Dr. Walther von den Reisen auf der einmaligen Hochseejacht begeistert -
Erlebnisse, die die Crew zusammenschweißten.

Germania VI bei leichter See unter Vollzeug mit Spinnacker und Besanstagsegeln gesetzt.

Ein herrliches Schiff: die "Germania VI" auf dem Atlantik. Die Segelfläche ist 190 Quadratmeter groß.

Veersebrück. Jetzt, am Jahresende, hat Dr. Horst Walther (35), Unternehmensberater in Hamburg und in Veersebrück bei Scheeßel aufgewachsen, genug Zeit, um sich zu erinnern. Er nimmt einen dicken Aktenordner hervor: "Hier, sehen Sie, das ist die "Germania VI". Diese Hochseerennyawl ist wohl einmalig in der Bundesrepublik und dient ausschließlich der Ausbildung von jungen Seglern. Das geht auf ein Vermächtnis des ehemaligen Eigners Alfried Krupp von Bohlen und Halbach zurück, der bestimmt hatte, daß dieses Schiff nach seinem Tode in Fahrt bleiben und dem deutschen Volke das Hochseesegeln ermöglichen sollte. Heute wird dieses Schiff von der gleichnamigen Stiftung betrieben. Ein Zufall brachte mich mit diesem Schiff in Kontakt. Ich habe einmal für den Smut, der, wie immer an Bord, eine Schlüsselperson ist, ein Computerprogramm geschrieben. Alle Mitsegler sind natürlich Amateure und setzen sich nur aus Freude am Segeln ein.

Dr. Walther kennt die Welt: Er war unter anderem - wir haben bereits darüber berichtet - in Äthiopien, Asien (mit Schwerpunkt Persien) und in Südamerika. Reisen, an die er sich immer wieder gern zurückerinnert. Ein besonderes Erlebnis waren jedoch die vier Reisen mit der "Germania VI": nach Schottland, von den Kanarischen Inseln über den Atlantik in die Karibische Inselwelt, mit der Krupp-Stiftung in halboffizieller Mission in die DDR oder, wie zuletzt, als Navigator nach Westafrika.

Horst Walther am Ruder in schwerer See

Sinn dieses Berichtes kann nicht sein, jetzt vier Reisen über die Weltmeere zu beschreiben. Deshalb einige Namen bekannter Männer, Erlebnisse, Erinnerungen, die diese Fahrten, mit der "Germania VI" zu einem besonderen Erlebnis werden ließen. Dr. Horst Walther: "Durch das hohe Ansehen, das der jetzige Eigner der Jacht, Berthold Beitz im Ostblock genießt, war es uns, der "Germania"-Crew, wohl als einziger Privatjachtbesatzung möglich, die herrlichen Segelreviere der Ostsee zu befahren und ein Land wie die DDR aus einer Perspektive kennen zu lernen, wie sie Westdeutschen sonst nicht geboten wird, aber auch Größen aus Wirtschaft und Politik als Menschen hautnah zu erleben".

Zu den prominenten Mitseglern, die Horst Walther während seiner Reisen traf gehörten unter anderem neben Beitz der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Heinz Kühn, der ehemalige Wissenschaftsminister Leussink und Uwe Barschel, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein.

 Dr. Walther: "Die Einmaligkeit, mit "Germania" zu segeln, liegt für mich auch darin, weltvergessene Gegenden wie die Kapverdischen Inseln anzulaufen, an unbewohnten Koralleninseln zu ankern oder einfach die Herausforderung anzunehmen, dieses Schiff und seine Besatzung als Navigator punktgenau auf große Distanzen ihrem Ziel entgegenzuführen. Darunter darf man sich nicht nur "happy sailing" vorstellen, sondern auch Gegebenheiten wie die, wo uns in einer stillen Ankerbucht in der Karibik mitten in der Nacht urplötzlich ein Wirbelsturm überfiel, den Anker aus dem Untergrund brach und drohte, das Schiff auf die Klippen zu werfen. Dann zeigte es sich, was wir trotz all dieses schönen Wetters gelernt hatten: ln wenigen Sekunden hatte die Mannschaft, noch im Schlafanzug, ihre Posten besetzt, die Maschine gestartet und im letzten Augenblick eine Katastrophe abgewendet. Die Erfahrung, daß sich jeder auf den anderen verlassen kann, hat die Mannschaft zusammengeschweißt und das wurde uns die wichtigste Reiseerfahrung Der Abschied von der "Germania" fiel Horst Walther jedesmal schwer, gern würde er wieder zu einer erneuten Reise starten. Er weiß: "Irgendwann in den nächsten Jahren wird es eine Reise geben, wie sie von einer Hochseejacht wohl noch niemals unternommen wurde. "Germania" wird mit gelegtem Mast eine Reise von der Ostsee über die russischen Ströme bis ins Schwarze Meer unternehmen - mit der "Germania"-Crew als "Wolgaschiffer".

Zu dem einmaligen Schiff einige technische Daten: Die Länge der "Germania" über alles beträgt 22,5 Meter, der Tiefgang fast drei Meter, und die Segelfläche ist 190 Quadratmeter groß. Die "Germania" ist die erste ganzgeschweißte Aluminiumjacht der Welt. - Dr. Walther: "Aber was die technischen Daten nicht sagen können: Im Vergleich zu allen modernen "Rennziegen" strahlt die "alte Dame" eine gediegene Eleganz aus die, die Fahrt mit ihr zu einem Erlebnis macht" .bn.

... schrieb die Rotenburger Kreiszeitung Silvester 1986 im Lokalteil