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Durch die Schluchten des Balkan - Von Bevensen nach Stambul

1974-02-08 Zäher Start

Eigentlich sollte es ja schon am 7.2. losgehen, aber wie vorausgesehen gab es gegen Schluss immer mehr am Wagen zu tun, so dass die Fahrt um 24 Stunden verschoben werden musste - Und das obwohl JöJa und UlKa schon eine Nacht hindurch gearbeitet hatten. Denn der Wagen war noch immer nicht fertig. Am 8. stellte sich dann heraus, dass uns keiner von denen aus Wunstorf abholen konnte, weil sie angeblich dazu nicht mehr in der Lage gewesen wären. So musste schnell noch die gute Karin organisiert werden, uns zu transportieren. Die Uli musste sie begleiten, damit Karin auf dem Rückweg nicht einschliefe. Gegen 22 Uhr lieferten die beiden Re und mich in Bevensen ab, wo alle noch kräftig am Basteln waren. Man, staunte allgemein über das Gepäck, das wir mitzunehmen gedachten. Ich sollte allerdings noch darüber staunen, wieviel Gepäck allein der Unimog für sich beanspruchen würde. Re legte sich bald bei Gü irgendwo zur Ruhe. Ich machte mir schon Sorgen wegen des Abreisetermins, weil wir gesagt hatten wir wollten gegen 16 Uhr des nächsten Nachmittages in München sein, was bereits sehr fraglich war.

1974-02-09 Deutschland ihr - Austria wir

Halb vier Uhr morgens sind wir endlich mit Basteln und Einpacken fertig geworden und alles atmete auf, als es endlich losging. Aber - ach - weit kamen wir noch nicht. In Neustadt bei Ha wurde noch gegessen und verabschiedet, was den Zeiger der in dieser Nacht besonders eilfertigen Uhr bis auf 5 Uhr vorpreschen ließ. Die Fahrt von hier nach Wunstorf war bereits durch Glatteis behindert, was wir als Vorgeschmack auf kommende "Genüsse" auffassten. Hier schliefen Re und ich noch zwei Stunden, während JöJa und UlKa noch den Gaskocher und diversen Kleinkram einzubauen hatten. Es war dann auch schon 7 Uhr 30 als wir endlich gen Göttingen starten konnten. Es war schon klar, dass wir den Termin in München ein weiteres Mal verschieben mussten. Re hatte das noch von Wunstorf aus telefonisch abgemacht. Ich war schon unruhig. Wer wusste wie lange dieses "Gerödel" noch dauern konnte? In Göttingen sollte sogar noch eingekauft werden, etc.

Zum Glück haben die beiden Berserker auf der Fahrt nach Gö ein wenig dem Gotte Morpheus gehuldigt, so dass sie in Göttingen wieder Nerven hatten. Rödelablauf: Einkaufen, Tee bei WoZi*), dessen angetrautem Weibe, Anmarsch bei dem treulosen Dozenten Scho, der uns noch ungeniert gute Ratschläge zu geben wagte. Hier musste noch eine mordsmäßig schwere Kiste mit Ersatzteilen auf dem Dache leergeräumt werden, damit nicht unser Pappmaché-Dach zerdrückt würde. Diese Zeit von 10 Uhr bis 1/4 vor 2 Uhr war endlos. Endlich konnten wir den Kampf mit dem Uhrzeiger aufnehmen, endlich ging es endgültig los!!! Unterwegs sind u. a. auch UlKa und, zum 1. Mal, auch WoZi gefahren. Ganz sicher fühlte ich mich dabei nicht immer. WoZi gelang oft das Herunterschalten vom 5. in den 4. Gang nicht recht, so dass er mitten auf der Autobahn stehen blieb und UlKa hat sich den tollsten Klops geleistet. Als der Sprit ausging und nachgefüllt werden musste, trat er auf die Kupplung, und der Motor ging aus, so dass das Licht nur noch von der Batterie gespeist werden könnte. Das aber ging gar nicht, weil nämlich dummerweise unterwegs der doofe "Nato-Knochen" herausgesprungen war. Wir standen also mitten auf der Autobahn völlig im Dustern. Es ist ein Wunder, dass unsere Reise hier nicht schon ein Ende gefunden hatte, denn der Verkehr war durchaus nicht eben dünn. Trotz solcher üblen Vorkommnisse aber kamen wir dennoch einigermaßen wohlbehalten in München an und erreichten den dortigen Hbf. nach kurzer Suche um ca. 22 Uhr. El war aber nicht sogleich aufzutreiben, obwohl sie so lange schon hätte warten müssen. Später trafen wir sie doch auf dem Weg zum Wartesaal und erfuhren, dass sie in der Zwischenzeit dem Lokus ihre menschliche Seite zugewandt hatte. Nun also war alles einigermaßen in Ordnung und der Krampf löste sich langsam. Die Fahrt zur Grenze lief einem dementsprechend glatt von der Hand. Auch Re und El gefiel die Sache. Re wäre am liebsten die ganze Reise weiter mitgefahren. Auf der Hinfahrt also musste unser Ungetüm an der Grenze kaum stoppen. Auf der Rückfahrt ist das bestimmt ganz anders. Dann werden wir bestimmt auseinandergenommen, wenn der Pappmachée-Wagen nicht schon vorher den Weg alles Irdischen geht. Beim Spritfassen gleich nach der österreichischen Grenze schlug uns von Seiten des Tankwarts echte Bewunderung für unser Gefährt entgegen. Man war verblüfft über seinen billigen Kaufpreis und erstaunt über die 300 Liter, die wir tankten. Man hörte Stimmen von Außenstehenden, die einander ehrfurchtsvoll zuflüsterten (etwa: "Mensch, was ist denn das für ein Auto?!" - "Das ist eine Expedition, die will nach Pakistan, und die haben den Wagen ..."). Österreich, so wurde uns eingeräumt, durften UlKa und ich meistern. Leichter Schnee und arschglatte Straße gab der Fahrt die Würze, und als an der jugoslawischen Grenze gewechselt wurde, waren wir mehr froh über die gewonnene Distanz zur Heimat als müde von der anstrengenden Nacht.

*) WoZi:Zu sprechen "Wozzzziiii!" (wie Fuzzy!)

1974-02-10 Finanzoffenbarung im Yugolande

Wie kann ich viel über eine Strecke sagen, die ich nicht selber befahren, sondern höchstens beschlafen habe? Bis hinter Zagreb übernahmen nämlich JöJa und WoZi Führung, was ihnen auch recht gut gelang. Unser Bestreben ging dahin, möglichst rechtzeitig in Beograd zu sein, um unsere holde weibliche Fracht fristgerecht abliefern zu können. Fristgerecht hieß hier so gegen 6 Uhr 30. Merkwürdigerweise gelang es uns auch diesmal wieder relativ genau den Punkt abzupassen, den wir uns erwünscht hatten. Unter mäßigem Hallo wurden die beiden verabschiedet. Übrigens - wieder bedeutet hier: Im letzten Jahre haben Re und ich nebst dem "Unglücks-Thomas", den Interessierte gerne auf Fotos bewundern dürfen, hier den Somalinesischen Schönling Mussée zum gleichen Zug gebracht und wir kamen auch damals kurz vor rechtzeitig an.

Nun waren wir also die Crew, die wir sein wollten. Das heißt nicht, dass sich nun alle freuten, die Weibsen losgeworden zu sein nein zumindest von einem kann ich behaupten, dass er ganz anders dachte. Nun also ging es auf eine Reise, deren wichtigste Grunde bereits in Deutschland weggefallen waren! Wir aber hatten zunächst andere Probleme. Der Tank leckte und noch so einiger Kleinkram war zu erledigen. Ort der Handlung Tankstelle oberhalb von Beograd mit Blick auf dasselbe bei Nacht. Hier nun bekamen wir zu hören, was uns alle brennend interessierte WoZi unser geschätzter Kassenwart, eröffnete uns hier nämlich ganz neue Perspektiven: Wir hatten noch so viel Geld, um mit knapper Not Shahabad erreichen zu können!

Nun, ich konnte damals die Fahrt durch die Lut und den Aufenthalt am Orte des Projektes noch nicht recht bewerten. Doch konnte ich den Verdacht schon nicht mehr ganz loswerden, das Ganze könnte als mittleres Fiasko irgendwo auf halber Strecke enden.

Auf besagter Tankstelle hat JöJa sich bzw. uns die ersten 20 Dinare für die Gemeinschaftskasse für ausgezeichnete Rödeldienste an einem Fiat einer selbstbewussten Jugoslawin verdient. Zeit haben wir an diesem fleißigen Orte zwar massenhaft verbraten, aber z.B. der Tank leckte fröhlich weiter, wie überhaupt nach dieser Finanzbelehrung alles so fröhlich war. Dem armen WoZi konnten wir schon zu dieser Zeit, anmerken, dass er von Unlust beseelt war. Wir konnten es ihm wohl nicht verübeln, sind doch nicht alle Menschen solche robusten Bärennaturen wie wir.

Bis 80 km vor Nis fuhren JöJa und UlKa und von da ab WoZi und ich. Im Gebirge auf dem Weg zur Bulgarischen Grenze mussten wir anhalten und einige Zeit warten, weil hier inmitten der Berge ein beträchtlicher Steinregen auf die Straße, die wir zu befahren gedachten hernieder geprasselt war. Ein Räumkommando war bereits zur Stelle, bestehend aus einem Polizisten, der es verstand unpassende Anweisungen zur falschen zeit zu geben, und einigen müden sozialistischen Arbeitern, Käthe-Kollwitz-Zeichnungen näher als den üblicherweise herumstehenden heroischen Arbeiterdenkmälern.

Vorkommnisse, die keiner näheren Beschreibung wert sind, können sie doch unseren Vorwärtsdrang nicht bremsen. So kam es denn auch, dass wir, ohne, dass wir uns recht versahen - und das ist diesmal nicht gelogen - schon an der Grenze des Chanates Bulgar ankamen.

1974-02-11 Bulgaristan adé - Viva Türkiye!

Diese war eher langweilig denn kritisch, dafür teuer. Soweit ich mich erinnern kann hat das Visum pro Person 5 US $ gekostet. Die einzig reale Gefahr bestand darin, dass der leicht lahmarschige Zollbeamte seine brennende Zigarette auf den Benzinfleck unter unseren Wagen hätte werfen können.

Schön, dass in Bulgarien nachts die Straßen so schön frei waren. Da konnten wir wenigsten unheimlich einen drauf los brausen. Umso merkwürdiger war es dann als uns auf kilometerlang freier Straße plötzlich ein aufgeregter Bulle anzuhalten versuchte. Beinahe hätte ich den Ärmsten zu Klump gefahren. Dann aber hatte ich doch ein Erbarmen und hörte mir sein Anliegen an. Es klang folgendermaßen: Man solle doch selbst hier in der Einöde die Stopp-Schilder beachten, und Geld sollten wir ihm geben und zwar in Landeswährung und zwar etwas plötzlich, wenn er bitten dürfte - und solche netten Sachen erklärte er uns in Zeichensprache.

Ich war natürlich ungemein verständig, wollte ich doch seine Probleme auch nicht haben. Und bitten durfte er uns auch, nur Slotys, nein die hatte ich nicht, weshalb ich zu meinem größten Bedauern ungeschoren davongekommen bin. Seither aber habe ich hie und da öfter einmal ein Stopp-Schild in seiner ursprünglichen Bedeutung gewürdigt.

Eine andere Besonderheit in Bulgar war, dass die Leute ohne Ansehen ihres Wagens alle so um die 40-50 km/h fuhren, wir aber so um die 70-90 km/h. Das veranlasste uns zu Überholmanövern, die sich sehen lassen konnten. Dadurch aber zogen wir uns merkwürdigerweise den Zorn der (General-) Überholten zu. Mein Schlussfolgerung: die Menschen haben hier so eine Art Energiekrise mit allem, was die Sache so schön macht, wie Geschwindigkeitsbeschränkung etc.. Nun, wir fühlten uns nicht daran gebunden, wir fuhren ja mit Jugopetroleum durch Bulgarland.

Stop und Fahrerwechsel in Plovdiv. Kurz darauf Essen und Schlafen meinerseits. Was zwischen dort und der Türkhududu*) geschah, entzieht sich meiner bewussten Kenntnisse, denn ich schlief den Schlaf der Gesetzlosen.

Da die türkische Grenze meine -zigste ist, möchte ich nur bemerken, dass meine Kumpanen (Cum = mit, pane = Brot) deftige Sachen im Duty-free-Shop erstanden. Was bin ich doch für ein verfaulter bürgerlicher Reaktionär. Ich war doch tatsächlich froh, als wir das Arbeiter- und Bauernparadies hinter uns hatten und in die halbkoloniale Türkei Ecevits einfuhren. Richtig heimatliche Gefühle waren es, die da meine Brust erwärmten. Ach wie mag ich Dich Du wilde schöne Türkey (romantisch!). Auf mein Drängen hin durfte ich die Einfahrt nach good old Istanbul vornehmen. Inzwischen hatte WoZi beschlossen, dass er eine Blinddarmreizung hätte und wir daraufhin, dass wir den Manager des Puddingshop fragen wollten, wo hier ein Krankenhaus sei. Wie schon in dem 1. Brief an Re vermerkt haben wir eine Nacht im Krankenhaus zubringen dürfen.

*)Hudut = türkisch für Grenze


Sultanahmet - Istanbul


Briefe ...

HoWa, Istanbul, 11-02-1974


1974-02-12 Basare, Museen & Nierensteine

Dieser Tag gehört mit zu den am wenigsten ergiebigen, die wir so bisher auf unserer Reise mitgemacht haben. Auf jeden Fall beschlossen wir in jenen schlaffen Stunden, noch einen, zwei, drei, vier Leute mitzunehmen. Es war schon fast klar, dass unser WoZi nicht weiter mitkommen würde. Als wir dann aber im Puddingshop standen, da fiel uns ein, dass wir ja gar nicht wussten, wohin wir eigentlich fahren wollten, dazu welche noch Leute besuchen Besucher zutrauen konnten usw. Das alles wäre ja überhaupt nicht schlimm gewesen, wenn wir nicht genau gewusst hätten, dass doch der einzige Punkt zu dem wir Leute mitnehmen konnten Isfahan war und nothing else. Aber davon wollte JöJa damals noch nichts wissen Er hatte den Irak noch nicht aufgegeben, das Riesenbaby, wie ihn UlKa zu nennen pflegt. So habe ich dann, als die anderen in der Hagia Sophia waren zumindest an unserem Auto einen Anschlag wegen Isfahan und 20 Dollar angebaut. Aber jetzt schreibt erst einmal UlKa weiter ...


UlKa's Traum ...

Also, äh, es ist an der Zeit, dass ich (UlKa) endlich einmal meine Träume zu Wort kommen lasse. Der HoWa wird zwar inzwischen eine Charakteristik losgelassen haben, die mich entlastet. Also: mir träumte ich stehe an einem Chanat und blicke so hinein und der HoWa steht so hinter mir und ich blicke mich um und will Big Baby Captain - ich muss dies schreiben um meine kleine bedrängte Seele zu entlasten - äh - also da wirft der HoWa.- mich doch da so einfach hinein!!!! Ich klammere mich fest und so und na da wirft er doch noch einen Stein hinterher na ich tu so wie als ob ich nun da hinein falle krieche aber nach einer Weile wieder hinaus und was sehe ich da? Eine Staubwolke. Und in front of this Staubwolke se lit notre Captain Big Baby JöJa, avec son messer entre his rips. Die Staubwolke entfernt sich und ich erkenne - oh, dschehennet- dass es sich dabei nur um den kalbun HoWa handeln kann, der sich mit dem Unimog gen Afghanistan entfernt um den big deal zu tätigen. Ich nehme das erlöschende Gesicht B.B. an meine Heldenbrust, streiche noch einmal seine blonden Locken aus meinem Fell höre sein letztes Flehen nach einer französischen Tramperin mit englischem Pass und erwache und erfahre das WoZi abgereist ist und ich, ich der Nächste bin oh Horror !!!! Oh Allah, gib que c'est n'était qu'un bad dream !!! Ähnlichkeiten mit noch lebenden Mitfahrern - Scheißwort- sind durchaus erwünscht.


Soweit also UlKa. Außer ihm werden hier in diesem Buche noch ganz andere Leute zu Worte kommen. Nachdem die Leutchen aus der Hagia Sophia also zurückgekommen waren, machten wir uns alle zusammen auf den Weg um in das Topkapi - Museum zu gehen. Das aber erwies sich als kapitale Fehlanzeige, denn schon der nächste Taxifahrer, der übrigens perfekt Deutsch sprach klärte uns auf, dass dienstags das Topkapi geschlossen sei. So wandten wir unseren Sinn gen Archäologisches Museum, welches uns ein beträchtliches Eintrittsgeld kostete.


 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---

Das archäologische Museum in Istanbul ist aus folgenden Gründen nicht empfehlenswert ...

Sogar für mich als Archäologiestudenten gab es weder einen ermäßigten noch Umsonst-Eintritt. Das Museum ist in sich überhaupt nicht gegliedert, weder zeitlich noch räumlich. Die Fundstücke stehen ohne jeglichen Zusammenhang, ohne jede Beschriftung in den Sälen herum. Kleinplastik war ohne Sinn und Verstand zwischen Resten von Großplastik eingestreut. Es war selbst mir als Sachkundigen nicht möglich etwas zusammenhängend zu sehen und zu erklären. Das Museum ist einer Großstadt wie Istanbul unwürdig. Da es in der Türkei wesentlich bessere Museen mit auch einem größeren Spektrum gibt - das Museum in Istanbul beschränkte sich im Wesentlichen auf griechische römische und byzantinische Fundstücke ohne nähere Bestimmung - kann ich als Student im dritten Semester nur vom Besuch abraten, da er sich nicht lohnt., weil das Museum antiquiert und uninteressant ist.

 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---


Ja, ja, der UlKa ist doch schon so ein Experte. Aber Eines habe ich für diesen Tag noch vergessen. Wir sind zu dem Stadtteil Topkapi1der nicht etwa dort liegt wo das gleichnamige Museum ist, sondern an der Stadtmauer, gefahren, um unseren hinteren Tank flicken zu lassen. Das war eine sehr lustige Gegend. Eine kleine Stadt für sich, die nur kleine Repair-Klitschen beherbergte. Ich bin mit WoZi zu einer Arbeiterkantine und zu einem Teehaus gegangen.

Dort hat es ihm anscheinend sehr gefallen. Über den weiteren Verlauf der Reise hegte er jedoch grosses Misstrauen. Die Tankreparatur, die übrigens 10 Dollar kostete und doch nicht richtig durchgeführt worden ist wollte zuerst niemand recht durchführen, bis wir dann doch einen Lebensmüden fanden. Dort ist auch der 1. Brief an Re entstanden. Auf dem Wege zurück zum Hippodrom ließen wir WoZi auf sein Drängen hin fahren und er zog sich auch prompt unseren Zorn zu, indem er unser fahrendes Himmelbett beinahe zum Umsturz brachte. Auch. sonst fuhr der sonst eher verträumte Junge für meine Begriffe etwas zu aggressiv. Normalerweise, wenn Fußgänger in behindernder Weise die Straße überqueren, nehme ich etwas das Gas zurück und lasse sie passieren. Irgendwie müssen diese armen Leute doch über die Straße kommen. Geregelte Übergänge gibt es doch nicht. Nicht so WoZi. Er gab noch Gas und hupte wie ein wilder, so dass die Fußgänger vor Schreck nach allen Seiten auseinander spritzten. Als ich ihn darauf hinwies, dass das vielleicht doch nicht richtig sei und die Leutchen doch irgendwie über die Straße müssten, meinte er voller höhnendem Ingrimm: "Aber doch nicht vor unserem Wagen!? Wir beschlossen jedenfalls ihn nicht mehr fahren zu lassen. Ich ging lieber noch mal mit ihm über die Basare wobei Scho und JöJa gründlich auseinander genommen wurden. Das Krankenhaus am Nachmittag hatte WoZi glatt verschwitzt. Wir schliefen diese Nacht gleich beim Puddingshop. Aber noch etwas muss hier eingefügt werden, was chronologisch weit früher lag. Auf meinen Anschlag hin hatten sich nämlich 2 Leutchen gemeldet, die bereit wären für diesen Preis mit uns zu fahren. Es waren ein Franco-Schweizer und ein Schweizo-Engländer - Ersterer etwas zugewuchert, aber noch annehmbar, Letzterer relativ zivil. Es ist ja bekannt, dass vor allem JöJa große Angst davor hatte, verlotterte Hippies mitzunehmen.

1974-02-1375% mehr Besatzung

Früh Morgens gleich fuhren wir wieder zum Krankenhaus hinauf um dort wieder den halben Tag zu verlieren und zu erfahren, dass unser Patient Nierensteine hat, die aber nicht unbedingt Ursache seiner Krankheitssymptome zu sein brauchten. Auf jeden Fall wurde als Abfahrtsterminweiterhin der 13.2. abends beibehalten. Allein auch schon wegen potentieller Mitfahrer. Als wir am Hippodrom ankamen waren dort schon unsere zukünftigen Mitfahrer, die ich gleich dem JöJa übergab. Da war auch noch ein alter Deutscher, doch dazu später. UlKa und ich hatten da Größeres vor: Wir besichtigten das Topkapi-Museum, was uns manch Pläsier bereitete. Doch dazu der Fachmann ...


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Topkapi Serail, das ist der traurige, heute traurige, Überrest der einstmals so mächtigen Sultane des türkischen Weltreichs. Der Serail liegt auf der Spitze der Berg- bzw. Landzunge, die gebildet wird durch den Bosporus und das Goldene Horn. Eintritt wieder 15 Lira, sehr viel! Wir wanderten zunächst lustlos durch die heruntergekommenen Grünanlagen bis wir auf den Terrassenpalast im türkischen Barock á la Prinz Eugen stießen. Von der Terrasse bot sich uns zwar ein nebliger, aber dennoch grandioser Blick nach Asien. Den schönsten Platz jedoch fanden wir ziemlich versteckt der Landseite zu. Nach zwei Seiten offen, eine Seite Terrasse die andere Zypressengarten, mit einem Bassin versehen, dessen Zufluss eine Rinne im Fußboden einer offenen Säulenhalle lag. Die vierte Seite zur Spitze hin wurde durch einen kleinen Pavillon gebildet. Von der Terrasse aus hatte man einen phantastischen Ausblick über das Goldene Horn, über Galata und ganz Istanbul. Die ruhige Lage und die harmonische Schönheit dieses kleinen, hintersten Teils des Serails begeisterte uns so sehr, dass wir beschlossen diesen Teil zu kaufen oder zumindest auf Lebenszeit zu mieten. Ansonsten waren im Museum selbst die Schatzsammlungen am interessantesten, von den Überresten des christlichen Byzanz, über Diebesgut aus Mekka (Kaaba-Schlüssel, Mantel des Propheten, etc. ) bis zu den Throninsignien und Orden der Sultane. Uns interessierte außerdem die umfangreiche Schriftensammlung. Den Harem und den inneren Serail besuchten wir nicht. Mein Urteil: bei schönem Wetter ist der Besuch auf jeden Fall seine 15 Lira wert.

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UlKa in Fahrt

UlKa in Fahrt


We reported that we, took four passengers in Istanbul. At this place they will now present themselves. Hugh from Great Britain and Pierre from Switzerland. The third one left us in Isfahan. He is a special capital of, its own. I think HoWa will write about Flavio, the Osterinsulaner from Italy. Mais maintenant nous écoutons á nos deux amis avec leur représentation ...


Die Haghia Sophia

Flippée ...

High Everybody, who on earth could imagine our respective identities, the famous Phlox Theatre from Geneva, dismantlers of any present and past living morals.

Feathers and asphalt on our backs or maybe glory for imaginative freak out, we had to split Geneva a burst of cries singing in the flow of the atmosphere, before the happening of life and voyage incognito towards East-Whisky Coca, flan au Kronenbourg - le repas atterrit sur piste d'évacuation.

Sultan-a-Ahmet, Tuborg Bira, Kurrdistan carpets, Hyderpasha - 3 T.-Liras, immense abîme des besoins auxquels il nous faut subvenir. Je te tiens par la barbichette. - Retour au Galata Bridge óu le Bosphore géant n'accouchera pas de notre Suicide, - immense plaie de viseissitude, oeil glauque dans le visqueux bouillon au caramel de Havane, déchets de papier d'Arménie et Vision de fon de fond de bouteille galvaudé sur piste caillouteuse entre le formol ouateux et le sursaut agressif, inattendu, de hargne malfaisante. Stridence ininterrompu coulant insidieusement, paralyse, mord, attaque, réveille les germes de la violence animale et finit par éclater - dans un fracas sec avec un pauvre gloussement de frisson apprivoisé et monte dans un claquement grotesque et insoutenable de douleur pour finir épuisé et sans saveur, - gueule nauséabonde de hareng pelé se referme sur une suspension interrogative - sécheresse au plus profond des entrailles et qui n'en finit plus de ramper et de tourner et le vertige est le plus fort, mais fiévreux et tremblant, lueur fougueuse au tréfonds de la pupille glacée qui roule et se brise de mille éclats noirois.

Die Hanomag Tour führt Ihr wo keine andere Gemeinschaft führt - (Unimog) Auch gegen Mauern, wenn Sie wollen.

Des crêtes drapées de fine soie blanche gonflant leur poitrine nue sur l'échiquier bleu bland du ciel. Le Roi Soleil, imposant, joue avec nos visages, avec l'écume des vagues qui l'assaille et qui replonge dans la sérénité hivernale et évasive de l ,après-midi iranien.

Etendue lascive qui 5 ,ouvre devant nous au contour des coulées miroitantes de neige fondue. L'eau serpente, noire, immaculée, plaie béante sur la chair fraîche, cadencée par les javelots lumineux d ,Hermès.

Amphithéâtre rocailleux de clair-obscur au profil émacié, détail d'une croûte de l'ère pointilliste frappée par le saut du temps et taillée par les vents.

La Turquie du Sud intérieur retirée dans ses maisons de chaume et ses châteaux délabrés de l'âge que UlKa mentionne, colorie les souvenirs dans ce repos blanc de fin d'hiver. Des sites archéologiques et des musées de l'histoire antique de la Turquie, des peuples qui l'on habitée y sont rassemblés; De gigantesques poteries ou le vin coulait en signe d'offrant pour les divinités. Les villes, bâties et puis détruites, étagées les unes sur les autres, au gré des batailles et du temps. Des lettres de commerce taillées dans la pierre et refermées dans une enveloppe, moulure externe, lépée dans son fourreau.

Hymnesde couleurs laissant d peine transparaître le Visage sauvage de la femme kurde, lui rendant ses pleins pouvoirs dans sa beauté; les traits travaillés par la gouge d'un climat sec et rude sur l'ancien guerrier kurde, portant encore a son épaule le long canon du fusil et créant, suivant les régins quelques difficultés pour l'armées turques.

A des températures de moins vingt degrés nous avons etc. assailli par une troupe armée de soldats a quelques kilométrés de la frontière iranienne, sur une route rarement fréquentée: le trafic de Hashash est strictement prohibé, mais le paysan turc l'adopte, bon gré, mal gré; c'est un moyen de survie. On procède aux excuses, on nous offre le gîte pour la nuit, le tchei et a manger; Souvenir encore vague et glacial dans cette myriade de rubis argentés sur le verglas traître, aux ressources inépuisables quand il veut nous donner en sacrifice au bûcher de notre imagination.


Soweit also die Beiden. Was sie genau geschrieben haben weiß ich noch nicht. Aber ich werde es wohl auch noch herausbekommen. Diese Beiden haben wir also mitgenommen und noch einen Dritten, den schon UlKa erwähnte. Dafür ist der alte Deutsche zurückgetreten, den vor allem JöJa gerne mitgenommen hätte. Das war übrigens ein recht merkwürdiger Typ, der in Sachen Buddhismus alle paar Jahre nach Indien fährt. Er sah, weiß Gott, nicht reich aus, gebärdete sich auch recht anspruchslos und sagte er hätte das Geld zum Verreisen nur deshalb, weil er einige Zeit sehr hart gearbeitet hätte und sich auch rein gar nichts gegönnt hätte.

Dieser Typ, den ich in Deutschland vielleicht für einen Kaninchenzüchter gehalten hätte, hatte in praktischen Fragen recht vernünftige Ansichten, z.B. zu WoZi's Nierensteinen. WoZi solle sich ein sehr starkes Schmerzmittel nehmen und immer in eine Blechbüchse pinkeln, bis die Nierensteine heraus wären - sofern diese genügend klein wären.

Dieses Letztere aber könnten wir an Hand der Röntgenbilder entscheiden, die uns vorlagen. Der Besagte sprang aber noch ab, weil er den Schnee um Van fürchtete und lieber auf dem schnellsten Wege in die gelobten Regionen des Ramayana vorstoßen wollte. Aber er bescheinigte uns noch dass wir ihm sehr sympathisch gewesen seien und er gerne mit uns gefahren wäre aber sein Ziel drängte ihn denn doch.


Ansonsten (Ich schreibe jetzt - UlKa) blickte wohl keiner richtig durch. Von seiner Ideologie her könnte man ihn meiner Meinung nach am ehesten mit den urtümlichen Pariser Clochards vergleichen. Auf jeden Fall waren die Nachrichten über die Witterungsverhältnisse am Van Gölü sehr negativ, es hieß sogar dass auch die Bahnstrecke über Van nicht passierbar sei. Dies schien aber unsere anderen drei Mitfahreranwärter nicht. sonderlich zu stören, besonders Flavio schien überhaupt nicht beeindruckt, was sich später als durchaus natürlich herausstellte. Doch seiner Beschreibung durch HoWa's zynischen Anschlag will ich nicht vorgreifen. Also wir schreiben immer noch den 13.2. und sind immer noch vor dem Puddingshop. Unsere Abfahrt schien sich auch weiterhin zu verzögern, da die Straßenverkehrslage nicht geneigt war, sich zu unseren Gunsten zu verbessern, d.h. Istanbul litt mal wieder an Verdauungsstörungen! Nur mit Mühe, Not und unserer nicht zu überhörenden Hupe schlängelten wir uns durch die engen Straßen der City. Was Jörg Verdruss bereitete, gab mir und HoWa (der Esel immer zuletzt, äh zu erst.!! ) die Möglichkeit durch abspringen an geeigneten Orten unsere Vorratslage durch spontane Einkäufe zu verbessern. Schleichender Weise näherten wir uns somit dem Stadtausgang. Und nun schreibt der liebe (!) HoWa weiter.



Ja, das wollen wir doch gleich einmal ganz klar herausstellen ... "Ich bin der liebe - Gott - äh - HoWa!!" - Was für ein Glück, dass meine Maschine sowieso rot ist, sonst würde sie es jetzt werden (Unbefugte Anmerkung der Tippenden) - Diese langsame Fahrt vom Puddingshop nach Sirkeci (Koschol = Kos / chol -and divane means mad foux, verrückt), die den JöJa ziemlich aufregte war für uns unbedarfte Mitfahrer eine wahre Freude. Wir konnten Wein und türkischen Honig einkaufen und es war überhaupt sehr gemütlich - wenn man halt eben nicht: gerade Fahrer war. Aber dann ging es auf die neue Brücke zu und das war ja für alle von uns eine Premiere und so war das Schiebedach trotz beißender Kälte offen und einige vorwitzige Leute saßen sogar auf dem Dache. Sogar der, sich später als besonders kälteempfindlich herausstellende Flavio steckte seinen Kopf nach draußen. Danach aber zog sich alles schnell zurück und schlief unvermittelt ein. Endlich waren wir wieder unterwegs. Die grandiose Brücke lag hinter uns und wir waren on the road again. Aber es sollte nicht für lange sein. In Ankara, galt es Leute zu besuchen und einiges zu Rödeln. Erst wenn diese Stadt hinter uns lag konnten wir weiter denken. Mit diesem Gedanken schlief ich ein und wurde erst wieder geweckt als es bereits Morgen jedoch noch nicht morgens war und unsere Schicht begann. Aber das gehört schon zum 14.2.!

Horst Walther, Hamburg,