Eine hübsche Schwarze schmückt die Postkarte, die Horst Walther an seine Familie aus Addis Abeba nach Veersebrück schickte.

Expeditions-Teilnehmer Horst Walther schrieb an seine Familie - Einmaliges Experiment hat begonnen

bn. Veersebrück. Während es bei uns friert und schneit. durchquert Horst Walther ein 25-jähriger Chemiestudent aus Veersebrück die Danakil-Wüste in Äthiopien. Zusammen mit zwei Freunden, dem Hamburger Konditormeister Rüdiger Nehberg, und Kieler Kameramann Klaus Denart, ist er, wie berichtet, Ende vergangenen Jahres zu einer bisher einmaligen Expedition in eines heißesten Gebiete dieser Erde gestartet. In die Danakil-Wüste, die zum Teil unerforscht ist und wo die drei mit einem neuen Verfahren Wasser gewinnen wollen!

Inzwischen ist bei der Familie Walther aus Äthiopien eine Postkarte eingetroffen. Datiert vom 5. Januar schreibt Horst Walther: "Bisher ist alles glatt gegangen. Das Land liegt im Chaos und ist verdammt teuer. Überaus interessant ist es aber dennoch. Morgen geht es los in die Wüste."

Wie kurz danach aus einem langen Brief, Rüdiger Nehberg an seine Frau Margret nach Hamburg schickte, hervorgeht, sind die drei zu ihrem wochenlangen Marsch durch die Wüste am 8. Januar aufgebrochen.

Sie sind vorher ohne Schwierigkeiten durch die Kontrollen gekommen. Die Revolver, die sie sich zu ihrem persönlichen Schutz mitgenommen haben, wurden nicht entdeckt.

In der Äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba trafen die drei Männer letzte Vorbereitungen. Horst Walther besuchte die Universität, und außerdem nahmen die Forscher Kontakt mit der deutschen Botschaft auf.

In der deutschen Vertretung ließ man es nicht bei guten Ratschlägen: der Militärattaché Carell setzte sich kurzerhand in das Steuer eines Lastwagens und fuhr die Männer zusammen mit ihrer Ausrüstung an den Rand der Danakil-Wüste.

Horst Walther wenige Stunden vor seiner Abreise nach Äthiopien.

Auf einem riesigen Kamelmarkt kauften sich Horst Walther, Rüdiger Nehberg und Klaus Denart drei Kamele als Lasttiere. Begleitet werden sie von einem Führer, den sie unbedingt brauchen, um Kontakt mit den Afars aufnehmen zu können. Es ist sehr wichtig, diesem kleinen, aber sehr aggressiven Hirtenvolk richtig gegenüberzutreten.

Im Mittelpunkt der Expedition, die etwa zwei Monate dauern wird. wird das Testen der mitgeführten Apparatur zur Wassergewinnung in der Wüste stehen. Das ganze beruht auf der Erfahrung, daß durch dem erhebliche Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht auch in der trockenen Wüste Luftfeuchtigkeit entsteht. Und die wird von der Chemikalie Zeolith, die es erst seit fünf Jahren in der Industrie gibt. gierig aufgesogen. Fünf Kilogramm davon in Kugelform sollen der Danakil-Luft das Wasser entreißen. Die Chemikalie wird anschließend gezwungen, das Wasser wieder abzugeben. Dazu dient ein Hohlspiegel, der die Sonnenstrahlen auf die wassergeladenen Zeolith-Kugeln konzentriert. Bei 200 bis 300° C Hitze geben sie das Wasser wieder ab, das in destillierter Form aufgefangen wird. Nach Hinzugabe von Mineralien ist das Wasser für den Menschen genießbar.

Während die drei für alle Fälle auch "echtes" Wasser mitführen, will sich Horst Walther ausschließlich von dem Wüsten-Wasser versorgen. Da es zur Zeit keine Verbindung zu den drei Männern gibt, kann nicht gesagt werden, ob das Verfahren, das in dieser Form noch nicht praktiziert worden ist, auch funktioniert. In der Hamburger Universität, wo Horst Walther Chemie studiert, arbeitete die Anlage einwandfrei. Sollte die Apparatur die Wüsten-Probe bestehen, könnte sie möglicherweise einmal in Serie gehen und Engpässe in der Wasserversorgung ausgleichen.

... schrieb die Rotenburger Kreiszeitung am 18. Januar 1977