19. März
130 km hinter Bandar-e-Jask
180 km vor Bandar Abbas

Herrn Prof. Dr. KlauSchi, Seminar für vorderasiatische Archäologie Universität Göttingen

Sehr geehrter Herr Professor,

unser Wagen hat wieder mal seinen Geist aufgegeben, und so stehen wir hier an der Piste nach Bander Abbas - Shiraz und haben viel Zeit, um die Post zu erledigen. Die Reise als Ganzes ist so ziemlich in die Hose gegangen. Erst hat sich unser Kassenwart verkalkuliert, dann wurde er in Ankara auch noch krank, mußte nach hause fliegen und zog uns noch Kapital aus der Tasche. Tja, mit Mühe und Not und mitgenommenen Trampern, gegen harte Dollars selbstverständlich, erreichten wir unseren ersten Zielort, Shahabad. Unterwegs habe ich nach Möglichkeit viel besichtigt, wobei, ich Rücksicht auf meine Mitfahrer, auf die Spritkosten und auf das Wetter nehmen mußte, das übrigens sehr kalt war. Wir besuchten eine ganze Reihe von Plätzen und Museen, wobei wir nach Möglichkeit keinen Eintritt zahlten, dafür aber ein fürstliches Bakschisch hinterließen, für die armen Wächter, für die im Winter ja sonst nichts drin liegt. Während unser verbliebener Geograph das Projekt bei Gonabad für seine Examensarbeit untersuchte, wollte ich mit unserem Iranistik- und Chemiestudenten den Norden bereisen, was aber flachfiel, da der Wagen wegen des defekten Kühlers und einiger anderer Fehler wie Thermostat, etc. permanent in Reparatur war. Von da aus wollten wir uns in Ruhe Sistan und Belutschistan vornehmen, Mohendjo-Daro und der Indus waren inzwischen wegen Spritgeldmangels total gestrichen worden, aber der zweite Geograph wurde krank, so dass wir nur noch in Richtung Krankenhaus Chah Bahar durchrasten, alles inklusive Zabol am Wegesrand liegenließen und nur einen Tag im Projekt Bampur blieben zwecks Arztbesuches und Lichtmaschinenreparatur. Dann ging es weiter über die schlimmste Piste, die ich je gesehen habe. Dagegen war die Piste durch Dasht-e-Lut nach Tabbas reines Gold. Auf jeden Fall sahen wir nicht viel, nur unser Kühler und unser Windflügel gingen jetzt so ziemlich ganz über den Jordan. In dem Nest Chah Bahar, von dem im Fernsehen im Iran sehr viel als Touristenattraktion die Rede war, kam unser Geograph ins Krankenhaus, und ich reparierte den Kühler. Von dort fuhren wir nach Bandar-e-Jask, ohne Straße teilweise mit Führer durch die Küstenebene, eine Strecke, die sonst nur von Kamelen benutzt wird.

Wir schafften diese trotz defektem Kühler und 4-flügeligem Windflügel, aber nach Jask kam wieder die bekannte Wellblechpiste, und wir verloren unterwegs aus dem Batteriekasten unsere Batterien. Jetzt ist gerade einer von uns nach Bandar Abbas getrampt, um zwei neue Batterien einzukaufen. Beim Abschleppen ist dann auch noch unser Kühler noch mehr lädiert worden, so daß wir nur noch Shiraz und Umgebung besuchen werden, womit der Irak auch gestrichen wäre, da wir wegen der gespannten politischen Lage wahrscheinlich nicht dort einreisen können werden. Soviel über die Reise. Ich werde so um den 25. wieder im Seminar sein, hoffentlich verbleibt mir dann noch genug Zeit für mein Festungsbaureferat. - So wahr der Wagen will.

Meine Mitfahrer zeigten sich übrigens sehr interessiert an unseren Skripten der Übungen und Vorlesungen. Ich glaube, auch ein bißchen Verständnis für unsere Sandkastenbuddelei bei ihnen geweckt zu haben. Ich hoffe, Sie haben die Ferien nicht mit allzu viel Arbeit langweilig im Seminar verbracht.

Viele grüße aus dem Iran ihr UlKa

P.S. bitte grüßen Sie meine im Seminar vorhandenen Mitstudenten

Horst Walther, Hamburg,