Nachdem sie in der Wüste Wasser gewannen: Walther, Nehberg und Denart konnten die Danakil-Wüste nur zum Teil durchqueren, weil der Kameltreiber sie verließ - Sollen in den Sudan abgeschoben worden sein

Kurze Zeit vor dein Abflug nach Äthiopien (von links nach rechts): Horst Walther, Klaus Denart und Rüdiger Nehberg.

bn. Veersebrück. Student Horst Walther (25), Veersebrück, Konditormeister Rüdiger Nehberg (41), Hamburg, und Kameramann Klaus Denart (34), Kiel starteten - wir berichteten ausführlich darüber - Anfang Januar zu einer bisher einmaligen Forschungsreise nach Äthiopien. Sie wollten in einem 1000-Kilometer-Marsch die riesige Danakil-Wüste durchqueren. Als sie mit einer Maschine der "Sudan Airways" vom Hamburger Flughafen aus starteten, hatten sie ein von ihnen selbst entwickelte Anlage bei sich, mit der sie in der Wüste Wasser gewinnen wollten. Möglicherweise endete jetzt die Expedition vor ihrem Abschluß. Die drei wurden unter Umständen abgeschoben.

Die Eltern von Horst Walther, das Ehepaar Horst und Annemarie Walther, wurden inzwischen von zwei Briefen unterrichtet, die Frau Nehberg und Frau Denart von ihren - Ehemännern erhielten. Darin wird mitgeteilt, daß die drei Männer nur einen Teil ihres langen Weges zurücklegen konnten.

Aus unbekannten Gründen wurden sie von dem sie begleitenden Kameltreiber verlassen. Sie waren gezwungen, zu dem Ausgangspunkt ihrer langen Wüstenwanderung, dem Dorf Bati, zurückzukehren. Dann die wichtige Mitteilung:. die im Labor der Hamburger. Universität funktionierende Anlage zur Wassergewinnung habe sich auch in der Praxis bewährt.

Das neue System beruht auf der Erfahrung, daß durch das erhebliche Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht und in "knochentrockenen" Wüsten Luftfeuchtigkeit entsteht. Und die wird von der Chemikalie Zeolith gierig aufgesogen. Fünf Kilogramm davon in Kugelform hatten die Männer in ihrem Gepäck. Die. Chemikalie muß anschließend gezwungen werden, das Wasser wieder abzugeben. Dazu dient ein mitgeführter zusammenfaltbarer Hohlspiegel aus Aluminium.

Er konzentriert, ähnlich wie ein Brennglas die Sonnenstrahlen auf die wassergeladenen Zeolith-Kugeln. Bei 200 bis 300° C Hitze geben sie das Wasser wieder ab, das in destillierter Form aufgefangen wird. Nachdem notwendige Mineralien hinzugegeben worden sind, ist das Wasser für den Menschen genießbar. Diese Anlage hat also erwartungsgemäß gearbeitet, sie konnte jedoch in einem Gebiet mit tätigen Vulkanen dem Mittelpunkt der Forschungsreise nicht eingesetzt werden Bis dorthin kamen die drei Norddeutschen einfach nicht

Die Frau des deutschen Militärattachés in der Äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba v. Carell teilte vor wenigen Tagen telefonisch Frau Nehberg mit daß drei Weiße festgenommen worden sind. Es wird vermutet daß es sich um Walther Nehberg und Denart handelt Akustisch schlecht verständlich soll Frau v. Carell zum Schluß des Gespräches gesagt haben, die drei seien in den Sudan abgeschoben worden.

... schrieb die Rotenburger Kreiszeitung am 28. April 1977