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14.02."Zimmermann-Dollars" oder "The Ankara-Blues"

Endlich sind wir bis zu diesem Datum vorgedrungen. Der Tag begann für uns, das sind im Zweifelsfalle immer oder auch nicht, jedenfalls diesmal und auch sonst, UlKa und ich. Der Tag also begann für uns in aller Herrgottsfrühe noch fast vor dem Wecken, auf jeden Fall aber vor dem Aufstand! Eine schöne Paßfahrt und die ganze übrige Reise von da ab bis Ankara und auch die Einfahrt in besagte türkische Landeshauptstadt durften wir meistern. Die Suche nach dem archäologischen Museum, an die wir unverzüglich gingen, gestaltete sich nicht ganz einfach, denn der gute UlKa wußte lediglich, dass Schippi, sein Prof., gesagt hätte, das Museum läge auf einem Berge. So wählten wir uns denn, als sowohl Ankara als auch alle Mitfahrer in hinteren Kabuff noch in tiefem seligen Schlummer lagen, den ersten besten Hügel linker Hand aus und versuchten ihm beizukommen. Das war aber so leicht nicht. Die Straßen, die zur vermeintlichen Hügelspitze führten, wurden zusehends kleiner, während unser Wagen seine Größe beibehielt. So wurden wir denn bald zu einem heiklen Wendemanöver gezwungen. Der Fußgänger ist doch noch immer das geländegängigste Fahrzeug. So haben wir das Museum auf Schusters Rappen in seinem Versteck aufgestöbert. Wie bekannt, war WoZi's liebstes Haus das Krankenhaus, wohin er auch mit Blau - nein ... äh ...- Licht gefahren wurde. Die Mannschaft, die das "Muze" besuchte, bestand also aus UlKa, Hugh, Pierre, mir und dem Osterinsulaner. Doch nun wieder der Fachidiot.


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Also man entschuldige erst einmal die vielen Tippfehler, aber wir befinden uns zur Zeit. Auf Piste zwischen Nain und Yasd. Also, nachdem wir nun das Museum mit Müh und Not gefunden hatten, ich kannte nur die Frontansicht von einem Foto aus dem Seminar, machte ich mich nun mit dieser internationalen Horde in jene heilige Hallen auf. Wie üblich kamen wir dank meinerseits umsonst hinein, wir geben dafür lieber an die Angestellten Bakschisch, und ich sah mich dem Problem gegenüber gleichzeitig in Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch, eine an sich schon für Laien schwierige Materie meinem Volke klarzumachen. Hierbei kam mir aber das Museum durch seine hervorragende Ausgestaltung entgegen. Das Material war knapp aber übersichtlich und anschaulich geordnet.

Catal Hüyük und Alisar fielen mir noch verhältnismäßig leicht. Die ersten Schwierigkeiten tauchten beim Begriff des Chalkolithikums auf. Es war mir beinahe unmöglich, in vier Sprachen einleuchtend darzulegen, dass sich "neuerdings" zwischen Steinzeit und Bronzezeit noch so eine Art Übergangszeit befindet. Großes Interesse auch von Seiten unserer Hippies fanden die Briefe und Siegel aus dem Karun von Kanish-Kültepe. Urartu und die Hethiter waren schon in Andeutungen in den Hirnen meiner Begleitung vorhanden, so dass ich nur mit Einzelheiten den Überblick vertiefen brauchte. Die hellenistischen Funde und die Phryger empfingen infolge fortschreitender Ermüdung weniger Beachtung, nur das schimmernde Gold der Hortfunde ließ sie nochmals Augen und Bewußtsein weit aufreißen. Ich persönlich muß dazu sagen, dass ich seit langem kein so schönes und interessantes Museum besucht habe. Auch die Räumlichkeiten waren äußerst passend gewählt. Auf jeden Fall ist das Museum einen Besuch wert, und jeder, der sich einen Überblick über die Geschichte der Türkei verschaffen will, sollte sich dort informieren. Wie gut es ist, zeigt meiner Meinung nach das Interesse unserer Mitfahrer, die sich ansonsten ziemlich uninteressiert gezeigt hatten. Gesamturteil: Prädikat besonders wertvoll!!!!!

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Nun war der Sachverhalt aber der, dass JöJa und WoZi uns so gegen 1 Uhr vom "Muze" abholen wollten. So hatten wir noch etwas Zeit, uns in den umliegenden Basaren zu ergehen. Die drei Greenhörner waren nicht dabei. UlKa und ich erstanden nach, wie sich hinterher herausstellte, miserablem Handeln jeder ein Türk-Tee-Schwingtablett, Ersterer dazu noch Gläser, Untersetzer und Spoons. Wir hatten aber noch viel mehr zeit, als uns lieb war. Die beiden Krankenhaustraveller schienen uns glatt vergessen zu haben. So beschlossen wir denn, auf die Zitadelle zu tigern, aus purem Jux gepaart mit Tollerei. Hier, und das soll noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden, vollbrachten wir eine gute Tat. Hoch oben auf Zitadellen fließt bekanntlich kein Wasser. Das müssen sich die Leute, und zwar die Frauen und Kinder schon selber holen. Türkenfamilien gehen schon recht sparsam mit Wasser um. Dennoch ist es eine beträchtliche Leistung, dass köstliche Naß für einen Tag den steilen Bergpfad hinan zu tragen. Da muß man schon öfter mal eine Pause machen. So finden die Frauen und Mädchen auch genug Zeit für ein kleines oder größeres Schwätzchen. Da standen sie nun also und animierten uns ganz schamlos, ihnen beim Tragen zu helfen. Es ist ja bekannt, dass ich nie nein sagen kann. So mußten wir denn die Bürde auf uns nehmen und türkisches Wasser hügelan stemmen. Da hieß es, die Zähne zusammenbeißen und zeigen, was ein deutscher Mann wert ist. Nur nicht schlapp machen. Das war natürlich die Sensation, und das Hallo war groß, als wir endlich oben ankamen. Da mußten Fotos gemacht werden und Adressen wurden ausgetauscht. In die Burg selber, die jungtürkisch, pardon - türkisch und jungen Alters war, etwas Byzantinisches kann auch dabei gewesen sein, also in die Burg selber kamen wir nicht hinein.

Während sich die beiden also im Krankenhaus vergnügten, ließen sie uns bis lange über die Zeit warten. Nein, fürwahr, das steht einem ehemaligen Bundeswehrsoldaten mit Befehlsgewalt, seinen genauen Dienstgrad vergesse ich immer wieder, nicht gut an. Nun, zwei so großen Geistern wie uns fiel das Warten nicht besonders schwer. Jeder erzählte aus seinem Leben, von Ehemaligen, Verflossenen und Rezenten. Doch dann kamen sie schließlich in Begleitung von JöJa's türkischen Bekannten. JöJa hatte die Ehre, uns zu eröffnen, dass wir dort essen und schlafen könnten, worauf sich Widerspruch wegen des Zeitplanes erhob. Die Diskussion ging recht undiszipliniert hin und her, und ich hatte den Eindruck, dass wir keinen guten solchen ersten auf unsere zukünftigen Gastgeber machten. Es bahnte sich jedenfalls schon ein zünftiges Gewitter an, worauf uns WoZi seine, ich weiß nicht genau wie schwere Krankheit, unter die Nase hielt und endgültige Rücktrittsabsichten äußerte. Ich muß gestehen, dass ich ihn darin bestärkte, denn jetzt war die Gelegenheit noch günstig, und die weitere Fahrt würde er ohnehin nicht überstehen. Für JöJa war das ein harter Schlag, und er versuchte noch das Unabwendbare zu verhindern, mit Rücksicht auf Dr. Scho., die Leute etc. JöJa hatte auch noch andere Flausen im Kopf. Er hatte den Irak noch nicht ganz aufgegeben und steuerte denn auch prompt die Botschaften von SYR & IRQ an. Das regte bei mir und UlKa heftigsten Widerspruch hervor, weil nach unserer Meinung ein Visum, wenn Oberhaupt, nur unter beträchtlichem Zeitaufwand zu bekommen wäre, und in Ankara wollten wir, wenn möglich, nicht einmal eine Nacht bleiben, schon mit Rücksicht auf unsere zahlenden Gäste. Wir waren entschlossen, unsere Meinung durchzudrücken und jede Routenänderung, die nicht auch Aussicht auf Erfolg hätte, zu unterbinden. Notfalls wollten UlKa und ich allein weiter in den Iran fahren. In dieser Stimmung erreichten wir die Wohnung von Aycel und ihrem abwesenden Mann.


UlKa's Nachtrag ...

Der HoWa hat was vergessen. Er hat vergessen, die imposante Mauer der Altstadt mit ihren dreieckigen Bastionen, dem engen Durchgang, den wir mühselig mit unseren Kanistern erklommen und die Kinder, die auf Kugellager-Schlitten die Steile der Altstadt herunter schossen zu beschreiben! Von der Höhe der inneren Befestigung, es waren insgesamt drei, hatte man einen nebligen Ausblick über die Slums von Ankara. Die Gastarbeiter mit ihren deutschen oder türkischen wagen waren die absoluten Kings, wenn sie Wasser holen zum Brunnen fuhren. Wir saßen lange Zeit vor dem Müzesi und unterhielten uns über die Gegend, die Leute und Über den weiteren Verlauf unserer Reise. Auf den warmen Steinen nahm auch mein Jähzorn und meine Wut ihren Anfang, die zu der Entwicklung am Abend führten.


Den Freunden, also unseren türkischen Gastgebern ohne eigenes Zutun, schienen wir zwar nicht gerade lästig, aber auch nicht besonders passend. Wir waren wie Kamele, die sich vom Brunnen ins Intercontinental verirrt hatten. Es war nicht so sehr luxuriös, als vielmehr meinten die Leutchen, es besonders europäisch-fein-bürgerlich haben zu müssen. So der Stil der 60er Jahre mit abstrakten Tapeten, glatten Pastellfarben, Nierenformen usw. Alles war steril, sauber und strahlte Operationssaalatmosphäre aus. Als wir dieses friedliche Anwesen überfielen, es handelte sich um eine Mietwohnung im 5. Stock eines Betonklotzes nicht weit vom Zentrum Ankaras, tagte gerade ein Damenclub zwecks Klatsch und Kartenspiel. Das brachte vor allem WoZi und JöJa arg in Verlegenheit, wo sie doch so schmutzig aussahen. Nach dem Duschen waren wir aber alle wieder schmuck und adrett, wir drei. Mit den Fremden hatten wir vereinbart, so gegen 7 - 8 Uhr am Bahnhof zusammenzutreffen. Und UlKa, ja, der ist, als wir vor dem Haus halt machten, wutentbrannt aus dem Geländegefährt gesprungen und ward nie mehr gesehen. Was er tat, warum und wie, das soll er wohl lieber selbst erklären ...

In dem Hause wehte ein recht zwanghafter Wind, wie die Wohnung schon vorher verriet. Z. B. wurde zu unserer Unterhaltung ein Mann abgestellt, der kein Wort Deutsch sprach und uns nur sehr beklemmt ansah. Mit meinen wenigen türkischen Vokabeln konnte ich mich wenigstens über die ersten 10 Min. retten, dann konnte ich die Bilder von der letzten Reise zeigen - wieder 15 Min. Den anderen ging es da nicht so gut. Sie konnten praktisch nichts beisteuern. Na ja, auch das ging vorüber und aller Besuch verzog sich nach einiger Zeit. Bevor jedoch das Essen aufgetragen wurde, mußte ich noch unsere armen Mifa's (Mitfahrer) vom Bahnhof holen. Die Ärmsten durften von unserem bevorstehenden Mahl gerade hören. UlKa hatte ihnen unterwegs schonend beigebracht, dass wir, um WoZi abzuwimmeln, noch eine Nacht bleiben müßten. Das sahen diese natürlich voll ein. Eben war also wieder von UlKa die Rede, der jetzt persönlich sein inzwischen erlebtes Abenteuer darlegt:


Na ja, der HoWa ist mal wieder einfach zu lazy! Er hat, anstatt zu tippen, lauthals im Wagen rumgegrölt und Zoten erzählt. Nun ich kann an dieser Stelle nicht viel dazu beitragen, denn, als wir vor dem Haus der Türken ankamen, war ich kurz vor dem Siedepunkt und habe mich, um die Leute und JöJa nicht zu schockieren, ganz stickumleise verzogen. Erst habe ich einen längeren - Scheißpiste! - Spaziergang getätigt, und bin schließlich in einer Teestube gelandet, in der man dem Spiel huldigte. Gleich den Germanen in mir erkennend, bat mich ein ehemaliger Gastarbeiter an seinen Tisch, gab mir Tee aus und vergaß auch nicht, mich zu ihm einzuladen. Ich sah dem Spiel - o.k. - eine Zeitlang zu, ließ mich dann einweisen und rollte dann die Türken, als einer ausstieg, zu ihrem eigenen Erstaunen ab. Goottt sai Dhang (mein türkischer Freund) spielten sie um Geld und ich konnte nach mehreren Spielen den stolzen Gewinn von 10 Lira verzeichnen, die ich natürlich, sozialbewußt, in die Kasse einbrachte. So kam ich denn froh gelaunt zur Wohnung zurück, wo sich alles bis auf die "Zimmermann Dollars" in Wohlgefallen aufgelöst hatte. - Scheiß Piste! - Und mir ist jetzt flau im Magen, und ich fühle mich nicht gut, und' deshalb schreibt jetzt der HoWa den Tag zu ende.

Daraus wurde aber nichts, da der HoWa so fahrgeil war, die Piste Richtung Tabas nach Möglichkeit allein ein einem durch zu fahren. Also mache ich weiter, von schwatzenden Persern umgeben, allein und verlassen in einem persischen armen Nest, an der Piste zwischen Irgendwo und Nirgendwo!

Also, ich komme bei den Persern, sorry - Türken! an und WoZi ist bereits abgesprungen. Der schweigsame Gastgeber - er selbst sprach kein Wort Deutsch - saß still lächelnd ohne -verständliches- Verständnis in der Ecke, als ich triefend aus dem Bade in die Diskussion einstieg. Diese war bereits sehr fortgeschritten. Man unterhielt sich bereits über die Ablösungssumme. Wir einigten uns auf die horrende Summe - man erinnere sich, die Fahrt war schon vorher vom Defizit bedroht - von 250 DM, wenn ich mich recht entsinne!?! Hamdullilah, dachte ich, wir könnten jetzt fahren, aber da tauchte ein neues Problem auf, das ich zusammenfassend unter dem Stichwort ZIMMERMANNDOLLARS behandeln möchte! Wir konnten nämlich nicht so einfach das Ferne suchen, da die größten Kapitalien nur in Reiseschecks auf den Namen eines Göttinger Mitbürgers vorhanden waren! Das wiederum hieß, wir mußten bis zum nächsten Morgen warten, um diese in Lincoln- oder Washington-Dollars (eine bei weitem stabilere Währung) umzutauschen. Also wir aßen erstmals guten Mutes bei den Aycels, da wir in dem heiligen und gerechten Glauben waren, dort auch die Bettlichkeiten in Anspruch nehmen zu können, als sich dann nach einem wirklich guten Essen und einer schläfrigen Konversation herausstellte, das sich kein Mann im Haus befand, und wir deshalb doch besser in unseren eigenen Betten schlafen sollten. Leichter gesagt als getan! Außer uns Vieren befanden sich dort nämlich bereits unsere drei Tramper im seligen Schlummer. Das ging HoWa und mir natürlich auf die Nüsse. So ließen wir dann unsere beiden Geknickten alleine in den bereits überfüllten Wagen hineinrödeln und machten uns auf, das Nachtleben der türkischen Metropole zu erforschen. Also machten wir uns per pedes apostulorum die 5 km in die Stadtmitte auf. Es war sehr kalt, und wir hatten mühe, Oberhaupt Menschen zu treffen, Mädchen in deren warmen Betten man hätte übernachten können, zeigten sich Oberhaupt nicht geneigt, die Straße um diese Zeit auch nur aus dem Fenster zu betrachten! Also stapften wir scherzend unseres Weges, bis wir dann eine Diskothek D I S K 0 T H E K - 1!!!!!!!! entdeckten. Dies stand draußen wenigstens dran. Nun, wir mit dem Mut der verzweifelten hinein und drei Mann Bedienung und ein Gast ---- mit müh und Not entkamen wir ihren Fängen. Also denselben Weg zu Fuß zurück ---- Als wir dann endlich beim Wagen wieder ankamen, schlief das Gesocks schon - und -- uns --- blieben --- nur noch die Frontsitze %&() 9/:/§ )(&%=";!!!!!?! -- ---- Dem Apeman HoWa bereitete dies nur Freude, mein Kreuz jedoch rebellierte. Nach einer, Stunde stieg ich aus, wanderte umher, um meinen Kreislauf wieder in Schuß zu bringen, schlief an Zäunen, an Säulen leider nicht antik - an Mauern und wieder im wagen, und dann stank es mir endgültig. Ich gab dem eingerollten Beutelaffen Bescheid, nahm mir ein Taxi, fuhr zum Bahnhof, ging in die Wartehalle 1. Klasse, suchte mir ein Plätzchen und schlief ein. An sich wäre der Tag nun endlich hier zu Ende, nur muß ich noch vermerken, dass ich von Zeit zu zeit so alle 10 Min. geweckt wurde, den Leuten bestätigte, dass ich Deutscher sei, dafür einen Cay erhielt nebst der Erlaubnis weiter zu schlafen. Puh! Den 15.2. will ich nicht mehr anfangen, da er sich für mich bis gegen 11 Uhr auf dem Hauptbahnhof zwischen türkischen Muttis, Gastarbeitern aus Deutschland und versoffenen Bahnbeamten abspielt. Somit Schluß für heute mit der Tipperei.

15.02 WoZi ade - scheiden tut weh!

This was the day, when I left Ankara singt UlKa gerade. Er singt noch mehr: 'I was sitting in first class railway station when I saw her. And she was oh so nice. I just woke up and saw her disappearing. Yeah, it was the leaving of Ankara that hurts me so. It has been Ankara the place where I have been loved so...

Den Rest kann er bei Gelegenheit selber nachtragen. Aber die moralische Unterstützung ist doch recht beachtlich. Wir schreiben heute den 26.2. und ich tippe noch am 15.2. herum, the day when I left Ankara.

qualmend

Die Nacht, die UlKa unter schrecklichem Fluchen den Saal hat verlassen machen, war entgegen anderen Äußerungen auch für mich alles andere als angenehm. Die Schlafstellung - ich hatte wohl 1 m3 Schlafraum - war dabei noch das Geringste. Schlimmer war es da schon, wenn einem so langsam die Kälte in die Glieder kroch und sich dort breit machte. Vor 9 Uhr hatte doch keine Bank geöffnet, bei der wir unsere Zimmermanndollars in Geld umwechseln konnten. So war diese Nacht zu allem Verdruß auch noch eine lange. Gut, dass wir uns wieder bei unseren türkischen Gastgebern waschen konnten und auch Frühstück bekamen. Die Suche nach einer Bank, die uns Zimmermanndollars in Dollars umwechselte, sollte noch ein Kunststück werden. Zunächst versuchten wir es bei der Bank nebenan. Nein, sagte man uns, Travellers Cheques wechseln wir nicht. Gegenüber wollte man zwar Schecks wechseln, aber nicht in Dollars, sondern nur in TL. Aber im Zentrum beim Atatürk Denkmal, da sei die Handelsbank. Und dort könnte man es doch einmal versuchen. Also dorthin. Aber mit dem Finden ist das nicht so einfach, und dann müssen wir mit unserem Ungetüm auch noch einen Parkplatz finden. Während UlKa und ich viel mit dem Neuverstauen des Gepäcks zu tun hatten, liefen WoZi und JöJa los, um das Entsprechende zu erledigen. Nach geraumer Zeit, während der wir ängstlich bedacht waren, von den herumstrolchenden Polizisten nicht aus dem Parkverbot gejagt zu werden. Aber mit dem dummen Touristen, dem großen Popanz hatten sie doch Mitleid, kamen die beiden dann endlich wieder. Also, Dollars könnte man nur mit großem Verlust eintauschen, aber bei einer weiteren Bank, die gar nicht so gräßlich weit entfernt sei, könne man gleich Rial bekommen, und die bräuchten wir ja ohnehin. Nun gut, dann also zu dieser Bank. (Dem aufmerksamen Leser dürfte inzwischen nicht entgangen sein, dass wir Herrn UlKa inzwischen wieder eingesammelt hatten). Also, das mit letzterer Bank war ja eine glatte Fehlinformation. Das hieß zurück zu der 3. Bank und dort einen Haufen TL und den Rest in Verlust-Dollars eintauschen. Diese aber hatte inzwischen Mittagspause. So beschlossen wir, diese eine Stunde bis zu Wiedereröffnung im Bahnhofsrestaurant zu verbringen, wo man gut Tee trinken konnte und sich WoZi gleich nach seinem Zug nach Istanbul erkundigte. Inzwischen kannten wir unsere Wege in der glorreichen Hauptstadt des Türkenlandes schon recht gut und fuhren unsere Wege elegant, wie junge Weltmeister. Also zur Bank und wieder zurück zum Bahnhof. Während WoZi's Klamotten zusammen gerödelt wurden und JöJa gerade wie die Inkarnation des germanischen Berserkers, blond, stark und hühnenhaft dessen Schlafsack vergewaltigte, da trat ganz angetan ein leicht ältlicher Türke zu uns, wies sich als religiöser Lehrer aus, und meinte, er hätte Hindenburg gesehen, und JöJa sei "a strong man". Als er aber dann in das Innere des Wagens sah und dort zwei zugewucherte Hippies mit je einer Flasche Bier in der Hand erblickte, stieß er etwas aus, das ungefähr "troubled" hieß und beeilte sich wegzukommen.


Annotation: Ich habe die Scheiße da eben so nie gesungen, das hat sich der HoWa nach Hörensagen zusammengereimt. Originalversion folgt später!!!!!!!!!!!! Fin de l'annotation!


Was nun folgt, ist eigentlich zu ' erschütternd, um auf schnödem Luftpostpapier ergreifend dargelegt zu werden. Wir alle haben ihn unter Schluchzen bis in die Wartehalle begleitet, wo wir uns schnell von ihm verabschiedeten, damit nicht das Volksempfinden durch unsere Heuchelei in Mitleidenschaft gezogen wurde. Inzwischen hatten Hugh und Pierre nebst Osterinsulaner die Chance ihres Lebens verpaßt Sie saßen zwar schon abfahrbereit auf den Sitzen, schienen aber noch nicht die rechte Entschlußkraft zur Abfahrt aufzubringen. Sie ließen sich aber von uns überzeugen, dass sie soeben die Chance ihres Lebens verpaßt hätten. Jetzt endlich, endlich ging es wieder los. Back on the road again. Es war richtig befreiend mal wieder volle Pulle aufs Gas zu treten und durch die Landschaft zu brausen. In solchen Augenblicken sitze ich gerne selber am Steuer. Den Weg, den wir diesmal nahmen, kannte ich nur teilweise. Die Fahrt von Ankara über Kirshehir nach Kaysery und von dort nach Malatya war mir noch neu. Es war eine richtige Fahrt in den Winter. Je weiter wir nach Osten kamen, desto höher wurde der Schnee links und rechts. Ich war doch wieder erstaunt, so viel Gebirge anzutreffen. Aber gut geräumt waren die Straßen und Wege doch. Unsere Schneeketten haben wir bis jetzt noch nicht benutzt. Dafür wurde es von Kilometer zu Kilometer kälter. Die Kühlertemperatur unseres Kühlers, der leider nicht geregelt war, versuchte trotz vorgesteckter Pappe ins Bodenlose abzusinken. Gegen Abend wurde ich von JöJa und UlKa abgelöst, so dass ich die Einfahrt nach Kaysery nicht mehr miterleben konnte. Man bedenke, dass wir ja erst so gegen 2 Uhr aus Ankara abgefahren waren.

Hier auf dieser Strecke zahlte es sich aus, dass wir uns Schwingtabletts gekauft hatten. So brauchte man, wenn man Durst hatte und an Teehäusern gehalten wurde, nicht extra aus dem warmen Schlafsack in die kalte Kleidung und die noch kältere Umgebung zu steigen, sondern der würzige türkische Tee wurde uns direkt von dem jeweiligen Beifahrer ans Bett gebracht. dass auf dem Wege nach Malatya ein 2.400.000 cm hoher Paß war, entging mir trotz des Schlafes nicht, denn dort oben war es derart kalt, dass ich trotz Unimog und Schlafsack beinahe das Bibbern bekam. Dennoch ist es auch bei solchen Temperaturen, UlKa munkelte etwas von 24' Minus, möglich, mit affenartiger Geschwindigkeit nach draußen zu eilen, dortselbst, nur in Unterhose 50 sec. zwecks Pinkeln zu verweilen und anschließend wieder in die Federn zu kriechen. Den Rest des Tages verschlief ich und kann darüber keine Auskünfte erteilen.

Außer drei Militärkontrollen keine weiteren Vorkommnisse!

16.02 Mit dem Osterinsulaner durch Eis & Schnee

Es war eine teilweise sehr schöne Fahrt, als ich wieder dran war. Leider hatte man mir den Osterinsulaner zum Beifahrer mitgegeben. Der war nun der schlechteste Unterhalter, dem man sich denken konnte. Die Landschaft entschädigte dafür für Vieles.

Die Überfahrt über die Euphratbrücke z. B. war great. Schade, dass die anderer noch schliefen, aber die hätten doch keinen Sinn für die Schönheiten der Landschaft gehabt. In Richtung Elazig wurde die Straße recht schlecht und so blieb es nicht aus, dass kurz vor dem "Nüfüs & Rakim"-Schild, JöJa mit mächtiger Stimme seine Bereitschaft zur Weiterfahrt ankündigte.


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Leider sind wir bereits vor 28 Zeilen in der Nacht an Kayseri vorbeigefahren. Da ich nicht weiß, ob wir auf dem Rückweg dort noch einmal vorbei kommen werden, möchte ich an dieser Stelle etwas über Kültepe-Kanish sagen. Der Grabungsort besteht aus einem Riesenhügel und einer unscheinbaren Siedlung ungefähr 22 km von Kayseri entfernt. Bei dem großen Hügel handelt es sich um eine bronze- bis eisenzeitliche Stadt mit eigenem König, etc. Ein regelrechter kleiner typischer Stadtstaat, der allerdings durch seine ungewöhnliche Ausdehnung auf eine größere Bedeutung schließen läßt! Das Besondere an Kültepe-Kanish ist jedoch die kleine Siedlung am Fuß des Stadthügels gleich neben der heutigen Hauptst'ra2e. Es handelt sich dabei uni einen gleichzeitigen Assyrischen Handelsplatz. Die Bauweise und die Keramik ist die gleiche wie im Hauptort, der einzige Unterschied liegt darin, dass sich im Karun, d. h. der kleinen Handelssiedlung, zahlreiche Geschäftskorrespondenz in Assyrisch fand, die gute Rückschlüsse auf die ausgedehnten Handelsbeziehungen in jeder frühen Zeit zuläßt, zumal mit dem Handel auch Kultur weitergegeben wurde. Der Karun gehört auf jeden Fall zu den wichtigsten Entdeckungen in der Türkei in den letzten Jahren, dies beweist auch die große Abteilung über Kültepe-Kanish-Karun mit den bereits erwähnten Briefen in Ankara. Urteil: auf jeden Fall Sehenswert.

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Liefeeinschub ...

Es wird jetzt gleich turbulent im Saale! Mohammed, das Schlitzohr, versucht Big Baby über dieselben zu schlagen, gleiches versucht Big Baby. Die Lage spitzte sich zu, als Hugh leicht verwaschene Jeans in die Diskussion warf. Inzwischen sind einige Stunden und Schiebereien vergangen! Vorher wurde bereits ein oller verwaschener Teppich gegen ein Scheißradio eingetauscht. Wer dabei der große Dumme ist, weiß man nicht so genau, aber wahrscheinlich ist es der große blonde Popanz, aber er meint, es mache dennoch Spaß! You pay for this 275 Toman, really, see it's very solid, you fix it here, 'cause it's got very long legs and you can make a picture of yourself for camera, Look it's very great and so, and solid, and it stands --- ? This, no this I gave you for the carpet!! NONONONO Oh no this is really the price. I paid 110 Marks (about 80!!) it's a - äh - 275 -Tomans, say now what or how much you want for the carpet, see Mohamed, you are my friend tell me, no change - äh - the price at first, the value then we can change the carpet, NONONO Mohamed, listen no! You asked, you, you write 3.000, no you aren't my friend, Look here: 1500 Rial. The value is very otherwise, we don't do anything we'll sell E-Pas!!!!! Il faut pas rire parce que il - äh - how many Tomans? The price of this, he yes, he has to put 1.000 Rial to it. Here my friend, you have to smoke ok. An sich müßten wir jetzt Cay trinken, it's better now??? My friend asked me to pay only money too less, too cheap. oh, nonononoh! It's nice room here, you can sell - äh - buy it, you change to your Citroen, how old is it? He is writing diary, I give you 40 Tomans and take the carpet!!!!!!!! O.k. Lassen wir's sein. C'est une histoire. Better paying the price than the value!!!! You asked the shop, how much it cost!!! Mohammed ist ein Schiet Büddel. Nun quaken sie wieder perversisch!!! Der ist ja auch 'ne linke Titte, es ist besser, wir werfen gleich mit Napalm, he from, Denmark not Jon - JöJa???!! Il vait mieux que nous avons fait l'avant , I am Russian and I am Iskender e Kabir, isn't he beautiful, isn't he shaved, yes long hair, 40 Tomans, we don't sell any sugar, he's crazy, when I say he's crazy then he is crazy, ca va, n'est pas?? Brich' die Sitzung abrupt ab, we must, no, no, Nun ist aber Schluß, Scheiße, we can sell him, oh, where are my trousers, 1.000 too much, we are not so stupid as you believe, I want to buy this for my wife, see Mohamed, no too much. Allgemeines Untereinandergebla, jeder versucht das letzte herauszuholen. Tell me he last price for this and then we'll go. Write the amount in Farsi, I talk to him and you shut up, we will depart. Die Schweine reden wieder untereinander, nun versteh ich, Scheißladen - jam? - I asked him for money, you give me 400 Rials, die mit Hose go bye bye, die sind verrückt, die Perser - das Ding hat keinen Wert, bye bye Moharmed I hope the radio will be a good friend to you! I hope you'll sleep well on the carpet. Je vais acheter du pain. Deux gros pain. Sie sitzen jetzt wieder alle beratend zusammen, die Perser verhandeln wieder mit dem Betrüger, der Englisch spricht. The car costs 6000 Dollars, you'll buy it? No change, no change!!! HoWa verhandelt schon wieder mit jemand anders! Aber meine Batterie und mein Tisch kommt mit und meine Mary wird nicht verkauft. Schmeißt endlich die Perser raus. You want some bread? It's very good, good bread, you are a pig!!! Very good, good quality, you sell it, how much does it cost? Pierre ist jetzt dran! About the same, 1500, what? No, we don't want, it's very expensive, really Mohamed, it's very much. Yeah, very good, 200 Rials for this and this and this no this and that and 200 Tomans and so and he, the driver wants money for the way from here and back, nun laßt uns endlich abhauen. Mr. Hassan Shababi invited me - have nothing to pay- we were here guests. The carpet, you're coming with... Good bye, nice to have seen you. Ich glaub, er hat mich beschissen, habt Ihr 'ne Ahnung, wo man hier tanken kann, bloß weg nach Ghonabad, das gibt ja eine Rödelei heut Nacht hier.......


Kommentar erübrigt sich. Das war genug life. Leider bin ich mit dem Tippen nicht immer hinterher gekommen, da sich das ganze 5-sprachig auf einmal abspielte...


Jetzt also weiter am 16.02.: In Elazig ein Teehaus zu finden, war so einfach nicht. Die Leute verstanden ihre eigene Sprache nicht mehr.Wenn man sie nach einem Cay-evi fragte, meinten sie nur ganz intelligent: hääääääh?! Aber schließlich fanden wir dennoch eines an einer falschen Ausfallstraße. Ich glaube, vor 2 Jahren habe ich oder Werner an der gleichen stelle gesucht. Also, ein sehr kleines Teehaus war es. Als ich dann meine zwei Tee getrunken hatte, öffnete sich eine Tür des Unimog, und das Vehikel spuckte eine weitere Person, unseren lieben, dicken JöJa aus. Nach weiteren 5 Min. kam der nächste usw. insgesamt verging also eine halbe Stunde, bis der letzte von uns Oberhaupt im Teehaus war. Darüber mußte ich doch einmal ganz deutlich mein Mißfallen äußern, was der gemütliche JöJa gar nicht einsah. Er brauche morgens halt seine Zeit usw. Aber dann etwas von Bundeswehr und militärisch geordneten Fahrtabläufen erzählen wollen. Nein, meine Herren, so geht das wirklich nicht weiter.

Vom Teehaus an habe ich geschlafen, und wenn ICH schlafe, geschieht halt nichts von Wichtigkeit. Wie soll es auch. Einige nette Pässe gab es da zu fahren, aber das ist ja in der Türkei nichts besonderes. Bingöl ist da wieder ein markanter Punkt gewesen. Erstens konnte ich mich rein vom Optischen her gut an diese Stadt erinnern. Auch das Lokal, in dem ich mit Re, ohne dass Werner sich damals überhaupt gerührt hätte, recht gut gegessen hatte. Diesmal aber kam mir die Gegend nicht ganz so finster vor. Zweitens stoppten auch wir hier zwecks Speis und Trank. Ich ließ mir lediglich einige Tees in den Wagen bringen. JöJa jedoch ließ sich übers Ohr hauen. Ihm wurde von einem Deutsch sprechenden Soldaten unter dem Mantel der Verschwiegenheit, weil die Sache ja so entsetzlich heiß war, ein Kilo "besten" Orienttabaks andrehen. Ich kenne Geruch und Geschmack von Tabak, aber hier... Na ja, was soll's. Zu billig war das Kraut für Tabak auch. Bis Mus habe ich wieder geschlafen. Hier waren wir inzwischen wieder in der Gegend der meterhohen Schneemauern links und rechts. ich erinnere mich, dass es im Mus Ärger gab, weil einige von uns wollten, dass man vor einem Restaurant hielte, wir aber vor einem Teehaus stoppten, so dass die Mannschaft ihre E-Pas unter'n Arm klemmten und im Teehaus essen mußte.


Also, der HoWa ist müde. Ich schreibe jetzt weiter!! Also, wir hinein und erst mal den Tisch vollgerödelt, dann hat jeder seinen Fraß in sich hineingerödelt, na und da waren wir fertig. Aber wir wollten ja nicht wieder so früh - in Van ankommen, und deshalb beschlossen wir, eine Weile noch dort zu verweilen. Dies gab uns Anlaß, uns in Kartenspielen mit den Einwohnern zu üben, wobei keiner die Spiele des anderen so recht verstand. Da es nicht um Geld ging, war es für mich sowieso uninteressant. Dagegen gelang es mir, Pierre den einzigen Schachspieler in unserer Gruppe vernichtend darin zu schlagen. Seitdem spielt niemand mehr gegen mich, selbst bei Vorgabe von mehreren Offizieren. Da der Gesprächsstoff ausging, beschlossen wir einen germano-anglophilen Kulturabend nebst Musi durchzufahren. Das hieß Hugh und ich holten unsere Gitarren. Dies führte aber weder im Solo noch im Duo zu etwas, da uns ein türkischer Klimperer ausstach, obwohl ich mit HoWa und Big Rödel auch deutsche Marschmusik und Volkslieder intonierte. Nun ja, nach einer gelinden Welle gaben wir's auf und HoWa machte sich im Cockpit gen Van auf!

17.02 Zicke Zacke - Herzattacke - einer von uns hat 'ne Macke!

Zum 16.02. sei noch nachzutragen, dass dieser Abend keineswegs unbedingt ein germanophiler Abend, höchstens ein germano-Anglo-phoner war. Und bei allem Sympathievorschuß, den wir als Deutsche hatten, gelang es den beiden jedoch nicht, mit ihrem Gedudel die Menge zu begeistern. Na ja, Kulturklüfte kann man halt nicht unbedingt überbrücken.

Die Fahrt von hier aus zum Van See folgte der mir schon bekannten Strecke, und mit der Vorstellung der Landschaft links und rechts, die man im fahlen Mondlicht nur erahnen konnte, war es auch eine schöne Strecke. So bergauf, bergab, dicht am Wasser entlang, über Pässe mit herrlichem Weitblick, den ich mir jedoch denken mußte, zur Abzweigung nach Van. Pierre und ich fuhren so gegen 3 Uhr nachts in Van ein. Schilder, die uns Hinweise auf den Standort der Burg, der Vankale, geben konnten, gab es hier nicht, auch wenn sonst die Türkei das Land der gelben Schilder ist. So blieb uns nicht viel anderes übrig, als bis zum Morgen auf unseren Sitzen zu schlafen, denn für die 4 Stunden hinten Platz für zwei weitere Leutchen zu errödeln, schien uns zu aufwendig. Da schlief ich also mehr schlecht als recht, und währenddessen träumte mir, dass ich im Tagebuch noch etwas vergessen hatte: 15.02. Abends. In einem Ort noch vor Kayseri namens Kaman hielten wir zum Einkaufen von Speis und Trank an. Wie in fast allen Orten in der Türkei kam ziemlich bald jemand zu uns und fragte uns, ob wir Deutsche seien, und stellte sich als Gastarbeiter in Deutschland vor. Er half uns Brot und Käse, Oliven, Wurst, Wodka und Wein zu kaufen. Dabei gab er uns eine Flasche zur Probe aus, und als wir dem Weine ein wenig bereits zugesprochen hatten - unter den mißbilligenden Augen der strengen Moslems - kam man auch ins Gespräch. Wie viele Türken in Deutschland arbeiten, ob sie sich wohl fühlen, wie die Arbeit ist etc. Es scheint so zu sein, dass ein erfolgreiches Beispiel Schule macht. Unser Türke, der von sich selber behauptete, hier König im Orte zu sein, erzählte uns jedenfalls, ein immens hoher Anteil aller arbeitsfähigen Männer des Ortes seien in Deutschland. Aber die Arbeitsbedingungen seien wieder schlechter geworden, von wegen der Ölkrise. Scheiß-OPEC meinte er. Die eigenen Glaubensbrüder hätten sie, die Türken in Deutschland, verraten. alter Kopf - nicht gut denken" - BILD-Meinung im hintersten Winkel der Türkei. Gegessen haben wir an diesem Tage in Kirshehir in einem Teehaus, wo, während ich schon schlafen ging, die anderen noch türkische Kartenspiele zu erlernen versuchten......

Als ich dann aufwachte, war es schon heller Tag, und JöJa bekam die ehrenvolle Aufgabe, die Burg zu suchen. Aber nein, wir überlegten es uns so. Erst Museum, dann Frühstück, dann Burg. Das Museum war schon nach wenigen Irrfahrten zu finden - aber oh, es war noch geschlossen, und wir hätten 2 Stunden. warten müssen, brauchten es aber nicht, weil sich einer der Museumswächter unserer erbarmte. Aber nun UlKa mit seinem Kommentar:


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Ich muß an dieser Stelle feststellen, dass meine Mitfahrer doch mehr museal interessiert waren, als ich zu Beginn der Reise dachte. Der Museumswächter kam auf uns zu, und in mangelhaftem Türkisch brachte ich ihm bei, dass ich und die anderen Studenten waren. So ließ er uns denn sogleich hinein. Den Eintritt ersparte ich uns sechs. Daraufhin sah ich mich wieder gezwungen. die Überreste der Urartäer meinen Zuhörern in Englisch, Italienisch, Französisch, Deutsch und dann noch allgemein verständlich im Vulgärtonfall zu erklären. Im Museum in Van befinden sich im Parterre die urartäischen Stücke im Erdgeschoß, so Sachen aus islamischer Zeit. Diese letzteren erspare ich mir. Also, die Funde stammen nicht nur aus Van selber ' sondern auch von einer ganzen Reihe entfernter Standorte wie Hosup, Chavuz-Tepe, Topprakkale, etc. Neben typischen Gefäßen aus rot gebranntem Ton befanden sich Dorf auch sehr schöne Metallarbeitern. Bei den großen Gefäßen ließ ich dann die nette Geschichte vom russischen Topprakkale und dessen Eroberung nebst der genauen Jahreszeitbestimmung und der Geschichte von Katze und Maus im Futtertrog. Ich glaube, es gelang mir sogar, in das uninteressiert Gesicht von Easter-Isle-Man etwas Interesse zu zaubern. Nun ja, ich will mich hier nicht länger aufhalten, denn das Museum ist doch sehr klein und auch etwas provinziell. wir machten noch ein Foto mit dem Aufseher, und hinterließen ein Bakschisch, das den Eintrittspreis bei weitem überstieg. So hatte wenigstens der arme Mann, wo doch im Winter gar nichts los ist, etwas von unserem Besuch. Das folgende Frühstück will ich übergehen, es war wie immer. Ich will mich statt dessen gleich dem Vankale zuwenden. Es war wiederum etwas kompliziert, den Berg mitten aus der Stadt heraus zu finden, ich wußte nur, dass er steil aus der Ebene ragt, außerhalb der Stadt liegt, und einstmals direkt am Fuß vom Vangölü bespült wurde.

Wir fanden ihn dann auch bald. Wir fuhren durch rund 50 cm hohen Schnee bis zu seinem Fuß, natürlich am falschen Ende, wie wir später feststellten! Wir erstiegen im hohen Schnee unter dem Gejohle der Kinder mühsam die türkischen Wälle. Auf dem Kamm, gingen wir dann in Richtung Gipfel. Dort erwartete uns das schwierigste Wegstück, in bitterer Kälte durch verschneite, enge Klüfte in die Hauptburg einzudringen. Dort sahen wir denn auch endlich Urartäisches anstehen, wobei die Türken sich wiederum nicht zurückgehalten hatten, die imposanten Reste in ihre Pläne einzubeziehen. Einige Türme waren bis kurz unter die Mauerkrone als rein zu erkennen. Wir waren inzwischen weniger geworden, da einige unserer ausländischen Freunde die Mühen scheuten. Wir kraxelten über die tief verschneiten Hänge, in denen sich die ehemaligen Wandelemente in Treppengestalt, direkt aus dem Berg gehauen, sehr gut abhoben. Die Rückseite fällt steil zur Ebene ab. Unten befinden sich die Ruinen einer jüngeren Stadt. Noch auf Überhängen haben die Urartäer ihre riesigen, aus rechteckig behauenen Blöcken errichteten ebenfalls rechteckigen Türme und Bastionen gebaut. Die Mauern erscheinen wie mit dem Felsen verwachsen, dies ist auch in der Tat so. Wegen meines angeschlagenen Kreislaufs ging ich den Hauptzugang runter und gelangte zum Hafen des alten Van. Dort waren auch noch an den alten Piers Grabungsgräben zu erkennen, die es mir ermöglichten, eine alte urartäische Bauinschrift zu entziffern. Mein allgemeines Urteil: Wenn man schon die ungewöhnlichere Route über Van wählt, sollte man den Felsen auf jeden Fall ersteigen. Man hat von dort auch einen sehr weiten Blick über den See und die Ebene. Prädikat: auf jeden Fall lohnend!!!!

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Da der 17.02. der letzte Tag sein sollte, an dem wir ein türkisches Mittagessen haben konnten, leisteten wir uns einen kleinen Scherz und gingen in ein etwas vornehmeres Restaurant in Van. Mit dem Erfolg, dass die gleichen Speisen, die sonst einigermaßen billig sind, hier teurer waren und dass die Kellner ängstlich darauf bedacht waren, die Teller abzuräumen, bevor man aufgegessen hatte. Nun, ich habe mich mit dem Essen und somit auch mit dem Bezahlen etwas zurückgehalten.

UlKa, den die wissenschaftliche Exkursion auf das kleine urartäische Hügelchen beinahe das Leben gekostet hatte, lag derweil im Auto und röchelte. Eine geordnete Pulsfrequenz war bei ihm nicht mehr festzustellen, nur noch niederfrequentes Brummen und sein Kreislauf machte einen auf Highlife bzw. spielte wilde Sau, ein Spiel, dem bisweilen auch UlKa gerne huldigt. Die Fahrt von Van durch die Berge, war bei Tag noch schöner als bei Nacht, zumal man auch mehr sah. Wir knipsten wie die Wilden und mein Film bekam wieder 50 Bilder. JöJa war unterwegs kaum mehr zu halten, als er die herrlichen Muster der einzelnen Feldfluren unter sich liegen sah. Wir träumten gemeinschaftlich von einem Skiparadies, das hier zu errichten wäre, mit mir als wirtschaftlichen Chef, JöJa als Organisator von Unimog-Tagestouren, UlKa als Touristenführer zu archäologischen Stätten. Und tatsächlich sahen wir hier im wilden Kurdistan bzw. ehemaligen Armenien, einige einsame Skiläufer durch den tiefen Schnee stapfen. Irgendwann nach der Abzweigung nach Hakkari, als ich gerade wieder meinen prüfenden Blick auf die grandiose Landschaft fallen ließ ... ja, was sahen da meine Augen:

Großartige Mauerreste auf steilem Bergkamm. Das ist nicht türkisch, entfuhr es mir unwillkürlich und siehe da, nach 300 km kam auch das Schild: Cavustepe. Wir wußten schon wie wir den todkranken archäologischen Sachverständigen in unseren hinteren Gemächern wieder zum fleischlichen Leben erwecken konnten. Kurz vor Auffahrt auf den Tepe brüllten wir dem Dahindämmernden ins Ohr: Cavustepe!!! oben auf dem Hügel öffnete sich gleich die Tür unserer fahrenden Baracke und wie von einer Muse (3 Greif und steht doch) geküßt, entschwebte uns lächelnd ein, dem Irdischen entrückter, archäologisch-altertümelnder Junggenius gen Urartäischem!

Doch nun will ich auch ihm Gelegenheit zu Rechtfertigung und Rache geben ...


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Also ein bißchen Recht muß ich ihm geben, der Name Chavuz brachte meinen Kreislauf wieder in Schwung und wie eine Gemse schoß ich mit hängenden Schnürsenkeln dem Gipfel entgegen, alle anderen hinter mir lassend, so dass JöJa drauf und dran war, gleich einen Rettungshubschrabbschrabb zu alarmieren. Nun zur ernsten Wissenschaft. Der Tepe ist ein langgestreckter ähnlich dem Vankale. Er erhebt sich mitten aus einer ehemals fruchtbaren Ebene. Die Seiten fallen sehr steil in die Täler ab. Man gelangt von einer Senke im Bergrücken in die Anlage. Hier war der gefährdetste Teil der Befestigung, dementsprechend stark mit mehreren Wällen, war er auch ausgestattet. Die Fundamente waren aus dem anstehenden Gestein geschlagen. Dieser Anlage folgte auf dem Bergrücken eine große Anzahl von langgestreckten Magazinräumen, in denen sich haufenweise die Reste der typischen rot gebrannten Urartukeramik fanden. Danach gelangt man auf einen freien Platz, der nach hinten von einem sogenannten Halditor abgeschlossen wurde. Halditore werden die turmartigen Tempel der Urartäer genannt, und zwar nicht von den Ausgräbern sondern dieser Begriff taucht in den Inschriften auf. Auch an diesem Tempel fanden sich dann zwei Inschriften, die ich sogleich auf die Mattscheibe bannte. Dazu muß ich gleich sagen, dass auch auf Chavuz Tepe das Fotografieren verboten war, da aber Winter war und man annahm, dass sich nach dort keiner verirrt, hatte man den Wächter gespart, was für uns nur ein Vorteil war. Der Tempel war aus regelmäßigen Blöcken erbaut. Dahinter befanden sich wieder Magazine mit den riesigen Vorratsgefäßen. Die Magazine waren aus Lehm errichtet, nur die Grundmauern bestanden aus Felsbrocken. Ganz am Ende des schmalen Plateaus befanden sich dann noch einige Gebäude, die ich als Palast oder Verwaltung interpretieren möchte. Durch eine schmale Pforte in einer Mauer gelangt man in einen Gang, dessen Wände und Böden direkt aus dem Fels gehauen sind. Zur Linken liegt eine Säulenhalle, ebenfalls die Grundmauern aus dem Felsen geschlagen. Durch fünf große rechteckige Öffnungen blickt man in einen hohen unterirdischen Raum, aus dem anstehenden Gestein gearbeitet, von dem ich annehme, dass es sich dabei um eine Zisterne handelte. Anbei Grundrißskizze:

Dies ist nur eine Rohskizze aus dem Gedächtnis, da es mir zu dreckig ging, und es auch zu kalt und zu verschneit war, einen genauen Plan aufzunehmen!

  1. Befestigung auf dem nächstliegenden Gipfel
  2. Parkplatz in der Senke zwischen den beiden Gipfeln
  3. Schild - Fotografieren verboten!
  4. Toranlage
  5. Magazine
  6. Freier Platz
  7. Halditempel mit Inschriften
  8. Magazine
  9. Palastkomplex mit Saal, darunter Zisterne, Gang, weitere Räumlichkeiten mit Resten von Wandmalerei, etc.
  10. Gut erhaltene Mauerteile mit Bastionen.

Soweit zu Cavuz Tepe, auf jeden Fall sehenswert und instruktiver als Vankale. Hosup fiel leider wegen "Schneefall und Dunkelheit aus!

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Ja, ja, da läuft einem schon das heilige Erschauern feucht den Rücken hinunter, wenn so ein Experte seine Sprüche klopft. Den Wagen verlassen haben, soweit ich mich recht erinnern kann, nur wir drei von der Kerntruppe, sozusagen der harte Kern. JöJa hat noch eine putzige Einlage geliefert. Als wir oben genug Scherbenberge und urartäische Befestigungen bewundert hatten, trafen wir unten den JöJa, der nicht so hoch gekommen war, und uns unten freudestrahlend etwas rotbraunes entgegenstreckte, strahlte: "Sieh mal, was ich gefunden habe, Scherben, kannst Du mir die datieren?" - "Du, weißt Du was? Die sind echt antik, ich würde sagen urartäisch ... ja, ja - sieh hier den Innenbrand und diese rotbraune Färbung," mimte UlKa. Und hinterher hämisch: "Da oben liegen noch bergeweise solche Scherben, lade Dir den Unimog ruhig voll, alles extra für Dich ausgegraben!"

Die anschließende Fahrt zur Grenze zeigte uns noch einmal ganz deutlich, dass unser Wagen einige PS zu wenig hatte. So ein U 406 125 wäre schon das Richtige für uns. In einem kleinen Nest namens Baskale hielten wir zum letzten Tanken, nicht mit der letzten Ölung zu verwechseln, obwohl es die leicht hätte werden können, und zum Essen. Hier am Ende der Türkei war ich so ungefähr auf der Höhe mit meinem Türkisch und während und nach dem E-Pa (Einmann-Paket der Bundeswehr)- Essen im dortigen Teehaus konnte ich mich gar über die Bedeutung des Islam für unser Selbstverständnis unterhalten. Ich nannte mich Mohammed Ali und JöJa war Ali Baba, der großkotzige UlKa nannte sich natürlich prompt Iskender-e-Kabir. Doch alsbald verschwanden wir wieder im Dunkel einer finsteren Winternacht. obwohl die Strecke nicht besonders schwierig war, war die Fahrerei doch nicht ganz einfach. Dichtes Schneetreiben und schier undurchdringlicher Nebel erschwerten nebst der heimtückischen Schneeglätte die Fahrt. Es war überaus ermüdend und so ca. 35 km vor der Grenze ließ ich mich von JöJa ablösen, um etwas zu schlafen. So recht gelingt es mit dem Einschlafen auf dem Beifahrersitz nicht. Man schläft dann immer schon halb, halb ist man noch wach, und man hat Halluzinationen. Die Träume, die man hat, spielen sich in der Umgebung ab, und die Umgebung und alles, was darin passiert, wird in die Träume eingeflochten. Ich hatte gerade wieder so eine Halluzination: Aus dem Nebel sprangen von links nach rechts martialisch aufgemachte, bis an die Zähne bewaffnete Soldaten hinter Schneewällen hervor und legten auf uns an. Aber was war das? Hatte JöJa etwa die gleiche Hallu? Den gleichen Traum? Er bremste plötzlich, als stände er vor einem Abgrund! Und nun merkte auch ich, dass keiner von uns beiden geträumt hatte. "Mensch, halt an!" schrie ich, aber da stand er auch schon und sieben finster dreinblickende Gestalten drängten sich um unser Führerhaus, uns die Mündungen ihrer Deutschen G 5 ins Gesicht haltend. "Passaport!!!" hieß es unmißverständlich. Na, ja waren wir ja erleichtert, wenn es erst an den Papierkrieg geht, ist der richtige Krieg beendet.

Man merkte uns mit dem Instinkt des Naturburschen auch recht bald an, dass wir trotz ungewöhnlicher Stunde und militärischem Gefährt lediglich harmlose Irre waren ' die hier ihrem lächerlichen Treiben nachgingen. Eine halbe Flasche Rum an die bibbernden Soldateska ausgeteilt, löste die Zungen und lockerte die Atmosphäre. Aber aufgeregt waren sie immer noch. Einer rannte schnell zu einer Telegraphenstation und rief etwas durch. Nun wurde unser Erschrecken aber doch groß, als alle diese Leute, die bestimmt nicht aus freien Stücken hier in der kalten Winternacht Dienst taten, noch alle zu uns in den Wagen traten. Oder treten wollten. Die Typen hinten im Koffer pennten noch und hatten Oberhaupt nicht recht mitbekommen, was eigentlich geschehen war. Nun aber wurde ihnen doch recht kraß einiges klar. Während sie noch den letzten Träumen nachhaschten, stiegen schon 4 Soldaten in voller Montur auf ihre Füße nebst Bettdecken. Dazu mußte ich auch noch hinten unterkommen, da vorne auch noch 2 zusätzliche Soldaten Platz fanden - wie, das weiß bis heute keiner. Es ist wirklich schade, dass man in solchen Augenblicken nicht daran denkt zu fotografieren, ganz abgesehen davon, dass ich gar kein Blitzlicht hatte. Die dummen Gesichter unserer Flippées hätte man wirklich im Bilde festhalten sollen- Sie hätten sich sicher widerstandslos mit offenem Mund erdolchen lassen. - Zum Glück war die Grenzgarnison nicht mehr weit, und so wurde unser armes Gefährt nach 7 Kilometern wieder entlastet. Wir wurden höflich in die Garnisionskaserne gebeten. Nach einiger Zeit gab es Tee, und noch etwas später kam auch der wachhabende Offizier selber- Er sprach französisch und hatte High-School-Education und freute sich sehr über die willkommene Abwechslung. Wir diskutierten noch einige Zeit, und dann wurde einigen von uns sogar eine Schlafstatt angeboten. Der Rest hatte dann genug Platz im Wagen, und schlief kalt aber gut unter Bewachung im Unimog. Das alles gehört aber schon zum 18.02. Einiges von vorher in der Türkei habe ich aber noch vergessen, und will es hier nachtragen. Auf dem Wege nach Bingöl hielt JöJa plötzlich an, um einen einsamen Kurden zu fotografieren. Diesem ging es aber anscheinend dreckig. Er bat um Brot und Kleidung und wir gaben ihm ein Zimmermann-Hemd und etwas Brot, von dem er aber erst nach JöJa aß. Ein weiteres: Auf dem Wege nach Van sah ich, und ich habe mich bestimmt nicht getäuscht, einen Wolf. Das ist in dieser Gegend gar nichts besonderes sagte man mir später.

18.02 - Iranhududu -

Morgens wurde sich im Waschsaal der Kaserne mit freiem Oberkörper gewaschen und in der Offiziersmesse gegessen. Brot mit Schafskäse, Tee und Marmelade. Man sagte uns, das sei auch das normale Frühstück der gemeinen Rekruten. Nun, dafür war es allerdings recht gut. Wir bekamen noch interessante Dinge zu hören. Hier in der Gegend wird viel geschmuggelt, und zwar von organisierten Banden, deren Hintermänner nicht zu fassen in Ankara, Istanbul oder Teheran leben. Es wird Opium und Haschisch illegal über die Grenze gebracht. Dabei wird so vorgegangen, dass mit einem LKW bei Nacht und Nebel bis kurz vor die Grenze gefahren wird, und die Dinge werden von da aus on horseback weiter verfrachtet. Da oben in dem Dorf, das wir aus seinem Büro sehen konnten, sollte ein wohlbekannter Schmuggler leben, dem man aber nichts nachweisen könnte. Er erzählte natürlich auch die Geschichten von 3 Türken, die eine ganze persische Garnison in die Flucht schlugen. Aber solche Geschichten hört man in jedem Land und an jeder Grenze nur mit anderen Vorzeichen. Jeder ist der Größte und hat die besten Soldaten. Allerdings scheinen mir die Türken und Kurden tatsächlich verbissenere Kämpfer zu sein als die lebenslustigeren Iraner. Auch die Geschichte von den hohen persischen Militärs, die aufgrund eines Opiumschmuggels gehängt wurden, konnte er uns bestätigen. Wo wir gerade bei Opium waren: Was wird eigentlich aus der Gegend um Afyonkarahisar (Afyon = Opium, Kara = schwarz, hisar = Burg), wo kaum etwas anderes als Opium wächst, wo der Anbau aber von den Amerikanern untersagt worden ist. Man sagte uns, dass die Regierung gewillt ist, den Willen der USA ohne Rücksicht auf die Bauern durchzuführen. Sollen die Leute doch nach Almanya zur Arbeit fahren. Für viele der letzte Ausweg vor dem Verhungern. Nur ist das nicht ein etwas zu langer Weg für Pendler? Die Türkei braucht ihre Devisen, Deutschland ihre Arbeitskraft. Sie selber aber will keiner. - So rabiat wie das Treffen begann, so herzlich endete es wieder, und wir fuhren gut gewaschen und gefuttert vor die eigentliche Grenze vor. Es scheint tatsächlich wenig über die Grenze zu kommen, auf persischer Seite mußten wir noch erst die Wachmannschaft aus ihren warmen Betten holen. Da man uns nicht in der kalten Halle des Abfertigungsgebäudes bedienen wollte, holte man uns in die geheizten Räume der Wachmannschaft, wo wir auf den Betten saßen und unsere Formen ausfüllten. Die Leute freuten sich gleich, dass ich etwas Farsi verstand. Dann aber kam der Oberbefehlshaber des Postens und mit ihm ein barscher Anranzer an die Untergebenen. Wo bleibt denn da die glorreiche persische Staatsräson, wenn man die Touristen, die doch bekanntlich für dumm verkauft werden wollen und dafür auch noch viel Geld auszugeben gewillt sind, hinter die Kulissen führt.

Zum Glück waren die Zollbeamten diesmal nicht so neugierig, wie im Sommer 1972, als man uns schier auseinandernehmen wollte. Es hat wohl auch etwas die Kälte mit geholfen. Nun waren wir also wieder im Iran. Das 5. und vorläufig letzte Mal für mich. In Rezaiyeh galt es, Geld einzutauschen. Während JöJa in der Bank war, lernte UlKa einen Studenten kennen, der sich mit ihm auf Englisch unterhalten wollte. Er zeigte uns auch, wo man essen konnte. Mir war das alles zu teuer, und so bestellte ich nur eine Suppe. Die Zeit im Iran sollte noch unsere große E-Pa-Zeit werden. Im Sommer mit all seinen Früchten und dem frischen Gemüse hätte ich die E-Pa's wohl keines Blickes gewürdigt. Aber jetzt im Winter war alles so teuer bzw. nicht vorhanden, so dass wir teilweise froh über die "Militärische Gespeise", wie Hugh sie nannte, waren. Unser iranischer Begleiter schien wirklich uneigennützig zu handeln, jedenfalls hatte er noch keine Ansprüche auf irgendwas angemeldet. Nun hatten wir allerdings auch keine Frau mit uns. JöJa und Hugh ließen sich noch auf den Bazar führen. JöJa wollte seine Kamera blitzfertig machen, weil er die Hälfte vergessen hätte. Es dauerte jedenfalls wieder einmal eine kleine Ewigkeit, bis wir aus diesem Rezaiyeh loskamen. UlKa war schon ganz fickerig. Er machte sich schon Gedanken, ob wir wohl bei Tage in Taq-e-Bostan, Kangaver, Bisotun vorbeikommen würden. Die Aussicht darauf, dass wir nachts daran vorbei rauschen könnten, machte ihn ganz krank und ungenießbar. Die folgende Piste bzw. Scheißstrecke nahm dann aber unsere Geister voll in Anspruch. Es hatte hier wieder frisch geschneit. Die Piste aus gestampftem Lehm war ein einziger Matsch. Nun, kein Problem für uns, dachten wir, haben wir doch einen Unimog. Auf gerader Strecke waren dennoch die Busse, die hier ohnehin die Könige der Landstraße sind, schneller als wir. Doch dann kam eine Stelle, wo die dicken Brummer in der Schmierseife nicht den kleinen Hügel mehr hoch kamen. Ha, ha, dachten wir, das ist ja etwas für den Unimog. An die Seite und über die Felder, und nichts wie dran vorbei. Aber denkste! Links ein Graben, rechts ein Graben plus Loch und in der Mitte ein Bus und ein LKW. Da nutzte das beste Geländefahrzeug nichts, wie wir bisher Überhaupt noch keine Stelle für den Unimog gefunden haben. Das alles war auch mit dem VW-Bus zu schaffen. Zum Glück hatte auch dieser Knoten sein zeitliches Ende und auch die Tage der Piste selber sind an dieser Stelle gezählt. Bei Miandoab, ein kleiner Umweg, kamen wir dann doch auf die feste Straße. Kilometerlange Schlangen von Militärkolonnen kamen uns entgegen. Überhaupt haben wir auf dieser Fahrt unheimlich viel Militär gesehen. Noch immer behinderte dichtes Schneetreiben die Fahrt, aber die Straße wurde auch immer glatter. Ich aber wurde inzwischen abgelöst - so in der Gegend von Saqqez. Dort haben wir auch in einem Teehaus gespeist und dabei fiel auf, dass die Halterung für unser anderes Rücklicht nun auch gebrochen war. Mehr habe ich an diesem Tage nicht mehr mitbekommen.

19.02 Die Unimog-Tour führt, wo keine andere Tour führt - auch gegen Mauern, wenn Sie wollen!

Mitten in der Nacht wurde ich geweckt. JöJa war müde und schlief, bedingt durch die anstrengende Fahrerei auf der glatten Straße immer ein. Hugh war Beifahrer. Die Straße war tatsächlich sauglatt, aber nicht überall, sondern nur strichweise war unter dem frisch gefallenen Schnee Glatteis. Weite Strecken konnte man so recht zügig fahren, dann mußte man schnell wieder die Geschwindigkeit reduzieren, um nicht irgendwo im Abgrund zu landen. Das war wirklich eine teuflische Fahrerei. Es kam sehr aufs Fingerspitzengefühl an. Fuhr man zu langsam für die leichteren Strecken, dann überholten uns die Busse und Lkws in waghalsiger Weise und behinderten uns. Fuhr man zu schnell, so kann man sich denken, was dann geschah. Tscha, und das ging dann auch prompt nicht gut. In einem kleinen orte namens Divandere, ca. 80 km vor Sanandaj war ein Kreisverkehr zu eng und zu glatt, so dass der Wagen geradeaus in einen Dokkan fuhr. Wir hatten noch eine beträchtliche Geschwindigkeit drauf. Doch dann standen wir plötzlich.

Es war totenstill plötzlich. Ein Kurde, der Zeuge war, lief schnell weg. Vielleicht wollte er mit der persischen Polizei nichts zu tun bekommen. Schnell fuhr ich rückwärts aus der Unfallstelle wieder heraus und sah mir den Schaden an. Es war ein Chelokebab-Laden. Tschahar Fasl = Vier Jahreszeiten stand darüber. Ein Stück der Mauerecke und etwas von dem Wellblechvorhang, der die Läden hierzulande nachts verschließt, war nebst der Gleitschiene für den Blechvorhang verbogen. Dabei will ich der Mauer nicht unterstellen, dass sie biegsam war, sondern sie war einfach alt und sehr schlecht gemauert. So hatten die Steine etwas nachgegeben. Am Unimog war nichts kaputt. Nur leichte Beulen im Kühlergrill und im Aufbau, der gegen das Fahrerhaus geknallt war. Und der Kühler, der schon von Deutschland her lose war, verrutscht, so dass der Ventilator daran schrubbte. Das mußten wir natürlich noch ändern, was einige Bastelei verursachte. Es schlief.- natürlich von uns keiner mehr, aber von den Anwohnern zeigte sich keiner. Von Passanten, die einem ankommenden Bus entstiegen, erfragten wir die örtliche Polizeidienststelle. Dort sagte man uns, das 7.ei gar keine richtige Polizei, und wir sollten doch nach Sanandaj fahren, dort sei eine richtige Polizeistelle und dort könnte man uns weiterhelfen. So fuhren wir denn also nach Sanandaj, der Hauptstadt von persisch Kurdistan. Es war schon 5 Uhr 10, als wir dort ankamen. Aber aus der Erfahrung wußten wir, dass die Behörden im Lande des Shahinshah Ariamehr nicht vor 9 Uhr aufmachten. So schliefen wir noch etwas. JöJa faßte sich dann den ersten Bullen, den er sah, verklickerte ihm die Sache und suchte mit ihm nach der Polizeistelle. Kurz vor dem Gebäude dann hatte der Bulle endlich verstanden, was eigentlich los war, die Leute hier brauchten schon ihre Zeit, und meinte, hier sei Oberhaupt die falsche Stelle, und wir müßten nach Tabriz. Das war uns aber doch zu viel, und wir beschlossen, wenn die Bullen unseren Unfall nicht haben wollten, eine Mücke zu machen und uns zu verdrücken, was uns nach einigen Irrwegen - JöJa fuhr zunächst direkt in ein Militärlager - auch gelang. Gefrühstückt wurde an einem sonnenbeschienenen Hang im Gebirge, wo es dank der intensiven Strahlung schon recht warm war. Wir genossen diese Wärme und frühstückten ausgiebig. Ich schoß herrliche Fotos im Spiegel meines Schwingtabletts von unseren Flippées. Aber hinterher mußte ich feststellen, dass mir der Film in der Kälte gerissen war, und alle Fotos von Van bis zum Karawanserail, über das noch geschrieben wird, nichts geworden sind. So etwas, sind für mich Gründe, um rot vor Wut zu werden. Aber was hilft es? UlKa war von diesem Frühstück gar nicht erbaut und wollte unbedingt weiter. Er grollte mit uns und der Welt, weil er meinte, die archäologischen Kostbarkeiten auf den Wegen nur bei Nacht noch betrachten zu dürfen. Um sich abzureagieren, durfte er fahren. oder war es doch JöJa? Jedenfalls sah man schon bald die Allee von Kermanshah nach Taq-e-Bostan. Nun, das ist aber wieder UlKa's Brevier:


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Taq-e-Bostan, der Gartenbogen. Mittels Ausweis wieder verbilligt rein. Ich könnte es mir einfach machen und auf mein Referat verweisen, aber um den unwissenden Leser informieren zu können, werde ich doch etwas näher darauf eingehen. Der Taq befindet sich 5 km von Kermanshah am Berghang. Heute ist die ganze Umgebung als Park wieder ausgebaut. Leider machte sich dies im Schnee nicht besonders bemerkbar. Die Anlage besteht aus zwei in den Fels geschlagener Diwanen, einem großen und rechts davon ein kleinere, sowie um ein weiteres Relief im Fels. Es war wahrscheinlich links vom Hauptbogen ein weiterer kleiner geplant. Die Anlage ist wegen ihrer versteinerten Stuckarchitektur, d. h. in den Stein gemeißelten Ornamenten und wegen der imposanten Großplastik wichtig. An der Anlage wurde zwischen 400 und 600 nach Christi Geburt im wesentlichen von drei Sassaniden Königen ausgebaut. Es ist noch nicht ganz geklärt.' ob es sich um einen Jagdpalast oder um eine monumentale Regierungserklärung (Investiturdarstellung!!) handelt. ich neige nach wie vor zu der bereits in meiner Ausarbeitung vertretenen Theorie, dass es sich um einen Gartenpalast, eine Art Raststätte auf der Paßstraße von Mesopotamien nach Ekbatana l Hamadan handelt. So, ich will hier gleich weitermachen: Ich fuhr den Wagen von Kermanshah im Eiltempo gen Bisotoun. Dort am Hang angelangt, bequemte sich außer HoWa keiner, mir auf die Terrasse zu folgen. Viel war nicht zu erkennen, da es außerdem sehr verschneit war. Ich machte dann noch das übliche Foto der Herakles Plastik mit dem darunter befindlichen achämenidischen Löwen auf dem der hellenistische Herakles ruht. Dann verließen wir schleunigst den Partherhang, nachdem wir noch eine für mich unbestimmbare Scherbe gefunden hatten, um Kangavar noch im Tageslicht zu erreichen.

Kangavar. In Kangavar befindet sich der größte hellenistische Tempel der Welt. Das heutige Dorf ist direkt daneben angelegt, ein Teil der Häuser war auch auf der unteren Plattform angelegt. Dort ist aber jetzt alles bis auf die Moschee abgerissen, und die früher eingebauten Säulen stehen jetzt von Gerüsten umgeben wieder frei. Als wir versuchten, in die Umzäunung einzudringen, um ein paar Fotos zu schießen, kam ein Wächter angerannt. Mit HoWa's Hilfe, der als einziger wieder die Kälte in Kauf genommen hatte, die anderen hatten vielleicht auch so etwas wie eine Protesthaltung eingenommen, verständigte ich mich mit ihm. Ich ließ ihm erklären, dass ich Archäologiestudent sei, und gegen die Versicherung, dass ich keine Fotos machen würde, durften wir dann den Stacheldraht passieren. Der Mann schien so etwas wie ein Vorarbeiter zu sein, denn er kannte sich gut in der Ruine aus, konnte uns über die Ausgräber informieren und sprach sehr viel, mein Dolmetsch bekam auch nicht alles mit, über das Museum in Teheran, diverse Doktoren und andere Grabungen wie Godin-Tepe.

Trotzdem war er Analphabet und konnte uns nicht einmal seine Adresse aufschreiben. Am Ende der Führung hinterließ ich meine Adresse, wir machten auch noch ein Foto von ihm, ließen uns seine Adresse geben - wir wollten dann nach Ende der Reise an alle Photos verschicken - und wollten ihm Bakschisch geben. Zu unserem Erstaunen nahm er es nicht an, und murmelte etwas von "im Dienste der Wissenschaft". Er wollte uns sogar über Nacht zu sich nach Hause einladen, erzählte, dass er genügend Eier auch für unsere Langschläfer hätte. Wir aber lehnten mit Bedauern ab, da wir seinem Stolz nicht unsere Flippées zumuten wollten. Wir haben selten wieder einen so einfachen und aufrechten Staatsdiener kennen gelernt.

Zur Grabung selber: Die Terrassen sind jetzt alle freigelegt. Der Grundriß kam mir aber ganz anders vor, als ich ihn aus Girshmans Iranian (oder Persian) Architecture in Erinnerung hatte. Die Anlage erhebt sich treppenförmig. Auf der untersten Terrasse, die über zwei Monumentaltreppen á la Persepolis an der Längsseite zu erreichen ist, erheben sich die bekannten riesigen Säulen. Auf den anderen Terrassen ließen sich noch Strebepfeilersysteme erkennen.

Ich selbst hatte mir die Anlage auch nicht so groß vorgestellt. Einst erhoben sich dort über 500 Säulen. Deshalb meine ich dass es für unsere Betthasen ein Verlust war. Die Italiener, die die Anlage restaurieren, waren zum Schnee-Einbruch abgereist. Überall, numerierte Blöcke und Säulen-Stümpfe herum. Anscheinend soll die untere Terrasse wieder hergestellt werden. Urteil: besonders sehenswert.

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Ja, der Mann von der Grabungsstelle war wirklich sehr nett. So etwas findet man im Iran nicht häufig, dass jemand so uneigennützig ist, und nicht einmal Geld annimmt. Er sprach auch sehr deutliches Farsi, und das, obwohl er weder lesen noch schreiben konnte. Er war "bi sawad", wie er sagte, das heißt ohne Bildung. Über die Ruinen wußte er dafür aber unheimlich gut Bescheid. Alles was er sagte, kam gleich darauf auf Deutsch von UlKa, ohne dass ich es zu übersetzen brauchte. Dann hat er mir noch den Namen des hier grabenden Professoren diktiert, und uns obendrein noch zum Abendbrot eingeladen. Das lehnten wir dann aber nach reiflicher Überlegung ab, weil wir dem Guten nicht unsere 3 Floppies zumuten konnten. Es fiel uns richtig schwer!!! Und wir machten uns mit leichter Wehmut nach Hamadan auf. Vorher habe ich noch ein Bild von dieser Seele von Mensch geschossen, dass aber wahrscheinlich nichts geworden ist. Oh, Schande über mein Haupt. Die Straße nach Hamadan war mir wohlbekannt, führte sie doch über einen ganz markanten Paß, doch Verfremdungseffekt. Es war alles tief verschneit, und man hätte mit einem intakten Apparat bzw. Film gute Winterfotos mit nach Hause bringen können. In Hamadan fanden wir nicht gleich das Zentrum, was allgemein sonst in Persien sehr leicht ist. So drehten wir noch eine Pirouette auf einem arschglatten LKW-Parkplatz und fuhren dann im Zentrum vor ein Teehaus vor. Ich hatte irgendwie keine rechte Lust, ins Teehaus zu gehen. Wahrscheinlich wegen unserer Flippées und besonders wegen Flavio. Über Flavio etwas zu sagen, ist ohnehin bald Zeit. So blieben wir im Unikum bei E-Pa und Schreibmaschine.

Aber nicht lange sollten wir so für uns im kalten Hamadan sitzen. Irgend jemand von uns hatte sich zwei schmierige Typen angelacht, die sich einfach nicht abschütteln ließen. Sie boten uns alles Mögliche und auch vieles Unmögliche an. Sie hätten ein Riesenhaus, Reitpferde etc. Die größte Attraktion aber schienen sie noch selber gewesen zu sein. Der eine sah so aus, wie sich eine Plattdeutsche Bauersfrau der Jahrhundertwende wohl einen Meuchelmörder vorstellte. So mit gezwirbeltem, langen schwarzen Schnurrbart, geschniegelten fettglänzendem Haarschopf. Seine kleinen listigen Schweinsäuglein schienen immer an allen Seiten gleichzeitig zu sein. - Der richtige böse, verderbte Gangster aus Omas guter alter Plüschzeit. Der andere ist mir nicht mehr so klar im Gedächtnis, aber viel besser wäre er auch nicht weggekommen, wenn das der Fall gewesen wäre. Als wir andächtig E-Pa-Vesper hielten und die beiden Schmierseife-Finken schon aus Platz- und Hygiene-Gründen ausgesperrt waren, jammerten sie draußen herum: "I bag your pardon, Mister, I really bag your pardon!!" Das war ja richtig zum Steinerweichen, das Gejammer. Nein, so hartherzig waren wir nun auch wieder nicht. Also hinein in die gute Stube. Was gab es? Das Übliche natürlich. Wie wir hießen. Nun, ich war Mohammed Ali, Ali Baba, und Iskender-e-Kabir sind ja schon bekannt. Ich, der Chinese, erregte allgemein Bewunderung, sah ich doch mehr wie ein Russe aus, mit meiner Erzerum-Mütze. Da staunten die Schleimer doch, dass der große Iskender ein Journalist aus Schweden, Gefangener des großen blonden Offiziers war, der einen geheimen amerikanischen Gefangenentransport durch den Orient übernahm. Streng geheim, mit CIA, ITT, Secret Service etc. Die beiden mußten schon ganz akut schwul gewesen sein, dass sie sich so verarschen ließen. Sie wollten ja unbedingt die beiden Schönsten von uns mit in ihre Butze nehmen. Da haben wir doch lieber eine Fliege gemacht und sind unter Absingen schmutziger deutscher Soldatenlieder aus dem Ekbatana der großen Männer und Schmierer entschwunden. Wir schliefen weit außerhalb der Stadt auf einem tief verschneiten Weg, den JöJa ausgesucht hatte. ich schlief erstmalig vorne quer über den Sitzen. Wir schliefen kalt und hart, aber tief und fest. Und wir träumten von dem Kommentar, den UlKa gleich über Hamadan zu Papier bringen wird.


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Hamadan war der Sommersitz der Achämeniden. Hamadan ist die kälteste Stadt in ganz Iran, dementsprechend angenehm kühl im Sommer. Ekbatana war zuvor Hauptstadt des medischen Reiches, bekannt durch seinen angeblich neunfachen Mauerring, bei dem die Zinnen des vorletzten versilbert und die des letzten vergoldet gewesen sein sollen. Archäologisch läßt sich in Hamadan nichts machen, da die moderne Siedlung direkt auf dem antiken Tepe liegt. Somit ist man auf Zufallsfunde aus, Baugruben angewiesen. Die Perserkönige werden Hamadan auch schon aus politischen Gründen besucht haben, die Reliefs aus Persepolis, über die ich später schreiben werde, zeigen deutlich, welch wichtige Rolle das Brudervolk der Meder gespielt hat. Ihre Stellung war gegenüber den anderen Vasallenvölkern sehr gehoben. Sehr viele Verwaltungzstellen waren den Medern erblich zugesichert. So behielt auch die Hauptstadt Meder weiterhin eine Bedeutung.

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ULKa's Nachtrag ...

Die schmierigen Typen wurden wir nur durch eine Show besonderer Art los. Ich ging herum und flüsterte allen etwas ins Ohr. Vorher erzählten wir den Persern, der Chef sei böse!! Da brüllte es auch schon: "rrrraustreten !!!" Wir aus dem Wagen, in Reihe in hab' acht angetreten, und die, verdutzten Perser kamen auch raus. Wir auf Kommando zusammen gerödelt rein in den Wagen und nichts wie weg von diesem kältesten aller kalten Plätze!!

20.02 Isfahan - Nesf-e-Jahan

Wenn es auch kalt ist, so ist es doch schön in so einer so tief verschneiten Landschaft aufzuwachen. Allgemein hatte man schon Sorge, dass wir nicht wieder auf die Straße kommen könnten. Aber wozu hatten wir- denn "Kamion Sachte Benz ba do Differential"? (LKW, Marke Benz, mit zwei Differentialen) Morgens kam es immer darauf an, erst, einmal in Schwung zu kommen, und nicht gleich das Frühstück einzunehmen weil man noch zu träge ist, gleich nach dem Aufwachen. So wühlten wir uns durch den Schnee auf die Straße und fuhren erst ein Stück, um wach zu werden. In Malayer war eine Tankstelle ganz durch Militärfahrzeuge blockiert. Wir fanden aber doch noch eine freie Zapfsäule für uns und JöJa nahm gleich Kontakt mit den Militärs auf, die sich neugierig nach den Abzeichen an unseren Parkas, unserem Auto etc. erkundigten. Übrigens, auch die Perser haben deutsche Armee-Parkas. "Krieg, Irak, Bagdad, kaputt, Damaskus bum bum.?!" meinte Big Rödel gleich sachverständig. Gut, dass die hochgestellten Perser so höflich sind. Sie lächelten nur freundlich. - Noch Brotkauf und nichts wie weg - Die Strecke hier war unheimlich befahren, vor allem von LKW's, die vom Kaspischen Meer nach Süden oder von Schatt-el-Arab nach Norden fuhren. Links und rechts Schneewände. Plötzlich kam Big Rödel vom Wege ab, und blieb ein Stück von der Straße ab im Schnee stehen. Aber das sollte kein Unfall sondern ein wohlüberlegte Handlung sein, klärte er mich auf. Nun, die Motivation und Rechtfertigung sind alles. Dieser Neuschnee war genau das Richtige für uns zum Figurenpinkeln und Linientreten. Abgesehen davon wurde hier gefrühstückt. Das nun endlich ist die (Gelegenheit, mein erstes wirklich meisterhaftes Gedicht anzubringen: Hier ist es:

Das Frühstück
von H. J. Rasputin alias Mohammed Ali
Ein Stück in der Frühe
Macht Kummer und Mühe.
Doch hat man dann auch
Etwas, im Bauch.

Es war eine richtige LKW-Strecke. Riesige Mack-Trucks hielten an und erboten sich, uns aus der Scheiße - pardon - dem Schnee zu ziehen. Solche Fahrzeuge sah man auch links und rechts am Wegesrand liegen. Nicht gerade alle Nase lang, aber die Unfälle waren hier doch schon recht häufig. LKW-Fans sollten mal. nach Persien fahren. Jeden Unfall habe ich auf den nicht mehr vorhandenen Film gebannt. Schade, schade! Nach Isfahan wollten wir diesmal eine andere Strecke wählen. JöJa kannte sie schon von 1972, aber für mich war sie neu: Über Borujerd, Dow Rud-Ezna nach Isfahan. Bei der Abzweigung merkte man gleich, dass man auf eine Nebenstrecke geraten war - Schlechter Belag, Schlaglöcher und nur noch eine Fahrspur. Dennoch waren dicke Brummer unterwegs. Was wir schon länger befürchtet hatten, trat hier ein. Der Kühler lockerte sich wieder und wurde in seiner Seitenbegrenzung vom Ventilator ziemlich zerfleddert. Kein Problem für zwei große Bastler, würde ich da als Kenner sagen, und in der Tat, mit Hammerstiel und Kabel ging die Sache wieder in Ordnung. Das war nun endlich für JöJa die Strecke, einige Filme über verschneite Winterlandschaften abzudrehen, so von draußen mit ankommendem Uni, von innen, während der Fahrt und dem Fahrer frontal in die Fresse. Viele Füchse gab es hier, das war mir woanders und zu anderer Zeit nicht aufgefallen. Und viele Vögel saßen auf der Straße und einige haben wir wider Willen überfahren - diese dummen Viecher. Diese lange Strecke war ohne viel Abwechslung. Vielleicht ist noch bemerkenswert, dass ich zum ersten Mal sah, wie ein Jeep von einem LKW angeschoben wurde. Zum Abendbrot hielten wir, wie so oft, bei einem Teehaus. Der Fernseher lief hier auf vollen Touren und ich konnte die schier unglaubliche Geschwindigkeit der persischen Nachrichtensprecher bewundern.

Danach gab es iranische Orchestermusik. Für mich hätte das Abendbrot eigentlich gar nicht stattfinden dürfen, denn ich hätte beschlossen, dass ich kein Geld hätte. Aber es ist doch schön, wenn man gutherzige Kameraden hat. So bekam ich von jedem etwas. Hie ein Stückchen Kebab, da etwas Brot, einer mochte sein Mast, den Yoghurt nicht, und dem anderen waren die Zwiebeln zuviel. Es war wie in alten Schnorrerzeiten in Zeven in der Eisdiele. Hier sei es zwar kalt, aber in Isfahan sei Frühling und die Sonne scheine, sagte man uns. Na, war das für uns aber eine Freude. Bloß schnell zur Hälfte der Welt, welches Isfahan nach einem persischen Sprichwort sein soll: "Esfahan Nesf-e-Djahan." Es fuhr UlKa, die Ratte, mit Hugh, dem Schönling, und ich schlief, so gut es auf dieser Piste ging. Vor einer Moschee in der Hauptstraße von unserer Zielstadt kamen JöJa und ich wieder ins Cockpit, weil wir die Gegend hier ja kannten. Am Tourist-Office vorbei und immer geradeaus. Auch hier inmitten der Stadt rutschten die Leute schon in die Djuis - wegen Schnees. Also nichts mit Frühling in Isfahan. Der da im Graben steckte, war ein ausgewachsener Bus, und da stieg in uns doch die Barmherzigkeit auf, und wir beschlossen, unsere gute Tat für heute doch nicht ins Wasser bzw. in den Schnee fallen zu lassen, und den armen Teufel aus seiner Falle zu ziehen. Wahrscheinlich das einzige Mal, wo wir die Schleppstange auf der gesamten Reise benötigten. Die waren vielleicht begeistert, als so verlotterte Hippies plötzlich mildtätig wurden, das hatten sie noch nicht erlebt, und sie kriegten sich auch kaum wieder ein vor Dank. Freilich ohne einen Unimog mit allen gezogenen Registern wäre uns das nicht gelungen. Endlich einmal eine Rechtfertigung. Auf der Suche nach dem Campingplatz-Park-Garten-Hotel stellten wir fest, dass JöJa und ich sogar das gleiche meinten. Wahrscheinlich aber, gibt es nur eins davon. Und selbst gefunden haben wir es nach kurzer Odyssee. Stark besucht war unser Garten nicht, aber wenigstens offen im Winter. Der Diener erinnerte sich sogar noch an den Riesen-Germanen, der anno dunnemals mit einem Borgward-Getriebe auf der Schulter durch die Gegend marschiert war. In Ruhe ein Tee zur späten Stunde, und dann ging es endgültig in die Heia. Zu Dritt, denn der Vertrag unserer Flippées war abgelaufen, und sie nahmen sich ein Zimmer. Außer uns waren noch zwei weitere deutsche Wagen da. Ein Käfer und ein Bus.

Doch nun gute Nacht: Es war gut, das dumme Gesicht von Flavio,dem Osterinsulaner nicht sehen zu müssen. Der Flavio ist schon so ein eigen Ding. Er sah ungefähr so aus wie ein original Schweizer Gnom oder ein altnordischer Troll, dem man das Gesicht eines Huzels aufgesetzt hatte. Die Gesichtszüge waren zwar nicht wie mit der Axt ausgehauen, aber dennoch einfach und ungeheuer prägnant. Den monolithischen Osterinselköpfen zum Verwechseln ähnlich, wäre er auf selbiger Insel bis zum Hals eingegraben nicht sonderlich ins Auge gefallen. Monumentale Naivität leuchtete aus seinem stumpfen Gesicht, und seine Nähe strahlte im Glanze seines brennendes Desinteresses. Wenn er mit Pudelmütze, die immer bis weit über di-e Ohren ging, und ständig triefender Nase, ewig frierend mit den überlangen Armen schlackernd in ein Teehaus kam, erstarrte immer alles, und sah ihn ungläubig an, als dürfte es so etwas gar nicht geben. Er hatte so gar kein Leben an sich und schien fast von einem anderen Stern zu kommen. Sein Reich war denn auch nicht von dieser Welt. Er wollte nach Indien, um dort die Wahrheit zu suchen. Der wird nicht schlecht enttäuscht werden. Seine mystischen Bücher und sein Brustbeutel waren mit indischer Schrift verziert. dass er ein Lebewesen war, merkte man nur an seinem penetranten Gestank und wenn er selten genug - seine fistelnde Stimme erhob. Egal, was draußen los war, ob wir Mauern rammten oder Busse aus dem Dreck zogen, er steckte nur kurz seinen Kopf aus dem Fenster, blickte links, blickte rechts, Fenster zu. Das war alles.

21.02 Ein ver(t)rödelter Tag

Wie war das doch schön, wieder einmal eine Dusche zu haben. Das erste mal warmes Wasser seit Ankara. Dann den Wagen aufräumen. Endlich wieder Ordnung. Wenn hier auch noch kein Frühling herrschte, so war die Stimmung doch sehr gehoben. Es sangen die Vögel, und wenn keine Wolken zu sehen waren, schien die Sonne auch so warm, dass einige Leute im Bikini im Liegestuhl lagen. Dabei lag noch überall Schnee herum, der jedoch fleißig taute, wo die Sonne ihn erreichte. Das brachte uns so richtig in Hochstimmung, was man auch am Tagebuch und an den Briefen aus dieser Zeit ablesen kann- Ich war damals noch bei Istanbul, habe aber eine beträchtliche Seitenzahl geschafft.

Es ging hier richtig familiär zu. Außer uns waren noch ein Berliner VW-Bus und ein bayrischer Käfer da. Die Typen wollten nach Indien und dort einkaufen. Die einen hatten eine Teestube in Berlin: Daniels Teahouse, 50 (inzwischen über 100) verschiedene Sorten Tee aus Direktimporten, Boutique Daniel, stand auf der Visitenkarte zu lesen. Denen muß ich übrigens noch schreiben, weil sie Bilder aus der Zeit gemacht haben, welche meine ja alle verloren sind. Im Hause lief der Fernseher den ganzen Tag, und der Manager, der angeblich am Rande der Kavir geboren ist, und deswegen so dunkle Haut hat, bekam immer Besuch von Freunden, so dass es immer eine gemütliche kleine Runde war, die im Foyer saß. Ich habe den ganzen Tag die Sonne genossen und getippt.

Gegen Abend sind wir noch in die Stadt gefahren. Eine Zwischenmahlzeit konnte man am Eingang des Bazars in Form von Asch, also Gemüsesuppe einnehmen. Die Bazarstraßen waren unheimlich glitschig und zwischen den Häusern lag hoher Schnee. Manche Häuser waren, nein manche Autos, die in den engen Gassen standen, waren ganz von der Außenwelt abgeschnitten und werden erst wieder freikommen, wenn der Schnee getaut ist. Zwar ist so ein Gang durch den Bazar immer interessant, aber UlKa und ich froren bald ganz tierisch an unseren ureigensten Füßen, was uns große Pein bereitete, und dem Ganzen seinen orientalischen Bazarreiz nahm. Aber ist Persien Oberhaupt noch Orient, wie er in Karl May steht? Sicher nicht. Der Iran ist ein Land auf der Kippe. Halb Mittelalter, halb moderner Staat. Aber aus so einem Bazarlabyrinth herauszufinden, ist so einfach nicht. Man muß schon eine gute Orientierung oder einen Kompaß haben.

Jedenfalls waren wir froh, als wir wieder im Hotel am warmen Ofen waren und uns unsere erfrorenen Gliedmaßen wärmen konnten. Das TV spielte gräßliche, amerikanische Krimis, Western, auch deutsche Sachen, z. B. den 7. Sinn und deutsche Schulprogramme über Maschinenbedienung. Dazwischen schicke Schlagersängerinnen. UlKa staunte über die ausgewählte Schönheit einiger persischer Mädchen, und nahm sich fest vor, in Schiraz Kontakt zum Archäologischen Institut aufzunehmen und dort eventuell einige Mädchen kennenzulernen. Inzwischen waren noch zwei ruhige Australier, die in Thailand eine nette Strecke hinter sich hatten, gekommen. Der Mann unterhielt sich fachmännisch mit Big Rödel über unser Unikum. Der Abend ging in Tippen und Fernsehen unter. Wir waren noch sehr aufgedreht und pisakten den armen JöJa noch lange im Bett mit seiner französischen 3 Greif-Tramperin und lästerten über den Osterinsulaner, den wir auszustellen beschlossen. Die Drei haben uns übrigens jeder 5 Dollar für die Militärische Gespeise gegeben. Das war in Ordnung. Nun, zumindest 2 von ihnen hatten das Geld dazu auch. - Gute Nacht!


Briefe ...

UlKa, Isfahan, 21-02-1974

HoWa, Isfahan, 22-02-1974


22.02 Träge Massen im Rödelfieber

Wie schon in dem zweiten Brief an Re beschrieben, sollte dies ein reinrassiger Rödeltag werden. Das ist er dann aber doch nicht geworden. Bis die trägen Massen so in Wallung geraten, ist immer schon der halbe Tag vergangen. Heute Abend wollten wir doch weiterfahren. Der hilfreiche Manager griff uns dann noch unter die Arme, und verschaffte uns einen großen Bottich für den Ölwechsel. Die wirklich unumgänglichen Dinge nämlich hatte ich übernommen. So sah ich zwar nach kurzer Zeit aus wie ein Dreckschwein, aber die Jagd nach immer neuen Schmiernippeln machte mich doch so recht glücklich. Ja, ja, wenn die Hand von Schmiere auch klebt, das Herz doch lacht und bebt.

Außer Abschmieren lagen noch Ölwechsel im Motor, Prüfung der Ölstände in Getriebe und vorderem und hinterem Differential an. Dann aber wurde es mir wieder zu kalt. Es ist denn nun auch nicht gerade als Vergnügen zu bezeichnen, im schmierigen Panzerkombi auf dem Boden zu liegen und sich den Dreck in die Fresse fallen zu lassen, zu der man das Gesicht bei solchen Anlässen verzieht. Bemerkenswert noch ist, dass JöJa die beiden annehmbaren Flippées überzeugen konnte, dass es doch besser sei, weiterhin mit uns bis nach Meshed zu fahren und nicht schon in Isfahan von uns zu scheiden. Unsere Kasse brauchte das einfach. Wir hatten nämlich Kassensturz gemacht, und einen Bestand von ca. 623 DM als Gesamtsumme festgestellt, eine finanziell verdammt dünne Basis. Wenn wir ein größeres Unglück zu verkraften hätten, so könnten wir das nicht. Dennoch, der Drang nach vorne beseelte unsere Brust. Flavio, das hatte ich noch vergessen zu sagen, hatte die erste Nacht noch bei uns geschlafen, dafür aber nicht bezahlt. Wahrscheinlich hat er nicht gewußt, dass auch dafür eine Pauschale zu entrichten sei. Nun, bei seinem Desinteresse hat er so vieles nicht gewußt- UlKa und ich sind an diesen Tagen noch kurz ins Zentrum getobt, um das Licht auszunützen, und einige Fotos von den Moscheen zu machen. Für mich allerdings vergebens. Dabei wäre das doch was gewesen, die Kuppeln von Isfahan im Schnee. Tatsächlich kamen wir an diesem Abend noch los, doch UlKa fuhr so unglücklich in einige Bodenwellen, dass dem Riesenbaby unser Gasheizer an den Kopf flog und er wutentbrannt durch das Verbindungsfenster brüllte und UlKa der vorsätzlichen Babyschändung bezichtigte. Kurz darauf der zweite Bock: Er achtete jetzt zwar akribisch genau auf alle Unebenheiten in der Straße, doch sah er nicht auf das Thermometer. Wir aber hatten doch bei kaltem Motor die sogenannte Anfahrpappe vor dem Kühler. Ich sah zufällig, was ich sonst auch öfters tue, als Beifahrer auf das Wasserthermometer und wollte glatt meine Sinne für untauglich erklären. Es stand auf 110° C. Das war nun eben doch zuviel. Es wurde vereinbart, ein Stück außerhalb der Stadt auf irgendeinem Feld zu halten, was dann auch zu aller Zufriedenheit ausgeführt wurde.

Die Piste
UlKa - danach
Horst Walther, Hamburg,