20. März,
140 km hinter Bandar-e-Jask und
170 km vor Bandar Abbas

Liebe An,
also ich weiß nicht, ob Dich der letzte Brief auch erreicht hat, da HoWa ziemlich unwillig war, ihn mitzunehmen nach Bander Abbas. ich glaube, ein persischer Offizier hat ihn HoWa noch im wagen zur vermeintlichen Weiterbeförderung abgenommen. Deshalb schicke ich gleich diesen Brief hinterher.

Wir schreiben heute den 20.3. und ich befinde mich jetzt 140 km hinter Bandar-e-Jask und 170 km vor Bandar Abbas. HoWa ist nach Minab getrampt, um zwei neue Batterien zu besorgen, da die Alten uns verlustig gegangen sind. Du kannst bitte bei mir Zuhause bestellen, daß ich, wenn ich wiederkomme, eine neue Batterie für meinen VW-Bus brauche, da meine Batterie bis dahin ihren Geist aufgegeben haben wird. Alle Energie beziehen wir nämlich zur zeit aus ihr. Und sie ist auch schon reichlich angeschlagen, von der Piste, vom Alter etc., von der Hitze, von der ungleichmäßigen Aufladung etc., Na ja, der Unimog macht keinen Spaß mehr. Zugegeben mit einem anderen Fahrzeug hätten wir die letzte strecke nicht geschafft. Aber wir kommen nicht dazu, die Gegend zu genießen oder uns mal Zeit zu lassen. Da immer etwas am Wagen zu Rödeln ist. Und dann die Kosten. Ich werde kaum etwas mitbringen können, da all mein und unser Geld in den Wagen zwecks Reparaturen und Ersatzteile gesteckt werden muß. Der Motor ölt, der Tank und auch der Kühler lecken wieder stärker. Wir haben uns ein Stück vom Militär abschleppen lassen müssen, da sie unbedingt wollten. Und dabei ist der Kühler wieder kaputt gerissen worden. Unser Abschleppseil "in Arsch gegangen" und ein Stein hat einen schönen Stern in unsere Windschutzscheibe geschlagen. Wir hängen jetzt hier und warten auf HoWa's Rückkehr. Ich hoffe, du hast den ersten Brief doch erhalten. Ansonsten kannst Du ja später das Tagebuch lesen. HoWa geht mir ganz schön auf die Nüsse. Jedesmal, wenn was am Wagen ist, meint er da müssen wir wohl aufgeben, den Wagen notverkloppen oder einfach stehen lassen. Und wenn man dann unter dem Wagen liegt und die Scheiße behebt, dann mäkelt er noch und klopft Sprüche, das ginge nicht und so. Meine Sachen sind jetzt alle ganz schön eingesaut. Reinigen nützt bei den Hosen nichts mehr. Ich werde sie neu färben lassen. auf jeden Fall ist es so wie im Moment ganz schön beschissen. Wir werden uns nur noch Shiraz und Umgebung ansehen, und ansonsten sehen, daß wir heil nach Hause kommen. Meine Sonnenbrille hat mir wahrscheinlich ein Offizier gemopst, der ein Stück bis zum nächsten Militärposten mitfuhr. Ich hatte sie immer vorne liegen, da HoWa keine mit hat und sie mit benutzte, da man hier nicht ohne fahren kann. Und seitdem dieser Macker weg ist, ist auch die Sonnenbrille weg. Da hat der HoWa wohl mal, wieder nicht aufgepaßt. Er klopft immer Sprüche, wie achtsam man im Orient sein muß, ansonsten verliert er laufend Tankdeckel und verlegt andere Sachen. Wir haben im Moment anstelle eines Tankverschlusses einen Plastiksack, da HoWa auch den Ersatzverschluß verbaselt hat. Hosseyn nervt jetzt auch immer mehr. Er meint, die Perser wären in jeder Beziehung − in Bezug aufs Auto und aufs Reden und aufs Machen und aufs Tun wesentlich vorsichtiger. JöJa ist wieder kränker geworden. Ich schicke Dir den letzten Tagebuchdurchschlag mit. Ein paar andere habe ich in den ersten Brief gepackt. Diesen werde ich eigenhändig einwerfen. Ansonsten grüß meine Eltern und Deine, und bleibe hübsch artig wie ich - Tja, bald bin ich ja auch wieder in den heimischen Wäldern, und wenn die Post nicht regelmäßig kommt, so liegt das an den riesigen Entfernungen und an den schlechten Verbindungen im Iran. Also mach’s gut mein Schatz

Es grüßt Dich dein UlKa

P.S.. Gib die Grüße bitte auch zu mir Zuhause weiter!

Horst Walther, Hamburg,