Schlimmer Verdacht: Expedition Rüdiger Nehbergs In Äthiopien vermisst

Eigener Bericht

schü. Hamburg, 29. April (auf der Titelseite)

Während der Vorbereitung für die Danakil-Expedition

Während der Vorbereitung für die Danakil-Expedition

Die aus drei Mann bestehende Hamburger Expeditionsgruppe unter Leitung des bekannten Amateur-Forschers Rüdiger Nehberg befindet sich möglicherweise in der Hand äthiopischer Rebellen. Die Ehefrau Nehbergs hat letzt eine Nachricht aus der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba bekommen, die einen solchen Verdacht nahelegt.

Rüdiger Nehberg hat bereits mehrere Äthiopien-Expeditionen gemacht und 1972 zusammen mit dem Hamburger Kameramann Michael Teichmann den Blauen Nil mit einem selbstgebauten Boot bezwungen. Bei einer späteren Expedition war Michael Teichmann am Blauen Nil von räuberischen Eingeborenen erschossen worden.

Mit dem Journalisten und Kameramann Klaus Denart und dem Chemie-Studenten Horst Walther war Rüdiger Nehberg am 1. Januar wieder nach Athiopien gereist. Ziel der Expedition: Die Danakil-Wüste, eines der heißesten Gebiete der Erde. In der äußerst salzhaltigen Wüste mit vielen Kali- und Schwefelvorkommen und noch tätigen Vulkanen wollten die drei Forscher ihre Versuche starten: mittels einer Chemikalie die Luftfeuchtigkeit aufnimmt, und eines selbstentwickelten Hohlspiegels ging es ihnen darum, Wasser sozusagen "aus der Luft" zu gewinnen.

Ursprünglich wurde die Expedition bereite Ende März in Hamburg zurückerwartet. Doch der Beginn in Äthiopien selbst verzögerte sich, weil die Danakil-Wüste einer der politischen Unruheherde in Äthiopien ist und es für die Gruppe offenbar sehr schwer war, überhaupt in dieses Gebiet zu kommen. Seit Mitte Februar fehlte dann von ihr jede Nachricht. Vor zwei Tagen nun bekam Maggy Nehberg, die Ehefrau des Hamburger Expeditionsleiters nach vorheriger telegrafischer Anfrage einen Telefonanruf aus Addis Abeba. Eine Bekannte der Familie Nehberg berichtete, es gebe Informationen, wonach drei Deutsche von Aufständischen gefangengenommen wurden Angeblich haben die Rebellen angekündigt die drei dem Sudan auszuliefern. Wenn diese Nachricht stimmt, dann handelt es sich bei den Gefangenen mit größter Wahrscheinlichkeit um Nehberg, Denart und Walther.

... schrieb das Hamburger Abendblatt am 29. April 1977