Germania VI - in Fahrt

Mythos: Hochseerennjacht ist die kleine Schwester der "Gorch Fock". Einst war sie die Privatjacht Alfried Krupps. Jetzt ist sie ein erfolgreiches Schulschiff.

Sie ist schlank, sie ist schnell, sie ist grün - und sie ist ein Mythos. Doch nur wenige wissen, dass die Hochseejacht "Germania VI" eines der erfolgreichsten deutschen Schulschiffe ist. Mehr als 4000 junge Leute haben sich auf den Planken des Zweimasters "Seebeine wachsen" lassen, dabei hat die "Germania VI" schon mehr als 250 000 Seemeilen zurückgelegt. Das entspricht der Strecke von der Erde bis zum Mond. Der Essener Stahlmagnat Alfried Krupp von Bohlen und Halbach ließ sich das 22 Meter lange Schiff mit 320 qm2 Segelfläche 1963 als private HochseerennJacht in Bremen bauen. Als Baumaterial für den Rumpf wählte er nicht Stahl, sondern Aluminium, damals eine Sensation. Krupp bestritt viele Regatten an Bord, sogar vor Südamerika und den USA. Nach Krupps Tod, nur vier Jahre später, setzte sich der neue Unternehmenschef Berthold Beitz dafür ein, dass die Jacht im Sinne des Eigners weiter segeln kann. Er übertrug die "Germania VI" der Krupp-Stiftung, und unter der Leitung ihres Haupt-Skippers, des Hamburger Rechtsanwaltes Dr. Wolfgang Paul, werden seither Reisen durch Nord- und Ostsee, Mittelmeer und bis an die Küste Afrikas und der USA unternommen. Die Mitsegler zahlen nur einen Proviantbeitrag von zehn Euro am Tag und ihre Anreisekosten.

Germania VI - in Fahrt

Beitz, Mitglied des IOC, nutzte die Jacht in den 1970er- und 1980er-Jahren in Sachen Sport-Diplomatie. So lüpfte sich für die "Germania VI" sogar der Eiserne Vorhang. Auf der Höhe des Kalten Krieges besuchte die Jacht auf zehn Reisen die DDR, Polen und die UdSSR. Es geht auf der "Germania VI" nicht so militärisch zu wie auf dem Marine-Schulschiff "Gorch Fock", aber Seemannschaft, Kameradschaft und gutes Benehmen werden dem Nachwuchs mitgegeben. Dafür sorgt schon Bootsmann Günter Bunke, die gute Seele an Bord. Heimathafen der "Germania VI" ist Kiel, wo die Jacht einen Ehrenplatz am Hindenburg Ufer hat - nur einen Steinwurf entfernt vom Liegeplatz ihrer großen Schwester, der "Gorch Fock".

Informationen im Internet: http://www.krupp-stiftung.de

Svante Domizlaff, Hamburg, 2006-08-12