Isfahan 22-02-74

Liebe Re

Na, wie geht es Dir dort in Rumänien? Was machen die schicken Rumäno-Papagalliluis? Predigt Tante Ilona wieder Moral, und Zucht? Bitte richte Ihr meinen innigsten Law-and-Order-Gruß aus. Was macht die Ehe Florins mit seinem Wagen? Und vor allem: Was hat Radu in der Armee zu suchen? Aber sicherlich werden Lieschen und Du - neben Dir sei auch sie gegrüßt - lediglich ihrem Tagewerk harter wissenschaftlicher Arbeit nachgehen. Na ja, vielleicht schreibst Du mir ja auch einiges nach Shiraz und Istanbul. Dann wird sich diese Chaotenreise sicherlich schon in einem fortgeschrittenen Stadium befinden.

Zurzeit sind wir, wie oben schon bemerkt, in Isfahan in dem wohlbekannten Garten, in dem ich mit Dir ja auch schon 2 Mal war. Nur ist die Situation hier ziemlich verändert. Es liegt hier hoher Schnee, und nur 2 Touristengruppen á 6 und 2 Leute sind hier.

Entschuldige bitte, dass es erst jetzt weitergeht. Wir mussten inzwischen mal wieder, ...

Horst hatte mir gesagt, ich solle jetzt, während er unter der Dusche ist, weiterschreiben. Ich unterlasse es dennoch, um nicht der Versuchung zu erliegen, ihn schlechter zu machen, als er sowieso schon ist.
UlKa

Nun ja, das wollen wir ja auch unbedingt vermeiden, dass ich noch schlechter gemacht werde als ich ohnehin schon bin. Also .. äh .. ach ja, wir mussten heute also wieder einmal rödeln. Das ist, wie Du ja schon weißt, das Allerwichtigste und der eigentliche tiefere Sinn dieser Reise. Außer den Dingen, die tatsächlich getan werden mussten, wie Abschmieren und Kontrollen, wurde noch einmal das Ganze, also das Fahrzeug als solches und ureigenstes von vorne aufgerollt. Damit war der heutige Tag erledigt. Aber Isfahan hat auch seine schönen Seiten. Hier haben wir den ersten wirklichen Sonnentag erlebt, den wir auf dieser Reise hatten.

Ich muß jetzt endlich einmal erklären, warum ich hier so oft unterbrochen werde. In der Halle des Touristenreservates, hier in Isfahan, drängt sich naturgemäß alles am Ofen zusammen. Und zur Winterszeit kommt auch ein Haufen Perser hierher, um den armen Manager zu besuchen, der sich ja zu Tode langweilen könnte. Die Leute, die hierher kommen, sind durchweg nicht etwa ungebildet, sondern haben alle studiert und höhere Schule besucht, gehören also zur höheren Klasse. Einer hat z.B. Mathematik studiert, und dient jetzt dem Gottkaiser in der Armee. Der andere studiert noch, und zwar Soziologie. Hier müssen die Soziologen im ersten Semester pflichtweise Pahlavi, das Mittelpersisch studieren. Und eben dies hat er mir aufgeschrieben und teilweise auch beigebogen. Das war für mich natürlich recht interessant. Aber, wenn mehrere solche Dinge eintreten, dann komme ich nie dazu, dir mehr über unsere bisherige Reise zu erzählen. Vielleicht kann ich Dir ja einige Tagebuchseiten mitschicken. Wundere Dich nicht! Darin haben auch noch andere Leute als nur ich mitgeschrieben, selbst in Französisch und Englisch und auch von Nichtgruppenmitgliedern.

Zwei Dinge will ich Dir dennoch nicht vorenthalten:

In der Türkei auf dem Wege von Van über Yüksekova zur Iranhududu, sind wir inmitten der Nacht nach Schneesturm, Glatteis und dichtem Nebel zu guter Letzt auch noch von einer Horde Soldaten überfallen worden. Wenn wir nicht rechtzeitig angehalten hätten, wären wir doch wieder einmal glatt erschossen worden. Dabei suchten die armen Befehlsempfänger doch nur nach gefährlichen Opium- und Haschischschmugglern. Als Ersatz durften wir dort in der Armeestation übernachten, bekamen ein fürstliches Abendbrot, ebenso Frühstück und konnten uns gut mit dem leitenden Offizier auf Französisch verständigen. Ich natürlich nur wieder über Dolmetscher. Sowohl für uns als auch alle stationierten Soldaten, war diese-- Intermezzo eine willkommene Abwechslung.

Als zweites hatten wir in Persisch Kurdistan unheimlich viel Schnee. Es fiel in jener Nacht Neuschnee. Und darunter lag noch Eis. Das war natürlich eine klare Situation für eine Schleuderpartie. Und in einem kleinen Dorf namens Divandere, 80 km vor der Kurdenstadt Sanadaj war es dann soweit, einer dieser typischen iranischen Kreisel war halt zu klein geraten, und der Unimog schoß geradeaus in eine Mauer eines Dukans, eines dieser Kebabstübchen mit Namen Tschahar Fasl, was ungefähr 4 Jahreszeiten bedeutet. Dem Unimog hat das nicht viel angetan. Ach so, eines muß noch gesagt sein: Der Todesfahrer war natürlich ich. Ich wollte doch, dass Du endlich frei bist und Dir den Mann Deiner Träume suchen kannst. Ei war aber finstere Nacht, und die einzigen Zeugen, einige zwielichtige Kurden liefen schnell weg, um nur ja nichts mit der persischen Polizei zu tun zu bekommen. Nun war der Shop aber leicht demoliert, und wir mussten uns ja schließlich der Polizei stellen. Der Posten bei der Polizei in Divandere sagte uns, das sei gar keine richtige Polizeistation, sondern irgendetwas anderes. Wir sollten doch tunlichst nach Sanandaj fahren, was wir sowieso wollten. Nur als wir den Leuten in dem besagten Orte erzählten, was vorgefallen, wollten sie damit auch nichts zu tun haben, und erklärten uns, Divandere gehöre zu Tabriz und wir mussten dort hin. Du siehst, so leicht war dann mit dem Stellen gar nicht, wenn uns keiner haben will. Nun Tabriz war uns dann doch zu weit und lag ja gar nicht auf unserer Route. Da haben wir es halt gelassen. Groß war der Schaden ja nicht, den wir angerichtet hatten. wenn die persische Polizei gut ist, wird sie uns noch an der Grenze bei der Ausreise schnappen, aber ich glaube nicht, dass sie gut ist. Soweit, so gut, später mehr!

Noch einige Fernküßchen, um all den Rumänen dazwischen zu fahren, und dann Schluss für heute.

Alles Gute........

Dein HoWa

Horst Walther, Hamburg,