Bei den Ichtiophagen von Makran
Am Golf von Oman (Zeichnung nach einem Photo)

17.03. Der Zug durch die Gedrosische Wüste

An diesem Tage also sollte es losgehen. Mit einem defekten Fahrzeug, die Kühlerlage brachte nicht das, was benötigt wurde, über ein Gelände, daß nur sporadisch von Fahrzeugen befahren wurde. Das erste, was wir über diese Strecke gehört hatten, war, daß vor einiger Zeit 7 Wagen mit Superausrüstung in 7 Tagen von Bander Abbas bis Chah Bahar gekommen seien. Es sei eine Expedition und die Sensation gewesen. Erzählt wurde uns diese Story an unserem 1. Abend im Chah Bahar Inn beim Bier von einem Kellner. Nun, der Typ schien wohl auch schon leicht touristisch angehaucht gewesen zu sein, so dramatisch vollziehen sich die Eroberungen neuer Wege im Iran nicht. Das nächste war dann ja die Story des Arztes, die JöJa notiert hat, und nun wollten wir es doch selber einmal versuchen. Pünktlich 8 Uhr erwartete uns GuHo vor dem Krankenhaus. Mit JöJa dauerte es noch einige Zeit, da der Arzt ihn vor der Entlassung noch einmal untersuchen wollte. Während GuHo noch, rührig wie er war, Proviant einkaufte, riß JöJa der Geduldsfaden, er pfiff sich etwas auf die Untersuchung, und damit konnte es endlich losgehen.  Etwas wellig, wie? Nun fuhren wir also aus dem Orte der 4 Frühlinge pro Jahr wieder weg, ohne etwas anderes als ein Stück Trümmerkiste, das Krankenhaus und Kühler, Kühler, Kühler gesehen zu haben. Nun, bei dieser Dünneisschlidderei, die wir betreiben, die Tragfähigkeit unserer finanziellen Basis ist in der Tat recht gering, bleibt uns nichts anderes übrig als sämtliche Reparaturen selber auszuführen. Vor allem müssen wir auf alle nicht unbedingt notwendigen Ersatzteile verzichten, weil wir sie halt nicht bezahlen können. Der Weg führte zunächst auf stark zerfahrener Piste, die leicht mit Asphaltstücken gesprenkelt war, bis Konarak. Die Perser haben wirklich einen herrlichen Knall. Da bauen sie diese gräßliche Piste doch stückweise tatsächlich urig breit zur Asphaltrollbahn aus, so dass man ordentlich Schwung holen kann und mit der richtigen Geschwindigkeit in die Schlaglöcher der nachfolgenden Piste rasen kann. So eine Straße kann den Fahrer zur Weißglut bringen, vor allem in einem defekten Unimog ohne Stoßdämpfer. Der Fahrer war, bis er sich auf eine Landzunge verfahren hatte, UlKa, dann war ich bis Key, einem winzigen Nest aus Lehmhütten und Barastis, am Steuer. Hier mußte nach dem Weg gefragt werden, da sich die einzelnen Fahrspuren im Orte unentwirrbar verknäulten und man, wäre man ihnen weiterhin gefolgt, wohl vor jeder Hütte einmal vorgefahren wäre. Wie in Konarak wurden wir hier auch zunächst verhaftet, weil wir ja das Verbrechen "Umherreisen ohne ausdrückliche Genehmigung des Schah" begannen hatten und nicht einmal Reue zeigten. Hier aber war es doch schon angenehmer und die Atmosphäre schon fast herzlich. Da der Wagen ohnehin zu heiß geworden war, kam uns die Einladung zum Tee gerade recht, um die heißeste Zeit in einem luftigen Barasti zu verdösen. Barastis sind übrigens, daß soll hier für den unkundigen Leser erklärt werden, Hütten, die aus Treibholz, alten Palmstrünken und geflochtenen Palmfasermatten errichtet sind.

So es ging eben in Rot weiter, weil ich - UlKa - nämlich jetzt weiter tippe, da der HoWa nach Hinab oder gar nach Bander Abbas getrampt ist, um zwei neue Batterien zu besorgen. Von Kaire aus fuhr ich mit JöJa vorn erst einmal wild in die Steppe. Dies dauerte aber nicht lange, da mir nach einer weile zu heiß wurde und mein Kreislauf renitent sich bemerkbar machte. von dort aus bretterte nun HoWa in einem weiter durch diese unheimliche Landschaft. Stückweise mußte sich unser Uni durch Sanddünen arbeiten, dann ging es wieder wie über Asphalt über tonigen Boden. Links und rechts steiles zerfurchtes Küstengebirge, die Ebene dazwischen mit niedrigen Sträuchern und verkrüppelten und vertrockneten Bäumen bedeckt, eine Scheißstrecke, aber das erste Stück, wo der Uni seine Berechtigung hat, und auch im Vergleich zur Piste weniger leidet. Paddelt schneller, die Haie kommen!Nach einer Weile ging es nach Tang. Auch dort wollte man uns verhaften, aber GuHo hielt den Posten klein und erklärte, wir hätten eine Sondergenehmigung, so dass wir uns dem Abendrot., entgegen noch in Richtung Sarabad aufmachten.

Der Weg wurde von nun an schwierig. Es ging in die Mashile, einer aus Dünen und Salzmarschen bestehenden fast unwegsamen Gegend. Wie die Spuren bewiesen, suchte sich hier jeder selber seinen Weg. Wir suchten uns eine Spur und folgten ihr: Die Düne rauf, die Düne wieder runter und hinein in den Salzmorast, daß die trüben Fluten nur so spritzten. oh, verdammt, die Kiste will nicht mehr so recht, dreht durch, versinkt. Schnell Vierradantrieb rein, kaum Wirkung, die Räder sind schon verschwunden. Wer weiß, wie alt die Spuren waren, vielleicht noch aus der Trockenzeit? Und hatte man uns nicht Jeeps, ja, von ganzen Kamelkarawanen erzählt, die in diesem trügerischen Morast einfach versackt waren? Differentialsperren eingelegt, Lenkrad voll eingeschlagen, Vollgas. Der Schlamm spritzt, und unser kleines Ungetüm ächzt und schnauft, arbeitet sich schlingernd zentimeterweise voran, dem rettenden Dünenrand zu. Da, ein Rad faßt festen Grund. Wir sind raus! Das war wirklich knapp. Fortan nahmen wir uns Führer, wenn wir konnten. GuHo kommentierte einfach irgendwelche Hirten zur Gratisdienstleistung zu Gunsten der "Iranischen Armee" ab.

Bizarr gefaltete Gebirge wechselten mit Dünen oder tief versandeten Wadis, durch die wir uns mühsam mit "allen gezogenen Registern" hindurch kämpfen mußten.  Der Tag ging zur Neige, und es kam immer noch kein Ort. Sollten wir hier in der Einöde übernachten? Man hatte uns von Räubern und anderen finsteren Gesellen erzählt. Da, ein Feuer auf einer Düne, Zelte, eine Antenne: eine Militärstation. Na, dann nichts wie hin. Nach anfänglicher Verblüffung war man hocherfreut über diese seltene Unterbrechung des eintönigen Dienstes. Der Befehlshaber des Camps, ein altgedienter Belutsche, bat uns ins Zelt und ließ Tee auftragen. Einen so warmen und herzlichen Empfang hatten wir hier nicht erwartet. Es war, als wäre man nach hause gekommen. Vielleicht muß man erst in die Einsamkeit der Wüste ziehen, um sich so über die Begegnung mit anderen Menschen zu freuen.

Draußen färbte die untergehende Sonne den Himmel blutrot, und die leichte Seebrise frischte zu einem angenehm kühlenden Wind auf. Und was nun, Apeman?Derweil wurde im Zelt ein großes Tuch ausgebreitet, um das wir uns alle im Schneidersitz in den Sand hockten. Auf einem großen Tablett wurde ein riesiger Berg Reis aufgetragen, vom Safran gelb gefärbt, mit duftendem Hammelfleisch gespickt. Der alte Belutsche reichte uns persönlich die besten Fleischbrocken zu. Dazu gab es frisches, noch dampfendes Fladenbrot und stark gesüßten Tee. Jetzt erst merkten wir, wie hungrig wir waren und langten kräftig zu. Aus dem Kofferradio drang jene heiße mitreißende Musik von diesseits und jenseits des Golfes und unser Gastgeber wußte spannende Geschichten aus seinem langen wechselvollen Leben zu erzählen. Trotz unseres dürftigen Persisch lauschten wir bis spät in die Nacht.

Der Mond ging gerade hinter den Palmen der nahen Oase auf, als wir endlich in unsere Schlafsäcke krochen und uns in den noch warmen Sand kuschelten. Über uns funkelten die Sterne, und von Ferne konnte man das Rollen der Brandung gegen den Strand hören. Und wir schliefen mit der Gewißheit ein: Das ist der Höhepunkt der Reise!

18.03. GuHo = Guter Hosseyn

Wir hatten beschlossen, gleich bei Sonnenaufgang loszufahren, was wir auch dies eine Mal fertig brachten. JöJa und ich saßen vorne im Cockpit. Zur Abwechslung war uns diesmal gesagt worden, die Straße sei sehr gut, "Chaily Chub", und wir wären in 1 bis 2 Stunden in Sarabad. Aber dies entpuppte sich als Trugschluß, da es so, wie bisher, durch Dünen mittleren Ausmaßes ging. Der Kühler wurde langsam heiß, und wir mußten zu allem Übel auch noch ins Gebirge. Durch enge Risse gefüllt mit Schotter Über glatte steile Platten ging es aufwärts, bis wir an eine Art Paß kamen, wo wir erst einmal halt machten, um den Wagen auskühlen zu lassen und Öl nachzufüllen. Der Motor ölt nämlich inzwischen auch wie die Feuerwehr! An dieser Stelle ging es steil und schräg nach oben, und zwar ziemlich glatt über blanken Fels. Hier hatten sich viele Leute im Fels verewigt, und auch ich ritzte als Zeichen unserer Durchfahrt ein "D" und "NRU-EU 47" in den Fels. Von hier aus fuhr HoWa weiter. Gegen 10 kamen wir in Sarabad an. Über ein Flugfeld ging es zum Militärposten, wo auch der GAZ stand, dessen Spuren wir immer gefolgt waren. Dort wurden erst einmal wieder unsere Personalien aufgenommen, eine Tätigkeit, die GuHo für uns übernommen hatte, dann hieß es, es ginge ohne Genehmigung nicht weiter, und die Jungs fingen an zu funken wie die Irren, bis schließlich Hosseyn ein Papier erhielt, das unsere Daseinsberechtigung in dieser Gegend beurkundete. Ich glaube übrigens, bis Sarabad fuhr doch JöJa und dann erst HoWa. Töff, töff, töff ...Nun ja, wir fuhren weiter durch die gleiche dürre Landschaft, zunächst mit Führern, da wir sonst die Piste nicht wiedergefunden hätten. Dann ging es, wie üblich weiter. Nach einer geraumen Weile erreichten wir den nächsten Posten, der sich durch seine Ordnung auszeichnete, in der Wachstube war alles säuberlich aufgereiht und angebracht inkl. Shah + Anhang. Das Papier wirkte anscheinend Wunder, und wir erhielten sogleich Tee. Der Chef der Truppe war reichlich dumm, und Hosseyn erklärte uns, wir sollten nach Möglichkeit keine persischen Laute von uns geben, da wir sonst als Spione eingebunkert würden. Nun wir erhielten bei diesem Posten noch ein phantastisches Mittagessen, bestehend aus einem riesigen Berg Curryreis, einer Art Tomatengemüse, Brot und Wasser, ohne unseren GuHo wäre das ganz anders gewesen. Als Soldat übernahm er das ganze Formularmanagement und verschaffte uns die Freundschaft dieser Leute, die uns, wären wir allein gefahren, ansonsten nur Steine, bzw. Sanddünen in den Weg geräumt hätten.

Also dieser dümmste Korrektler wollte dann noch bis zum n militärischen Kontrollpunkt an der Küste namens XYZ-Ungelöst mitgenommen werden, wobei er wahrscheinlich auch noch meine Brille, die immer zur Verfügung für HoWa und mich vorne lag - da hat der HoWa wahrscheinlich nicht aufgepaßt - hat mitgehen lassen. Na ja, die Strecke war sehr gut, Es ging nämlich an den Strand runter und ihn entlang. Das Wasser war herrlich, doch konnten wir wegen unseres mißtrauischen Mitfahrers nicht anhalten und baden. Wir stoppten nur einmal ganz kurz, um einen toten Haifisch, der im seichten Wasser lag und einen malerischen Fischer zu fotografieren. Der Strand zog sich völlig ebenKamelkarawane am Golf von Oman kilometerweit hin. Der Wagen konnte endlich mal wieder durchgeblasen werden, im 6. Gang brachte er auf dem feuchten Untergrund manchmal sogar 70. Das Wasser ist hier so herrlich blau und seicht, man könnte hier 100 m weit hinein gehen, ohne daß es die Schultern bedecken wurde. Dann erreichten wir den nächsten Posten. Dieser war schon wieder gänzlich aus Stein gemauert und lag weit hinter der Wegscheide, d. h. bis Kaire erhielten alle orte ihre Ersatzteile und Luxusgüter von Mashad, ab Sarabad erhalten alle Orte ihre Sachen bereits von Shiraz - dies zeigt deutlich, wie schlecht hier die Verbindungen sind. wir gaben unsere Personalien über unseren GuHo an und fuhren dann über schlechte Strecken wieder mehr im Lande in der Küstenwüste weiter. Wir wollten außer Sichtweite der Station noch schwimmen gehen, woraus aber nichts wurde, da wir nicht mehr ans Meer kamen. Dafür begann an einer saftigen Steigung auf halber Höhe der Kühler wieder zu rappeln, so dass wir wieder mal rödeln mußten. HoWa stellte sich auf die Hinterbeine, meinte, es hätte alles keinen Sinn und wollte den Wagen mal wieder stehen lassen, während sich JöJa im Wettbewerb mit HoWa im Dumme-Sprüche-Machen maß, der Hosseyn lediglich störte, ich derweil unter dem Wagen lag und versuchte, die Scheiße zu managen. Ich verbrannte mir dabei natürlich voll die Finger und gab erst einmal auf. Als aber die beiden nicht weiterkamen, überredete ich JöJa, einen Schlüssel mir zur Verfügung als Spanner zustellen, mit dessen Hilfe es mir dann gelang, das Problem zufriedenstellend erst einmal zu lösen und den Kühler fest zu kriegen. Nachdem wir dann noch mal wieder Öl nach gekippt hatten, konnte es dann weitergehen. So schlugen wir uns dann weiter durch. wir hatten es uns vorgenommen, auf jeden Fall in dieser Tour noch Jask zu erreichen, und da die Strecke sich besserte und auch die Mitteilungen der Leute Über die Entfernungen Zuversicht erweckten, fuhren wir auch nach Einbruch der Dunkelheit weiter. HoWa, das Fahrtier, mit GuHo vorne, während ich mit JöJa hinten lag, und versuchte, die Stöße einigermaßen zu absorbieren. HoWa versucht immer vorne zu sitzen, da er es hinten nicht aushält. Dies gelingt ihm auch ganz gut, entweder fährt er tagelang oder er spielt Beifahrer oder er sitzt auf dem Dach, daß es uns aber hinten auch nicht sonderlich gefällt, daran denkt er seltener oder nimmt es einfach nicht zur Kenntnis. Na ja, auf jeden Fall ging es auch im Dunkeln erst einmal recht zügig weiter, GuHo kam nach hinten, JöJa ging nach vorne, und dann ging es mit einem Mal trotz aufheulendem Motor nicht mehr weiter. HoWa hatte ein Wadi durchquert, und nun standen wir auf einer steilen Sandrampe, die wieder auf die Ebene führt und kamen nicht hoch. Nun ja, wir auch raus, und es kamen auch gleich ein paar Leute an und die Lage erst einmal begutachtet. Der Wagen hing ziemlich schräg am Hang, zurück konnte er so nicht, da wir sonst umgekippt wären, d.h. wir mußten erst einmal versuchen, vorwärtszukommen. Die Jungs begannen also Palmen wie vor Jesu in Jerusalem zu streuen, was aber unseren Bemühungen wenig half, der Wagen kam aus der Scheiße, sprich weichem Sand, nicht so raus. Also bin ich aufs Dach und habe erst mal die Sandbleche losgerödelt. Mit viel Schaufeln haben wir sie denn unter die Räder gebracht, was uns aber auch nicht vorwärts verhalf. In der Dunkelheit konnte man sowieso nicht alles so wie am Tage regeln. Mit Müh und Not und seitlichem Abstützen haben wir denn den wagen wieder ins Wadi zurückgefahren. Puh, ich war inzwischen abgeschlafft, degeneriert, entmutigt und kreislaufgestört, so dass ich mich von den Arbeiten etwas fernhielt, was mir von gehobener Stelle - HoWa - natürlich gleich wieder unter die Nase gerieben wurde. Friede den Pisten ...Nun, in mehreren mühevollen, besonders für die Kühlung und die Reifen angreifenden Anläufen, mit Durchdrehen, vor und zurück und Schaufeln und Ackern und Gebrüll und dann wieder Schaufeln. Wir haben da auf meinen Vorschlag hin zwei Gräben durch die Kuppe gezogen, damit die schlimmste Steigung wegkam,. Danach, mit Hin und Her, gelang es dann dem HoWa, den uni den Hang hoch zu quälen, so dass wir dann alle erschöpft aber doch glücklich oben standen. Puh, das war eine Nacht! Hier war so eine Art Punkt erreicht, wo wir einfach rüber mußten. Denn zurück konnten wir nicht mehr!,' So, oben beschlossen wir dann nach längeren Überlegungen doch gleich weiterzufahren. Den drei Belutschen, die uns ein bißchen geholfen hatten, hatte inzwischen JöJa durch ein Mißverständnis zugesagt, sie bis Bandar Abbas mitzunehmen. Scheiße, daß man kein Persisch kann, man sagt einfach, um nett zu wirken, immer yes, yes und hat dann die letzte Scheiße am Hals. ich habe dann alles wieder aufs Dach gerodelt, während die anderen beratschlagten. Wir kamen überein,' auf jeden Fall bis zum nächsten Militärposten zu fahren, da man ja dort zwecks Verhaftung doch länger warten müsse. Dieser konnte, wie man uns im letzten Posten gesagt hatte, nicht mehr weit sein. Also HoWa und GuHo vorne und wir beiden mit noch drei Belutschen auf du und du in unserer engen Schaukelkiste. Nach einer geraumen Weile gelangten wir auch dann an einen Ort, wo wir glücklicherweise, da GuHo es in die Hände nahm, schnell verhaftet wurden. ich konnte gleich im Wagen liegen bleiben und schlafen gehen. Die anderen erhielten Plätze in einer der Soldatenhütten. Morgens um fünf wollten wir dann weiter, mit einem Belutschen oder so, er kam von weit Richtung Mashad her, weniger, da dieser wegen mangelnder Ausweispapiere, Kinderausweis oder so, gleich einkassiert wurde. So dann schlief ich Gott sei dank endlich ein, und dieser totale Tag war endlich zu Ende!

19.03. Batterien verloren!

5 Uhr, JöJa rappelt mich wach. Er macht sich sogleich dann auch ans Frühstück machen. ich habe erst einmal Dünnschiß. JöJa und ich beschließen, HoWa mal hinten in die Schleuder zu sperren, indem wir beide einen ganzen Tag durchfahren. HoWa erhebt sogleich Einspruch, dem aber nicht stattgegeben wird. Also unsere beiden verbliebenen Belutschen eingeladen und mit GuHo und HoWa als Aufpasser nach hinten gesperrt. Und dann los. HoWa entzog sich recht schnell seiner Aufpasserpflicht, indem er sagte, er hielte es hinten nicht aus und sich auf unser schon sehr morsches Dach setzte. Ach ja, unsere Türfassung ist total hinüber, wir kriegen die Tür kaum noch zu, da uns die Wand entgegenkommt, große Scheiße. Also dann kam wieder Strand, und ich mit 80 Jask entgegen. Die Leute hatten JöJa eine km-Zahl genannt, aber JöJa's Sprachkenntnisse waren eben so, daß wir mit fortschreitender Entfernung zwischen 8, 18, 28, 38, 80, 88, 108, 180 wählten, da irgendwas ,mit "hascht" (= 8) dabeigewesen sein soll, es waren dann 80, die ich mit Brettern über den Sand, in zwei Stunden bewältigte. In Jask dann über Asphalt (!) und Kreisel zum nächsten Pepsi Shop, der sich aber als richtiger Coca Cola Shop entpuppte und trotz der frühen Stunde schon aufhatte (es war so gegen halb "Hascht"). Coca Cola ist, weil nicht so süß wie Pepsi, besser. Wir kauften auch gleich Zucker wieder ein. Oh, ist mir übel !GuHo ging zur Post, und dann fuhren wir tanken. "Back on the road again" aber "the road" entpuppte sich als zwar jüngst angelegte aber trotzdem eine Scheißrappelpiste, wie wir sie gern vermieden hätten, denn sie läßt sich nur einigermaßen mit einer Geschwindigkeit so um die 80 fahren, und der geneigte Leser wird inzwischen um unsere geringe Beschleunigungskraft und unsere inkonstante Höchstgeschwindigkeit infolge mangelnder PS wissen. So wurde mir, der ich immer noch am Steuer saß, auch die Geschichte zur Tortur. Die neue Straße hatte noch nicht überall Brücken, und so mußte man bremsen, um durch die Wadis zu kommen und dann wieder beschleunigen, und dann die Berge und die Scheißhuckel, und dann verlor unser Dachaffe auch mal zwischendurch seine Windbrille und mußte sie erst wieder aufsammeln und dann die Scheiß-Oberscheißwellblechrappelwaschbrettpiste.

Unterwegs stockte mal der Motor, was wir aber auf ein loses, uns bekanntes, Batteriekabel zurückführten. Tja, und dann mußte ich mal halten, an so einem Trockenflußtal, weil sich gerade ein LKWatsch beim Durchqueren befand. Und da ging mir doch so sang- und klanglos der Motor aus, und es war kein Saft zum wieder Starten da. Am Kabel der Lichtmaschine konnte es nicht liegen, da sonst die Kontrollampe geleuchtet hätte. Na, da stieg ich also aus und sah die Bescherung und − tja - man soll es nicht für möglich halten, der Batteriekasten war offen und ----leer. Da hingen zwei vereinsamte Kabel heraus mit den Resten von Polen noch dran und sonst − "Chaily Charab" ! The End! JöJa meinte nur, sie wären ganz neu gewesen und begab sich wie auch ich und HoWa und GuHo und unsere beiden Belutschen in einen Zustand reiner Apathie! HoWa hatte auch nichts gehört, obwohl er auf dem Dach gesessen hatte, und so mußten wir uns was einfallen lassen. Wir versuchten es erst mit Anschieben., was leidlich ging, da es ein wenig bergab ins Wadi ging, aber 6 Zylinder Benzin brauchen viel Spannung und eine Batterie, und so kam er nicht. Auch das Anschleppen mit der freundlichen Hilfe eines Landrovers gelang uns aus Batteriemangel nicht, und so saßen wir dann da. Vorbeifahrende Motorradfahrer berichteten von einer nahegelegenen Polizeistation, und so machten sich denn JöJa und GuHo in der Mittagshitze zu Fuß auf, jene zu erreichen. Später erzählte JöJa, es wären rund 8 km gewesen, und abgesehen von einem kurzen Stück, wo sie auf Kamelen geritten sind, seien sie das ganze Stück stramm marschiert inklusive Kletterei durch Wadis. Der arme schon so tote Rödelbär! Tja, so blieb ich mit HoWa, dem zynischen Quer-, Dick-, Holz- und Rödelschädel allein zurück, denn das ist er, meint JöJa, also allein zurück, alldieweil sich unsere beiden Belutschen mittels eines angehaltenen Lastwagens aus dem Staube machten, sie haben übrigens nichts geklaut! Tja, wir tippten Tagebuch und unterhielten uns mit den anhaltenden LKW-Fahrern. Auch ein Scraper kam vorbei, von dem wir uns gerne hätten abschleppen lassen, da die Dinger schön ruhig und langsam mit viel Kraft ihres Weges zieren, doch mußte dieser leider unterwegs vorher abbiegen. Nur ein kleines Abschleppmaneuvre.Tja, und dann hielt ein Militär-LKW, und die Jungs wollten uns unbedingt abschleppen, wir also mittels Seil hinterhergegangen, und dann ging es wirklich los wie "Lützows wilde, verwegene Jagd". Wir hatten den Jungs zwar gesagt, daß man so ein Auto höchstens mit 40 abschleppen darf, aber sie mußten unbedingt zeigen, wie schnell so ein GAZ ist, fuhren mit 80 und beschwerten sich hinterher noch, daß wir so schwer seien! Wir hatten gesagt, nur bis zur nächsten Polizeistation, damit wir JöJa nicht verpassen, inzwischen war aber unser Seil, Stahlseil gerissen und wieder befestigt worden, und zwar so, daß gleich die von mir konstruierte Kühlerhalterung zerrissen wurde und der Kühler wieder läuft wie vor Chah Bahar, und schließlich hatten sie keine Schmutzfänger und warfen uns einen Stein in die Windschutzscheibe, so dass diese jetzt ein schöner Sprung in Gestalt eines Sternes ziert! In Facto haben die Jungs uns dreimal soviel wie vorher kaputtgemacht! Wir hätten man da stehen bleiben sollen! Nun standen wir doch immer noch auf Piste, nur daß nach rechts eine weitere Piste abging, die zu besagtem, Polizeiposten führen soll!

Nun, so saßen wir hier eine ganze Weile, bis nach einiger Zeit aus dieser Straße ein Gaz auftauchte, der mit zwei Personen in persischem Räuberzivil, die sich später als Polizisten ausgaben, und GuHo nebst den traurigen Überresten von JöJa. Wir versuchten sogleich, mit meiner alten Batterie, der Batterie des Gaz und der Lichtmaschine in verschiedenen Kombinationen unseren Wagen in Gang zu kriegen, was uns aber wie ich erwartet hatte, mißlang. Nun ja, unsere beiden Zivilpolizisten stoppten einen weiteren Mercedes-LKW, und HoWa wurde auserkoren, mittels diesem in den nächsten Ort zu eilen und Batterien einzukaufen, da die Kasse leer war, sammelte er schnell von mir 1.000 Rial und von JöJa 3.750 Rial und 150 DM ein und entschwand, nachdem er noch unwillig einen Brief von mir an meinen kleinen Schatz entgegen genommen hatte, gen Minab oder gar gen Bander Abbas mit dem Auftrag, zwei Batterien von mindestens 45 Ah je Exemplar. und Kühler-Dichtungsflüssigkeit zu besorgen und mit diesen auf dem schnellsten Wege wieder hier zu erscheinen. Tja, und, dann saß ich wieder mit JöJa und GuHo in der Gegend. Von ein paar Leuten ließen wir uns in die Seitenstraße schieben und fingen an, mehr oder weniger zum Zeitvertreib, alles raus und wieder rein zu rödeln, um wieder ein bißchen Ordnung in den Wagen zu kriegen. Es war eine ganz schöne Arbeit und auch der Abend begann sich schnell zu nähern! Zwischendurch aßen wir mit unserem Klotz am Bein, und noch zwei ungelegenen Trampern Ravioli und tranken Tee. Ich hatte dann wieder Dünnschiß. Wir rödelten den Wagen innen noch fertig und überdeckten den ganzen Rest mit einer Plane. Ich legte mich dann mit Hosseyn auf den Teppich und schlief recht gut während sich JöJa mit letzter Kraft im Wagen verstaute! Dann war auch dieser Horrortag vorbei.

20.03. Ein Tag vor Nouruz - und Shiraz ist weit.

Wir standen früh auf, JöJa weckte mich und machte auch gleich Kaffee und Marmeladenbrot zum Frühstück. GuHo stand später auf und mußte sich selber was machen. Ich hatte etwas festeren Schiß! Dann rödelte JöJa das Werkzeug zusammen und ich begann zu tippen. Erst Tagebuch, dann einen zweiten Sicherheitsbrief an An und dann wieder Tagebuch bis hier. Gleich will ich meinen Geschichtsreport weiter tippen und dann JöJa's Shahabad-Report. HoWa muß dann noch was über seine Untersuchungen in Sachen Batterien tippen. So jetzt ist es wieder aktuell. JöJa sitzt hier mir gegenüber, neben mir Hosseyn. Sie stöhnen beide und versuchen, sich auf Englisch zu verständigen, im Moment sind sie wieder bei der Tierwelt! − Finito

Briefe ...

  1. UlKa,140 km hinter Bandar-e-Jask und 170 km vor Bandar Abbas, 19-03-74
  2. UlKa,140 km hinter Bandar-e-Jask und 170 km vor Bandar Abbas, 20-03-74
  3. UlKa,140 km hinter Bandar-e-Jask und 180 km vor Bandar Abbas, 20-03-74
Der Bander Abbas Batterie Report

Der Bander Abbas Batterie-Report

Die Abfahrt kam für mich recht plötzlich. Ich war gerade dabei, die Zündkontakte unseres Wagens einer kritischen Betrachtung zu unterziehen, als es von hinten feldwebelhaft erdröhnte: "Los, HoWa Nach Bander Abbas mitfahren, Batterien kaufen!" Es hatte gerade ein großer Mercedes-Benz-LKW angehalten. So drückte mir schnell jeder alles Geld in die Hand, das zur Hand war und ab ging's. Ich hatte gar nicht so recht mitbekommen, wie mir eigentlich geschah. da war ich auch schon unterwegs, noch total verschmiert vom Basteln, mit schmutzigem Hemd und verfilzten Haaren. JöJa hatte mir noch schnell seine Shahabadausgehjacke mitgegeben.

Ich hatte nun etwas Zeit, mir meine Mitfahrer genauer anzusehen. Außer dem Fahrer des Tank-LKW's, einem typischen persischen LKW-Fahrer, mächtig gebaut mit Schnurrbart, ganz. Herr über seine vielen PS, waren da noch vier Leute. Wir saßen also zu sechst vorne im Fahrerhaus. Davon waren 3 Leutchen Militärs aus Jask, die übers Nouruz-Fest nach hause wollten. Dann noch der kleine LKW-Junge, der dank meiner die ganze Fahrt über auf dem Armaturenbrett sitzen mußte. Einer von den Militärs war Luftwaffenmensch und sprach recht gut Englisch, Mahmud Zade war sein Name. Ein anderer Marinemensch konnte wenigstens so viel, daß es für die Unterhaltung reichte. Erzählt wurde denn auch viel. Über das langweilige Leben hier in der Verbannung in den tiefen Süden, über die wenigen Mädchen, die man in Bander Abbas verführen könne usw. HoWa - unterwegsAuch mein Batterieproblem wurde verhackstückt. Und es wurde schon wahrscheinlich, daß Minab nicht die Endstation dieser Reise sein würde.

Es muß noch gesagt werden, daß die Fahrt, zumindest bis Minab, eine reine Freude war, obwohl wir dichtgedrängt in der Kabine dieses mächtigen Wagens saßen. Hier merkte ich erst, wie sträflich die Unimogbauer den Fahr- und Sitzkomfort des Führerhauses vernachlässigt hatten. Während wir uns auf Piste immer fühlten als ritten wir einen Preßlufthammer als Steckenpferd, glitten wir hier, weich gepolstert, von einem sonoren Brummen begleitet, hoch über allem, Waschbrett dahin. Der Wagen war jetzt leer. Er hatte Dieselöl nach Jask gebracht und brauchte trotz hügeliger Strecke seine Geschwindigkeit nicht zu reduzieren. Ja, der heutige Stand der LKW-Technik ist schon hübsch weit fortgeschritten. Benz ist da wohl in der Tat eine der führenden Firmen. Wir hatten mit unserem 16 Jahre alten Gefährt wenig von dem neusten Stand der Technik. Auch die neuen Unimogs sind "ein Gedicht von Auto". Und es blieb uns nichts anderes übrig, als einen auf spartanisch zu machen. In Minab ging der Marinemensch, auch ein Hosseyn, mit mir auf Batteriesuche. Selbstverständlich folgte uns sofort ein Sicherheitspolizist in Zivil und wollte mich gleich einkerkern, aber mein Marine-Hosseyn boxte mich nach kurzem, Paß-Betrachten wieder heraus. Aus der Batterie wurde nichts in diesem verlassenen Nest. Dafür konnte ich mich in einem Lokal kurz waschen, und man gab mir auch eine Cola aus. Ab Minab war Asphalt, kein guter, aber dennoch ein lang entbehrtes Vergnügen. Inzwischen war die Dunkelheit auf uns gekommen, und der Fahrer machte Musik an. Diese Art Von Musik stößt entweder total ab oder berauscht total. Man sagte, dies sei arabische Musik mit persischem Text, ganz typische LKW-Fahrermusik, bei der die Jungs nächtelang durchfahren ohne einzuschlafen. Man merkte es seinem Fahrstil auch gleich an. Er saß völlig entspannt in seinem Fahrersitz, die Augen halb geschlossen, mit Bleifuß auf dem Gas, eingehüllt in diese schrille Persischer-Golf-Musik. Es war wie der mitternächtliche Ausbruch des persischen Feuers. Er fuhr in der Tat wie ein Teufel, drängte mit seinem rasenden Ungetüm alles andere brutal auf den Seitenstreifen, fuhr mit tollkühner Todesverachtung in die Kurven. Es ist schon eine seltsame Sache zu diesen stampfenden heißen Rhythmen durch die stockfinstere Nacht zu brausen. Nur das schmale Asphaltband vor Augen, daß sich wie eine Schlange ins Dunkel entwindet. Merkwürdige Gedanken kamen einem in einer solchen Situation... Der kleine LKW-Boy, der bei jedem Halt den Wagen von vorn bis hinten durch zu kontrollieren hatte, sackte bald zusammen und rutschte vor Müdigkeit in den Fußraum. Erschöpft schlief er, den Kopf auf meinen Knien... ja, ja, hart ist das Leben eines persischen LKW-Jungen!. Ab 60 km vor Bandar begann der Edelasphalt - nur Fliegen ist schöner (sind schöner). Die rührigen Militärs hatten mir inzwischen die Adressen von Batterieläden und anderen Orten aufgeschrieben, mir Tips für Rückticketkauf und Übernachtung gegeben und sogar die Taxipreise im und außerhalb der Stadt genannt. 10 Toman = 4 DM mußte ich für diese 170 km hinlegen. Vom LKW-Platz in die Stadt kam ich gut mit zwei der Mariners auf einer Peykanpritsche. Doch sie wollten noch mehr für mich tun. Es war ein ungünstiges Datum. In 2 Tagen sollte das Nouruz-Fest stattfinden, und die Stadt wimmelte von Reisenden, die hier im warmen Wetter feiern wollten. So waren die meisten Hotels und Mosaferchanes überfüllt. Im Hotel sollte ein Bett pro Nacht gar 50 Toman kosten. Zu zwei Mosaferchanes, "Chahar Fasel" und "Eslami" begleiteten mich noch zwei der netten Soldaten, die es eigentlich recht eilig hatten, dann gaben sie auch auf und rieten mir, mich an die Polizei zu wenden, die wüßte Bescheid und würde sicherlich helfen. Da stand ich nun also inmitten einer orientalischen Hafenstadt, todmüde und wußte nicht recht, was ich tun sollte. Also hinein ins Präsidium. Ich schnappte mir gleich den nächsten "Bullen", schleifte ihn zu seiner Dienststelle und fragte, was das denn hier wäre, ob man in dieser Stadt denn zum Nouruz nicht unterkommen könne. Nach einigen peinlichen Fragen: Deutscher, Engländer oder Osterinsulaner? Tourist oder Spion, Name, Klasse, Alter, Farbe oder Achselhaare? Hatte man sich wohl zur Genüge davon überzeugt, daß ich nur ein harmloser Irrer sei, der auf der Jagd nach Ersatzteilen auch hie und da ein wenig schlafen müsse. So stellte man mir einen schmucken "Jungbullen" zur Seite, der mit mir noch einmal alle Mosaferchanes abklapperte. Mit gleichem Erfolg wie vorher. Nur in dem versteckt gelegenen Mosaferchane "Chajjam" war man helle gewesen und hatte den Garten voller Betten gestellt und ein solches konnte ich für 6 Toman erhaschen. Es war das 7. von links in der 3. Reihe von oben gezählt. Der nette Polizist, der, nachdem ich meine bzw. unsere Lage auf Farsi klargemacht hatte, recht verständig geworden war, verabschiedete sich mit einer kalten Pepsi und zuckelte wieder seines Weges. Wertsachen einschließen lassen, notdürftig waschen, leicht zudecken, weg war ich, umgeben von lauer, feuchter Frühlingsluft und allerlei illustrem Volk.

Der Vortag des Nouruz begann für mich in aller Frühe. Schlafen kann man, wenn einem der Morgentau ins Gesicht fällt, doch nur bei großer Müdigkeit. So lungerte ich schon, bevor alle Geschäfte aufmachten, in der erwachenden Stadt herum. Der 1. Batterieladen, der öffnete, hatte nicht die passenden. Er wollte mir aber andere andrehen, von denen die eine Sorte gar 2.000 Toman, also ca. 800,-- DM kosten sollte. Daß ich bis zu 400,-- DM für den ganzen Spaß loswerden könnte, hatte man mir schon vorher prophezeit. Das hier war aber doch zuviel. Auch in dem größten und einzig kompetenten Laden hatte man nicht das Richtige, sagte mir aber, daß ich etwas ähnliches haben könne. Ansonsten gäbe es noch ein Geschäft weiter hinten, beim Bazar. Nun, der Bazar war wirklich sehr interessant und ich hätte ihn gerne näher kennengelernt. Aber wir reisen ja mit einem Unimog, und da heißt es Verzicht üben bei solchen weltlichen Genüssen. Interessant, hier an der Küste sind die Frauen mit den Gesichtsmasken. Statt Schleier tragen sie hier, ebenso wie in einigen südarabischen Scheichtümern Masken, die unwillkürlich an den süddeutschen Fasching erinnern. Nur wirken die schwarz vermummten Gestalten mit den grell roten Narrenmasken hier eher gespenstisch als lustig. Nun, den Batterieladen habe ich nicht gefunden. Das machte aber gar nichts, denn das Passende hätten die Jungs auch nicht gehabt. Ich brauchte eigentlich zwei 12 Volt / 45 Ah-Batterien. Die 40 Ah-Batterien zog ich aber den 60 Ah-Dingern vor. Allein aus preislichen Gründen schon. Von diesen Dingern, zum VW gehörig, aber hatte man nur ein einziges Exemplar. So mußte ich noch eine Peykan-Batterie hinzunehmen, mit 56 Ah. 197 Toman die eine, 250 Toman die andere Batterie. Dazu noch 2 Pötte Kühlerdichtmasse für je 1,5 Toman. Unser Kühler konnte ja auch wieder das Wasser nicht mehr halten. Nun werden hier aber Batterien nicht trocken vorgeladen wie bei uns, sondern ungeladen verkauft. Also hin zur Ladestation mit den beiden Betonklötzen. Erst sollte das Laden bis Morgen dauern, als sie mein entsetztes Gesicht sahen, gingen sie aber runter auf 12 Uhr mittags. Nun sollte aber der einzige Mini-Bus nach Jask Punkt 11 Uhr gehen und danach gar nichts mehr. Wie sollte ich dann mit den beiden Gewichten hier wegkommen. Bekanntlich ist für die Tage um das Nouruz-Fest schon tagelang vorher jeder Sitzplatz ausverkauft und alle Verkehrsmittel ausgebucht. Ich wäre also in Bandar gefangen. Das sahen die widerspenstigen Batterieleute dann aber doch ein und versprachen, bis dahin fertig zu sein. Gut, alles klar. So konnte ich also daran gehen und mir ein Busticket zu besorgen. Aber, wie schon erahnt, gab es gar keine Reisemöglichkeit mehr für mich. Es war schon alles weg. Berufsmäßigen Verkehr gibt es am Nachmittag vor so hohen Feiertagen auch nicht mehr. Nun, ich hatte erst einmal Zeit genug zum Überlegen. Inzwischen wechselte ich Geld und aß ein Sandwich. Aber echte Ideen zur Lage kamen mir doch nicht. Da saß ich dann also auf einer Stufe vor einem Gemüseladen und blies Trübsal. Eigentlich wollte ja auch der Captain von Gestern hier vorbeikommen, um mir bei. der Suche eines Tickets zu helfen. Der aber hatte wohl am nächsten Morgen doch vor der Schwere seiner Aufgabe kapituliert und es vorgezogen, nicht zu kommen. Wie ich da nun saß und eine Scheißwut auf meine eigene Trotteligkeit hatte, stand plötzlich ein verschmierter Mann mit fettem Wanst vor mir und streckte mir seine Pranke entgegen. Was am meisten erstaunte, war, daß er recht gut Englisch konnte. "I. have been a sailor. And you are a German. I, can see it from your face. I have seen St. Pauli, Reeperbahn. What are you waiting for?..." - Er sei jetzt Automechaniker, sagte er noch und bot mir jede Hilfe an. Nur konnte auch er mir nicht sagen, wie ich zu meinen Leuten am Straßenrand zurück kommen sollte. Gegen 11 Uhr waren die Batterien natürlich noch nicht geladen. Aber nun machte das auch nichts mehr. Jetzt hatte ich ja Zeit. Als ich den Preis für das Laden hörte, fiel ich fast vom Hocker. 100 Toman wollte der Junge haben und bekam sie auch. Na, der Iran ist wirklich verdammt teuer geworden. Dann ergab sich auch noch das Problem, die Dinger zu transportieren. Wie sollte ich das wohl anstellen. Die Dinger waren sauschwer und mit übergekochter Säure verschmiert. Würde ich sie übereinander vor dem Bauch tragen, hätte ich bald ein Loch an der Stelle in der Kleidung. Der Batterielademann half mit einer kleinen Kiste aus, allerdings nur gegen 2 Toman. Diese Halsabschneider!

Na, dann mal los! Zwei Batterien auf einmal sind in der Tat von nicht zu verachtendem Gewicht. Ob vorm Bauch oder auf der Schulter, lange konnte ich so nicht umherlaufen. Die Straßenränder standen voll von Leuten, die alle auf ein Taxi oder ähnliches warteten. Die Taxen fahren dann langsamen ihnen vorbei und die Leute rufen dann schnell irgend etwas in den Wagen, worauf dieser entweder weiterfahrt oder aber anhält, je nach dem, ob ihm die Strecke in den Kram paßt. Was sollte ich denn bloß rufen? Ich wollte doch nur aus der Stadt. Etwa "birun-e-shahr"? Darauf könnten die Fahrer doch gar nicht so schnell reagieren, weil so etwas nicht vorprogrammiert ist. Aber hier am Straßenrand stand gerade ein Peykan mit Pritsche. Er hatte gerade jemanden abgesetzt. Den schnappte ich mir und redete auf ihn ein. Erst wollte er gar nicht recht verstehen, welcher Punkt wohl "außerhalb der Stadt" sei. Aber ich ließ nicht locker, und so kam ich für 2 Toman an den Stadtrand. Viel war mir hiermit auch noch nicht geholfen, denn heute fuhren kaum LKW's und die anderen Wagen brausten alle mit hoher Geschwindigkeit vorbei. Die Sonne knallte mir auf's Gehirn, und die Kehle wurde trocken. In diesem feuchtheißen Klima mußte ich unheimlich viel trinken. Ich fand es gar nicht so unangenehm heiß, aber das Wasser, oder was ich sonst trank, lief nur so durch mich durch. Kurz nachdem ich einen halben Liter Wasser getrunken hatte, trat die gleiche Menge durch die Haut wieder aus. Dabei mußte ich nur sehr selten Harn lassen, was nicht im Sinne des Konstrukteurs sein soll. Nach endlos langer Zeit hielt wieder ein Peykan-Pritsche an. Der Fahrer hatte wohl ein Geschäft gewittert. Er versprach, mich für 5 Toman bis zum Abzweig nach Minab mitzunehmen. 60 km seien das, sagte er.

Nach 12 km aber hielt er schon. Links ging der Weg nach Kerman und Shiraz, ab. Rechts nach Roodan und Minab. Ich hatte eigentlich den Abzweig zwischen Roodan und Minab gemeint. Aber was soll man tun. Da stand ich also wieder, und aller Verkehr rollte Richtung Kerman oder Shiraz. Und nur selten kam ein Wagen in meine Richtung. Mein Winken beantworteten die Insassen meist mit unverständlichen Zeichen. Auf jeden Fall hielten sie nicht an. Bis sich nach einiger Zeit ein Motorradfahrer meiner erbarmte. Es war nicht leicht, die schweren Klötze auf seinem russischen Vehikel zu verstauen, es ging dann aber doch. Eine herrliche Fahrt, wie Himbeersaft, so mild und leicht. Leider wurde sie alsbald durch häßliche Geräusche aus der Gegend des Motorenraumes unterbrochen. Ich glaubte schon, die Fahrt sei hiermit beendet, aber das zähe Ding hielt noch eine Weile aus. Einem deutschen Motorradfahrer hätte sich längst das Herz, im Leibe umgedreht. Aber mein pechschwarzer Fahrer meinte nur, diese Sorte Motorrad sei zwar sehr gut, dieses Exemplar aber, weil 7 Jahre alt, sehr schlecht. So hielten wir öfter zum Tee oder zur Zigarette, um das Maschinchen abkühlen zu lassen. Mein Fahrer war übrigens, wie viele hier, Angehöriger der Marine, der kaiserlichen Kriegsmarine und erzählte, er sei schon weit herumgekommen. USA, Pakistan etc. Jetzt war er auf dem Wege nach hause, zu einem Dorfe kurz vor Minab. Er wollte mich aber bis Minab fahren. Na, da hatte ich also wieder Glück gehabt. Weiter hätte er mich doch nicht bringen können, denn auf Waschbrettpiste hätte ich die neuen Batterien auch noch verloren. Der Asphalt ging ja nur bis Minab.

Hier lud ich mir die Batterien "auf den Ast" und marschierte Richtung Ortsausgang. Sogleich stürzte sich ein Rotte Straßenjungs auf mich und wollte meine Last übernehmen, was ich aber nicht zulassen konnte, weil die Kerle doch bloß wieder Geld haben wollten. Der schwarze Marinejunge wollte übrigens keinen Pfennig für die lange Fahrt. Hier von Minab, so sagten alle Leute, dürfte ich eigentlich nicht mehr wegkommen, weil um diese Zeit halt nichts mehr führe. Dennoch sah ich nicht weit einen LKW stehen. Es war ein Umzug einer Soldatenfamilie von Tehran nach Jask, eine zweijährige Verbannung also. Der junge Mann sprach gut Englisch und gemeinsam überredeten wir den Fahrer, mich doch auf dem Gepäck noch mitzunehmen, was dieser aber nur für 20 Toman tat. Die Fahrt nach Bander Abbas hat 100 Rial gekostet, die Rückfahrt also 270. Es war keine bequeme aber eine angenehme Fahrt. Wenn ich nicht selber fahren muß und auch nicht genötigt bin, mich unterhalten zu müssen, dann kann ich so herrlich meinen Gedanken nachhängen. Deshalb fahre ich so gerne mit dem Zug. Noch knapp vor der Dunkelheit kam ich bei meinen beiden Begleitern an.

(Report - Ende)


Abschied von der Küste:

UlKa und JöJa begrüßten mich wie einen verlorenen Sohn und gingen gleich an die Arbeit des Einbaues. GuHo sei ihnen in der Zwischenzeit sehr auf den Wecker gefallen, meinten sie. Nun ja, sie sind wohl auch selber recht reizbar gewesen. Sie hatten in der Zwischenzeit eifrig getippt, sogar die Fahrt von Chah Bahar nach Jask. Diese werde ich bei Gelegenheit allerdings noch einmal selber beschreiben. Es ging also wieder weiter auf inzwischen bekannter Strecke nach Bander Abbas. Hier in Bander Abbas bekam JöJa seine Gelegenheit die versäumten Geburtstagsbiere aus Chah Bahar auszugeben. Diese kleine Privatfeier spielte sich in einem Kino etwas außerhalb der Stadt ab. Offenbar der einzige Platz-, wo man abends Teheraner Luft atmen konnte. Denn hier waren auch viele Perser, die sich hier die harten Sachen in den Kopf knallten. Dann Asphaltstraße, herrlicher Asphalt, eine Straße wie ein Gedicht. Der Wagen lief mit 3/4 Gas seine 80 Sachen, und die km verrannen gleich in Zehnern. War das eine Fahrt. Das Schlimmste ist also geschafft. Am liebsten wären wir diesem Asphaltband bis ans Ende der Welt gefolgt. Doch nach 100 km wurde ich müde und hielt zum Schlafen an.


Der Big Rödel Report, Teil 1

Der Big Rödel-Report Teil 1

JöJa's Version - niedergeschrieben von - UlKa

So, JöJa liegt jetzt neben mir und beginnt mit einem großen Seufzer:

So um Ostern 1973 schaute ich so mehr routinemäßig bei, Eugen Kraffczik in Nienburg vorbei, um mal wieder ein paar schöne Geländefahrzeuge zu sehen. Ich machte einen Rundgang über den Platz, fand aber nichts Vernünftiges, z. B. einen relativ gut erhaltenen Unimog. Also ging ich auf einen kleinen Klönschnack zu Meister Lang und beschwerte mich darüber, daß sie nur Schrott auf dem Platz stehen hätten! Er war richtig beleidigt und sagte zu mir "haben se no nit den schicken Unimog do hinten in der Ecke gesehen, den mit festem Führerhaus und Kofferaufbau?" - Ich wollte es zuerst nicht glauben, und Meister Lang führte mich in einen abgelegenen Winkel, wo ich tatsächlich noch nicht gewesen war. Da stand er nun! - von dem ich schon öfter mal geträumt hatte, ein schicker Unimog, wie geschaffen für Reisen meiner Art, abschließbares Führerhaus, MG-Luke, sehr gute Bereifung, ein niedlicher Koffer mit einem großen Schiebedach, eingebaute Sitzbänke, Ablagen und viele diverse Stauräume versetzten mich in Entzücken! Auch eine Überprüfung der Unterseite inklusive Fahrgestell verlief zufriedenstellend. Die Achsen und die sichtbaren Aggregate sahen fast wie neu aus. Auch die Gepäckbrücke entsprach meinen Wünschen, nur eine Sache machte mir ein wenig Kopfzerbrechen: Das war die kaputte Stelle oben an der Tür des Koffers. Aber ich dachte mit einiger handwerklicher Fähigkeit sei auch dies zu beheben. Da der Chef nicht da war, konnte mir kein Preis genannt werden. Ich fuhr also einige Tage später noch einmal nach Langen Damm und nahm Ha zur Besichtigung mit. Auch sie war von dem Auto angetan, weil es sich ja auch gut von einem Mädchen fahren läßt (Kommentar der Tippenden: Frauen an die Macht!) und sich auch ohne Zwischengas vorwärts bewegen läßt. Kraffczik nannte mir einen Preis von 2.000,-- DM. Und da ich gerade meinen Borgward verkauft hatte und flüssig war, willigte ich erst einmal ein. Ich vereinbarte einen Abholtermin, mußte aber an dem Tag feststellen, daß keine passenden Batterien für den Uni bei Kraffczik vorhanden waren. Ich drückte den Preis sogleich auf 1.800,-- DM, handelte ein zweites Reserverad heraus und vereinbarte einen neuen Termin, wo ich mit zwei neuen Batterien auftauchen wollte. Dies geschah an einem Nachmittag, ca. eine Woche später. Ein Monteur von Kraffczik brachte die Kiste mittels Startpilot in Gang. Ich war begeistert vom Klang und der Laufruhe des Motors. Da es ziemlich spät war, erschien auch gleich K. und wollte kassieren. Wie üblich und schon früher gehandhabt verlief das ganze wie beim Pferdehandel mit Handschlag ohne Quittung. Er steckte meine 1.800,-- DM in eine Brieftasche, in der sich der Dicke nach zu urteilen bestimmt schon 20 Mille befanden, drückte mir die Hand und sagte: Macht’s gut Jung! Doch sollte ich gleich darauf meine erste Pleite erleben. Da es bereits dunkel war, mußte ich, mit Licht fahren und der Rechte brannte nicht! So begab ich mich eigenhändig in K.'s Lager und klaute eine Biluxbirne. "Never mind" würde GuHo sagen! Ich fuhr also langsam vom Hof auf die Straße, da ... Nein, noch nicht, also, ich fuhr sehr langsam, um den Motor auf Temperatur zu bringen, als ich jedoch bereits einige km von K. entfernt war und in den 5. schalten wollte, da hörte ich doch plötzlich gleichzeitig die Engelein jubilieren und im Getriebe die Glocken läuten. Man kann sich den Schock vorstellen! Da aber niemand mehr bei K. war, schaltete ich mit Not vom 4. in den 6. und fuhr zu Günther, um ihm mein Leid zu klagen. Nächsten morgen gegen 8 stürmte ich dann K.'s Büro. - Ich beschwerte mich, und er war sogar bereit mir das Geld wiederzugeben, er sagte mir, daß der Wagen das Geld auf jeden Fall wert sei und zählte mir die teuren und guten Teile auf. Dann versprach er mir, ein anderes Unimog-Getriebe aus einem alten Unimog zu beschaffen oder mir bei der Getriebereparatur behilflich zu sein. Ich wendete ein, daß ich sehr viel Arbeit und Zeit darein stecken müßte, und er sagte mir daraufhin zu, daß ich Unimogteile, die ich benötigen würde, abbauen könnte. So trennten wir uns, und der Wagen wurde bei Günther abgestellt. Ich meinerseits trug mich mit Reiseplänen nach Afrika fürs Wintersemester. Jedoch lief die Sache etwas unglücklich, da alle meine Freunde entweder Examen machten oder partout keine Zeit oder Geld hatten. Auf der großen Schweizexkursion im Juli fiel dann die Entscheidung, DoScho und auch WoZi hatten großes Interesse an einer Reise in den Orient. Sie dachten speziell an Oman, weil DoScho dort große Forschungsmöglichkeiten für Geographen sah. Zu Semesterbeginn wollten wir uns wieder treffen und alles nähere besprechen. Uns fehlte noch ein dritter bzw. vierter Mann, und DoScho wollte nur mitfahren, wenn er von offizieller Seite finanzielle Unterstützung erhielte. Diese wurde dann auch im Laufe des Wintersemesters gewährt, jedoch das Einreisevisum,für Oman war einfach nicht zu bekommen.

Augenscheinlich hatte man die politischen Verhältnisse in Oman falsch eingeschätzt. Inzwischen hatte ich im Arabischkurs bei R.B. ein genauso armes Schwein wie mich kennengelernt. Im Arabischkurs sprach man zwangsläufig über Arabien, und ich ließ das Stichwort Oman/Maskat fallen. Der Typ, der sich UlKa nannte, war hellauf begeistert, alldieweil dort archäologisch noch sehr viel zu holen war. Er teilte mir freudestrahlend mit, daß das gerade dddiiieee Sache für ihn sei und daß er gerade die nötigen 25 Hunderter besaß! Man traf sich also recht schnell in der Privatwohnung von mir, schmiedete Pläne und geilte sich an Karten auf. Kurze Zeit später brachte ich dann UlKa mal bei WoZi mit und stellte ihn WoZi's entzückender Frau vor. Auch WoZi hatte gegen den Miniaturarchäologen nichts einzuwenden, UlKa auch nichts, und man fand sich für die Reise sympathisch genug. Gemeinsam wurden die Visaanträge für die zu durchfahrenden Länder geschrieben, Paßfotos gemacht und beim Mensaessen geklönt, mit den Impfungen begonnen, etc. Inzwischen hatte bei mir Zuhause ein gewisser HoWa aus Scheeßel angerufen. - So, jetzt geht's gleich weiter! - Er hatte sich bei meiner Mutter als Afrikafan vorgestellt, ihr kund getan, daß er mit mir altem Afrikafahrer unbedingt in Kontakt treten müsse, bezüglich eines regen Erfahrungsaustausches! Bald danach klappte es, daß er mich an einem Wochenende Zuhause erreichte. In einem enorm langen Telefongespräch, das sicherlich auf die Telefonrechnung seiner Eltern gekommen ist, unterhielten wir uns über Afrika, den Orient und über Geländefahrzeuge. Ich erfuhr, daß er meine Adresse von Meister Lang bei K. erhalten hatte, als er dort bezüglich eines Kastenaufbaus für seinen Unimog herumgewieselt war. Da uns noch ein vierter Mann fehlte, schlug ich ihm bei einem unserer nächsten Telefonate vor, doch in den Wintersemesterferien mit uns nach Oman zu fahren. Er räumte ein, daß es ihm finanziell im Moment nicht besonders gut ginge, daß er aber genug Geld hätte, an der Reise ohne Teilhaberschaft am Kfz. teilzunehmen. An einem Samstag im Dezember kam HoWa nebst Weib Re zum ersten Beschnuppern bei mir vorbei. Sie hatten Dias von ihren letzten Orientreisen mitgebracht, und bei einigen Glas Bier wurde es ein ganz netter Abend. Auf Re muß ich einen netten Eindruck gemacht haben, da sie mir versprach, einen langen schönen Schal zu stricken, was sie denn dann auch für 10 DM Wollunkosten getan hat. Ca. 2 Wochen später, so kurz vor Weihnachten, kamen die drei anderen Keulen zu mir nach Wunstorf, um näheren Kontakt aufzunehmen, die Reiseroute festzulegen und das Fahrzeug zu besichtigen und noch andere organisatorische Dinge zu klären. Schon damals war Oman etwas sehr zweifelhaft und so tüftelten wir uns Alternativreiserouten aus.

... Fortsetzung folgt ...


21.03 Nouruz − Und dann nicht in Shiraz

Aber nicht nur das. Es sollte auch noch aus anderen Gründen ein recht trauriges Nouruz-Fest werden. In anderen Städten war jetzt bestimmt der Teufel los. In Teheran sind alle Leute, die etwas auf sich halten und sich das auch noch leisten können, schon um 4 oder 5 Uhr aufgestanden, haben Kind, Kegel und noch den halben Hausrat eingesackt, sich ins Auto gesetzt und sind gen grüner, warmer Landschaft davon gerauscht. D.h. mit Rauschen wird das so eine Sache gewesen sein. Teheran zur Rushhour ist schon kein Vergnügen, um 5 Uhr morgens zum Nouruz aber muß es das totale Chaos sein. Man fährt nach Shiraz, der Traumstadt aller Perser, um zu Füßen von Hafiz und Saadi zu picknicken oder macht eine Woche Badeurlaub in Bander Abbas, sofern man noch eine Hotelreservierung bekommen konnte. Die ersten Ausläufer dieser Völkerwanderung bekamen wir hier auf der Straße schon zu spüren. An diesem Tage würde es bestimmt einige Verkehrstote geben. So standen an markanten Punkten auch die Zelte des roten Halbmond-, bzw. der persischen "Erste-Hilfe"-Organisation. Die Städte sind zwar ausgestorben, aber die Polizei hat dennoch alle Hände voll zu tun, denn dieser Tag ist Hochsaison für die Diebe.Wie der Sausewind - auf Asphalt.

Nun, auch wir konnten uns an diesem Tage nicht über Mangel an Arbeit beklagen. Nach ca. 35 km leuchtete bei unserem Wagen die rote Ladekontrolleuchte auf. Kurz vorher hatte es auch schon etwas brenzlig gerochen. Wenn da mal nichts durchgeschmort war. Auf jeden Fall mußte der Fehler gefunden und behoben werden. Wir suchten uns ein kleines Teehaus, wo wir den Wagen unter Schattenbäumen parken konnten. Wir mochten uns mit der Reparatur an diesem höchsten iranischen Festtage gar nicht so recht beeilen, denn die Lust an der Bastelei war uns inzwischen langsam aber sicher abhanden gekommen. Ich hätte den Wagen am liebsten bei der nächsten Polizeistation eingemottet und die Reise für ein paar Jahre unterbrochen, um sie später, wenn wir mit frischem Mut und neuen Ersatzteilen hier ankommen, weiterzuführen. Zunächst wollten wir aber versuchen, mehr oder weniger gerupft, doch noch unsere Heimat zu erreichen. Bedauernswert aber waren nicht nur wir. Auch der arme GuHo mußte nun den höchsten Festtag seines Landes fern seiner Familie am Highway verbringen. Zur Feier des Tages spendierte er ein Frühstück.

Da ich mit der Elektrik auf Kriegsfuß stehe, verzog ich mich lieber unter den Wagen, um die Getriebehalterung wieder neu zu befestigen. Wenn ich die Schreie und Grunzer unter der aufgeklappten Motorhaube richtig gedeutet habe, war man vorne inzwischen dabei, die Lichtmaschine, die aufgrund eines Reglerdefektes das Zeitliche gesegnet hatte, auszuwechseln. Hatte ich früher gräßlich darüber gelästert, daß der Wagen so viel Gepäck nur für sich mitnehmen durfte, so war ich jetzt doch froh, daß wir die wichtigsten Ersatzteile mit hatten. Denn auch wenn Mercedes-Benz in aller Welt vertreten ist und hier im Iran alles andere bei weitem überwiegt, so gab es doch für unser 24 Volt-Unikum keine Ersatzteile im ganzen Lande. Der Reglerdefekt wurde von UlKa durch ein geniales Antippen desselben behoben. Eine Verklemmung löste sich, und die Sache war behoben - so meinte jedenfalls UlKa. Mit dem Wunsch, unsere gequälten Leiber zu reinigen, steuerten wir geradewegs auf den Höhepunkt dieses Tages zu. Es war da nämlich, ein Becken aus Beton: 2 x 1.2 x 1 m mit Palmwedeln vor Blicken geschützt, in das das warme Wasser, das eine Dieselpumpe aus dem Boden förderte, lief. Schweiß und Staub hatten schon eine Kruste auf der Haut gebildet und die Haare verfilzt. So kam es uns hier vor wie im Paradies. Ja, so ließ sich der Iran aushalten: den ganzen Tag im Wasser sitzen, Skat spielen, Musik hören, sich auf schwimmenden Tabletts kalte Drinks von heißen Häschen servieren lassen und zwischendurch das Geschäftliche im diplomatischen Small Talk erledigen. Ja, wir wüßten schon, wie wir unser Leben gestalten würden, wenn wir könnten. Ein Herrenleben im Iran wäre - bis zur nächsten Revolution - sicher nicht zu verachten.

Am frühen Nachmittag konnte es dann frisch gewaschen und sauber gekleidet losgehen - nach Shiraz. Doch was war das? Nach 10 km Fahrt fing das rote Licht wieder an zu glimmen. Hätten wir den Regler doch ausgewechselt! Statt ihn aber diesmal endlich auszuwechseln, schraubten wir ihn auf, und UlKa fingerte etwas an dessen Innenleben herum, worauf ein Relais einschnappte. Sofort fingen alle Leitungen an zu qualmen, und ein massiver Kabelbrand bahnte sich an, eine bei 24 V nicht zu unterschätzende Gefahr für Wagen und Insassen. Während ich wie ein geölter Blitz nach hinten raste, um den Feuerlöscher zu holen, bewies UlKa soviel Geistesgegenwart, das Hauptkabel zur Batterie zu kappen. Als wir den Löscher endlich wo weit hatten, auch unser Brocken JöJa war in diesem Augenblick flink wie eine Gazelle, war der Spuk im Wesentlichen schon beendet, und es glühten nur noch einige Kabel still vor sich hin.

Mit der Entspannung kam der Verstand wieder, und damit der große Katzenjammer. Nein, das durfte doch nicht wahr sein! Nicht schon wieder! Warum nur geht es immer gegen die kleinen Dicken? Warum nur hatten wir immer so viel Malesche?

Verschmort waren die Kabel zum Anlasser und zur Lichtmaschine. Das hieß, es konnten auch diese Aggregate selber zerstört worden sein. Der Regler war ohnehin zu einem unkenntlichen Klumpen verschmolzen. Der neuen VW-Batterie war es offensichtlich auch dreckig gegangen. Sie sah leicht verschmolzen aus und hatte kaum noch Saft. Selbst wenn Anlasser und, Lichtmaschine noch in Ordnung wären, müßte einer nach Bander Abbas fahren, eine weitere Batterie und einen Berg Kabel holen. Diesen Trip noch einmal machen? Nein, das war entschieden zuviel! Diesmal wer anderes. Ich mußte mich erst einmal erholen. UlKa dachte schon wieder ans Abspringen und zog sich sogleich mit der Schreibmaschine in die Wüste zurück, um einen bitterbösen Brief an Zuhause anzufangen. JöJa und ich bekakelten die Situation in einem müden Palaver. - Hätten wir doch gleich auf den neuen Batterien den Regler gewechselt. Wir hatten doch schon geahnt, daß die Fahrt ohne Batterien und mit umherfliegenden Polkabeln dem Regler geschadet hätte! Hier konnten wir jedenfalls nicht bleiben. Wir mußten uns zum nächsten Ort abschleppen lassen. GuHo war es des Leides nun doch zuviel. Er setzte sich, leicht verstimmt, mit dem nächsten Bus, den er stoppen konnte, nach Shiraz ab. Wir mußten erst einen Tee haben. In solchen Situationen muß ich immer erst etwas essen und trinken. Auf dieser Reise setze ich auf diese Weise noch Kummerspeck an. Kurz vorm Dunkelwerden gelang es auch noch, einen Benz-LKW für unser Vorhaben zu gewinnen. Weil heute Nouruz war, schleppte er uns unentgeltlich zur Wegkreuzung Schiraz-Kerman, wo auch ein Teehaus und ein Erste-Hilfe-Zelt standen. Er schleppte, das sei anerkannt, wirklich Vorzüglich. Allerdings saß auch JöJa mit prüfendem Blick an seiner Rechten. Hier war es schon gemütlicher als auf der Straße. Hier hatte UlKa seine Pepsis und ich Licht zum Tippen. Das also war Nouruz.


Briefe 2 ...

Also Ihr Lieben daheim!

Zur Zeit befinde ich mich 135 km hinter Bandar Abbas in Richtung Shiraz und 164 km vor Sirjan, kann ich hier lesen und außerdem scheint alles am Ende zu sein. Wie wir nach Bandar Abbas kamen, könnt Ihr dem Brief an An entnehmen.

Slso, wir hatten zwei Batterien verloren, meine hatte auch ihren Geist aufgegeben, so dass unsere 24 und unsere 12 Volt-Zweitanlage über den Jordan waren. Aber noch gegen Abend kam HoWa wieder mit zwei Batterien, die er für umgerechnet 240 DM erstehen mußte! Nun ja, wir weiter gefahren, ich habe vorher noch meine dunkelblaue Schlabberjeans ruiniert, als ich meine Batterie ausbaute, nachts in Bander Abbas ein Bier getrunken und heute mittag ging es dann wieder los. Die Straße war hier zwar ausgezeichnet, aber dennoch flammte unsere Batteriekontrolleuchte wieder auf. Mit Müh und Not wechselten wir unsere verkohlte Lichtmaschine und bauten unseren Ersatzgenerator ein. Aber anscheinend hatte unsere gesamte elektrische Anlage von dem Stück, das wir ohne Batterien gefahren waren, einen mitbekommen, denn die Lampe brannte wieder, einige wichtige Kabel schmorten vor sich hin, und, der Regler erwies sich als defekt. Somit stehen auch meine archäologischen Sehenswürdigkeiten bei Shiraz auf der schwarzen Strichliste, da wir noch nicht einmal wissen, ob wir den Wagen Oberhaupt nach hause kriegen. Die Kasse ist genauso wie meine Börse in den roten Zahlen, es war halt alles ein bißchen schief gelaufen, und wir haben uns mit dem Fahrzeug ganz schön übernommen, von meinem VW-Bus wäre es billiger und besser gegangen. Die gesamte Arbeit ruht immer noch auf HoWa und mir, da JöJa weiterhin krank ist und sich nicht rühren kann. Tja, da steht nun unser Wrack auf der besten Straße Persiens und hebt sich reichlich stolz gegen den rotsilbrigen Abendhimmel ab, die alte Scheiß-Schrottkiste. Auch unser Mitfahrer, GuHo abgekürzt, hat sich per Tramp in Richtung Busheer seine Heimat, abgesetzt, denn heute ist gerade Nouruz, das Neujahrsfest, der 21.03. und keine Möglichkeit, mit dem Kackunimog hier jetzt wegzukommen. Eins kam nach dem anderen. Ich habe außer unserer fahrenden Ruine sonst weiter noch nichts gesehen, ganz Persien ist in Reparaturen untergegangen. Mit Mitbringen wird nicht viel werden, da keine Zeit und kein Geld vorhanden Aber wir haben wirklich eine Menge Pech. Der Wind pfeift durch meine zerfledderte, von Säuren zerfressene schickste noch Vorhandene Hose! Zwei Batterien verloren, meine aber den Jordan, eine der beiden neuen in Zuge des Kurzschluß auch noch verkohlt.

Also ich geb's bald auf. Ohne JöJa's Finanzpolster wären wir längst aufgeschmissen gewesen. Aber jetzt werde ich auch meine Mitfahrer bitten, einen kurzen Bericht zur Lage der Nation aus ihrer Sicht einzutippen, damit Ihr das ganze nicht nur von meiner Warte seht:

In der Tat, die Lage ist ernst aber nicht hoffnungslos. Eigentlich ist alles machbar, und man bräuchte den Kopf nie hängen zu lassen, wenn nur der Geldmangel nicht zu eine akuten Problem geworden wäre. So aber ist es ein Tanz auf der heißen Herdplatte, den wir hier aufführen, ganz ohne doppelten Boden und Asbestsohlen. Wenn wir stolpern, können wir uns da ganz gefährlich den Hintern verbrennen −und das gibt kein glückliches Bild. Sicher, dies ist noch nicht das Ende. Das kommt erst später. Dennoch müssen wir bekennen, daß wir uns als arme Schlucker in den teuren Iran hinein gemogelt haben wie ein Student ins Intercontinental zum Staatsbankett und uns nur dank E-Pa und Billigsprit am Leben erhalten können. Die Sache geht also aber unsere Verhältnisse. Dennoch: Wir geben nicht auf!

(Kommentar: HoWa)

Zum Schluß werde auch ich armes geplagtes Menschenkind gezwungen, meinen Senf hinzu zu geben. Ich habe zwar den vorhergehenden Text noch nicht gelesen, kann mir aber vorstellen, wie pessimistisch der Inhalt ist, wenn ich mir meine Mitfahrer hier so ansehe. Ich kann nur sagen, daß wir uns zur Zeit in einer Pechsträhne befinden, die sicherlich bald vorbei sein wird.

Daß wir die Batterien verloren, war großes Pech, daß aber durchaus jedem anderen auch hätte passieren können. Auf jeden Fall war es uns eine Lehre, bei zukünftigen Reisen noch pedantischer den Wagen technisch laufend zu überprüfen, damit solch ein Mißgeschick nicht wieder vorkommt. Daß jetzt auch noch ein Fehler in der elektrischen Anlage zu einem Zusammenbruch in der elektrischen Anlage führte, sehe ich als Folgeerscheinung. Ich bin ziemlich optimistisch, daß wir in Kurze vielleicht sogar eine gebrauchte Batterie erstehen können und unsere Reise, wie geplant, aber Firuzabad, Shiraz usw. fortsetzen können. Bei HoWa und UlKa ist es vor alten Dingen die finanzielle Ungewißheit, die sie so pessimistisch stimmt. Ich habe aber noch genug Geld, damit der Unimog mit uns drei Irantrotteln (Pardon -trottern) wieder gut in heimische Gefilde zurück kommt. Herz und Nieren des Wagens, sprich: Motor, Getriebe und Achsen sind noch in gutem Zustand - eine oder mehrere - ,auftretende Reparaturen an diesen lebenswichtigen Teilen wurden auch mich besorgt stimmen − und das ist ja das Wichtigste. Also dann, bis bald vielleicht mit ein paar Tagen Verspätung

Ihr JöJa

Tscha , das war's also Ihr Lieben daheim. Druckt mir die Daumen, macht Euch nicht zuviel Sorgen, denn ich werd's trotz meines Kreislaufs überleben. Also bis dann, Euer Sohn, Stiefsohn, Enkel, Stiefbruder, Geliebter, Freund, Mittier usw.

UlKa


22.03. Gebrannter UlKa scheut den Kühler

Wir wußten schon so ungefähr, was uns an diesem Tage erwarten sollte - viel fruchtlose Bastelei. JöJa aber hatte am Abend vorher den Arzt kennengelernt, der hier Dienst hatte, und war mit ihm ins Gespräch gekommen. Er wollte uns zu Test und Start seine Landrover-Batterie ausleihen, uns notfalls abschleppen oder gar eine Ersatzteilfahrt nach Bander Abbas organisieren. Nun zur Bastelei. Wir hatten vorne am Regler überhaupt keinen Saft., Das konnte an der demolierten Batterie aber auch am Batteriekabel liegen Als wir jedoch die zweifelhafte, Batterie durch die vom Landrover ersetzten - die andere sah noch recht gut aus - tat sich noch immer nichts. Also wurde das Kabel von der 12 V-Lichtmaschine, die wir der Einfachheit halber nicht wieder eingebaut hatten, zur nicht mehr vorhandenen Batterie von UlKa - hier nutzbringend - verwendet. Nun hatten wir also Saft. Der Anlasser gab aber dennoch nur ein müdes Krächzen von sich. Er hatte also doch etwas Abendfriede nach Kabelbrandabbekommen. Also Anlasser wechseln, was eine mühselige Sache ist. Wenn die eine Batterie noch in Ordnung gewesen wäre, hätten wir jetzt starten können, so mußten wir uns vom Landrover anschleppen lassen. Damit aber war noch nicht alles ausgestanden. Der Wagen lief jetzt zwar, aber das rote Licht, das wieder nicht verlöschen wollte, sagte uns zweierlei.

  1. Die Batterien werden nicht geladen. Somit ist entweder die zweite Lichtmaschine auch noch hin oder aber das zweite Lichtmaschinenkabel. (Das erste hatten wir ja schon in Bampur auswechseln müssen.) Beides ernste Fälle.
  2. Der Wagen bezog jetzt seinen Zündstrom von der Batterie. Die weiße konnte also nicht total zerstört worden sein und war eventuell noch aufladbar. Das also war eine gute Nachricht.

Bevor wir aber jemanden mit den defekten Teilen nach Darab in die Elektrowerkstatt schicken konnten, mußten wir wissen, was denn nun das defekte Teil ist. Mit Hilfe von Prüflampe und Batteriestrom maßen wir die beiden Lichtmaschinenkabel durch, wobei sich herausstellte, daß das von Bampur noch in Ordnung, das zweite aber zerstört war. Das andere Kabel einbauen, anschieben - und siehe da, der Wagen war mal wieder in Ordnung. Großer Abschied beim Doktor und seinem Helfer, der übrigens Deutsch lernte, und dann weiter. Vom Abzweig an hatte allerdings die Asphaltstraße ihr jähes Ende gefunden und es ging ab jetzt auf übler Piste weiter. Noch 450 km bis Shiraz. Leicht schräg, der Hang!Es war hier noch recht warm, und das Kühlwasser fing einige Male an zu kochen. Den 3. Stop machten wir vor einer Wand. Es war eine rechte Himmelsleiter, die wir da vor uns hatten. Die Straße stieg aus der Ebene plötzlich einige hundert Meter in engen Kehren senkrecht hoch. Wie sollten wir da bloß hochkommen, wenn der Motor hier in der Ebene schon kocht. Nun, hoch mußten wir, und wenn es in 20 Etappen geschehen sollte. Die Abkühlpause wurde sogleich zum Abendbrot genutzt. Unterdes hielten auch noch einige besoffene Nouruzler, um uns Hilfe und einen großen Klumpen Haschisch anzubieten. Wir lehnten dankend ab. Die Steigung schafften wir dann doch in zwei Etappen. Hier oben war es schon merklich kühler. Gut für den Motor. Damals zwischen Bampur und Nikshahr hätte ich allerdings nicht gedacht, daß wir mit unserem reduzierten Windflügel überhaupt so weit kommen. Insofern konnten wir froh sein über jeden Kilometer, den wir hinter uns brachten. Irgendwo, nicht mehr weit von Darab, übernahmen UlKa und JöJa die Fahrt und ich legte mich zum Schlafen. Wegen der Piste war ich erst in Darab einigermaßen eingenickt. Doch hier war die Fahrt auch schon wieder zu Ende. Aus einem Riß zwischen unterem Kühlerstutzen und Kühler sprudelte lustig das kochende Wasser heraus und floß die hübsch asphaltierte Straße der Stadt hinunter. Nein, mehr als eine Reparatur pro Tag, das wollten wir nicht. Außerdem waren 200 km heute gegen 50 km gestern ja schon ein Fortschritt. So legten UlKa und ich uns schlafen, während sich JöJa noch von einem eifrigen Pfadfinder zum Essen einladen und sich über dessen hohe Lebensprinzipien aufklären ließ. Morgen also zur Abwechslung wieder ein Kühlertag!

23.03. Shiraz, Stadt der Gärten & Dichter

So etwas Dummes, heute war auch noch Feiertag. Da hatte ja gar keine Werkstatt offen. Nun, es half nichts. Der Kühler mußte dennoch wieder heraus. Hatten wir dem Kühler damals an unserem Batterieort zwischen Jask und Minab noch mit Dichtungsmasse beikommen können, so war dies hier auch nicht mehr möglich. Also, den anderen, nicht ganz so defekten Kühler hinein. Mit dem hatten wir damals ja auch Chah Bahar erreicht. Bei unserem Vorrat von 140 Litern H,0 mußten wir Shiraz mit Nachgießen erreichen können. So fuhren wir gleich mit einigen Kanistern vorne und offenem Wassertankdeckel weiter, legten aber JöJa’s Blaumann über den offenen Wassertank, damit sich UlKa, der heute fuhr, nicht auch noch die Beine verbrenne. 30 km hinter Darab aber hatten wir wieder so eine Himmelsleiter wie gestern vor uns, allerdings nicht ganz so lang. Wieder schafften wir es ungefähr bis zur Hälfte, dann stieg die Temperatur wieder. Sie stieg sogar gewaltig, und ehe wir anhalten konnten, schoß das kochendheiße Wasser wieder mit solcher Macht aus dem Tank, das auch der Stoff des Blaumann von JöJa nichts mehr nützte und sich UlKa sein rechtes Bein jämmerlich verbrannte. Ich war schnell aufs Dach geflüchtet, wobei ich mir in der Eile einen tiefen Kratzer in der Schulter holte.

Shiraz

Es gelang UlKa gerade noch, den Wagen anzuhalten, dann war er für den Rest des Tages Invalide, lag jammernd hinten im Kasten und beschmierte sich laufend dick mit Brandsalbe. Nun, Verbrennungen und vor allem Verbrühungen sind in der Tat recht schmerzhaft. Ab jetzt fuhr JöJa zum, ersten Mal seit längerer Zeit wieder. wenn man Beifahrer ist, und vor allem, wenn man hinten im Kasten liegt, kann man immer den Fahrer für das Ächzen und Stöhnen der Karosse verantwortlich machen. Wenn man aber selber fährt und, ohne etwas machen zu können, zusehen muß, wie der Wagen gepeinigt und geschunden wird, dann bekommt man eine ohnmächtige Wut auf die Straßenbauer dieses Landes. Sollen sie doch ein paar Leopard-Panzer weniger kaufen und dafür Asphaltstraßen bauen. oder sollen ,sie doch wenigstens 2 mal pro Woche hier einen Scraper langschicken. So kommen die Leute hier doch nie zu etwas. Auf diesen Straßen zerfällt doch auch das stabilste Auto nach einiger Zeit in seine Einzelteile. Was das an Ersatzteilen kostet! So verschlingt diese mörderische Piste auf Dauer doch mehr als eine gute Asphaltstraße kosten würde. Aber die spinnen halt, die Perser! Während man in Deutschland schon wieder viel lieber auf dem Lande wohnt und dort auch fast alle, wenn nicht mehr, Annehmlichkeiten der Stadt hat, so ist im Iran noch alles Leben an die Stadt gebunden, und vom Lande kommen nur die als tölpelhaft dumm belächelten Bauern, die man in den Städten vorzugsweise, ebenso wie die Touristen, über’s Ohr haut. Nach Fasa sah es ein kurzes Stück so aus, als bliebe der Asphalt nun bis Shiraz, aber das gab sich wieder, und alles verschwand im dichten Staub. Die spinnen halt, die Perser! Mit ihren Ölmilliarden machen sie Krieg mit dem Irak und machen pompöse 2.500-Jahr-Feiern, aber anständige Straßen können sie nicht bauen. Die Stichstraßen zur Südküste sind auch nur wegen ihres militärischen Wertes erbaut worden.


Brief von WoZi

iebe Freunde, nachdem ich heute schon eine Karte von Euch aus Isfahan erhielt, möchte ich auch einmal mein Lebenszeichen erschallen lassen, obwohl dies der erste Tag ist den ich außerhalb des Bettes verbringe und mich noch ziemlich schwach fühle. Aber ich möchte der Reihenfolge nichts vorwegnehmen und ... ach lest einfach das folgende!

Wie ihr euch sicher noch erinnern werdet, haben wir uns am Freitag, dem 16.02. gegen 14 Uhr mit Herzen (das wart ihr) und Schmerzen (Ich) getrennt. Der Zug sollte erst um 21.00 Uhr fahren. So verbrachte ich die meiste zeit im Wartesaal mit netten Leuten, die mir dauernd unfreiwillig Cay spendierten und einem mies gelaunten Kellner. Zwischendurch pendelte ich zum interessanten Busbahnhof hinüber und erkämpfte mir mit Hilfe eines Englisch sprachigen Türken, eine Fahrkarte für den Anatolien-Express. Aber acht Stunden sind eine lange Zeit. Ich trank Cay und schloß Freundschaften, ehe ich dann nach der Einfahrt meines Zuges von der großen Delegation zum Bahnsteig gebracht und mit großem Hallo verabschiedet wurde.

Zug fahren macht Spaß". Man redet man ißt, man läuft und nachts schläft man ein bißchen. Und schwupp-diwupp ist man, wie z.B. ich, am nächsten Tag in Istanbul. Da ich wußte, daß das Flugzeug erst am nächsten morgen, also am Sonntag fliegen sollte, bin ich noch etwas durch den Basar gebummelt. Gegen abend bin ich dann zum Airport gefahren.

Es war ein weiteres Unglück, daß meine Euro-Cheques (!) nicht wollte. Ich bin ja nicht unbedingt dünnhäutig. Aber dennoch bin ich fast vor Wut geplatzt. Ungewißheit bis zum nächsten morgen, einzigartige Hilfe durch zwei türkische Polizisten überzeugten den Bankangestellten dann am Sonntag in letzter Minute von der Echtheit der unbekannten blauen Dinger. Denn ich wollte unbedingt nach hause weil die Schmerzen nun auch sehr stark waren. Na ja um 12:00 h am Sonntag war ich dann in Frankfurt und rack-zack-die-flack umt 18:00 h in Göttingen. Brigitte war ganz baff!

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Montag mittag dann war beim Arzt und Montag abend schlug ich ein weißes Linnenlaken im Krankenhaus in Weende zurück, um erst mal zu schlafen. Am Dienstag morgen, dem 19.02. lag ich dann unterm Messer. Der Grund: akute Apendizitis − Scheiss-Wurmfortsatz. Die in Istanbul diagnostizierten Nierensteine riefen bei meinem Hausarzt und in der Klinik ein überlegenes, ja schon arrogantes Lächeln hervor, Besonders nach der Operation als feststand, daß der Blinddarm kurz vorm Durchbrechen war. Die Halbgötter hielten ihren Kollegen zwar zugute daß das Würmchen nicht leicht zu finden war, da es sich hinter dem Dickdarm versteckt hatte und somit die schmerzen in die Richtung der Nieren gingen.

Jetzt sollte der Part kommen, den ich dramatisieren wollte, der jedoch von der Zensur wieder gestrichen wurde. (Wieder heißt: wie im Fernsehen oder Film über Abtreibung)

Ich hoffe das Ihr weiterhin eine ganz tolle Fahrt machen werdet während ich hier zu hause mich, seitdem es mir wieder besser geht, in Sehnsucht "ergehe". Trotzdem muß ich sagen das meine Entschluß, wie er sich heute und hinterher in den Facts darstellt, wohl der einzig richtige war. Aber das konnte ich in Ankara ja nicht wissen und deshalb war für mich ...


Als die Asphaltstraße nach einer Ortschaft wieder einmal anfing, wies uns UlKa nach einiger Zeit darauf hin, daß wir soeben durch Sarvestan und an seinen Ruinen vorbeigefahren seien., Da er aber weiter keinen Aufstand machte, fuhren wir gleich weiter. Eigentlich wollte ich die Sassanidischen Ruinen ja auch sehen, aber der Wagen nahm uns doch alle Freude daran. An dem Berg, wo sich UlKa die Füße verbrannt hatte, hatten wir den letzten Pott Dichtmasse in den Kühler gegossen, womit das Leck gestopft war. Jetzt sprudelte aus seinen Kühlrippen das Wasser wieder mit nie gekannter Intensität hervor. Die Piste hatte halt keine Gnade mit uns. Dank unserer Schrottkiste hatten wir nicht einmal einen Blick für das schöne frühlingshafte Fars. Aber das ist nicht die Schuld von Daimler-Benz. Unsere Dummheit muß halt bestraft werden. So erreichten wir Shiraz mit knapper Not.

Ich sehe mich verpflichtet, bevor ich diese Scheiße hinter mir lasse, zu begründen, warum ich hier am Beginn der schonen Asphaltstrecke das Weite suche. Ich schreibe diese Zeilen jetzt quasi zum 2. Mal, das 1. Mal vor Chah Bahar war ich leider, so muß ich heute sagen, zu inkonsequent. Das lag daran, daß JöJa krank war und mir leid tat, und weil ich ein etwas schlechtes Gewissen hatte, da ich es ja mit meinem Unverstand war, der den Kühler inklusive Windflügel auf dem Gewissen hatte. Auf jeden Fall wäre es damals für mich noch finanziell günstiger gewesen und ich hätte wahrscheinlich auch noch mehr sehen können. Ich hatte damals bereits erkannt, daß die Effektivität zwischen dem, was ich bezahlt hatte und dem, was an Kosten und Reparaturen jetzt auf mich zukam und dem, was ich gesehen hatte, einfach viel zu gering war. Dieses Verhältnis hat sich nun noch mehr verschlechtert. Mich hat diese Reise mit allem, was war und was noch an nachwirkenden Kosten kommt, inklusive Material und Sachen Verlust zwischen 2.500 und 3.000 DM gekostet, und dafür habe ich praktisch keine oder auf jeden Fall eine viel zu geringe Gegenleistung bekommen. HoWa wird zwar rnaulen, aber ich will noch mal eine Aufstellung machen, was ich sehen wollte. was ich hätte sehen können und was ich gesehen habe: Auf meiner Liste standen Istanbul-(Film, kaputt), Kültepe Kanish - nachts vorbeigefahren, Van - okay, Topprakkale - wegen Schnee und Zeitmangel nicht gesehen, Cavuz Tepe - okay aber zu kurz und zu schlechtes Licht zum Foto schießen, Hoschup - nachts dran vorbei gefahren, Taq e Bostan - okay, Harsin - wäre ein Umweg gewesen, Bisotun I Partherhang - nichts zu sehen infolge Winter, Kangavar - okay aber zu verschneit, zu dunkel und keine Fotos, Hamadan - nachts durchgefahren, dann fiel der Norden flach wegen Reperaturen in Shahabad, Kuh e Khvadjah bei zabol fiel flach wegen durchbrettern nach Chahbahar, dann an Sarvistan wegen defektem KÜhler vorbeigefahren, Industal und Mohendjo Daro waren vorher wegen Geldmangel flach gefallen, Firuzabad und Qala e Dokhtar fallen flach, da nur über Piste zu erreichen.. ebenso wird Susa flachfallen, da es auch an einer Nebenpiste liegt, das gleiche gilt für Shustar, dann fällt flach ganz Irak-Uruk, Ur, Sammarra, Babylon, Baghdad, Ktesiphon, Ninive, Assur etc., Kayseri ist wegen der Route über Erzurum auch wieder gestrichen, und da Persepolis, Naqsh i Rustam, Istakhr und Pasargadae wegen Reparaturen hier in Shiraz auch noch gefährdet sind, halte ich es für richtig, auf meinen Anteil an der Schrottkiste zu verzichten, noch 500 DM zu investieren, und hier in Shiraz erst einmal zu bleiben. Von hier habe ich dann auch noch die Möglichkeit, über Teheran zurückzufahren und noch etwas Vom Neolithikum izn Norden zu sehen: Jarmo, Hissar, Guran etc. Denn ich bin nicht nach Persien gekommen und habe nicht das viele Geld, das ich mühsam zurück zahlen muß, ausgegeben, um jeden Tag unterm Wagen zu liegen, ansonsten nur durchzubrettern und eifrig weiter Geld in diesen Schrotthaufen zu pumpen. Deshalb trete ich hiermit meinen Anteil als Ausgleich für mein Aussteigen und um nichts, gar nichts mehr mit der Kiste zu tun zu haben, an die Kasse ab, mögen sich die Verbleibenden darum schlagen! Ich werde jetzt erst einmal telefonieren gehen, um Geld von Zuhause zu organisieren. Hiermit ist für mich Finito!

Die Sachen, die ich zurücklassen muß, bitte ich, falls man durchkommt, bei mir Zuhause abzugeben.

UlKa, Shiraz, 23.03.74


Briefe 3 ...

Shiraz, 23.03.74

Liebe Re,

heute, 2 Tage nach dem persischen Nouruz-Fest sind wir in Shiraz angekommen. Wir sind hier auf einem ruhigen Campingplatz in der Nähe des Flughafens. Gerade zur Post haben wir es noch geschafft. So habe ich dann auch Deinen Brief noch bekommen. So groß auch die Freude ist, wenn man einen Brief von Zuhause bekommt, so sehr war Dein Brief ein Dämpfer. Ich glaube, ich sollte das tun, was ich seit Chah Bahar ohnehin vorhabe, nämlich so schnell wie möglich nach hause zukommen.

Statt hier wie ein Bekloppter durch den Orient zu preschen, sollte ich lieber die Aufgaben, derer Zuhause genug warten, erledigen. Zu Deinem Brief kann ich ansonsten nicht viel entgegnen. Es war ja nichts Falsches, keine böswillige Unterstellung darin. Ich kann Dir nur versprechen, mich zu bessern.

Auf dieser Reise hatte ich zwar nicht so sehr den brennenden Wunsch, sofort zukehren wie auf der letzten Fahrt, aber dennoch ist das Ganze eine sinnentleerte Sache. JöJa und UlKa sind zwar ganz feine Kerle, dennoch gibt es nur einen Menschen, dem ich mich gerne mitteilen möchte. So waren denn auch meine ersten beiden Reisen die schönsten, und das nicht ohne Grund - Von den beiden folgenden war nur der Anfang schön Griechenland. Diesmal war eigentlich alles ein großer Unsinn. Hatte ich mir doch schon vor zwei Fahrten geschworen, eine solche Reise nicht noch einmal zu machen, so hat mich diese Fahrt und dabei besonders Deine Abwesenheit und der permanente Zerfall des Wagens so sehr abgeschreckt, daß ich fast schon geneigt bin, die Afrika-Reise zu verschieben. Ich muß erst wieder zu einem Konzept finden.

Die Post heute in Shiraz weckte in mir wieder alte Erinnerungen. Damals hatten wir hier irgend so eine Adresse von Annettes Freunden in Teheran aufgesucht. Die Leute waren gräßlich penibel und deren überzüchtete Tochter fiel uns gar sehr auf den Wecker. Der Wagen hatte auch wieder einen Defekt, ich glaube es waren die Kolbenringe damals. Als der Wagen da gerade zur Reparatur war, sind Martin und ich hierher zur Post gewandert, um Briefe zu holen. Auf dem Rückweg konnte Martin es dann gar nicht erwarten, den Brief zu lesen und las im Gehen, wobei er immer ganz dicht meinem Schatten folgte. Einmal aber wich ich einem Pfahl aus und er nicht!

Damals ging ich in der Fahrt auf, diesmal nicht. Diesmal habe ich etwas Entscheidendes Zuhause gelassen. Ohne meine Schreibmaschine wäre ich hier total verloren gewesen. So habe ich meinen ganzen Eifer, meine Wut, Sehnsucht, Unausgefülltheit am Tagebuch abreagiert. Dieses Mammutskriptum umfaßt schon weit aber 100 eng beschriebene Seiten. Ich werde es den Leuten Zuhause in die Hand drücken, wenn sie auf die Idee kommen zu fragen: "Wie war es denn? Warum? Weshalb? Was habt ihr eigentlich erlebt?" Schade, daß Du die anderen Briefe nicht mehr bekommen hast. Wenn Du am 15.03. aus Cluj weggefahren bist, dann müßten dort noch einige Nachrichten von mir liegen. Ich werde Tante Ilona eine Karte schicken. Vielleicht sendet sie Dir dann meine Briefe nach.

Daß wir hier in Shiraz sind, ist für uns alle schon ein Grund zum Aufatmen, denn bei so mancher Panne wollte uns der Mut schon fliehen. Dazu sollte ich vielleicht einiges aber die Strecke sagen, die wir bisher gewählt haben. Ich nehme an, daß Du den Brief aus Isfahan noch erhalten hast. Von da aus ging es aber Nain -Yazd - Tabas - Ferdows - Gonabad nach Shahabad, wo wir eine Woche blieben. Das alles hatte sich noch gelohnt. Dann hatte man uns den "Floh von Chah Bahar" ins Ohr gesetzt und die Stationen von da ab lauten: Ghaen - Birdjand - Zahedan - Iranshahr - Barrrpur - Nikahahr - Chah Bahar - Bander-e-Jask - Bander Abbas - Darab - Fasa - Shiraz. Von Yazd an hatten wir im wesentlichen nur noch Piste, und zwar solche schlimmster Art, die so ziemlich alles an diesem Wagen zerschlug. So haben wir einige wilde Basteleien hinter uns uns, kennen jeden Teil des Wagens, was uns aber gar nicht recht befriedigt. Die Strecke von Chah Bahar bis Jask sind wir gar quer durchs Gelände gefahren. Das war eine wirklich sehr interessante Sache, die ich Dir schreiben wollte. Aber das ist nach diesem Brief, den ich ja eigentlich erwartet habe, völlig unwichtig geworden, wichtig ist jetzt nur noch, daß ich so schnell es unsere Schrottkiste zuläßt, nach hause komme, um zu retten, falls noch etwas zu retten ist.

Soweit für heute. Den Rest muß ich in einer anderen Stimmung schreiben, und, das wird dann wieder ein neuer Brief. Du kannst, falls Du das nicht als Zumutung betrachtest, ja mal nach Istanbul schreiben, damit ich weiß, ob ich überhaupt nach hause kommen soll der es besser ist, am Bosporus wieder umzukehren.

Grüß, mir auch Karin!

Dein HoWa


Ja, ja, der UlKa ! Er soll sich ruhig an der Schreibmaschine abreagieren. So etwas beruhigt unheimlich, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Vieles, was man nicht sagen kann, wenn man nicht einen großen Streit provozieren will, kann man dem wehrlosen Papier anvertrauen und später gesammelt vorlegen. JöJa hat ja bis jetzt noch gar kein Tagebuch gelesen und weiß noch gar nicht, welche Kritik darin für spätere Generationen aufgehoben wurde.

Ansonsten bin ich nicht ganz UlKa's Meinung. Fars im Frühling und vor allem Shiraz ist durchaus sehenswert. Ich könnte hier ab sofort 1/2 Jahr leben, ohne eine einzige Ruine zu sehen und mich dennoch nicht langweilen. Es gibt doch auch noch lebende Menschen! Da dies also ein Tagebuch ist, werde ich jetzt auch weiter den 23.03. beschreiben:

Das Lachen und Erzählen in den Nachbarzelten. Auch die Jugend des Ortes kam gern hierher, weil sich die Leute hier irgendwie viel freier fühlten. Auch wir fanden hier noch ein nettes Plätzchen, das auch im Hinblick auf bevorstehende Basteleien gut geeignet schien. 5 Min. nachdem der Wagen stand, war ich auch schon gewaschen und mit einem schicken Hemd bekleidet, das ich mir mal für 2,- DM im Stuka-Kleidershop in HH beim Totalausverkauf erstanden hatte. Unser Unimog ist ja ein auffälliges Fahrzeug, und so blieben wir auch nicht lange allein. Ein Lothar Albert Gerhardy (LoGe), der gerade seine, Frau in Indien hatte sitzen lassen, erkundigte sich geflissentlich nach unserer Daseinsberechtigung. Darauf konnten wir natürlich nur schlecht antworten, wollten wir uns nicht bis auf die Knochen blamieren. So fragten wir ihn lieber, ob er nicht, da uns seit geraumer Zeit schon unser 4. Mann abhanden gekommen war und der 3. Mann nun auch abspringen wollte, in die Bresche treten wollte - gegen Kostenbeteiligung natürlich. Gesagt getan, ein Man - ein Wort. Am selbigen Abend fuhren wir noch fort, und zwar zur Post, deren Restante-Abteilung an diesem Feiertage nämlich offen hatte. Ich hatte zwar wie auch die anderen Post, jedoch nur einen alten, dafür aber inhaltsschweren Brief von Re und von den Eltern gar nichts. Der eine Brief aber erinnerte mich wieder daran, daß Zuhause durchaus Aufgaben auf mich warten, während ich hier, jedenfalls in dieser Situation nichts mehr verloren habe! Während UlKa, JöJa und LoGe Ankunft in Shiraz feierten, legte ich mich früh zur Ruhe.

24.03. LoGe - Ein ruhiger Tag

Da JöJa seine Hand noch nicht recht bewegen konnte, aber doch bei der Rödelei nicht fehlen wollte, wurde der Rödeltag verschoben und der 24. zum Post- und Ausruhtag (natürlich auch Tagebuch) erkoren. Noch am Vormittag fuhren wir vier mit einem Peykan-Lasttaxi in die Stadt (2 Toman) - zum Touristoffice. JöJa hatte ja den Irak noch nicht recht aufgegeben. Mit dem Hinweis jedoch, daß die Grenzstreitigkeiten noch im vollen Gange seien und Visa erst, wenn überhaupt, aus Khoramshahr und nicht aus Shiraz besorgt werden könnten, zerschlug sich die Sache und man einigte sich auf eine bequeme Asphalt-Kaltwetter-Schnellheimfahrt über Teheran etc. Eine 3er-Mehrheit hatte Hunger und wollte etwas essen, ich aber hatte kein Geld für solche Späße. So trennten wir uns nach gemeinsamen Briefmarken und Postkartenkauf. Ich schlenderte durch den Bazar und einige kleine Gäßchen, wobei ich auch eine Kühlerwerkstatt ausmachte, zu Fuß zurück zum Campingplatz. Während der Rest der Mannschaft im Kaufrausch die staatlichen Handicraftshops unsicher machte, hatte ich so Ruhe, an einige Leute zu schreiben: Berlijns, Graham Warren, Pedro Chalmete, Karnail Singh, Tante Ilona, Peter & Ulla, Michael & Jürgen, Karin, Uli, Jürgen D. und Thomas Q. sowie an die Eltern. Ein Brief an Re war bereits weg. Der Tag klang damit aus, daß die wackeren Käufer heim ins Unimog-Reich kehrten, ihre persönlichen Stories zum Besten, der war in diesem Falle ich, gaben, und LoGe zum Einstand 4 Bier ausgab. Ein ruhiger Tag also.

So, erst einmal ein kleiner Nachtrag zum Basartag, der 4. oder so. Nachdem nämlich HoWa im Gewühl der Massen untergetaucht war, begaben wir, d. h. JöJa, LoGe und ich - UlKa - uns in eine Freßfabrik, d. h. wiederum in ein Lokal, wo schwere Männer versuchten, den In- und Output dieses kulinarischen Kebab-Monsters zu regeln. Das Essen war übrigens ausgezeichnet und sehr preiswert. Danach begaben wir uns in den Basar zum Schauen. Wir hatten aber leider das Pech, daß der Basar sehr heiß war und uns ein an sich typisch europäisches Touristenfieber übermannte. Es begann damit, daß ich bei einem bedruckten Kleid nicht widerstehen konnte und auch die passende Jacke dazu haben wollte, was mir zunächst aber nicht gelang. Dann schlug JöJa zu, ein Teller war sein Opfer im "Persian Handicraft Centre". Irgendwann einmal fliegt alles in die Luft.Zwischendurch besuchten wir die obligatorischen Moscheen, die mit den Spiegeln und nie fertig werden (!), und dann kaufte der LoGe noch ein Hemd und wir schlenderten weiter, und dann wollte einer ein Kleid kaufen, und um es billiger zu machen, haben wir dann gleich 4 gekauft, und dann blieben wir bei den Kelims stehen und ... da konnten wir den JöJa gerade noch an den Armen fassen und dem Basar mit seinen grinsenden Fratzen entkommen, aber nein, wir mußten an der Stelle vorbei, wo ich zum ersten Mal die Jacke in der Hand gehabt hatte, und sie mußte auch noch mit ! Nachdem wir nun jeden Händler persönlich kannten, machten wir uns bei einbrechender Dämmerung auf den Heimweg! Tja, so ein Basar hat's in sich. Nur wegen dem bin ich ja noch hier im Tagebuch zu lesen! So, und jetzt kommen die Kommentare für morgen:


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Firuzabad ist eine Gründung des ersten Sassanidischen Shahs: Ardashir dem I. Er stammte aus der parthischen Stadt Gur gleich in der Nähe. Und so ist es nicht verwunderlich, daß diese Stadt - sie wurde noch während der Regierungszeit des letzten parthischen Herrschers errichtet - auch ebenfalls den runden Grundriß hat wie diese. typisch ebenfalls die doppelte Umwallung. In der Mitte des Ortes erhebt sich ein noch nicht ganz bestimmter Turm, um den Feuertempel kann es sich dabei nicht handeln, da sich dieser ein Stück versetzt ebenfalls im Zentrum, der Stadt befindet. Die Stadt erhielt ihr Wasser aber ein Aquädukt, das beim 6 km entfernten Palast begann.

Dieser Palast ist ein langgestrecktes Rechteck, das in mehrere Teile klar gegliedert ist. Iwan konnte in die Gebäude nur von der Nordseite durch einen riesigen Ivan hinein, vor dem sich eine runde Quellfassung befindet. Der ganze Bau war von einem Garten umgeben. Die Fassade war durch rundbogig abgeschlossene Nischen verziert. Um die herausragenden Gewölbepartien hatte das Bauwerk ein Flachdach. Der Talpalast von FiruzabadDer Eingangsiwan führte auf eine kleine Tür zu. Links und rechts Öffnen sich jeweils zwei quer gestellte kleinere iwanartige Säle. In allen Räumen waren gleichmäßig Nischen angebracht. Innen schlossen sie rundbogig ab, aber die Verkleidung gleicht genau den Rahmen der Fenster und Türen in Persepolis, nämlich á la Ägypten, oben auseinander strebende Papyrusstauden. Man sähe sich hierzu eins der Pictures an! Also, durch die besagte Tür gelangt man in einen Kuppelsaal aber rechteckigem Grundriß, eine erst einmalig hier auftretende persische Erfindung. Rechts und links schließen sich der Symmetrie halber jeweils ein weiterer Kuppelsaal gleicher Größe und Machart an. Dieser erste Teil des Bauwerkes überragte den zweiten gleich an Ausdehnung etwa um die Hälfte in der Höhe. Die Ausdehnungsverhältnisse waren etwa Höhe 1 : Breite 3 : Länge 6 (1 : 3 : 6). Der zweite Hofteil intimer, inoffizieller gestaltet als der erste Repräsentationsteil, besteht aus einem großen Innenhof. Man gelangt durch eine Tür von dem Hauptkuppelsaal in ihn. Gegenüber befindet sich ein weiterer Iwan. Links und rechte wird der Hof durch Gewölbesäle gebildet, die die Wohnung darstellen. Durch ein Treppenhaus gelangte man auf das Dach. Ein großer Teil des Lebens spielte sich Stich in den Gärten, in den Iwanen und auf den Dächern ab. Man zog sich nur im Hochsommer in die dunklen Gewölbe zurück. Das Bauwerk hatte keine Fenster infolge der immensen Mauerstärke, sondern wurde nur durch den Hof und Scheitelöffnungen in den Kuppeln beleuchtet. Der Bau hatte trotz seines wehrhaften Ansehens keine fortifikatorische Bedeutung oder Funktion. Er steht als erstes bekanntes sassanidisches Bauwerk in einer nie wieder erreichten Geschlossenheit und Einheitlichkeit vor uns und zählt sicher zu den wichtigsten Monumenten im Iran.

16 km weiter liegt die Burg dieses Gebietes, ebenfalls in den Tagen Ardashirs des ersten gegründet, die Qala-e-Dokhtar. In der Literatur wird sie häufig als iranische Gralsburg bezeichnet, was in der Tat, vom Äußerlichen her, richtig ist. Auf einem steilen Bergrücken erheben sich ihre Mauern noch heute bis zu 30 m. Durch eine doppelte Toranlage gelangte man in den unteren Hof, durch ein weiteres Tor in den inneren Hof. Es ist eine Art umgekehrtes Modell Firuzabad, denn hier lagen die Unterkünfte. Auf einer weiteren Terrasse erhob sich dann ein riesiger Iwan, der in einer unheimlich großen Rundbastion ausläuft. Das ganze hat von oben den Umriß eines Schlüssellochs. In der riesigen Bastion befindet sich ein weiterer Kuppelsaal. Er hat ebenfalls einen rechteckigen Grundriß., darüber Konchen und dann eine Kuppel, die selbst die Kuppeln im Tatpalast weit übertrifft. Den Sassaniden ist hier auf Anhieb eine Bauform zu höchster Meisterschaft gleich bei der ersten Anwendung geglückt. Die Qala-e-Dokhtar hat dieselben Nischen wie der Talpalast, auch etwa die gleiche Anzahl Räume gleicher Funktion, so dass man annimmt, dieses Gebäude sei lediglich die Burg für den Talpalast gewesen. Andererseits ist die Qala durch die größere Abmessung der Repräsentationsräume und durch ihre Lage durchaus zum Herrschersitz prädestiniert, so dass Forscher annehmen, erst war die Qala da, und als Ardashir sein Reich erobert hatte und es recht friedlich war, sich den bequemeren Talpalast gebaut hat. Ich möchte mir aber hierüber kein Urteil erlauben. Auf jeden Fall sollte man diese drei Orte, die Keimstätte des Sassanidischen Reiches, besucht haben. Es wird zur Zeit überall restauriert, und ansonsten sind sie auch so sehr imposant und anschaulich, besonders eben monumentale Felsenschloß, die Qata-e-Dokhtar. Hingewiesen sei noch auf die vielen Reliefs in der Umgebung, sie zeigen unter anderem die Investitur Ardashirs durch Ahura Mazda. Sie sind sehr einprägsam und zeigen wie spezialisiert der Stil der Sassaniden von Anfang an war.

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Ich alter Zyniker habe jetzt endlich die 4. Strophe zum Unimoglied gefunden und die geht so ...

Tief im Dreck unterm Wagen Lieg’ ich beim Kühler vorn, Lustig die Kabel rauchen, Batterien schmor’n. Klappern tut das Getriebe, Ich weiß nicht, was wir schon verlor'n. Ach Gott, hilf, daß ich singen kann, Daß doch der Wagen endlich rollt!

So, das war mein letzter künstlerischer Erguß für heute. 26.03.

Nein Väterchen Franz, hör auf mit der Geschichte, Kunst ist doch Genuß! Nun gut, Väterchen Franz macht Schluß...

Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Wir müssen noch bis good old Germany kommen, koste es, wen es wolle. So laßt uns dem Götzen Uni unsere jungen Leben opfern, unsere Gesundheit und unseren Ruf für diesen Moloch aufs Spiel setzen und uns finanziell und moralisch ruinieren. Auf Brüder in die Scheiße, in den Dreck! Wir werden weiterreisen, bis alles in Scherben fällt, denn heute gehört uns der Unimog und morgen... Ja, wer weiß, ob wir morgen noch erleben werden!? ...


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Sarvistan liegt nur 5 km von der Straße, die Bander Abbas mit Shiraz verbindet, entfernt. Zu meinem Bedauern und zu meiner Entrüstung mußten wir aber mit einem laufenden, defekten Kahler daran vorbeifahren! Sarvistan ist ein kleiner Sassanidischer Palast aus der Zeit Bahram V. Er ist noch sehr gut erhalten und zahlt zu den wichtigsten Sassanidischen Palästen, weil in ihm alle wichtigen Bauformen und Ideen jener Zeit (5. bis 6. Jahrh.) vereinigt sind. Eine Vorhalle aus drei gewölbten Räumen fahrt auf den zentralen Kuppelsaal, der Linke außerdem durch einen Iwan zu erreichen ist. Um den typischen Innenhof gruppieren sich ein großer Iwan und zwei Längssäle, deren Gewölbe von Doppelsäulen getragen wurde, die ein Stück von der Wand entfernt stehen, so dass ein klein wenig ein basilikaler Charakter aufkommt. In der einen Ecke befindet sich ein weiter kleiner Kuppelsaal, dessen Gewölbe ebenfalls auf freistellenden Säulen ruht. Die ganze Anlage ist nach außen geöffnet, jeder Raum, bis auf die nach Norden liegenden hat ein oder mehrere Ausgänge in den Garten, eine für die Sassaniden und den Orient sonst ungewöhnliche Bauweise, wo ja sonst alles nach innen geschlossen ist. Auf jeden Fall ist der Palast sehr sehenswert, da sehr viel erhalten und restauriert ist. Meiner Meinung nach wird Sarvistan bald gleichberechtigt neben Persepolis und Taq-e-Bostan auf den INTO-INFOS stehen.

Da wir ja nun auch nicht nach Bishapur und Susa kommen, möchte ich gleich an dieser Stelle kundtun, was wir versäumen:

Bishapur ist eine Gründung Shapur I. Z.Z. wird die gesamte Stadtanlage von dem Franzosen Giraknan ausgegraben. Shapur hatte die Römer und Valerian besiegt, diesen nebst einigen tausend Legionären gefangen genommen, und verwendete nun diese Leute zur Neuanlage von Städten, was ja bekanntlich eine beliebte Tätigkeit orientalischer Potentaten ist. So wurden denn die Städte Nishapur, Gundeshapur und auch Bishapur von Kriegsgefangenen errichtet. Dies kann man sehr deutlich in Bishapur sehen. Die Straßen kreuzen sich rechtwinklig, es gibt sogar ein Denkmal im griechisch-römischen Stil, und es gibt viele Mosaiken, die in ihrer Machart rein westlichen Ursprungs sind. In Bishapur gibt es zwei Palastbauten, von denen der eine sehr gut ausgegraben ist. Ein Kuppelsaal ist zum Kreuz durch Nischen erweitert mit Nischen in römischer Manier, mit Mäandern etc. verziert. Nebenan liegt eine dreischiffige mit Mosaiken verkleidete Iwananlage, dahinter im Berganhang ein Feuertempel, interessant auch ein unterirdischer Kuppelsaal. Die ganze Stadtanlage mit hippodromischem Grundriß ist von einer mächtigen Mauer umgeben, deren riesige Rundbastionen seltsamer weise nur einen Abstand von 2 m haben. Die ganze Anlage schmiegt sich an einer Seite an einen steilen Berg, auf dem sich eine große Burg erhebt, an einer Seite an den Fluß heran. Rechtwinklig umgibt dann die Mauer die Stadt an den anderen beiden Seiten. Bishapur ist bereits jetzt in den Karten als Sehenswürdigkeit eingezeichnet. Da außerdem dort permanent gegraben wird, ist es besonders interessant. Man findet selten im Iran wieder eine so große Grabung, außer in Susa, wo eine ganze Stadtanlage mit Palast, Tempel und Burg und Stadtmauer freigelegt wird. Ein sehr großes Versäumnis, diesen Ort nicht zu besuchen, geradezu unverzeihlich, in Fars zu sein und dort auf dem Rückweg nicht entlang zu fahren!

Susa ist so immens groß, daß ich nicht weiß, wo anfangen und wo aufhören, deshalb schreibe ich auch hierüber nicht viel, man muß es einfach gesehen haben! Auch in Susa graben die Franzosen und dies schon seit Jahrzehnten. Ihr Grabungshaus erhebt sich gleich einer Burg aber dem Hügel. Susa ist übrigens der größte Tell Vorderasiens! Susa war schon im 8. Jahrh. ein chalkolithisches Lager. Darüber liegen immense Schichten der Bronzezeit, der elamischen Zeit, etc., an die nur noch keiner heran gekommen ist, da man die oberen Schichten der Achämeniden, Seleukiden und Sassaniden nicht einfach so wegschippen will und auch finanziell gar nicht kann. Susa war 3.000 Jahre lang eine der bedeutendsten Städte Vorderasiens. So eine richtige Weltstadt mit Konstanz! Sie war Hauptstadt der EIamer, Achämeniden und Sassaniden und verlor auch in den Zeiten, wo gerade mal kein Herrschergeschlecht in ihr residierte, ihre Bedeutung nicht. Auf dem Tell gibt es einen sehr schönen Achämidischen Apadana! Außerdem kamen in Susa sehr wichtige Einzelfunde ans Tageslicht. So hatten die Elamer z. B. auf einem ihrer siegreichen Kriegszüge aus Babyton die Gesetzesstele Hammurabis mitgehen lassen, die ansonsten für die Archäologie weg wäre, da das Babylon Hammurabis unter dem Grundwasserspiegel liegt und deshalb nicht mehr ausgrabbar ist. Dann kam z.B. eine Statue von Darius im ägyptischen Stil mit Hieroglyphen ans Tageslicht, die auch heute noch eine Kuriosität für die Archäologen darstellt. Ansonsten gibt es auf dem Hügel immens viel zu sehen und auch zu sammeln. Man sollte es als Reisender also nicht versäumen, sich Susa anzusehen.

Es gibt so vieles, was man sich ansehen sollte, z. B. Qasr-e-Shirin, einer der letzten persischen Palastbauten vor dem Arabersturm. Er erhebt sich auf einer riesigen Plattform á la Persepolis und weiter weg knapp zwei km erhebt sich ein weiterer Palast oder riesiger Feuertempel. Dann der Takht-e-Suleiman in Azerbaidjan, der den mittelalterlichen Chronisten als Vorlage für die Gralssage diente. In einer sehr gut erhaltenen Steinmauer liegen ein großer runder See, ein großer Palast mit Iwanen und Säulenhallen sowie einer der wichtigsten Feuertempel Irans, wo die Schriften Zarathustras aufbewahrt wurden. Es gibt so vieles! Leider können wir ja nicht durch den Irak, obwohl meine Liste kurz genug war mit Ur, Uruk, Babylon, Ktesiphon, Ninive und Assur. Ich hätte sie nur an sehenswerten und wichtigen Sachen verdreifachen können. Meine nächste Reise werde ich auf jeden Fall nur mit einem VW-Bus und archäologisch interessierten Leuten machen., und dann nur von Grabung zu Fundort tigern, denn Reisen wie diese bringen nichts.

 --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) --- KOMMENTAR (UlKa) ---


Auf jeden Fall folgen in diesem Manuskript noch die Kommentare über Persepolis, Naqsh-e-Rustam, Istakhr, Pasergadae, Firuzabad, den Palast und die Qals-e-Dokhtar, da ich durchgesetzt habe, diese Sachen, wenn schon nicht mit dem Unimog, dann doch wenigstens mit einem Leihwagen zu besuchen. Diese Sachen muß (!) man gesehen haben, wenn man in Fars ist, sonst braucht man hierher nicht zu fahren. Ich weiß sowieso nicht, was ich meinen Archäologen erzählen soll! Der Preis für das, was ich bis jetzt gesehen habe, war einfach zu hoch! Wenigstens hatte JöJa etwas von dieser Reise. Dafür daß er sein Projekt in der Tasche hat, war er aber ja leider sehr krank und HoWa ist ja sowieso so ohne Motivation außer Tagebuch schreiben mitgefahren, so dass ich der wirklich Leidtragende und Benachteiligte dieser Reise bin. Aber der Rest inklusive Museum Teheran und Hattusas wird durchgepaukt!

Ach ja, warum ich immer noch mitfahre: Ich habe einfach nicht das Geld, um doch noch länger hierzubleiben. Ich täte es gerne, um doch noch etwas zu sehen, aber ich mußte dann noch länger arbeiten, um mein Defizit auszugleichen Wir sind ja jetzt wieder zu viert, da wird der Sprit billiger werden, mit dem Wagen an sich habe ich ja nichts zu tun und außerdem habe ich Schulden bei JöJa. Im Moment sitze ich im Wagen in strömendem Getrippel, das durchs Dach tropft - ich habe die Schnauze voll. Immer wenn JöJa den Pott wegnimmt, werde ich unfreiwillig gebadet. Es pißt durch alle Löcher des Wagens, eine einzige Überschwemmung, der Wagen ist total ruiniert.

25.03. Big Rödels großer Tag - Großer Rödeltag

JöJa’s Pranken waren einigermaßen wiederhergestellt, und so war es eine Lust, ihn knallhart zuschlagen zu sehen. Dennoch die Getriebehalterung war ja eigentlich mehr mein Gebiet, und so teilten wir uns Freud und Leid und die saftigen Flüche unterm Wagen. Die Getriebehalterung war in der Mitte einmal gerissen und mußte geschweißt werden. Ein Schweißgerät aber fehlte uns noch in unserer Ausrüstung. So klemmte sich JöJa die Getriebehalterung und ich mir den defekten Kühler, den geküßten, unter den Arm und hielten den nächsten Gemüsekleintransport in die Stadt an. Die Jungs hier sind an solche Flickarbeiten schon gewöhnt und gingen mit einiger Routine an die Arbeit. Nun ist Shiraz auch immerhin eine große Stadt, und ihre Handwerker sind berühmt für ihre Fingerfertigkeit. Schweißen 7,5 Toman, Kühler 8 Toman, einige Schrauben 5 Toman und 2 Pötte Kühlerdichtungsmasse 30 Toman. Während ich noch auf LoGe wartete, setzte sich JöJa zum Mercedes-Hauptladen ab, auf der Suche nach einem geeigneten Windflügel. Dabei sind wir doch gut aus den heißen Gebieten herausgekommen. Was soll denn jetzt noch ein neuer Windflügel, der hier sicherlich sauteuer, in Deutschland aber kostenlos zu haben wäre. Nun, JöJa will immer alles ganz genau machen und braucht dafür auch immer die entsprechende Zeit, dennoch schießt er manchmal die größten Böcke. Als LoGe kam, schickte ich ihn JöJa nach, weil dieser ohne Geld losgefahren war. Ich ließ mich für 2 Toman mit einem Scooter direkt vor Zelt und Wagen fahren. Das ist hier noch Service! War der Ausbau der Getriebehalterung noch relativ leicht gewesen, so war der Einbau schon ein kleines Kunststück, weil sich jetzt ja nicht mehr in zwei Teile zerfiel. JöJa und LoGe kamen nacheinander an. Sie hatten sich verfehlt. JöJa hatte sich in einen Windflügel verliebt, der zwar nicht der Richtige war, aber mit viel Mühe hätte passend gemacht werden können. So fuhren die beiden gegen Abend nochmals in die Stadt. Nach einem solch anstrengenden Tag gingen wir früh ins Bett.

26.03. Germano-Iranische Verbrüderungen

Die Tage zerrinnen einem hier unter den Fingern. Der Moloch Wagen verschlingt alles ohne Unterschied. Wollte ich mir 'mal ein paar Tage lang Shiraz ansehen, so war ich nun an den Campingplatz gefesselt, denn zu Basteln gab es immer genug und wird es auch immer genug geben. Nach der Art sind auch die Erzählungen von JöJa über die letzten Reisen: "Also hier in Teheran auf dem Campingplatz haben wir gut rödeln können. Neben diesem Haus habe ich damals beim Borgward den Vergaser gereinigt. In Isfahan bin ich mit dem Borgwardgetriebe "auf dem Ast" herum gerannt. Und da haben wir doch tatsächlich in einer Saharaoase eine Einspritzpumpe für unseren Hanomag gefunden..."

Heute sind wieder alle bis auf mich ausgeflogen. UlKa will sich einen Wagen mieten, weil es der brüchige Unimog ja nicht mehr bis nach Firuzabad schafft. JöJa will seine Jagd auf Landkarten jetzt auch auf den Uni ausdehnen, und LoGe ist ja immer froh, wenn er in die Stadt kann. So lag ich denn allein unterm Wagen und sah in meinem Panzerkombi wie ein Bastel-Profi aus. Jedenfalls wurde wurde ich bald unter dem Wagen wegengagiert. Die leicht pferdeartig aussehende Frau von dem Frankfurter VW-Bus bat mich, meine Kenntnisse zur Verfügung zu stellen. Der Käfer eines Persers wollte nicht recht anspringen. Der Motor gab beim Anlassen keinen Funken und am Zündverteiler war ein Kabel lose. Klarer Fall. Der VW-Motor birgt für mich kaum noch Geheimnisse. Groß war die Freude bei den Leuten, die vorher 1/2 Std. wie die Blöden angelassen und geschoben hatten, als der Wagen nach einigen Minuten wieder fröhlich tuckerte. Zum Dank lud man mich zu einem Abguscht-Essen ein. Die Leute, deren Wagen ich repariert hatte, waren wie die meisten hier auf dem Platze aus Teheran und über die Nouruz-Feiertage zu einer befreundeten Familie in den Urlaub gefahren. Und zu dieser Familie ging es nun zum Essen. Die beiden Frankfurter wollten nicht mit, weil ihnen der persische "Hottentottenfraß" nicht zusagte. So war ich denn alleine. Das war aber gar nicht so schlecht, denn ich konnte mich ja mit den Leuten unterhalten, und dann wird es nicht langweilig. Das war es ja, was ich immer wollte, in eine persische Familie hineinkommen. So sehr häufig kommt das gar nicht vor. Es wurde ein sehr großes Essen mit 4 Gängen. Zwei davon verschiedene Abguscht, Reis auf besondere Weise zubereitet und Chelo-Kebab, dazu allerlei Beilagen. Man aß, wie sich das im Iran eigentlich gehört, auf dem Teppich. So hatte man auch keine Sorge, die vielen Leute unterzubringen. Es wurde einfach ein Tischtuch mehr ausgebreitet. Vor und nach dem Essen saß der jüngere Teil der Familien um mich herum. Es hob das übliche Gespräch an. Wer ich bin, woher, verheiratet, nein noch nicht, ach so, in zwei Monaten erst. Ach und das Bild von der Braut, schöne lange blonde Haare, na ja, Kinder haste dann ja auch noch nicht. Wie wäre es denn mit einer Frau in Deutschland und einer im Iran? Es gibt sehr hübsche Mädchen hier in Shiraz! Nun, das wußte ich wohl. Aber die Teheraner Girls sind auch nicht so ohne, wie ich noch sehen sollte. Dann ackerte man mit mir, allen voran die 14jährige Tochter des Hauses, das persische Alphabet an Hand von Beispielen durch. Adressen austauschen, die obligatorischen drei Tee, dann fuhr man satt gegessen und zufrieden wieder zum Campingplatz. Solche Unterbrechungen der Arbeit lobe ich mir, von der Sorte könnten ruhig noch mehr kommen. Kamen auch. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, daß die Restmeute zurückgekommen und vor verschlossenem Unimog gestanden haben könnte. Das hätte zur Abwechslung mal wieder Ärger gegeben. Sie waren aber selber eben erst gekommen und lagen mit den lustlosen Frankfurtern am Swimmingpool.

Kaum lagen wir wieder pflichtgemäß tief im Dreck unterm Wagen, da nahte auch schon die nächste Unterbrechung. Zwei kesse Teheraner Urlaubsmädchen traten furchtlos auf uns zu und fotografierten uns einfach in Arbeitspose. Na so etwas! Das war mir auch noch nicht passiert. Jedenfalls nicht im Iran. JöJa war im Arbeitsrausch, so beschloß ich, der Sache auf den Grund zu gehen. Das heißt eigentlich ist es wohl nicht ganz richtig, die beiden Süßen als Sache zu bezeichnen. Die eine hieß Fairuze (16), die andere nicht ganz so hübsche Sudabe. Sie waren beide aus Teheran, bzw. einem vornehmen Vorort desselben.

HoWa ist gerade hier in Persepolis einen Tee trinken gegangen, und da die Meute noch nicht komplett ist, werde ich erst einmal aber diesen Ort einige Bemerkungen machen. Leider kommen jetzt zwei Leute, die auch mit nach Hause wollen, und deshalb kommt der Kommentar später. ! Nix Kommentar UlKa - nix Kommentar UlKa - nix...

Stimmt ja gar nicht! Es war kein Tee sondern Wodka, mit dem man mich voll gepumpt hat. Ja ja, die Perser, vor allem, wenn in Urlaubsstimmung, sind schon ein lustiges Völkchen. Ein Mittagessen habe ich so, durch einen Gang durch den Picknick-Wald auch gespart. Doch darüber erst 2 Tage später

  • Deutsch-Indische Gesellschaft, Stuttgart 1, Charlottenplatz, Leiter: Dr. Klein, gibt die Zeitschrift "Indu-Asia" heraus..
  • Buch über Subhash Chandra Bose "Tiger Indiens"., Kohlhammer Verlag Tübingen.

Das soll hier nur fest gehalten werden, damit ich es nicht vergesse. Zur Erläuterung: LoGe’s Freundin schreibt gerade in Indien, in Kanpur, ihre Doktorarbeit und wohnt bei einer I.N.A.-Familie.

Doch nun weiter zu unseren beiden Pfirsichblüten. man merkte, daß es mit dem Foto noch nicht getan war, sondern dies eher als Aufhänger betrachtet werden Sollte. Nachdem ich dann mit JöJa's Apparat auch noch einige Bilder von ihnen geschossen hatte (was wird wohl dessen Ha dazu sagen, wenn er so viele Bilder von ausgewählten persischen Schönheiten mit nach Hause bringt?), hob das übliche Gespräch an, mit Familienstand etc., bei dem ich etwas gemogelt habe. Und dann war es an der Zeit, sie zum Tee einzuladen. Die Zwischenzeit überbrückte UlKa mit mehr oder weniger geglücktem Gitarrengeklimper, was auch noch einen Haufen anderer Perser anlockte. LoGo - jovialEs waren auch Studenten, und zwar wollten sie einen auf Ingenieur machen. Sie hatten sich, sicherlich nicht aus schlechtem Hause, einen Peykan zusammengespart und boten sich an, JöJa lag noch unterm Wagen, uns in unserem Problem zu helfen. Na, das traf sich aber gut. Der Windflügel mußte ohnehin noch umgebaut werden. Die Löcher für die Schrauben paßten nicht, und es mußte noch eine Kappe zum Schutz des Wasserpumpenlagers geschaffen werden. Außerdem wollte UlKa seinen Peykan abholen. Listigerweise schoben wir so zwei unserer Leute, UlKa und LoGe, samt den vier Teheranern nach Shiraz ab, baten unsere zugeflogenen Tauben in den Wagen und leisteten uns einen gemütlichen Tee. Oder war es doch ein Kaffee? Was wäre ich hier bloß ohne meine Farsi-Kenntnisse? Sie reichen zwar weder vor noch zurück, dennoch habe ich ihnen viel zu verdanken. Ich kann mich mittels ihrer immerhin schon anbiedern und die anderen in die Pfanne hauen, was ich natürlich nie tat. Fairouze und Sudabe verabschiedeten sich bald, um etwas später prächtig umgezogen wieder zu erscheinen. Sie waren hier alleine oder nur mit ihrer Schwester auf dem Platze. Die Eltern waren für zwei Tage weiter nach Bushir gefahren. Adressenaustausch war wieder mehr Pflicht denn Kür, aber die Bilder sollte ich doch nur an Sudabe schicken und möglichst nicht an Fairouze. Man versteht ja, die Eltern, wo sie doch erst 16 war. Sie sah übrigens älter aus. Briefe aber sollte ich doch gleich massenweise schreiben, und zwar gleich, wenn ich zu hause ankomme. Also in 3 Wochen spätestens solle doch gefälligst ein Brief auf ihrem Nachtschränkchen liegen. Na, das sind ja schon Töne! Inzwischen kamen dann die Leute von der Windflügeltour zurück. Mich begeisterte der neue Windflügel ja noch immer nicht. Nun ja, 17 Toman waren für die Anschaffung draufgegangen und noch Etliches für die Änderung. So mußte die Sache also durchgestanden werden. Allerdings nicht von mir. Das überließ ich doch lieber JöJa. Kurz vor Abendbrot verließen uns diese Blumen des persischen Frühlings, um nach dem Abendbrot in anderer Besetzung wieder zu erscheinen. An Fairouzes Stelle kam diesmal eine Prachtfrau namens Rouschanak mit. Ihr Anblick war in der Tat rouschan (hell, leuchtend), und sie schien sich ihres Marktwertes auch voll bewußt gewesen zu sein. Rouschanak zählte stolze 20 Lenze, hatte noch 1 Jahr High School zu besuchen und wollte dann für einige Zeit zum Sprachtraining nach London, ohne einen Besuch in Hamburg versprechen zu können. Sie musterte mich auffallend unauffällig und das oft. Sie mußte irgendwo in einem Prüfungsausschuß sitzen, so schien es jedenfalls. Na, ob ich wohl durchgefallen war? Immerhin schenkte sie mir von Zeit zu Zeit ein gnädiges Lächeln. Sudabe verscherzte sich derweil alle Sympathien bei JöJa durch permanenten Zigarettenklau. Nach kurzer Beratung der Frauen unter sich versprach man, daß Sudabe und Fairouze noch einmal vorbeikommen durften. Darauf entschwebten sie im Glanze ihrer Schönheit. Die Stunden verrannen, und als sich um 11 immer noch nichts tat, ging ich zu Bett, die anderen noch auf einen Wodka in den Golestan Store. Obwohl ich mir vorgenommen hatte, recht müde zu sein, konnte ich nicht recht einschlafen, 188 und das war ganz gut so, denn nach einiger Zeit hörte ich draußen sanfte Schritte. Zarte Stimmen wisperten meinen Namen: "Horst, Mr. Horst!" Also doch noch, und ich lag noch im Bette! Morgen sollte es wieder nach Teheran zurück gehen und für uns in aller Frühe nach Firuzabad.

Die Stunde des Abschieds war also gekommen. Ja, ich werde auch bestimmt schreiben und vergessen, nein, bei Gott, vergessen werde ich Dich nie! Die gute Fairouze hatte sich ein hübsches, eng anliegendes Sommerkleid mit tiefem Ausschnitt angelegt, das die Konturen ihres schlanken Körpers gut betonte. "Bevor ich scheide von Dir, nimm diesen Ring von mir!" sprach sie und steckte mir diesen auch gleich auf den Finger, den Kleinen. Während wir langsam in den Schatten des Unimogs traten, blieb Sudabe noch etwas zurück ...

27.03. Großer Peykan-Besichtigungstag

Nicht, daß wir den Peykan besichtigt hätten, jedoch mit ihm. Jetzt waren wir also endlich salonfähig - richtige Perser. Aufstand um 6 Uhr, Frühstück und ab, in dem schnuckligen Peykan gen Firuzabad und zur Qala-e-Dokhtar. Die beiden Sachen hat UlKa ja schon genug mit geistigen Ergüssen bedacht. Deshalb kann ich eigentlich nicht mehr viel sagen. Der Weg dorthin war übrigens besser als vermutet. Nur, als wir zum Sassanidischen Talpalast wollten und eine Furt nach Unimogmanier angingen, versackte der Wagen hoffnungslos in den Fluten - Wasser im Vergaser. Aber so ein Peykan ist ja eine einfache Sache: 1. Gang rein, anlassen, schieben, ein wenig durchnudeln lassen und weiter. Der Talpalast? Sicher, recht imposant, aber schludrig gebaut haben diese Sassaniden doch. Nur eines hatten sie, eine wunderbare Quelle, mit glasklarem Wasser und Fischen darin. Klar, hier konnte es der alte Sassanide aushalten. Schade, daß die Archäologen immer nur die Steine ausgraben, nicht aber den Wein, Weib und Gesang und all das Leben, das hier mal geherrscht haben muß. Die Wächter hier haben alle etwas gegen Fotos, lassen sich aber überlisten. Wenn man sie selber aufnimmt, ist der Fotoapparat plötzlich auch nicht mehr Sünde. Ein alter Turm, der da phallushaft in der Gegend herumstand, gehörte ebenfalls noch mit zur Besichtigungstour, d.h. zu sehen gab es eigentlich nicht viel, und so wußten wir mit dem Ding nichts recht anzufangen. Hinaufsteigen konnte man nicht, er ging auch auf kein Foto, dazu war er zu lang und zu dünn. Das einzig, Bemerkenswerte war eine Fuhre von 7 Perserinnen, die nebst gemietetem Fahrer in einem Willys Jeep Platz gefunden hatten. Vom Feuertempel war da nicht so viel übrig. Er war aber dennoch interessanter, weil man von ihm wenigstens handgreiflich Besitz ergreifen konnte. Und er hatte auch so schöne große Blöcke, auf denen man in der Sonne sitzen konnte. Gefahren ist diese Zeit über unser Neuling LoGe, der sich am Lenkrad recht gut machte. Mit ihm am Lenkrad und dem dazugehörigen Wagen wurden wir glatt für Perser gehalten. Schade, daß mein Farsi noch nicht so flüssig ist. Ich hätte mir in der Rolle als Perser ganz gut gefallen. Dann noch die Qala-e-Dokhtar. Das ist nun wirklich ein nettes Gebäude - bzw. gewesen. Da oben im Adlerhorst zu wohnen und bei einer schönen Flasche Wein mit einem Mädchen unter Bäumen sitzen und dann nach unten sehen und die Leute betrachten, das muß schon etwas Schönes gewesen sein. Allerdings An- und Abmarsch, sofern nicht in einer Sänfte, müssen recht beschwerlich gewesen sein. Nun, eine Sänfte konnten wir uns auch nicht leisten. Im Übrigen konnten wir hier in der Gegend auch keinen Verleih ausmachen. Und was nützt eigentlich eine Sänfte, wenn man sie selber tragen muß. Wenigstens mußten wir uns nicht alleine plagen. Auch der Deutschlektor der Teheraner Uni, vorgestellt hat er sich nicht, war mit von der Partie. Er gab uns auch zwei heiße Tips:

  1. "Persia", An Archeological Guide, Sylvia A. Matheson. Zu kaufen in der Buchhandlung Bak Faber, gegenüber Dt. Schule, Golhak, Khiaban-e-Yakhtshak.
  2. Der beste Reiseführer des Iran soll entgegen anders lautenden aber irrigen Meinungen folgender sein: Roger Stevens, "The Land of the great Sophy',' Methuen Verlag, London. Im Iran Raubdruck kaufen (ca. 25 Toman).

Viel war nicht mehr an diesem Tage. Nebenbei kann ich nur wieder auf die "wissenschaftlichen" Kommentare unseres UlKa verweisen. Für das Tagebuch aber war es dennoch ein großer Tag. Während man JöJa und mich schon abgesetzt hatte, fuhren UlKa und LoGe noch in die Stadt und kauften ein neues Farbband, Papier, Kohlepapier und Durchschlagseiten ein. Der aufmerksame Leser wird vielleicht schon den Punkt entdeckt haben, an dem die Schrift wieder rein und klar wurde. Großes Abendbrot, früh zu Bett!

Horst Walther, Hamburg,