Robat poscht e badam, 24.02.1974

Liebe An!
Die Jungs wollen unbedingt noch was essen, und ich bin bereits satt. So sitze ich denn jetzt hier in einer kleinen Kneipe an der Piste von Isfahan nach Tabbas. Rings um mich stehen Kinder, sie haben fast alle entzündete Augen. Hier in der Wüste gibt es selbst in den Dörfern, wo man wie hier Coca Cola bekommt, nur salziges Wasser. Das ist auch der Grund, warum die ganze Gegend zur Wüste geworden ist. Wir haben beschlossen, auch Briefe dem Tagebuch anzugliedern, so ist der erste Teil als weiterführender Reisebericht aufzufassen! Also wir haben gestern das verschneite Isfahan verlassen und sind in Richtung Yazd aufgebrochen. Kurz vor Yazd haben wir dann die Asphaltstraße verlassen und sind auf die Wüstenpiste abgebogen. Gegen Abend erreichten wir dann passend ein verlassenes Karawanserail. Wir beschlossen, gleich dort im Innenhof zu übernachten. Ein genauer Plan liegt dem Tagebuch bei. Außer dem duften Karawanserail befand sich dort noch ein alter runder Wehrturm, eine Zisterne, ein Brunnenhaus, ein regelrechtes Scheißhaus, eine Gießerei (?) sowie sonstige Trümmerhaufen. Das war von der Regierung restauriert worden und von der Architektur her sehr gut in Schuß. Wir haben dort dann gleich einen irren Film gedreht!! Von dort sind wir nach Untersuchung der Örtlichkeit dann weitergefahren. Die Szenerie ist gewaltig. Ringsum Berge, ehemalige mit Salz ausgeblühte Felder, Kies und die Piste. Nach einigen Kilometern stießen wir dann auf eine regelrechte Oase. Sie hätte genauso gut in der Sahara oder Kalahari stehen können. In einem Teich schwammen sogar Fische. Leider begann auch hier schon wieder die Versalzung, da nur bewässert und nicht entwässert wird. Unterwegs stießen wir hier und da auf kleine Kamel- / Dromedarherden. Gegen Spätnachmittag kamen wir zu einem weiteren, wesentlich kleineren und schlecht erhaltenen Karawanserail, das von einer kleinen verfallenen Burg überragt wurde. Wir sind ein paar Stunden durch die Ruinen gekrochen und haben Fotos gemacht. Gegen Abend kamen wir dann in dieses verlorene Nest. Für 40 Rial aßen wir erst einmal Abguscht. Man brockt dabei Fladenbrot in eine Brühe, dazu gibt da Zwiebel, wahlweise Fleisch oder Eier, und dazu trinkt man den in der Türkei wie auch im Iran verbindlichen cay (=Tee). Der Caytschi schwirrt um mich herum, und ein paar Kinder machen Schularbeiten. Die anderen essen einen zweiten Gang im Wagen. Seit Isfahan sind wir nur noch zu fünft. Der Osterinsulaner -äh- Flavio aus Rom hat uns - Gott sei dank - verlassen. Mit Hugh und Pierre ist ganz gut auskommen. Übermorgen wollen wir in Shahabad sein. Der hintere Tank leckt wieder, der Wagen ist halt doch nicht ganz pistenfest. So, ich schreibe jetzt umseitig

Platz für Intimitäten (sogenannter Abschneidebrief, auf daß sich meine Eltern keine Sorgen machen brauchen)

weiter. Also Isfahan. Wenn man so die Bilder sieht, kann man sich die Stadt gar nicht im Schnee vorstellen. Wir haben dort in einer Jugendherberge übernachtet, viel geduscht, viel gerödelt - am Auto - viel Fernsehen geguckt. Leider gelang es uns auch dort nicht, ein weibliches Wesen zwecks Benutzung aufzutreiben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ich bin dann mit HoWa in die Shah-Moschee und in die Sharadiva Moschee gegangen. Du kennst sie von den Bildern in deinen Geographiebüchern. Ach ja, ich habe nach Hause einen Brief geschrieben, der auch Dir zugänglich gemacht werden sollte, bitte gib deshalb auch diesen Brief mal kurz bei mit zu Hause rein. Also, wie gesagt, wir haben einen ganzen Tag auf s Auto verwandt, Gott sei Dank waren keine größeren Defekte aufgetreten. Von Isfahan habe ich dann auch in Teheran bei einem Mitstudenten der vorderasiatischen Archäologie angerufen, Vesta-Sarkosh. Ruinen gibt's hier übrigens genug. Ich könnte auch ohne sie jede Semesterferien hier verbringen. HoWa will ja unter Umständen in der ersten großen Karawanserail ein Fest organisieren! Na ja, man träumt hier sehr viel. Ich bin heil froh, daß wir hier wenigstens keinen Schnee mehr haben. In Isfahan selbst haben wir ja in der Ankunftsnacht noch Notdienst leisten messen. Tja, die Gegend ist so trostlos, da denkt man nicht mehr viel. Aber in der großen Karawanserail ist dennoch ein Song entstanden:

I came to the East to see the sun,

Oh, I am going to the East to see just the sun. The road leads me on and on

I know I must be soon be gone I don't like this cold no more I want to rest on a warmer shore so I am going to the East to see the sun etc. etc, etc. about 5 - 6 verses.

Viele Grüße und Küsse an alle! UlKa

So, der HoWa kann sich im Moment nicht konzentrieren, darum laß ich hier einen weiteren Erguß meiner selbst von gestern los UlKa - Nee, den von gestern muß ich noch mal überarbeiten, ich tipp ein anderes rein:

The Old Walking Song
Dm / em dm / em dm / em

The road goes ever on and on
dm / em + dm gm + A + A7

Down from the door where it began
dm + am dm + am

Now far ahead the road has gone
Dm + em dm + em

And I must follow if I can
Pursuing it with weary feet

Until it joins some larger way
Where many paths and errands meet

And wither then? -- I cannot tell.

Musik: UlKa Text nach einer Idee von J.R.R. Tolkien
Alle Rechte bei K.G. Urne

Also, wir fuhren nach Tabbas ein wie Kingrezakong persönlich. Zweimal umkreisten wir den menschenleeren Kulturpark, bevor der Uni seinen Ruheplatz vor den Kupferschmieden fand. wir versuchten, uns in alle Richtungen zu zerstreuen, was uns aber total mißlang. Nach ein paar hundert Metern waren wir wieder zusammen und von einer Horde mehr oder minder älterer und jüngerer, in der Mehrzahl aber schleimiger Perverser und Schlitzohren umgeben. Diese Eskorte begleitete uns zu einem Lokal, in dem wir unbedingt essen sollten, mit Müh und Not konnten wir unsere Belagerer davon abhalten, uns dahinein zu schleppen. Da hielt ich es für geraten, mich mit HoWa abzusetzen. Nun ja, auf dem Rückweg in Richtung Wagen - wir hatten die Schlüssel - wurden wir dann doch plötzlich verhaftet, d. h. der gewichtigste und am dümmsten dreinschauende Polizist vom Platz stoppte unsere Schritte und richtete mit Hilfe einer schnell hinzugezogenen Zivilperson recht unverständliche Fragen an uns. Doch HoWa gelang es trotz seines mangelhaften Farsi nach einiger zeit, Klarheit in die Sache zu bringen! Hier in Tabbas hätten sich Durchreisende verdächtiger ausländischer Natur nämlich bei der Polizei zu melden, und so wurden mit Mühe, Not und Mißverständnissen unsere Personalien gleich zweisprachig aufgenommen. Danach warteten wir im seltsamerweise total leeren Volkspark, fraßen Kalorien in Gestalt von Datteln und beobachteten das Leben im Basar. Da kamen dann auch unsere anderen und wurden von einem anderen, höheren Offizier der hiesigen Ordnungsbehörde vernommen, der sich dann auch seltsamerweise zu uns in den Park begab, begleitet, von dem schleimigsten Touristenfänger der ganzen Lut!! Da hieß es doch, wir müßten uns ausweisen! Unser Argument, wir hätten dies doch getan, wurde mit dem Hinweis, der Mann sei dazu nicht befähigt gewesen, vom Tisch gefegt! Also ließen wir die ganze Scheiße noch mal über uns ergehen! Dann wollten wir in Ruhe zu Abend rödeln. Da kam aber JöJa schon wieder mit einem kleinen unscheinbaren, und deshalb auch nicht schleimig wirkenden Zierperser an! Dieser entpuppte sich jedoch als Landwirtschaftsoffizier mit zwei Sternen! Nun ja, wir luden Hassan Shabababy-Shababi, so hieß das Mickermännchen zum Tee ein, und gingen mit ihm phantastische Karten anno 62 kaufen. Da in Tabbas weiter nichts los war, fuhren wir mit ihm dann noch vor das Tabbas Inn, eine jener staatlichen Gaststätten mit durchweg deutschen Preisverhältnissen. Dort ließen wir uns von livrierten Lakaien in schmutzig Rot1Weiß ein zweites Abendbrot nebst kühlen Bieres servieren. Das Bier von Schlaber-Baby bezahlten Big-Rödel-Baby und Archie-Baby. Außerdem waren noch Fli-Baby und Chuu-Baby, Ape-Baby lag derweilen bereits aus Geldmangel in süßem Schlummer. Wir verabredeten uns mit S(c)h(l)ab'(b)a-Baby, um in der Frühe sein Projekt zu besuchen. Nach einigen, der üblichen Sticheleien, suchten wir uns dann außerhalb der Oase ein Schlummerplätzli, bei dessen Suche der Captain samt Fahrweise wieder für Hintensitzende unliebsam auffiel!!!

Horst Walther, Hamburg,