Birdocht, 27. 02. 1974

Ihr Lieben daheim,

Wir sind in Shahabad auf dem Landwirtschaftsprojekt. Wir leben wie die Könige. Nebenan wohnt ein dienstbarer Geist, der uns jeden Wunsch von den Augen abliest. Morgens Frühstück mit drei Spiegeleiern pro Nase - im Bett! Wir sind beim Projektleiter, der in Deutschland studiert hat, zu Gast. Seine nette Frau steht gerade vor uns, um unsere Wäsche zum Waschen mitzunehmen. Sie haben zwei unheimlich süße kleine Mädchen. Sie will aber nur JöJa's Sachen mitnehmen, da HoWa wegen eines Kußfotos verschissen hat! Also gestern abend war ein riesiges Fressen inkl. Kulturabend, wobei ich wieder die musikalische Seite bestreiten mußte. Heute mittag wieder dasselbe pompöse Essen, die schönsten Mädchen aus Shahabad, Tanz etc. Unser Auto wird hier umsonst general überholt. Der Chef ist ungemein zuvorkommend. Vor lauter Gastfreundschaft kommt JöJa nicht zum Untersuchen des Projektes. Wir haben vor, dann so in 4 Tagen gen Süden aufzubrechen, durch Belutschistan über Zahedan zum Badeort Chahahr Bahar. Lange Sandstrände, endlich mal raus aus der Kälte.

An die Mädchen war nicht heranzukommen. Sie saßen immer zusammen in einer Ecke. Sie tanzten aber sehr schön! JöJa hat zwei Filme verschossen. Die Leute sind hier unheimlich nett. Der Scherzbold des Projektes ist der Bankdirektor von Shahabad. Die süße rote Hose und die grüne Hose fahren leider heute abend wieder nach Hause, nach Gonabad, sie waren die mit Abstand süßesten! An, entschuldige bitte, dies ist eine rein wissenschaftliche, abstrakte Bemerkung. Das Essen wird immer besser. Wir konnten heute mittag einfach nicht mehr in uns hineinstopfen. JöJa war wegen der Girls überhaupt nicht mehr zu halten. Er war immer nur am Flirten. Er sollte lieber mit seiner Arbeit beginnen. Heute war ja Freitag - Feiertag - da war natürlich noch mehr los als in der Woche. Wir sind hier ein gesellschaftliches Ereignis. Die Schulkinder laufen uns inklusive Lehrer hinterher. Wir sind richtig verfault.

Auf der Rückseite findet ihr einen Durchschlag einer Tagebuchseite, sozusagen als Vorgeschmack. Wir sind 10 Tage im Rückstand, haben aber schon aber 30 Seiten bis zum 18.02. getippt. Wie geht's Mutti? Gibt es wegen meiner Formalitäten etwas Neues? Schreibt nach Shiraz ! Macht Euch bloß keine Sorgen. Wir haben hier nur noch Freunde. Auf unserem Weg nach Chahar Bahar werden wir nach Bampur weiter empfohlen, und auch der Bankdirektor in Chahar Bahar selber erhält von seinem hiesigen Freund eine Nachricht über unser Kommen. Das Ganze droht eine Good-will-Tour zu werden! Bis auf den Thermostaten und den hinteren Tank ist der Wagen jetzt wieder Top fit! JöJa ist gerade draußen wieder am Wirbeln! Mir fällt heute nichts mehr ein und HoWa braucht die Tippe für das Tagebuch. Also dann viele Grüße an alle!

 Euer UlKa

Horst Walther, Hamburg,