in Urlaubsstimmung. Mit unserem Unikum erregten wir viel Aufsehen, und es gab kaum einen Wagen, aus dem uns nicht grau melierte Herren, junge Mädchen oder aufgeblasene Modegacks zuwinkten. In einen Wagen reichte UlKa Bonbons rein und bekam dafür gleich 3 herrliche Mandarino-Orangen. Na, wenn das so weiterginge, würden wir noch gut verpflegt werden. Doch nachher wurde die Fährgeschwindigkeit höher, und solche Manöver konnten nicht mehr durchgeführt werden.

Oh, schau 'mal, da oben ...

Persepolis: Große nationale Heils- und Gedenkstätte. Achtspurige Asphaltstraße zur Terrasse des großen Palastes. Polizeiaufgebot, Megaphone, hunderte von Autos, Tausende von Menschen. UlKa ärgerte, mich freute das. Natürlich, auch ich fand das höchst interessant, Dass die Jungs damals so viele Ruinen gebaut hatten. Interessanter war noch, die vielen Leute anzusehen, die hierher strömten. Seit der Shah hier sein Riesenspektakel inszeniert hatte, musste jeder Perser, der etwas auf sich hielt, wenigstens einmal im Leben in Persepolis gewesen sein. Hier fand man wieder, was sich sonst in Teheran oder Shiraz hinter dicken Mauern versteckte. Von der alten schrumpeligen Oma bis zum kessen Teenager, würdige Herren und junge Schnösel und dann natürlich die eigentlichen internationalen Touristen. Es muss gerade ein ganzer Bus Japaner angekommen sein.

Hinter jeder zweiten Säule sah man ein Schlitzauge hervortreten. Ein japanischer Opa war schon zusammengekracht und musste von Kollegen auf dem Rücken abtransportiert werden. Außerdem langhaariges Jungvolk, ältliche Lehrerinnen Typ "glückliche Kuh" und natürlich wir: Eine hutzelige Archäo-Ratte, ein blonder Riese im Trapperaufzug, eine zerzauste Plattnase mit viel zu großen Latschen. Nur LoGe hielt sich etwas zurück. Während UlKa großen Foto-Aufstand machte, und alle Leute von den Reliefs scheuchte, schloss JöJa mit seinen dürftigen Farsi-Kenntnissen und seinem durchschnittlichen Englisch lauter neue Bekanntschaften. Als LoGe und ich uns zu den Zelten aufmachten, in denen damals der Riesenspektakel stattfand, schlugen wir uns durch einen Picknick-Wald, der mit tafelnden Großfamilien voll besetzt war. Hier kommen wir nicht ungeschoren durch. Das wusste ich bald. Dennoch konnten wir verdammt weit vorstoßen, bis dann endlich jemand uns zum Niedersitzen einlud. LoGe bekam das nicht so recht mit und lief erst weiter. Da saß ich also wieder einmal mit einer persischen Familie, natürlich auch aus Teheran, zum Picknick. Man füllte gleich wieder Teller mit gebratenem Reis, Tomatensalat, etc. So ganz nebenbei füllte mir der schon leicht angesäuselte Patriarch der Familie ein persisches Norm-Teeglas nach dem anderen mit gutem hochprozentigem Wodka. Was geredet wurde? Sehr viel! Man kann es dort nachlesen, wo schon andere Einladungen beschrieben wurden. Wäre nicht rechtzeitig LoGe gekommen, so wäre ich wohl um einen mittleren Vollrausch nicht herum gekommen. Aber die Mannschaft, allen voran UlKa, drängte zum Aufbruch, neuen Altertümlichkeiten entgegen. Naqsh-e-Rostam war die nächste Etappe. Senkrechte Felswände mit Felsengräbern darin. Ja doch, die Jungs haben sich damals schon ziemlich Mühe gegeben. Doch, doch - alles recht imposant. Aber UlKa’s Sprüche, von wegen der berühmten Leute, die er kenne, wirkten hier schon lange nicht mehr. Nur auf Studentenkarte kamen wir für den halben Preis hinein. UlKa musste voller Neid mit ansehen, wie ein dicker, reicher Perser den Wachen ein Papier unter die Nase rieb, und daraufhin alle Schranken fielen. Tscha, mein Lieber, so etwas solltest Du Dir anschaffen!

Oh, ich glaube da hat jemand etwas gegen uns ...

 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---

Nun man nicht so schnell voran! Ich sehe mich gezwungen, erste Mal etwas über Persepolis zu Papier zu bringen. Da ich hier gerade den französischen Prospekt vor mir liegen habe, mache ich mir nicht die Mühe, etwas Eigenes ins Tagebuch zu tippen, ich der ich mit meiner fachmännischen Stellungnahme vieles vergessen oder für selbstverständlich erachte, was für den normalen Leser gar nicht so selbstverständlich ist. Deshalb werde ich Stücke hieraus einfach abtippen oder übersetzen.

 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---


Ach ja, Naqsh-e-Rostam! Also ein ungeklärter Turm auch noch weiter, zur nächsten Ruine. Tacht-e-Ta'us, das antike Istacher. Viele Löcher, "beschissen" ausgegraben (jedenfalls laut fachmännischem Kommentar von UlKa), eine Säule, die extra für die 2.500 Jahr-Feier herangeschafft wurde - weil Ruinen ohne Säulen ja nicht wirken - und viele Scherben. Hier machte so ein Ruinenfeld halt noch Spaß. Wenn man so auf Schritt und Tritt Scherben aus allen Epochen findet und die Entdeckerfreude immer weiter ins Gelände zieht, dann kann man den Schliemännern und Bottas schon nachfühlen - und den UlKa’s erst. Aber wenn beim Zoll auch nur eine Scherbe gefunden wird, kostet es sogleich den Kopf, welcher mir dann doch wichtiger ist.

Nun aber schnell weiter. Die Sonne stand schon tief und Pasergadae sollte noch bei Büchsenlicht erreicht werden. Nur, wo lag Pasergadae?


 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---

Das Museum in Persepolis ist beschissen, kostet 10 Rial, selbst für Studenten. Man sollte P. im Sommer besuchen, dann ist nichts los.

 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---


Bemerkenswert an Pasergadae: Ein Storch hatte ein Nest auf einer Säule gebaut und schiß auf den ganzen Rummel, UlKa’s hoch wissenschaftlichen Kommentare wurden nicht mehr mit dem nötigen Ernst aufgenommen, die ganze Anlage wurde von riesigen Prachtstraßen wie von einem großen Polypen umschlungen. Dämmerung, weiter. Noch in der gleichen Nacht erreichten wir Isfahan und unseren schon bekannten Zeltplatz. Ich bin ja schon einige persische Städte im Lichterglanz gewohnt, die Einfahrt aus Richtung Shiraz nach Isfahan, diese Lichtorgie, hatte mich doch fast umgehauen - allerdings nur fast. Wir sind nur deshalb wieder auf den Campingplatz gegangen, weil wir hier zwei Leutchen treffen wollen, die uns schon in Persepolis um eine Heimfahrt angegangen waren, ihr Gepäck aber noch in Shiraz hatten ...

Die Ruinen von Pasergadae

1974-03-29 Irre, intime Interviews

Gerhard Wohlfarth (GeWo), alle Führerscheine, 23,5 Jahre, D-6900 Heidelberg 1, In der Vogelsang 1 Frau = Monika (21), getrennte Wohnung. Sie: Kettengasse 6, 06221 / 28276, Er: Studium Anglistik, Slawistik, 4. Semester, keine Vorstrafen, gedient, W 18 Funker, FM 12 / 800, Haarfarbe blond, gelockt, lang, 178 cm Größe, Gewicht je nach Fresslage 70 - 71 kg, schlechter Schiss auf Reisen, aber erwünscht. Erster Schiss nach Heidelberg in Teheran. Frauentyp: nach allen Seiten offen. Instrumente: 2 Jahre Klavier, Bongos, Percussion aller Art, haut öfter auf die Pauke, sammelt keine Briefmarken, das aber mit Leidenschaft, hatte einen Fiat-Neckar millecento, verschrottet aber Liegesitze. Handgas, 3 Innenleuchten, eine Kofferraumleuchte, eine Motorraumleuchte, Registervergaser, Solex, enormer Öldurst. Gehobener Mittelstand der Studentenschaft, weil Fernseher. Beim Tankwart: "Fill the oil and check the gas!" Pubertät zwischen 11 und 13! Will spät heiraten. Kinder so viel wie möglich, zumindest aber zwischen 4 und 6 an der Zahl. Glaube evangelisch. Schuhgröße 41 - 42. Hunger zurzeit sehr stark. Erster GV mit 22 Jahren.

Rudi Hermann Meier (RuMe), 22 Jahre, geb. 3. April, Größe 183 cm, Augenfarbe blau, Haare kurz, braun gelockt, voller Ziegenbart, Schuhgröße 42. Adresse: 6900 Heidelberg 1, Am Schloss - Wolfsbrunnenweg 18 a. Tel. 23055, Wohnung: Kommune, 9-Zimmerhaus, Fernseher, Schlagbohrmaschine, Wäschetrockner, 5 Autos, 2 Mann, 5 Frauen, keine eigene Frau, 2 Kinder, 3 Zweiräder, 1 Peykan-Roller, Freundin, Haarfarbe: braun, 21, lang, wohnt nicht im Haus, 5 km bis zur Freundin, Psychologin, er: Studienabbrecher!!! (Mathematik), Beruf: NIX!!! Autoüberführer, Zukunft denkt er sich rosig. Will 5 Kinder, ca. 10 Frauen vernaschen. Fahrzeuge: 3 Quickys, 2 Fahrräder, ein Rennrad 10-Gang, 1 Motorroller, ein Mofa und noch eins, ein Moby, ein Velo, 1/3 Auto Buick 63, 8 Zyl., 200 PS. Flüster, Flüster, schwarz, Cabrio, viel und Sprit. Stuhlgang: hervorragend, wasserlöslich, Konsistenz fest dank Mexaform forte (kann auch "S" oder "plus" gewesen sein). Erster GV 20 Jahre, jahrelang ergebnislos herumstudiert. friedliebend, nicht gedient. Hobby: Motorenbasteln. Sammelte Briefmarken, entwicklungsgestört. Blue-Jeans-Träger. Frauentyp blond und mollig dank Buik 5 Frauen vernascht! Schweißfüße.

Lange geschlafen. Die beiden kamen tatsächlich und weckten uns. Tagebuch schreiben, viel rodeln. Die beiden blechten 250,-- DM inklusive E-Pa-Verpflegung bis Deutschland. LoGe's Preis wurde daraufhin von 350,-- DM auf 250,-- DM gesenkt. Kassenstand: alles inklusive etwas über 1.000,-- DM. Abfahrt 1 Uhr 30, gen Teheran. Die beiden Alten fahren, und die Jugend winkt hinten den vorbeifahrenden hübschen Perserinnen, tippte Interviews etc.

Horst Walther (HoWa), Pjera Singh, Teufel, Michael Dubrowsky, Rasputin, Tamen, sonstige Pseudonyme wie linke Titte, little Rödel etc. Horst Walther, + Otto Heinrich, geb. 20.10.51 in Berlin, Vater Unimogfahrer, Halter und ebenfalls Horst. Heide! 2138 Scheeßel-Veersebrück, Westerwiesenweg 3 b oder 2000 Hamburg 33, Theodor Rumpelstieg 2, 4. Stock, Wohnung gemeinsam mit Fräulein Regina Henny Meta Brodersen, Germanistik, Erziehungswissenschaften, Rumänisch (Hobbyrumänin wegen der Männer) 25, blonde Haare, langjährige Reisebegleiterin, Schwester Karin, 19, Trostpflästerchen - Horst erhebt, ziemlich lässig und gelangweilt, proforma, Einspruch - (nicht stattgegeben) Chemie, VWL , Farsi und Französisch im 7. Semester. Käfer, VW-Bus (bis Nepal), 58 Bj. VW-Cabrio, gelb, VW-Bus Bj. 62, (bis Kaschmir, Libanon, Syrien), Unimog S 404-114, (Afghanistan), Pritsche, Spiegel & Plane, allein mit vielen Hippies und einer Italienerin als Ruhekissen namens Nivea (Sabinetyp) Fernseher, ein Radio inklusive "Radio Kairo", indische Schallplatten, viel Weltfahrer-Literatur und hohe, oft vernachlässigte Prinzipien. Max. pro 3 Jahre ein Kind bis zu 5 Frauen bisher, ansonsten keine Wünsche mehr, da keine Freundschaft abgebrochen und genug zu tun, erster GV mit 15. Frauen im Durchschnitt älter als er selber. Traumdasein: eine Oase in Saudi-Arabien oder Sistan, dazu ein herrlich befestigtes Karawanserail, Palmen, blühende Sträucher, plätschernde Bäche und murmelnde Wässerchen, zwitschernde Vögelein, schwarzhaarige, schlanke, pfirsichhäutige, einherschwebende Feen mit Huriaugen, mindestens ein Butler. Für’s Alter dann wegen der weiten Wege eine Insel in der Ägäis, eine grüne Perle in der blauen See. (Um mir die weitere Beschreibung zu sparen, verweise ich hier auf die Onassisinsel.) Durchschnittlich 182,35 um das Jahr gemittelt (Jahresmittel von 1973 ohne Spitzenwerte), Augen braun, Haare schüttern, nazibraun, Schweißfüße, Sandalenträger, Neofaschist!

Gegenbefragung ...

Ullrich Kampffmeyer (UlKa) Spitzname: Ratte (zu Hause Gilligan). Jetzt geht's los: vollständiger Name Ulrich Bruno K., geb. 12.04.52 in Hameln. Heimat: 3251 Hameln 1 - Kleinberkel, Friedrich-Grabbe-Straße 22, Tel. DRK Hameln 05151-28550 Studienadresse: 3400 Göttingen, Seminar für vorderasiatische Archäologie, Prinzenstr. 21, Michaelishaus. Freundin: Angelika aus Hameln, schwarzhaarig, dunkle Augen, 180 cm, 17 Jahre, Typ Elektroquirl! Fahrzeuge: Kadett A Bj. uralt, Rally Kadett, 1,9 1, 90 PS, 3 Totalschäden (auf Rallys), VW-Käfer, Monza - blau, 86, Opel Rekord 50 %, VW-Käfer, 62, MB Diesel 190, VW-Bus, 62, weiß-orange gestreift, VW-Bus, 63, auch gestreift (weiß-orange), arbeitet wie eine Wildsau als Barkeeper, DM 5,80 pro Stunde. Jahrelang Pfadfinder-Guru gewesen, Amateurmusiker (folk, solo-blues-g.), Instrumente: bg (modern bis free jazz + Stand bez. Akustik bez. Kontra- oder C-Bass) in der "KG URNE Hameln, e. V." Fotoamateur, Gelegenheits-ex-Journalist. Studium: Hauptfach: Vorderasiatische Archäologie, Ur- und Frühgeschichte, sowie Arabistik, wozu demnächst Iranistik und Turkologie tritt. Studentenvertreter im Fachbereichsrat ohne Wohnung + Meinung, viel Arbeit. Sexuell "Minkos", daher übersteigerte Kontaktfreudigkeit, 1. GV kurz vor 17 (Frau 21, Tochter des Küsters auf einer Pfadfinderfete (Er fand den Pfad!), 15 Frauen, viele Groupies, kurze Potenzstörungen während der BW-Zeit. 3 Monate in Krankenhäusern gedient, keine Kinder, ev. Traum: riesiger Garten mit Palmen, Rasen nebst bewaldeten Bergen in Dhofar mit Haus im Kretisch-Japanisch-Sassanidischen Stil, Sprachen: Englisch, Französisch, gebrochen Deutsch, Latein ganz, Arabisch, Russisch, Nabatäisch (Schrift etwas). Groß: 192 cm, Schuh: 45, Rülpsen, nein, Schweißfüße, Dackel- oder Rehaugen (2 Stück, treu.), Spleen, Teetrinker, wenig Alkohol, kein Hasch-Fresser, Nichtraucher, Ziegenbart, kurze Haare, mal lange Haare gehabt, ex. KPD/ML (ganz raus!), jetzt gemäßigter und dicker. Friedliebend, Säbelträger, nicht ungeil. Nicht beschnitten, als Kind zu heiß gebadet. Süße Stiefschwester (16) nix wie hin!

Wir stehen gerade in Ghom (Qom). JöJa hält den Laden wieder auf, indem er die Moscheen fotografiert und jetzt unbedingt eine Wasserpfeife kaufen will. Die Jungs hier hinten werden, zwecks Hungers, langsam unruhig. 80 km bis Teheran. So jetzt sind wir wieder aktuell ...

Jörg Janzen (JöJa), nicht vorbestraft, steht zur Wiedervereinigung, geb. in Flensburg, Nachkriegskind, am 16.03.1946 geboren, verlobt mit Hannelore, wohnhaft in NRO, 25 Jahre alt, Zweitstudium, mittlere Reife, Innenarchitektin, link-JuSo’isch, Steffensfan. Er selbst studiert Romanistik und Geographie, 9. Semester, 2 Semester VWL, 3 Jahre Berufserfahrung in der Busbranche (Betrieb der Eltern, hat gut dabei verdient) 2 Jahre BW, Z2 freiwillig, jetzt Oberleutnant der Reserve (Heer), alle Führerscheine, auch Bus. Blonde Haare, 2 m groß, Vollbart, Siegfriedfigur, steht zum Verteidigungsauftrag der BW. Autos: 3 normale PKWS, 3 Geländewagen: 1. Hanomag, der beste, robust - Dieselmotor, keine abgefetzten Schrauben wie beim Unimog, 2. Borgward, auch gut, Getriebe war KAPUTT! Ein Zahn im Getriebe wurde wieder angeschweißt (!), 3. Unimog, ein Einfall, siehe Tagebuch, Schweißfüße, sympathisch. Sprachen: Deutsch., Platt, Französisch, Englisch, Latein, Kenntnisse in Spanisch, Italienisch, Russisch (passives Wissen), Optimist. Ober Frauen: 20 bis 30, was kommt, wird festgehalten. Die Hälfte der persischen Frauen gefallen ihm sehr gut. Der erste GV mit 15, die Frau hat ihn verführt. Vater gestorben (64), keine Großeltern mehr. Flüchtling mit Ausweis A. Viele Fahrten: Sahara-Westafrika-Tour, eine Iran-Iraq-Tour, Frankreich, Kanarische Inseln, Polen im Sommer, Ungarn, Rumänien. Einzelkind, Stuhlgang auf der Reise mäßig, gute Erfahrung mit Stehklos, benutzt aber Papier. Freut sich, nach Hause zu kommen: Arbeit, Freundin, Mutter.

Lothar Gerhardy (LoGe), geb. in Gifhorn, bei Braunschweig, Niedersachsen. entstammt einer Mischehe. Geboren am 17.06.1945, fast Kriegskind, Zwilling, Freundin arbeitet in Indien als Ethnologin: Maren, große Liebe, ledig, Schuhgröße 41, Freundin sieht gut aus. Er ist Schnurrbartträger, halbe Glatze, Studium in Hildesheim, jetzt Ing. grad., anschließend Tätigkeit bei Strabag in Stuttgart. Mittler zwischen Nord- und Süddeutschland. 2t-Studium zum Wirtschaftsingenieur, im Augenblick arbeitslos, mit Unterstützung, wohnsitzlos, ohne Frau, sucht hübsche 2-Zimmerwohnung in Heidelberg. Autos: R4, mehr nix. Außerdem WG-Erfahrung mit WG-Auto (Morris 1100), außerdem 1/2 MB 220 S-Kabriolett, Baujahr 53, schwarz, 2 + 2 Sitze - Ledersitze. Reisen: 70, Ostblock-Türkei-Irak-Iran. 72/73: 7 Wochen Indien, 74: wieder Indien. Freund in Teheran, hat uns Skatspiel organisiert. Hat in Indien viele Freunde, hat 5 - 6 feste Freundinnen gehabt, das erste Mal mit 6 im Kindergarten verliebt. Hobbys: Sport (Volleyball, Handball, Wandern), Bundesliga, kennt alle Nationalspieler, "Hannover 96"-Fan, auch Jazzer, Schlagzeug. Drogenerfahrung (Hasch), Alkohol, Zigaretten, getauft, konfirmiert, lutherisch. Feiert nicht gerne Weihnachtsfest, sonst gern Feste. Optimist, fühlt sich aus dem Osten nicht bedroht. NATO interessiert ihn nicht. Hat in seinem Leben 5 x demonstriert, sogar als Organisator, so wie er lebt und sich verhält, steht er auf dem Boden der "Freiheitlich Demokratischen Grundordnung". Steht der Mengenlehre positiv gegenüber.


Die letzten Interviews wurden zum Teil von RuMe gemacht und geschrieben.

Es ist jetzt an der Zeit, das eigentliche eigentümliche Tagebuch weiterzuführen. Isfahan. Also in Isfahan hat UlKa doch tatsächlich seinen verlorenen Schlafsack wiederbekommen. Auf der Hinfahrt hatte er ihn, sorglos wie er ist, auf der Terrasse unseres Camping-Hotels vergessen. Aus Yazd hatte er dann noch ein zweifelhaftes Telefongespräch mit dem Manager geführt und ihn gebeten, den verlorenen Sack nach Shiraz - poste restante - zu schicken. Daraus ist natürlich nichts geworden. Erstaunlicherweise war das gute Stück aber noch vorhanden, als wir diesmal ankamen und wurde auch anstandslos herausgerückt - Ab Isfahan also waren wir wieder zu sechst. Vorne die Altherrenriege, die sich später als in der Tat schon leicht greisenhaft herausstellen sollte. Hinten die Jugend, die zum Teil in Migräne schwelgte. Abendessen vor einem Teehaus in Ghom. Unsere beiden Neulinge stellten sich als gute Deutsche und stramme Esser heraus, die pro Tag mindestens ihre 3 Mahlzeiten (davon 2 warme) brauchten und auch sonst viel zu meckern hatten. Im Klartext: Als Bremsklötze, d. h. zunächst waren es die alten Daddys, die da bremsten. LoGe wollte unbedingt in Teheran von einer Familie restliche Klamotten abholen, was für Big Fettwanst eine willkommene Gelegenheit zu einer lustigen Jagd nach Landkarten werden sollte. Na, und dann wollte UlKa auch gleich ins Museum "Iran Bastan". Die Fahrt von Ghom bis Teheran übernahmen UlKa und ich. In der Stadt sollte uns LoGe führen, was aber nur mit Mühe und Not und nach etlichen vergeblichen Kilometern gelang. Er kannte sich noch viel schlechter als bereits ich in Teheran aus - also praktisch gar nicht. 5 Leute schliefen im Wagen, ich wieder vorne quer und LoGe oben bei seinen Leuten.

Teheran ...

1974-03-30 Heimwärts laßt uns ziehn!

Später Aufstand, umständliches Frühstück. Gegen 10 Uhr hatten wir endlich einen Parkplatz in der Nähe des Ferdowsi-Square. Ich schloss mich UlKa zum Museum an. 12 Uhr wollten wir uns wieder treffen. Das Museum? Besser als Istanbul, schlechter als Ankara. Dafür haben die Jungs hier teilweise sehr gute Stücke zum Ausstellen, z. B. die Gesetzes-Säule des Hammurabi etc. Anschließend führte ich UlKa noch ins Amir-Kabir-Hotel, damit er dieses auch einmal sähe.

10 vor 12 im Amir Kabir. Schneller Aufbruch. Wir sollten ja gegen 12 Uhr am Wagen sein. 15 Min. Verspätung, die uns von unserem großen Langsamen hämisch vorgehalten wurden. Er hatte in der Zwischenzeit gerade die Adresse eines Landkartenladens herausbekommen und bestand mit Hinweis auf unsere Verspätung darauf, diesen noch zu besuchen. Diese klitzekleine Bude sollte der einzige Ort im gesamten Iran sein, wo es gute Landkarten gäbe? In der Tat, das ist es. Adresse für Interessierte: SAHAB, Geographik & Drafting Institut, P.0. Box 236, Tel. 765691, Cable 299, Old Shemiran Road, Iraj Street, No. 30, Teheran, Iran. Auch ich konnte hier nicht recht an mich halten und gab meine letzten 30 Toman für Karten her.

So ganz nebenbei sei hier noch eingefügt, Dass der Außenstehende an dieser Stelle getrost mit dem Lesen dieser gesammelten Konfusionen aufhören kann. Mir scheint, Dass ab jetzt nichts Gescheites mehr zu schreiben ist. Zum großen Teil liegt das einfach daran, Dass ich mit meinen Gedanken schon vielmehr zu Hause bin als hier unterwegs. Wahrlich, ich werde genug zu tun haben, während ich hier nur Zeit verschwende und mir die Reise viel zu langsam vonstattengeht.

2 Uhr LoGe von seinen netten Gastgebern losgeeist. Abfahrt 14:30 Uhr. Die Ausfahrt aus Teheran ist immer, jedenfalls wenn man als kleiner LKW den Tehran-Karadj-Freeway nicht benutzen kann, eine große Klotzerei. Aller Verkehr muss sich auf einem kleinen, total zerfahrenen Landsträßchen bis Ghaswin quälen. Zumindest für die Strecke von Teheran bis Ghaswin wäre selbst eine Autobahn bundesdeutschen Ausmaßes gut ausgelastet. Ghaswin ist die große Gabelung. Der meiste Verkehr geht von hier nach Rasht oder Hamadan und die Straße Zandjan, Täbiz war frei und gut zu befahren, d. h. sie wäre gut zu befahren gewesen, wenn nicht ein plötzlicher starker Gegensturm, verbunden mit einem Temperatursturz von 18 0 C, unsere Fahrt stark gebremst hätte. Doch nicht nur gegen natürliche Widerwärtigkeiten mussten wir ankämpfen. Wie schon erwähnt, hatten wir uns in Isfahan zwei recht anspruchsvolle Bürschlein eingeladen. GeWo erhielt mindestens 2 x pro Tag Essbefehle von seinem verkorksten Magen und bestand anfangs gar auf 3 Mahlzeiten (2 davon warm), RuMe, der schwäbische Fresssack, bekanntlicherweise haben die Schwaben ja 2 Mägen, dafür aber - oh, ausgleichende Gerechtigkeit - kein Herz, schrie andauernd durch das Verbindungsfenster, Dass er kurz vor dem Verhungern sei. Dabei zeigte eine verräterisch dicke Speckschicht auf seinem gepäppelten Leib an, Dass die Situation noch keineswegs so ernst war. Nicht so schnell durchbrausen sollten wir und nur ja keine Nachtfahrten. Die Gesundheit könnte ja gar, Schaden leiden. Das Dollste aber: RuMe wagte es gar, meinen Fahrstil zu kritisieren und das als zahlender Gast. Das war dann doch zu viel. Wenn ich mir einen kleinen Scherz erlaube und einen Rowdy von Busfahrer bei dem Versuch, mich abzudrängen, ein wenig zappeln lasse, so ist das meine ganz persönliche Angelegenheit. Die Mitfahrer können froh sein, wenn ich sie nicht nach der 1. Kritik hinausgeworfen habe. Auf diese Weise kamen wir natürlich nicht weit, und der panische Schrecken der Neulinge vor jeglicher Nacht- und Dunkelfahrt, der vor allem UlKa und mich sehr verdross, ließ uns bald nach Zandjan vor einer Busfahrer-Kneipe stranden. Wie üblich schlief ich vorne quer, was den Neid unserer Neuen erregte, die argwöhnten, ich könne mir auf diese Weise Bequemlichkeit erschleichen. Und RuMe ertrotzte sich das Recht, dieses Privileg auch einmal genießen zu dürfen. Na, dieses verhätschelte Muttersöhnchen wird sich noch wundern! Scheißtrödeleil, gute Nacht!

1974-03-31 Nicht einmal UlKa wollte man da behalten...

Frühstück, 1. den Mitfahrern vertraglich zugesicherte Mahlzeit und Abfahrt. Letztere gestaltet sich seit einiger Zeit etwas problematisch, vor allem morgens, da der Anlasser seinen Dienst eingestellt hat. Auch die Tachometerwelle spielte nicht mehr mit. Gott ja, was soll man über die Fahrt viele Worte verlieren? Erst fuhr JöJa, dann ich. Die Berge von Azerbaidjan waren uns beiden ja schon alte Bekannte. Kurze Postpause in Täbriz, weil LoGe Wichtiges per Post erledigen wollte. Mittagspause in Marand. Meine letzten 5 Toman legte ich in Süßkram an, was bei mir in Marand schon Tradition hat. Merkwürdig, Dass ich immer in Marand so gute Gespräche mit den Leuten führen kann und das, obwohl doch die Bevölkerung Azer, also eine Turksprache, als Muttersprache hat. Auch diesmal habe ich mich wieder prächtig mit einigen Leuten unterhalten. Einen Hippie, der mit nach Erzurum wollte, galt es noch abzuwehren, dann machten wir uns an die letzten 200 km im Iran. Mit bis zum Rand vollgetanktem Wagen, direkt unterhalb der Grenze ist noch eine letzte Tankstelle, erschienen wir gegen 19 Uhr 30 iranischer Zeit an der Grenze. Hatten wir befürchtet, den Wagen total auspacken zu müssen, so kamen wir erstaunlicherweise relativ ungeschoren davon. Weder wurde JöJa wegen seines zu viel empfangenen Wechselgeldes in Shiraz verhaftet noch ich wegen der geküssten Hausmauer. Nicht einmal UlKa, der eigentlich allein wegen seiner äußeren Erscheinung in den Knast gehörte, wollte man da behalten. Das Kapitel Iran konnte also zugeklappt werden. Hier in der Türkei vergaß UlKa auch seinen Trotz und setzte sich wieder selber ans Steuer, jedenfalls bis Dogubayazit. Im Hotel-Inn-Casino-Restaurant von Dogubayazit konnte UlKa endlich seine Prophezeiung wahr machen und mir ein kühles Tuborg-Bier ausgeben. Derweil machten sich die anderen über das türkische Essen her - ungeachtet der stolzen Preise. Unter den kritischen Augen des Kieslasterfahrers und Ex-Unimogfans GeWo fuhr ich an diesem Abend noch bis hinter Agri, wo wir auf dem Gelände einer Tankstelle übernachteten. Da GeWo und ich im Tankstellenhäuschen auf dem Fußboden Platz fanden, konnte RuMe endlich die heiß begehrte Nacht auf den Frontsitzen verbringen - sehr zum Spaß der anderen Unimogschläfer.

1974-04-01 Zieht euch warm an Jungs, die Nacht wird kalt, wir reiten durch!

1. April. Ohne Aprilscherz von starker, türkischer Tankwartshand geweckt. Ich hatte wieder prächtig geschlafen. Nicht so RuMe, der schon eine Odyssee hinter sich hatte. Ich hatte ihn vorher ausdrücklich gewarnt, aber er wollte ja nicht recht glauben. Nun brauchte er für den Spott der Menge nicht mehr zu sorgen. Selbst die Schlafposition in der Ritze zwischen dem Dach des Führerhauses und dem des Wohnkastens zog er für einige Zeit den Frontsitzen vor, bis ihn auch von dort die Kälte vertrieb. Ja, ja, wenn RuMe etwas in die Hand nimmt, dann bleibt kein Auge trocken!

Es war ein kalter Morgen, und wir machten uns Sorgen um unseren Kühler, der ja nicht mehr gegen Frost geschützt war.  Rattong ... Mit Anschieben war es auch nichts mehr. Wir mussten uns von einem LKW anschleppen lassen. Frühstück in einem Teehaus in Agri. Bis Erzurum fuhr JöJa. Hier wollte ich ja eigentlich einen Kelim für unsere Hamburger Wohnung kaufen. Aber wie das so bei mir ist: im Handeln und bei der Kaufentscheidung schneide ich immer sehr schlecht ab. Meist schnappt mir jemand die besten Sachen vor der Nase weg. So war es in Birjand mit dem Säbel, und so war es hier mit diesem Kelim. Nachdem ich den 2. Kelim gesehen hatte, den UlKa sich zeigen ließ, da wusste ich: diesen oder keinen. Es wurde keiner. UlKa nahm beide. Auch den alten Landkartenshop von vor 3 Jahren fand ich nicht wieder, dafür wenigstens den Wodka-Laden vom letzten Sommer! So einen kleinen Seelentröster braucht man auf dieser Fahrt in der Tat. Die Leutchen können einen fast zum Wahnsinn treiben. Was einen Menschen auszeichnet, ist doch eigentlich, Dass er außer an Essen, Trinken, Schlafen und Fortpflanzung noch an andere Dinge denkt. Nimmt man diese Definition, so bin ich hier nicht von Menschen umgeben. Man isst 2 Stunden Frühstück, 1 Stunde Mittag und 1 1/2 Stunden Abendbrot, abgesehen von ungezählten Dosen Schmalzfleisch, die so kurz für's "Zwischendurch" geöffnet werden. Nach Einbruch der Dunkelheit soll nicht gefahren werden. Wenn man aber auf Frühaufstehen drängt, dann hört man nur Murren und Flüche aus der Miefhöhle. Dennoch kommt es hie und da vor, Dass mal eine Stunde gefahren wird. Nur wenn man versucht, einigermaßen zügig zu fahren, gibt es gleich wieder Ärger. Diese geisttötende Untätigkeit nimmt auch noch dem letzten Elan den Schwung, und das, wenn man ohnehin von bewusstlosem, stumpfstieren Volk umgeben ist. So entbrannte denn in Erzurum beim 1. türkischen Essen sofort ein Streit um die Kosten der Mast. Irgendwer hatte gar die Stirn zu verlangen, Dass das Mittagessen im Lokal auf Kassenkosten gehen sollte und Dass in der Türkei überhaupt nur im Lokal und auf Kassenkosten gegessen werden solle. Nun, in dem Falle würde unser gemeinschaftliches Geld vielleicht gerade für die Türkei reichen. Nach Hause kämen wir so nicht. Nun, der Traum von einer beschleunigten Heimfahrt ist ohnehin ausgeträumt seit wir uns diese Sklaven ihrer eigenen fleischlichen Gelüste aufgehalst haben.

Aber wie herrlich, einige kräftige Schluck Wodka vertreiben alsbald all solche drückenden Gedanken und befreien von dem Alptraum mit aller Kraft vorwärts zu rennen und dennoch nicht voranzukommen.

Ab Erzurum fuhren abwechselnd GeWo und ich. GeWo fährt recht gut, und dadurch, Dass er selber die Geschicke des Wagens leiten durfte, drängte er auch nicht weiter auf Halt und erwies sich auch als recht ausdauernd. Das konnte er aber nur deshalb unter Beweis stellen, weil sich auch LoGe eine große Pulle Wodka gekauft und der hinten im Pappmachéekasten wütenden Skatrunde zur Verfügung gestellt hatte. Sie waren so sehr in Rage, Dass sie sogar das dem etwas unbeholfenen JöJa abgetrotzte Entgegenkommen, nicht nachts zu fahren, vergaßen. Allerdings musste ich auch noch einen halben Liter von meinem Wodka opfern, um die rüde Bande einigermaßen zu betäuben. Teepause in Erzincan. Bevor der besoffene Teil der Mannschaft überhaupt bemerkte, Dass der Wagen hielt, hatten GeWo und ich uns schon in eine Spielhalle abgesetzt. Hier war es richtig gemütlich. Hier konnte man sich wohl fühlen. Während es draußen schon ungemütlich kalt war, hatte man es hier mollig warm, konnte Tee oder Kaffee trinken und dieses orientalische Domino spielen. Als ich den 2. Tee ablehnte, ich hatte wieder kein Geld mehr, bekamen wir ihn ausgegeben. Auch den ersten mussten wir nicht bezahlen. Ja, es macht sich doch gleich bemerkbar, ob man im großen Rudel oder allein oder zu zweit ankommt. Allein durch unsere große Zahl, 6 Personen, und durch das schwerfällige Vorankommen ist unsere Fahrt zu einer sinnentleerten Geschichte geworden. Wir halten uns von der Bevölkerung fern, die Bevölkerung hält sich von uns fern, wir braten im eigenen, wässrigen Saft. Die kräftig bezechte Skatrunde hatte sich inzwischen im nächsten Restaurant zu Bier und Kebab eingefunden und hing dort natürlich fest. Dennoch wurde mir die Zeit nicht lang, denn an der Kasse dieser Fressstube saß unter anderem ein Landwirtschaftsingenieur, der in Deutschland sein Praktikum gemacht hatte, mich zum Tee einlud und über den Zuckerrübenanbau in der Umgebung erzählte. Eigentlich hätte das doch ein interessanterer Fall für JöJa sein müssen. Doch als ich ihm davon erzählte, trat dieser nur schwerfällig auf den Mann zu, sah ihn einige Zeit mit starrem Blicke an und rief ihm dann mit dröhnender Stimme entgegen: "Drei Bier, ein Kebab!" - Oh weh, mit was für Leuten ist man doch unterwegs. Aber unser deutsches Prachtstück hat sich noch andere Klöpse geleistet. Ich möchte da nur an die peinliche Sache erinnern, als er an der persischen Grenze nach dem Zoll Büro suchte und dabei wie ein gehetzter Kaffernbüffel einem sein Gebet verrichtenden Gläubigen über den Teppich trampelte. Beinahe hätte er auf dem Rückweg den frommen Beter selber noch umgerannt, jedoch machte man ihn noch rechtzeitig höflich darauf aufmerksam, Dass er so einiges übersehen hätte. Diese Szene, symbolisch gesehen, kann übrigens noch für einige andere Situationen stehen. Weil die Zecher alsbald in ihrem Rausch in tiefen Schlaf sanken und so nicht mehr schreien konnten, kamen wir an diesem Tage noch bis Sivas, wo wir inmitten der Stadt auf einer Tankstelle zum Schlafen anhielten.

1974-04-02 Röhrende LKW’s, komische Vögel & Ruinen!

Früher Aufstand. Von röhrenden LKW's und klaffenden Hunden geweckt. Frühstück im Teehaus gegenüber. Zwei komische Vögel trafen wir hier an. Der eine: Mittelalter, aufgedunsenes Gesicht, kaum verständlicher Kölner Arbeiterslang. Der andere schon älter, Typ verbitterter deutscher Arbeiter. Er meinte, vor einiger Zeit sei er schon im Iran gewesen und hätte dort gearbeitet. Auf den Herrn Bluthund war man gar nicht gut zu sprechen und beabsichtigte, dieses sein Land möglichst schnell gen Pakistan zu durchqueren. Der Ältere erzählte, er sei in Köln Schrotthändler gewesen.

Hoppla ...

Da man aber z. Z. in der BRD mit solcherart Berufes nicht mehr viel verdienen kann, hätten sie sich gen Osten aufgemacht, um dort ein Auto zu verscheuern und von dem Geld gut über die Krise zu kommen. Der Opel Rekord sei unterwegs jedoch verreckt, worauf alle Papiere, bis auf den Pass, den man übersah, in die Hände der Bullen gefallen sein sollen. In Istanbul die geglückte Flucht begossen und dann in 24 Stunden bis Sivas. Windige Typen, wer weiß, was sie wirklich ausgefressen hatten? Auf jeden Fall trifft man solch Volk selten hier unten. Bis Yozgat fuhr UlKa, jedoch nicht besonders gut. Seit der Tacho kaputt ist, hat er Narrenfreiheit und kennt keine Schaltgrenzen mehr. JöJa stöhnte hinten immer mit, wenn der Motor in den höchsten Tönen jubilierte und schwor sich, diesem unreifen "Hameler Rallyfahrer"..., übrigens der härteste Fluch, den JöJa für UlKa's Fahrstil übrig hat. Wer seine sonst markige Ausdrucksweise - siehe Live-Einschub, Shahabad! - kennt, der kann wohl ermessen, welchen üblen Beiklang dieses Wort inzwischen hat. Von Yozgat aus wollten wir nach Hattusas / Bogazköy abbiegen. Zuerst wollte ich aber noch das Foto von einem Yozgater Teehauswirt, das ich hier im letzten Sommer geschossen hatte, an den Mann bringen. So leicht aber war das auch wieder nicht, denn das Teehaus von damals existierte nicht mehr. Na, dann ging ich eben in ein anderes Teehaus, denn durstig war ich ja auch. Das Bild, das ich rein zufällig vor mir auf dem Tisch liegen hatte erregte sofort Aufsehen und ging von Tisch zu Tisch. Rufe des Erstaunens, die gut hätten heißen können: "Sieh bloß mal! Das ist doch der Dicke aus dem ehemaligen Teehaus in der Stadtmitte!" wurden hörbar. Auch um die Bezahlung von Tee und Kaffee brauchte ich mich jetzt nicht mehr zu sorgen. Alsbald kam ein Deutsch sprechender Türke, wie ihn jedes noch so kleine Dorf vorzuweisen hat und dolmetschte.

Durch das Tor ...

Später führte man mich zu einem anderen (cay-evi, wo der Dicke eine neue Anstellung gefunden hatte.-. Er freute sich zwar sehr über das Bild und lud mich auch gleich zu sich ein. Dennoch: Er war nicht mehr der lustige Dicke von Früher. Seine ehemals schwarzen Haare waren grau. Er war alt geworden.

 --- Fremdbeitrag RuMe ---

Ich will jetzt die letzten Tage aus der Sicht eines Mitfahrers, der nicht zur Stammbesatzung gehört, zusammenfassen. Dazu muss der Tagebuchleser aber erst erfahren, wie wir zu dieser verrotteten Mannschaft mit ihrem verrotteten Fahrzeug gekommen sind. Man kann das ganze also als Big-Rödel Report Nr. 3 auffassen.

Also, das ganze fing so an, Dass GeWo mir irgendwann so um den 7. März in Heidelberg, also zu Hause, einen Zettel zeigte, auf dem eine Mitfahrgelegenheit in den Iran angeboten war. Er hatte ihn auf seinen routinemäßigen Stopps an dem Schwarzen Brett an der Mensa entdeckt. Da wir beide gerade Zeit, aber kein Geld hatten, beschlossen wir, zusammen in den Iran zu fahren. Ich, weil ich sowieso schon in islamischen Ländern, jedoch nicht in Persien, war, GeWo, weil er das kennen lernen wollte. Und natürlich zog auch die Abenteuerlust und die wahnsinnige Entfernung. Der Abfahrtstermin sollte der 10.3. sein. Die Suche nach dem Urheber des Zettels erwies sich aber dann als ungeheuer schwierig. Wir gerieten in persische Studentenkreise, wo alle wussten, Dass Kurosch, so hieß der Typ, nach Persien fahren wollte, aber keiner wusste genau wann. Als Limit galt der 21.3. (Nouroz), zudem Zeitpunkt sollte der Typ in Persien sein, aus Steuergründen.

Als sich dann bis zum 12.,13. sich nichts mehr tat, nahmen wir beide eine Arbeit auf. Am 13. abends meldete sich dann unvermittelt Koroush, der Perser, meinte er bräuchte einen Fahrer und wolle morgen nach Persien aufbrechen. Das war uns dann doch zu viel! Wir drückten das Abfahrtsdatum um einen Tag und erhandelten, Dass noch ein Mann mitfahren durfte, der musste allerdings Essen und Benzingeld bezahlen. Ob das zu unserem Vorteil war oder nicht, sei dahingestellt, wir teilten uns die Kosten, und als wir dann in Teheran waren, hatte jeder von uns 150,-- DM für die Reise bezahlt und hatte selbst fahren dürfen, bei unserer Fahrgeilheit ein nicht zu unterschätzender Faktor, zumal wir kein eigenes Auto haben. Der nächste Tag verging mit allerhand Reisevorbereitungen, ich war unheimlich nervös, denn immerhin ist eine Persienreise kein Pappenstiel. Kurosch entpuppte sich als gescheiterter persischer Student, der 4 Jahre in Deutschland herumstudiert hatte, hervorragend Deutsch sprach und jetzt auf der endgültigen Heimreise war. Seine Frau Shari (Sharzad, Scherezade) war auch mit von der Partie. Sie brauchte aber einige Zeit, bis sie auftaute und auch mit uns sprach. Wir beide müssen auf sie zu Anfang recht teutonisch gewirkt haben. Die beiden behaupteten zwar immer, sie hätten fast kein Geld, aber so ganz wollten wir das nicht glauben. Sie hatten das Geld für die beiden Autos (BMW "2002", MB 200) von einem Onkel geliehen bekommen, hatten die beiden Wagen gekauft und wollten sie exportieren. (Die Autos hatten eine deutsche Zollnummer.) Wir beide waren also noch nie einen so großen Wagen über längere Strecken gefahren und genossen es natürlich ungeheuer, wenn man über längere Strecken 130, 140 fahren kann und selbst da noch Kraftreserven hat. Wir rödelten also die ganze Strecke Deutschland - Teheran so in 6 Tagen, ohne einen Kratzer am Auto und ohne einen Strafzettel zu bekommen. Wir fuhren die kürzeste, also LKW-Strecke: München-Villach-Beograd-Sofia-Istambul-Ankara-Sivas-Erzurum-Täbriz-Teheran. In Persien angekommen, mussten wir uns erst mal erholen, da wir zum Teil sehr lange Nachtfahrten gemacht hatten. Wir konnten da bei Korousch übernachten, der eine sehr luxuriöse 3-Zimmer-Wohnung in Nord-Teheran, dem Europäer Viertel, hat. Allerdings hätte der Empfang etwas herzlicher sein können; d. h. wir hätten ...

W i r w o l l e n d i e t o t a l e A n a r c h i e !

... eigentlich öfters eingeladen werden können. Aufgrund dessen sahen wir von Teheran + Umgebung fast nix und setzten uns dann auch ab, nachdem wir uns ausgiebig gewaschen, Kleider gewaschen und uns erholt hatten. Zwischendurch versuchte ich, etwas Farsi zu lernen, was mir wider Erwarten sogar gelang, weil Farsi eine indogermanische Sprache ist, was ich vorher nicht gewusst habe. Wir standen nun also vor dem Problem: Was tun?, wobei uns Lenins geniale Broschüre nicht zur Seite stand. Ich stellte auch die Relevanzfrage, warum wir eigentlich soweit von zu Hause weggefahren waren. - Nun, das Naheliegende war halt, die Touristen-Rennstrecke in Angriff zu nehmen, was wir dann auch unverzüglich taten Das heißt, wir kauften uns ein Bus-Ticket und fuhren nach Isfahan. Na ja, schöne Moscheen haben die Jungs schon gebaut, da gibt's nix. Auf dem Weg dahin (im Bus) trafen wir 2 armenische Studenten, von denen der eine annehmbar Französisch konnte. Sie erzählten uns einiges über die Stellung der armenischen Minderheit in Persien. Für uns war das vollkommen unbekannt, und unsere Kenntnisse beschränkten sich darauf, Dass es eine armenische Kirche gibt. Der eine, Mathematikstudent, mit einem ziemlichen Durchblick, gab mir dann auch ein Problem, in eine hübsche Geschichte eingewickelt, das ich jedoch nicht lösen konnte:

x + Wurzel y = 11
y + Wurzel x = 7

(wobei nur rationale Wurzeln auftreten)

Das Problem ist mit einfachsten algebraischen Mitteln lösbar, es ist jedoch ein kleiner, kleiner Trick dabei. Schulmathematik reicht! Von Isfahan weiter nach Shiraz, auch auf der Touristenrennstrecke. Schöner Bazar, Mords-Heiligtum, Na ja. Dort kauften wir ein Ticket nach Abadan, um eine große Schleife zu fahren. Als wir dann noch einen Abstecher nach Persepolis - also mir wäre der Palast als Perserkönig zu freaky gewesen - machten, trafen wir auf den maroden Bus samt Besatzung, die sich auch gerade Persepolis anschaute. Bei so einer Chance, in einem Stück bis nach Hause in so einem Unimog, unser altes Traumfahrzeug, zu sitzen, konnten wir schlecht nein sagen und machten den nächsten Morgen als Treffpunkt in Isfahan aus. Wir fuhren mit dem nächsten Bus nach Shiraz zurück, tauschten unser Ticket um und suchten dann ziemlich fieberhaft nach einer Möglichkeit, nach Isfahan zu kommen. Denn das Nouruzfest war vorbei, und alles strömte zurück nach Teheran. Da gelang es uns doch noch, einen Minibus aufzureißen, mit dem wir dann ungeheuer unbequem, jedoch auch ohne gesprächsheischenden Perser, in Isfahan ankamen, wo wir dann auch den Bus am vereinbarten Ort antrafen.

Heissa, Hussa, Einzelteile ...

Dass der Unimog ziemlich kaputt ist, das sahen wir bald, es wurde uns auch glaubhaft versichert, Dass die Karre bald auseinander bräche. Was man nicht so leicht sehen konnte, war die Tatsache, Dass auch die Mannschaft ziemlich kaputt war (und noch ist), was sich einmal sogar bis in Handgreiflichkeiten fortsetzte. Meiner Meinung nach haben sich da Leute mit vollkommen verschiedenen Interessen, mit der Absicht, sie voll für sich in Anspruch nehmen zu können, in einen Unimog gesetzt, ohne vorher die Zeit, die man für Reparaturen braucht, irgendwie in Betracht zu ziehen. Klar, Dass sich solcher Unmut auch an Mitfahrern aufgeilte, sind sie doch selber schuld, mit einem Unikum zu fahren. Der Leser möge sich nur mal die Namen anschauen, mit denen wir hier im Verlauf des Tagebuchs bezeichnet werden. Wir hatten es eigentlich erwartet, wenn man zu einer Bus-Crew als Kostenbeteiligter (außer Reparaturen) steigt, da als vollwertiges Mitglied behandelt zu werden mit Rechten und Pflichten. Wir bekamen jedoch öfters unter die Nase gerieben, Dass es da Menschen aus 2 Klassen gab: auf der einen Seite HoWa und JöJa (l. Kl.), auf der anderen Seite der Rest der Leute. Bei einem kleinen Streit, der bis zu Abstiegsdrohungen von Seiten LoGe's ging, konnte das jedoch einigermaßen bereinigt werden, obwohl es auf Kosten der Laune einiger Leute ging. Zu erwähnen bleibt nur der Essen- und Fahrstreckenstreit. Der konnte jedoch beigelegt werden, wenn man von der Handgreiflichkeit heute Morgen einmal absieht. Im Augenblick ist alles friedlich, es geht nach Hause, und alles ist bester Laune (auf der Straße zwischen der Jugoslawischen Grenze und Skopje). Man muss dazu noch sagen, Dass man sich mit HoWa − bis auf Ausnahmen − nur dann unterhalten kann, wenn er am Steuer sitzt. − Schade!

RuMe

 --- Fremdbeitrag RuMe ---


1974-04-03 RuMe's 22. Geburtstag

Heute haben wir den 03.04.74, RuMe's 22. Geburtstag. Ich bin sauer weil ich für das Geld mit meinem VW-Bus wesentlich besser weggekommen wäre, und HoWa ist noch aus unbekannten Gründen nöselig. Er will nur so schnell wie möglich zur Poste Restante nach Istanbul und dann nach Hause. Im Moment wird über den Preis von Girshmans "Iran" gestritten, was ich als Aufhänger benutze, um meine letzten Kommentare zu tippen ...


 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---

Naqsh e Rustam war der nächste Ort, den wir nach Persepolis besuchten. Er liegt ungefähr 20 km von Persepolis entfernt. In Naqsh e Rustam befinden sich vier große Felsengräber der Achämeniden. Auf die nähere Beschreibung verzichtete ich, man betrachte die Fotos. Die Gräber sind nach außen kreuzförmig gestaltet, aber einer von Säulen umrahmten Tür befindet sich aber einem von Vasallen getragenen Bett oder Tisch eine Darstellung des jeweiligen Königs vor einem Feueraltar (?) mit dem Gott, von dem er praktisch seine Weihe empfängt. Außerdem befinden sich innerhalb der mit Rundtürmen bewahrten halbmondförmigen sassanidischen Lehmziegel Umfassungsmauer, die sich von der Felswand erstreckt, mehrere sassanidische Felsreliefs, die Kampfszenen und ähnliches darstellen. Die sassanidischen Könige sahen sich ja als legitime Nachfolger der Achämeniden und hatten ein großes Interesse daran, diesen geweihten Ort zu nutzen. Außerdem befindet sich innerhalb des Walles ein Turm, der aber eine Außentreppe und eine Tür auf 2 / 3 Höhe zu betreten war. Unten am Turm befinden sich Inschriften in drei Sprachen. Die Bedeutung des Turmes ist noch nicht ganz eindeutig geklärt. Man nimmt in der Regel an, Dass es sich um ein Feuerheiligtum handle, aber auch Meinungen wie Aufbewahrungsstätte der Schriften Zarathustras oder Grabmal wurden begründet vorgebracht. Das Gegenstück zu diesem Turm befindet sich in Pasargadae mit haargenau gleichen Maßen und Aussehen.

Brömmm, Brömmm ...

Istakhr liegt nur ein paar km weiter. Es war bereits in Achämenidischer Zeit besiedelt erlebte, aber seinen großen Aufschwung erst unter den Seleukiden und Parthern, schließlich unter den Sassaniden als die Hauptstadt schon Ktesiphon war, blieb geistiges und kulturelles Zentrum Persien weil nämlich dort die Investitur stattfand und außerdem nebenbei das Nationalheiligtum Naqsh e Rustam. Die Stadt war von einer typischen sassanidischen Ziegelmauer á la Lehm umgeben, ähnlich wie in Bishapur. In dem Ruinenfeld erheben sich heute nur noch eine Säule und ein paar Türpfeilerresten. Ansonsten ist nicht viel zu sehen. Dafür ist aber der ganze Boden mit Scherben gepflastert, besonders viele Früharabische, aber auch aus den anderen Epochen, fanden sich zahlreiche Beispiele. Nach den Sassaniden degenerierte die Stadt langsam, um dann mit den Mongolen aufzuhören zu existieren. Auf jeden Fall lohnt wegen der vielen Scherben ein Besuch des Tahkt i Taus.

70 km bis Pasargadae. Über den Ort gibt es auch für Laien so viele Informationen zu erreichen, Dass ich mich auch hier kurz fassen kann. Die Anlage bildete eine weite Parklandschaft, in der sich das Kyrosgrab, das ja wohl jeder vom Bild kennt, zwei Feueraltäre, ziemlich große Monolithen ,über eine Treppe erreichte man die Plattform, zwei große Apadana ähnliche Säulenhallen, bei denen die Säulenfüße aus zwei farbigen Marmor schwarzweiß sich sehr dekorativ ausnehmen. Die Säulen waren große fast monolithische Stücke, bei den anderen großen Steinen war das innere wegen leichterem Transport ausgeholt. Das Kernstück bildete neben dem bereits erwähnten Turm der auf einem Hagel liegende Palast, mit Burg. Die Palastterrasse ist ein Vorläufer der großen Persepolis-Terrasse. In Rustaka nach griechischer Manier errichtet. bildete sie die Grundlage für eine Säulenhalle. Dahinter auf den aufsteigenden Berg erhebt sich eine Burg, die auch noch in seleukidischer Zeit belegt war. Interessant sind noch die vielen Umbauten an der Terrasse, man findet so z.B. eine fast fertige, später zugemauerte und in die Verteidigungsanlage einbezogene Treppe. Soweit also zu den bekanntesten persischen Monumenten, man kann sich ja aber sie ohne Schwierigkeiten selber weiter informieren. Dies soll ja nur so eine Art Denkanstoß sein und außerdem durch wissenschaftliche Überlängen nicht das Tagebuch belasten. Also letzter Kommentar Iran:

Museum in Teheran: Also, ziemlich altertümlich eingerichtet, mit viel Staub auch gar nicht freundlich umzuschauen. Neben einigen großen. bekannten Stücken wie der Gesetzesstele des Hammurabi von Babylon interessierten mich besonders die Keramikvitrinen. Dort fand sich alles, zwar etwas hinter dem letzten Stand der Forschung her hinkend von Sialk über Hissar, Guran, Luristan, Geoy, Goreng, Susa und hunderte von anderen Orten wie Tell i Batun etc. - ich weiß nicht, wie viele Einzelstufen der Entwicklung aber Elam bis zu den Achämeniden so ziemlich alles. Die Namen sagen dem Normalverbraucher nichts, es handelt sich dabei um Grabungsstätten, deren Keramik namensgebend für eine Gruppe oder Epoche steht. Tja, besonders interessant waren dann noch die kompletten Münzzusanmenstellungen mit Zeit und Königsangabe auch in Englisch. Die Münzen waren wohlgeordnet von den Achämeniden, über die Seleukiden, Parther bis zu Sassaniden vertreten. Außerdem fanden sich einzelne Byzantinische, Kushan, Römische und Graecobaktrische Münzchronologien. Ansonsten war der Laden zwar sehenswert aber antiquiert.

 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---


Sodann wurde weiter gebrettert, ohne auch nur ein Stück Bronzezeit, Chalkolithikum oder Neolithikum in Gestalt einer Grabung gesehen zu haben, Tja, mit meinem eigenen Wagen wäre das nicht passiert, also wieder in die Türkei! Das letzte Zugeständnis, das man mir gemacht hatte, war Hattussas, die Hauptstadt der Hethiter ...

 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---

Hattusas war eine der größten Städte des Orients. Um 1000 vor hatten die Hethiter das absolute Eisenmonopol, hatten die Ägypter unter Ramses dem Großen aufs Haupt geschlagen und eins der mächtigsten Reiche gegründet, das dem Orient eine Weile Ruhe und Frieden bescherte. Ich will hier nichts weiter aber die Hethiter schreiben, da es ein recht ordentliches Buch von Ceram: "Enge Schlucht und schwarzer Berg", gibt, auf das ich hier verweise. Kurz über die Stadtanlage: Ein unheimlich steiler Hang, der durch zahlreiche steile Felsen und Stufen gegliedert ist. Die gesamte Stadt war von einer doppelten Mauer umgeben, die auf einem zusätzlich aufgeschütteten, mit Steinen gepflasterten und von Gängen unterlaufenen, Erdwall errichtet ist. Auf der oberen Terrasse erheben sich 5 kleinere Tempel, der Palast ist wiederum von einer dreifachen Mauer umgeben und erhebt sich auf einem steilen Felsplateau, das an die Schlucht grenzt. Vom Palast erstreckt sich die ältere Stadtmauer gegen den Hang gewandt. In dieser befindet sich der Haupttempelkomplex mit einem typischen Hoftempel und zwei heiligen Räumen. Er war von Magazinräumen und kleinen Kultbauten umgeben. Die typische Bauweise bestand aus behauenen monolithischen Steinen, auf denen sich eine Art Fachwerk erhob. Man entnehme aber bitte die Einzelheiten dem gut lesbaren oben angeführten Buch, da ich ziemlich müde - müde - von der Reise bin und keine rechte Lust mehr habe, etwas zu tippen. Ach ja, was ich noch anfügen wollte, so ziemlich, auch auf den kleineren Felsen erhoben sich starke Festungen. Die Stadt in ihrer Hanglage muss den sich ihr in böser Absicht nähernden Phrygern ein imposantes Bild geboten haben.

 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---


So, das war mein letzter Kommentar, archäologisch bin ich äußerst unzufrieden, leider wurden meine Erwartungen keineswegs erfüllt. Ich werde die ganze Gegend noch mal mit meinem VW-Bus abfahren, so in aller Ruhe, damit ich etwas davon habe.

M>an verstehe dies bitte nicht als vollwertige und immer richtige, noch als vollzählige Aufstellung oder Geschichte der bereisten Gebiete, ich schrieb dies nur, um die Sachen, die wir besucht haben, nicht vollends in Vergessenheit geraten zu lassen und außerdem vielleicht noch etwas Interesse zu wecken. - Danke schön -

Also, ich weiß nicht genau, wo der Anschluss von HoWa ist, da HoWa vorne überhaupt nicht mehr heraus kommt und praktisch ein unsoziales eigenständiges Leben im Führerhaus bestreitet, uns hinten schmoren lässt und am liebsten Tag und Nacht durchfährt, um möglichst 2 Wochen vor dem ausgemachten Termin (15.04.) zu Hause zu sein. Erst auf der Hinfahrt so tun, als ob ihn gewisse Sachen ganz kalt lassen und jetzt von einem Bein aufs andere hüpfen und überhaupt nur das tuend, was ihm passt, nämlich fuhren sich von der Drecksarbeit und vorn Rödeln fernhalten und wie auf der Hinfahrt nur Unfrieden stiftend, gnökelnd durch die Gegend laufen, so richtig ungenießbar, andere Leute möglichst wie bisher ausnutzen aber ansonsten sich immer schnell ins Fahrerhaus zurückziehend, so ein richtiger kleiner egoistischer Dickkopf!

Also, Einfahrt nach Istanbul. Es dunkelte schon etwas, und es gelang uns nur mit Mühe, HoWa zu stoppen, um ein Foto von der Brücke zu schießen. Tja, und dann waren wir halt wieder in Europa. Die einen mit gemischten Gefühlen, ich mit Bedauern und HoWa − na ja. HoWa fuhr sogleich auch dann Rally-Istanbul zum Puddingshop. Da waren wir wieder an der Kaaba der nach Osten drängenden Jugend oder mittlerweile bei dem Abschaum der gleichen, Europas. Auf dem Parkplatz standen bereits eine ganze Reihe VW-Busse und auch einige Special-Gag-Autos, Citroen Lieferwagen, TABAK-Mercedes-Lieferwagen und anderer Schrott. Wir stellten unseren Schrotthaufen mitten hinein und gingen erst einmal in den Puddingshop, um die Anschläge und die Leute zu begutachten, was aber beides negativ ausfiel. Wir begaben uns zurück zum Wagen, wo wir das Mädchen aus dem Mercedes TABAK Lieferwagen trafen, die gleich den ihren gegen die unsrige Maschine tauschen wollte. Wir waren schon begeistert, da war sie auch schon wieder verschwunden, um dann beim Erbseneintopf bei uns mit ihrem Freund - oder so - im Wagen aufzutauchen, was uns neben Platzschwierigkeiten nur Annehmlichkeiten bereitete, da die Leute sehr nett waren. Wir klönten dann auch bis spät in die Nacht bei Bier etc. Wir gingen dann wie üblich schlafen, d. h. 4 Mann hinten, unten ein Mann, hinten oben und ein Affe vorne zwischen.

1974-04-04 Seltsame G’schicht’n

Istanbul, 8 Uhr 15, ziemlich kalt, als wir uns endlich aufschwangen. Die beiden Besitzer des Wagens hatten gestern etwas von um 7 Uhr unterm wagen liegen getönt. Aber daraus wurde auch während des nachfolgenden Frühstücks nichts. Danach zerstreuten sich die Gemüter, ich ging mit LoGe in die Hagia Sophia und in die blaue Moschee, Fotos schießen, unsere beiden Nörgelfreaks versuchten ein türkisches Bad aufzutreiben und die beiden Bastler fuhren los, um den Wagen zu reparieren, bzw. zu lassen. Ich musste mich unheimlich beeilen, da ich meinen Film von Istanbul noch einmal machen musste und außerdem in den Bazar wollte, den auch mit LoGe besuchte. Und dann noch zu einer Bank, wohin mir Geld angewiesen worden war und die weit weg noch hinter Taksim lag. Es gelang mir, abgesehen von den Fotos, auch ganz gut" JöJa und HoWa kamen mit einem relativ hellen Auto zurück. sie haben folgendes am Wagen gemacht: Beide Räder rechte Seite abgebaut. Reserveräder demontiert, zwei Reifen umziehen lassen, Anlasser durchprüfen lassen und den alten Anlasser eingebaut Batteriedienst und Kabeldienst gemacht, Tachowelle installiert, Gasgestänge gängig gemacht, abgeschmiert, etc., etc. ..... Nun ja, die beiden anderen haben eine kleine Besichtigungstour inklusive Hagia Sophia, Blaue Moschee, Basar, Topkapi gemacht. Dann trafen sie drei Türken, die auf der Heimreise waren und unsere beiden Freaks prompt zu einer Taxifahrt zur neuen Brücke einluden, was die beiden sehr begeisterte. Während der Zeit, wo der Wagen weg war, saßen wir in verschiedener Zusammensetzung häufig im Mercedes nebenan. Die beiden hatten auch schon eine ganze Menge mitgemacht. Eine Story ist aber besonders erzählenswert ...

Echt platt ...

Also.. die Jungs waren mit zwei Mercedes Lieferwagen aus Indien aufgebrochen und kamen völlig zerschlagen durch die Wüste von Zahedan nach Bam gefahren, wo doch ihnen eine Windschutzscheibe mittels eines von einem vorbei rasenden Mackie hoch geschleuderten Steinbrockens außer Funktion gesetzt wurde! Nun die beiden Pärchen fuhren in den nächst gelegenen, größeren Ort, nämlich nach Kerman. Dort erwarben sie eine neue Scheibe und wollten diese von einem dort ansässigen Mechaniker einsetzen lassen, auf das nichts daran kaputt ginge. Man machte einen Preis aus, und der Mann bewaffnete sich mit einem Schraubenzieher und würgte die Scheibe einfach hinein, ohne Rücksicht auf Verluste. Da meinten die Leute, dies hätten sie auch selber machen können. Da sie ihm sogar gezeigt hatten, wie er's mit der Schnur machen soll und ihn zu stoppen versucht hatten, meinten sie, Dass 40 Toman (!) dafür zu viel seien und wollten ihm weniger geben. Da wurde der Junge muksch. Es wurde hin- und her gestritten, und schließlich verlor Mona die Beherrschung und langte ihm eine. Weich unerhörte Beleidigung für einen Mohammedaner! Er verfolgte sie auch sogleich, um sie zu verprügeln Sie konnte sich mit Müh und Not ins Auto retten. Da begann der Mechaniker das Auto auf seine Trittfestigkeit zu untersuchen. Na ja, da platzte dann dem einen der Geduldsknöll, was ja nach der Wüstenpiste und der ganzen Geschichte verständlich ist. Also dieser war schmächtig und schlug dennoch so zu, Dass besagter Mechaniker einen Satz nach hinten machte. Sich aufraffend trat er dem Guten dann noch so ins Kreuz, so dass sich dieser nur mit Mühe ins Auto retten konnte. In eilender Fahrt verfolgt von der rasenden Meute, die sich eines altersschwaches Fahrzeugs bedienten, zogen sich denn die Verstörten in einen anscheinend ruhigen Winkel der Stadt zurück. Während sie noch beratschlugen, wurden sie dann auch schon von der Polizei gekascht, die mit gezogenem Knüppel sich ihrer auch gleich versicherte und ins Präsidium abtransportierte. Der Mechaniker hatte sich inzwischen der Hilfe des Polizeipräsidenten oder so versichert, so dass diese nur auf Unverständnis stießen. Sie wurden alle im Gefängnishof untergebracht und ihrer Pässe entledigt. Der Mechaniker hatte angeblich oder anscheinend einen gebrochenen Kiefer, der ihm aber seltsamerweise keine Schmerzen oder Sprachschwierigkeiten bereitete. Auf Kieferbruch stand und steht nun in Persien 6 bis 24 Monate Gefängnis, da schlotterten ihnen die Knie. Der Oberpolizist hielt die übrigen drei auf Rettung bedachten Deutschen mit Verständigungs- und Schmerzensgeldstories hin! Now Ruz nahte, danach wäre alles zu spät! Der Chef der Polizei wollte anscheinend ein gutes Geschäft machen, hatte sich dementsprechend mit Arzt und Mechaniker abgesprochen und ließ sie zappeln - das Gefängnis soll übrigens sehr lustig gewesen sein, mit Essen bestellen etc. Nun ja, da erschien als, Deus ex Machina ein Deutscher, ansässiger Zementfabrikleiter, der sich so quasi aus Hobby mit dem Rauspauken armer Leute, die in die bürokratische Mangel geraten waren, beschäftigte. Dieser deckte sogleich auch den Schwindel auf und erklärte sich bereit, die 4.000,-- DM Kaution zu bezahlen. So konnten dann sie ihren 4. Mann mit Müh und Not 5 vor 12 am Vortage des Now Ruz, wo alles dicht gewesen wäre, heraus holen und sich absetzen, was Ersterer besonders schnell tat, so dass wir ihn nicht mehr kennenlernten. Der Zementiker scheint wirklich ein toller Typ gewesen zu sein. Er hatte erzählt, Dass er so etwas schon öfters ausgelegt hatte und selten etwas zurückbekommen hätte. Die 4.000,-- DM waren gerade jene Gelder, die er sonst nach Hause zu schicken pflegte. Na ja, die Jungs aus Berlin werden das Geld wohl doch ehrlich wieder abliefern, denn lieber ein halbes Jahr schuften, als 2 Jahre noch so fideles Gefängnis in Iran. Soweit die Geschichte der beiden.

Also weiter im Konzept vorm Pudding am Hippodrom ... Ich entschloss mich kurzfristig, da ich sowieso von meinem letzten Geld ein Kilo Tomaten gestiftet hatte, ein splendides Abendessen zu bereiten. Nach einigen Schwierigkeiten mit der Kasse erhielt ich dann noch 20 Lira und schoss auf den letzten Drücker noch schnell einkaufen. Zurück im Wagen warf ich alle bis auf einen Gehilfen raus und begann erstmals, mir einen passenden Namen für das ganze auszudenken. Ich entschied mich für Omelett á la Istanbul (das gelang mir aber wegen mangelnder Eier und des zu feuchten Käses nicht ganz, so dass es eine Art dicke, rühreiähnliche Sache wurde. Es folgt deshalb jetzt das Idealrezept, das ich nicht ganz verwirklichen konnte). Man nehme auf eine Pfanne mittleren Maßes:

R E Z E P T

 Zutaten

 Zubereitung ...

Soweit das Omelette Istanbul. Danach verzogen wir uns noch in den Shop neben dem Lale Pudding Dingsbums da, weil uns selbiges wegen den Leuten nicht gefiel, tranken noch mal Cay, klönten und fuhren dann endgültig gegen 12 aus Istanbul in Richtung griechische Grenze, nachdem wir noch einige Schwierigkeiten mit dem nötigen Spritgeldwechsel hatten, da keiner von uns mehr Türklira hatte, da alles auf dem Bazar verbraten worden war. So kam ich auch nicht mehr dazu, die imposanten Stadtmauern des alten Byzantinums aufzunehmen, was bei mir Verdruss erregte. So bretterte denn GeWo mit HoWa dem Eiligen gen Ippsala.

1974-04-05 Good old Europe

Da ich jetzt keine Lust habe weiter zu tippen und vielleicht gleich zur Abwechslung mal wieder HoWa tippt, möchte ich Dich lieber HoWa, hiermit auf das Loch zwischen dem 1.4. und der Europabrücke, auf "Mr. Horst, I am hungry" und auf sonstige Vergesslichkeiten hinweisen! Danke und mach weiter so.

UlKa (am Strand)

Ja, ja, wenn wir den guten UlKa nicht hätten. Das Tagebuch scheint ihm schon richtig ans Herz gewachsen zu sein. Nun ist dieses Tagebuch (TaBu) auch ein besonderes und hat nicht nur Erinnerungswert. Hier wird festgestellt, Stellung bezogen, angeklagt, gerechtfertigt, geschimpft, geklagt, gegendargestellt, übertrieben, unterstellt und für die Ewigkeit dingfest gemacht. UlKa begründet hierin seine steile Laufbahn als Jungwissenschaftler, und ich zerstöre meinen Ruf als großer Reisender.

Bei vielen Disputen wird auf das Tagebuch verwiesen, und so manches Gespräch hebt mit: "Wie schon im TaBu steht..." an. TaBu ist also unser 7. Mitfahrer, der seinen Fahrpreis durch Unterhaltung der MiFa's einbringt. Aber nun endlich weiter im TaBu ...

Um eine Erfahrung bin ich auf dieser Reise zumindest reicher geworden. Die Grenztankstellen bei Ipsala sind des Nachts nicht geöffnet. Wahrscheinlich haben die Tankwärter mit den Grenzern einen Komplott geschlossen, denn die Grenzübergänge sind auch nur tagsüber geöffnet. So schliefen wir direkt vor der Zapfsäule, bis sich zu Dienstantritt endlich der Tankwart bei uns vorstellte und sich nach Befinden, jetzigem und beabsichtigtem Füllungszustand unseres Tanks erkundigte. Grenze am Morgen macht Kummer und Sorgen. Die Türken behelligten uns zwar nicht weiter. Sie waren wohl froh, uns los zu werden, die Griechen dafür umso mehr. Gewissenhaft und diensteifrig legten sich die kleinen griechischen Grenzgnome ins Zeug und hetzten einen bärbeißigen Examinator in Blaumann und mit Schrouwentrecker bewaffnet auf unseren stattlichen Schrotthaufen. Big Rödel kannte dieses Verfahren ja schon bereits. Vor zwei Jahren war er hier im Borgward gefilzt worden. Nachdem der halbe Wagen schon ausgeräumt worden war, fuhr er diesmal aber aus der Haut und schrie den nicht besonders bedarften Beamten an: "Do I look like a hashish smoker? I'm a scientist! It's the second time that you make such foolish things with me. What do you think about ... ?!"

Das nun bereitete auch dem noch so abgebrühten Zollfahnder gelinde Furcht, und er verkrümelte sich schnell. Wir lachende Dritte bis Siebente machten uns derweil ans Frühstück. Zu Lachen gab es ansonsten nicht sehr viel.


Der Big-Rödel-Report, Teil 2

Der Big-Rödel-Report, Teil 2

GüGlä ist der Bruder meiner Freundin HaGlä und betreibt eine Landmaschinen und Kfz.-Werkstatt in Bevensen. In dieser Halle wurden schon zwei wüste Wüstenautos fertig gemacht und auch den dritten Schrotthaufen sollte dort sein Schicksal ereilen. Um nicht zu sehr in Zeitschwierigkeiten zu kommen, begann ich Ende November mit der Demontage des Unimogs. Mein Freund WoDie, dem ich hiermit nochmals herzlich danke, half mir dabei das Führerhaus, den Motor und die Vorderachse auszubauen, um an das verdammte kaputte Getriebe heran zu kommen. In viel kürzerer Zeit als erwartete, nämlich innerhalb von 2 Tagen hatten wir die Rödelei hinter uns. Kurz darauf fuhr ich mit GüGlä's VW-Bus zu K. nach Langendamm, um ein intaktes Getriebe zu holen. Leider war jedoch kein ausgebautes Getriebe vorrätig, und ich stand vor der Aufgabe, einen weiteren Unimog auseinander zu bauen, um an ein Getriebe heranzukommen. K., der mir aktive Unterstützung zugesagt hatte, hatte keine Leute frei, die mir dabei helfen konnten. Er schlug mir vor, das Getriebe einfach zu demontieren, und er wurde schon helfen, den defekten Gang auszutauschen. Also besorgte ich mir bei der Unimog Werkstatt Walden, Göttingen, ein 5-Gang-Element nebst Synchronring und begab mich abermals nach Nienburg, um das Getriebe zu zerrupfen. Ich hatte es fast auseinander, es fehlte nur noch die untere Welle, für die ich einen nicht vorhandenen Spezialabzieher benötigte. Aus Zeitgründen hatten wir dann die Schnauze voll, und UlKa bekam die ehrenwerte Aufgabe, den Zentnerblock mit seinem VW-Bus nach Göttingen zu transportieren. Mit einiger Verspätung bekamen wir das Getriebe zurück und mussten dafür 600,-- DM auf den Tisch blättern. In der 2. Januarwoche begann dann die große Non-Stopp-Rödelei, wobei es durchaus vorkam, Dass einzelne verdiente Leute ganze Nächte durcharbeiteten. Meistens konnten wir erst nach 5 anfangen, da dann erst die Halle frei wurde. Mit HoWa zusammen baute ich den Unimog fahrfertig innerhalb von 2 Tagen zusammen. UlKa kümmerte sich vor allem um die Konservierung und Ausstattung des Aufbaus, sprich totale Teerung des Daches und aller verrottet aussehenden Teile. Außerdem zog er einen neuen Balken ein und gab so der Tür neuen Halt. Außerdem kommt ihm der Verdienst zu, das gesamte Dach mit neuer Teerpappe erneuert zu haben. Hinzu nagelte er einige Bleche über kaputte Stellen. Den Vogel aber Schoss WoZi ab, der am Heck ein durch Anschieben verursachtes Loch in der Pappwand mittels eines taktischen Zeichens vernagelte. Inzwischen hatten wir von der Fa. Dyckerhoff in Poggenhagen eine Kabrioladung Styroporplatten nach Bevensen gekarrt. Das Cabrio sah hinterher, da offen gefahren, aus wie eingeschneit - Scheiße. An diesem Styropur verging sich vor allem WoZi, wenn er sich nicht gerade zur theoretischen Vorbereitung der Reise(und zur oder zur) oder nur zur Befriedigung von Frau und Kind in Göttingen befand (siehe vorangegangene Texte). Gott sei Dank kam HoWa öfters in seinem oder seines Vaters Unimog (besser gesagt), so dass wir einiges für den Zusammenbau an seinem Unimog abgucken konnten. In der Rödeltruppe tauchte gegen Ende der Arbeiten ein Elektroquirl auf der mit fixer Hand und mit gegen Garagendecke gestrecktem Popo mit einem Farbtopf über das Dach rödelte und dem Unimog das strahlendste Weiß seines Lebens vermittelte. Ab und zu ließ sie sich von dem Hamelner Pissbartträger ablenken, und es kam zu Püffen, Umarmungen, Abknutschungen, und wenn der gute Papa JöJa gerade im Nebenraum war, zu regelrechten Vergewaltigungen (Es sträubt sich in mir, aber es ist ja ein Diktat!). Trotz dieser Interrupti arbeiteten die beiden ganz flott von der Hand, so dass der Unimog bald recht neu aussah. Kurz vor Beendigung der Rödelei gab es noch ein unerfreuliches Intermezzo. Der Wagen wollte doch einfach nicht richtig laufen, bei den ersten Steh-, Geh- und Laufversuchen war uns bereits der noch recht gut erhaltene Auspuff um die Ohren geflogen. Als wir uns dann schließlich am Vergaser betätigten und das Benzin gleich dosenweise in ihn kippten, machte es plötzlich pufffffffffffff und der Vergaser stand im schönsten Flammenkleid vor uns. Die intelligenter Weise in der Nähe liegenden Benzinlappen freuten sich nur über die wohlige Wärme und stimmten sogleich in die Flammenorgie mit ein, so Dass im Nu das ganze Führerhaus in Flammen stand. Einen gar fürchtersamen Schreck in den Knochen, den Uni bereits als ausgeglühtes Wrack vor Augen stürzte ich zu GüGlä's Feuerlöscher, diesen betätigend hielt ich selbigen voll ins Führerhaus. Das Feuer war schon seit längerem verlöschen, und ich löschte immer noch, denn dieser Scheißlöscher ging nicht wieder abzustellen, da er von älterer Machart war. Mit vorgehaltener Hand lief ich aus der Halle, um mich draußen als Schneespender zu betätigen. Aber auch diese recht schnellen Schritte hatten nicht verhindern können, Dass GüGlä's Halle aussah wie nach Neuschnee in einer stürmischen Winternacht. Der grüne Trecker sah aus, als hätte man ihn gepuderzuckert, kurz, man konnte keine Details in der Werkstatt mehr erkennen. Wir rödelten dann ungefähr drei Stunden, um den künstlichen Schnee zu beseitigen. Schließlich kam der Tag der Offenbarung. Aber auch dieser ging an uns vorbei (siehe UlKa's Rödel Report). In den letzten Tagen vor der Abfahrt gab es erneute Schwierigkeiten. Die Ladekontroll-Lampe leuchtete fröhlich vor sich hin. Ich weiß nicht mehr, wie oft UlKa und ich die Lichtmaschinen ein und ausbauten, prüften, bis schließlich GüGlä lächelnd ein Kabel vom Kondensator zum Regler legte, und die Scheiße behoben war. Auch fiel noch unheimlich viel Kleinkram an, den hauptsächlich UlKa bewältigte, da ich in Gö meine Oberseminararbeit abschließen musste. Noch am Abfahrtsabend war in GüGlä's Werkstatt der Bär los. UlKa hatte bereits 50 Stunden durchgemacht, trotzdem musste noch dies und jenes befestigt, gerödelt, geschraubt oder sonst wie gemacht werden. Aber dann ging's los.

(Es diktierte JöJa dem UlKa.)

Wir sind in Griechenland und schreiben den 5.4. HoWa ist überhaupt nicht mehr ansprechbar, zieht über mich her, wo er doch so mir nichts dir nichts 15 % am Wagen geschenkt bekommen hat und nun doch weniger als ich am Wagen macht. Na, das ist ja nicht mehr mein Bier. Also, ich werde mich nur noch auf Stichworte beschränken, da HoWa in München aussteigt. Er glaubt dadurch 2 Tage seiner kostbaren Zeit zu retten. Unser kurzer und schmerzloser Aufenthalt in Griechenland zeichnete sich durch zwei Sachen aus. Unser Aufenthalt am Strand, wo wir wirklich nur mal gegammelt haben. RuMe hat Muscheln gekocht. Es war ganz lustig bis auf. Und dann das Abendessen in Kavala. Zu fünft in eine Kneipe gestanzt und für 170 Drachmen gegessen wie die Berserker und noch zwei Flaschen Wein mitgenommen. Der Fisch, der Salat, der Käse, der Wein, etc., etc., etc. alles war ausgezeichnet. wir schliefen daraufhin sehr gut. Am nächsten Tag, nach und weit nach Jugoslawien rein, der Zoll war sehr freundlich, da wir doch nur Transitgut waren, tja, noch kurz mal was in einer Fernfahrerkneipe gegessen, und auch der 6.4. war dann vorbei.

1974-04-06 Ende: Die letze Woche ...

Irgendwo gepennt, und dann bis zu einer Kneipe gefahren, wo wir uns mal wieder richtig warm gewaschen haben, umständliches Frühstück, und dann ging es aber weiter gen Österreich. Unterwegs hatten wir, so muss ich erwähnen, öfters kleine Reparaturen, die in der Regel JöJa beheben konnte. An der österreichischen Grenze waren dann die Jungs wieder sehr fickerig. Ich habe wohl auch den Mund etwas zu voll genommen, und so mussten wir dann rechts ran, aber Gott sei Dank mussten wir nicht alles ausräumen, denn sie hatten einen Haschhund! Der bekam laufend gesagt, such Gift, was er dann auch tat, aber nichts fand. Die Teppiche gaben wir zwar an, brauchten sie aber nicht vorzuweisen. Ich hatte seit längerem angemeldet, durch Österreich zu fahren, und so fuhr ich denn mit LoGe durch die sonnige Bergwelt. Abends fuhren wir nach Rottenmann und machten vor einem schönen Lokal halt. Dort stopften wir uns mit Schnitzeln, Salat und Kartoffeln voll nebst Bier. Von dort aus fuhren wir zum Schlafen auf einen Berg. Dabei mussten wir eine Schranke passieren, die am nächsten Morgen natürlich prompt verschlossen war. Ein netter Bauer kannte aber die Zahlenkombination und so entkamen wir am 8.4. unserem malerischen Schlafort. Zu erwähnen ist noch die permanent tagende Skatrunde, wobei als großer Verlierer oder großer Gewinner keiner zu nennen wäre. Die Mitglieder der Skatrunde waren übrigens UlKa, RuMe, JöJa und LoGe. Die anderen beiden hatten kein Interesse an solcher Beschäftigung... Tja, und nach einem pompösen Frühstück mit Ei und allem, was dazugehört, näherte ich mich wieder der teutschen Grenze. Dort wollte man seltsamerweise nur unsere Teppiche sehen. Ah, ich vergaß, unterwegs an einer schönen engen steilen Stelle war uns so nebenbei noch schnell mal ein Kabel durchgeschmort. Na ja, auch diesmal gelang es JöJa, Teppiche vom Dach, HoWa pennte auch an der Grenze noch hinten drauf, und JöJa sah sich gezwungen, sie mit 120,-- DM zu verzollen, wobei er aber auch erfuhr, Dass sein einer Shahabad-Teppich runde 1.000,-- DM wert sei und, nun fahren wir Richtung München, und HoWa hat soeben die Kasse abgegeben, er glaubt, ohne schneller nach Hause zu kommen. Heute wollen wir noch nach Heidelberg. Dort noch mal schön essen, klönen etc. und dann um nach Göttingen, dort bei WoZzzzi frühstücken und die Tagebücher fotokopieren, dann zu mir nach Hause abladen.- Mittag essen, dann fahren LoGe, HoWa vielleicht und JöJa nach Wunstorf und da zerstreut sich der Rest, womit die GROSSE RÖDELEI zu Ende wäre. Soweit mein Kurz-Schluss, nicht symbolisch gemeint.

1974-04-07 Tagebuch-Spätlese ...

Die Autobahn rollt unter uns weg. Zwischendurch lief der Wagen sogar mal 100 km/h. Die anderen drei Urdeutschen klopfen hier schon wieder Skat. Pissbauer - Schweigen - was kommt jetzt? - Schweigen - hach hat der aufgepasst! Ist klar, Dass ich das richtig mache! Und den - Scheiße - 21, 42, 48 - Scheiße mit zweien, spiel drei und dann noch bock -----So sieht hier die Unterhaltung aus − na ja, wir sind ja bald zu Hause, vielleicht gibt's heute noch eine Abendbroteinladung in RuNe's Kommune mal sehn - die Autobahn läuft unter uns weg - die km schmelzen zusammen. Draußen ist selten schönes Heimkehrer-Wetter. Die Jungs schreien mir hier ein bisschen viel - draußen ist gerade ein LKW-Unfall gewesen - es geht nur langsam weiter - aber man sagt mir, die Stauung sei nur kurz - Auffahrunfall - und schon heult der Motor des Unimogs auf und es geht weiter: and the road leads on and ever on ...

Wieder proper ...

So wie wir jetzt vorm ADAC-Money-Exchange stehen, sehe ich mich versucht, noch was zu schreiben, keine Nachlese, eine Spätlese. Die Reise, die so hoffnungsvoll und voller Schwung begonnen hatte, ist zu Ende für HoWa, für JöJa geht sie noch ein bißchen weiter, sie sind noch mehr aneinander gekettet, vielleicht mehr als sie wollen. Das Defizit dieser Reise begann mit dem ungenügend vorbereiteten Wagen, damit Dass wir 4 Studenten uns übernommen haben, damit Dass wir zu nachlässig waren und jeder nur seine eigenen Interessen vertreten sehen wollte, jeder! Der einzige, der erreicht hat, was er wollte, ist JöJa... Dafür war er wiederum krank und musste sich mit den Ungelegenheiten der Mitfahrer herumschlagen. HoWa lebte nur für das Tagebuch, über seine Bockigkeit und seinen Egoismus ist anderweitig genug geschrieben. Tja, und ich, ich bin ein Opfer meiner eigenen Dummheit und Spontaneität. mit dem Geld und der Zeit hätte ich mit meinem Wagen wesentlich mehr sehen können. Der Wagen war nicht gedacht als Mittel zum Zweck, sondern machte sich selbständig zum Hauptreiseziel. Es drehte sich schließlich alles nur um ihn. Er wurde für mich zum Klotz am Bein. Dann unsere Mitfahrer, hin und zurück, nichts gegen sie als Menschen, aber sie waren von unserer Projektierung nicht berücksichtigt. Dann das Abspringen von WoZi und die vielen anderen Widerwärtigkeiten, die das Reisen so tödlich machten. Ich fahre unzufrieden nach Hause, aber Lehrgeld will halt gezahlt werden. Für mich war weniger die personelle Besetzung Grund zum Klagen, denn das ewige Streichen meiner Reiseziele, ich kann von dieser Reise als Archäologe nicht viel erzählen, leider, und die anderen Sachen. Was soll ich dazu sagen. Ich will hier nicht vor Selbstmitleid und vor Ärger über HoWa vergehen, aber für mich war die Reise selten eine Freude.

Meine letzten Impressionen - draußen scheint die Sonne und die Jungs ergehen sich in altdeutschen Primitivismen. Kontra und Beiblatt bestimmen ihren Geist... Im Moment wenigstens - und HoWa ist auch noch so ein Kapitel, ich bin gespannt, wie er meine Kritik zu Hause verdrehen wird, er ist ja der Größte, Schönste, alles muss nach seiner Fackel brennen, und wenn nicht, dann ist er wie ein 10jähriges Kind bockig. JöJa blickt wieder etwas träge und über unsere Mitfahrer will ich mich nicht weiter auslassen. Die Sonne wird langsam rot - Schlösser, Burgen, Kirchen und Dörfer huschen vorbei - ein 220 überholt uns - ein Gesicht - ich muss wieder an den eben zusammengeschobenen PKW denken - und unser Schrotthaufen läuft immer noch - warum, weiß nur der Papst. Es geht bergauf, der Sound wird dumpfer, angestrengter, 5. Gang, 6. Gang, und es geht weiter und weiter, und JöJa passt schon wieder. LoGe ist bei Zwo und kann ihn sich in die Haare schmieren - was machst du für eine Scheiße, doch kein As anfassen! ------ Sentimentalität macht sich in mir breit - sie kann aber den dumpfen Groll nicht übertünchen ----- ! Was tippe ich eigentlich noch? Langeweile? - Letzte Rache an HoWa? Scheiß was drauf, ich weiß es nicht man fragt mich, was für einen dumpfen Groll ich denn habe? - Man lese dieses Tagebuch, dann weiß man's. - Und GeWo brettert gen Heidelberg - passe, 20, Dies Muster ist irgendwie lustig, ich meine die ... und !ii ! Dass wir durch den Zoll gekommen sind, wundert mich immer noch! Scheiße, ich mache Schluss für diese Reise, möge der Leser nicht allzu verärgert sein.

UlKa

Horst Walther, Hamburg,