walking through the Danakil desert

Drei Männer, zwei Kamele, ein Ziel - zu Fuß durch die Danakil-Wüste, Wasserexperimente, Überfälle und viel Presseecho.

Es war im Winter 1977. Es ging nach Äthiopien. Wir wollten Wasser aus der Luft gewinnen. Ich war inmitten meiner Chemie-Diplomarbeit.

Schließlich wurde es ein Gewaltmarsch von 1.500 km durch Sand und Lava - und am Ende auch ein "klein wenig" abenteuerlich ...

Wie es anfing ...

Der Unimog war schon in Russland, Afghanistan und Marokko Der Globetrotter-Unimog musste diesmal zuhause bleiben. Ich trinke aus dem ziegenledernen Wassersack. Im Labor erkläern wir der Presse die Wassergewinnung Ich zeige meiner Freundin Regina Brodersen die geplante Reiseroute Großer Abschied auf dem Hamburger Flughafen am Neujahrstag 1977.

Gleich nach der Gründung der Deutschen Zentrale für Globetrotter (dzg) durch Ludmilla Tüting und einige weitere Unentwegte im Jahr 1974 wurde ich als bekennender Globetrotter das Mitglied Nr. 11. (Nr. 009 war schon an "Eule" (Lutz Fehling) vergeben.)

Es war der quirlige dzg'ler Heiner, der eines Tages zu mir kam und sagte: "Du, Horst, Rüdiger Nehberg ist der Kameramann erschossen worden. Jetzt sucht er einen Neuen - und einen Chemiker sucht er auch!" Rüdiger Nehberg kannten wir natürlich alle und sprachen oft über seine abenteuerlichen Reisen.

Er hatte 1972 mit zwei Freunden in einem selbst konstruierten Boot als Erster den Blauen Nil befahren - 1000 Kilometer vom äthiopischen Hochland bis zur sudanesischen Grenze. Als er sich 1975 sich noch einmal am Blauen Nil versuchte, endete das Abenteuer diesmal tragisch: sein Kameramann, Michael Teichmann, wurde von Shiftú (Räubern) erschossen.

Ganz so simpel und herzlos war die Sache nicht - aber einen Chemiker suchte er tatsächlich. Und da ich obendrein wüstenerfahren war und in meinem Institut mit Zeolithen zu tun hatte, war schnell beschlossen, dass mit in die Danakil-Wüste fahren sollte.

Denn Rüdiger wollte mit Hilfe von Trocknungsmitteln, wie wir sie in unseren Labors verwendeten, in ariden Gegenden die restliche die Luftfeuchtigkeit auffangen, sie daraus in flüssiger Form wieder zurück gewinnen und somit Trink-Wasser aus der Luft erzeugen.

Einen Kameramann hatten wir übrigens auch noch gefunden. Klaus Denart war zuvor insgesamt sechs Jahre durch Afrika gereist, mehr als drei davon mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern. Als freiberuflicher Kameramann hatte er gerade wenige Aufträge und auch keine guten Aussichten: Die deutschen öffentlich-rechtlichen Funkhäuser arbeiteten fast nur noch mit ihren fest angestellten Leuten. Denn die waren "eh da".

Was die Presse schrieb ...

Rüdiger hatte nach dem tragischen Ausgang seiner letzten Reise sehr viel Aufmerksamkeit in der Presse erfahren. Klaus war ohnehin aus diesem Business. Kein wunder, dass schon im Vorfeld unserer Reise in den Zeitungen über unser vorhaben berichtet wurde.

Und auch erwähnt in ...

Dia-Vortäge, Buch und Film ...

Unterwegs hatte ein jeder von uns seine Aufgabe ...

Und gemeinsam sind zu Fuß durch diese nicht ganz ungefährliche Wüste gewandert - insgesamt ~ 1.500 km.

Rüdigers Buch ...

Überleben in der Wüste Danakil
"Überleben in der Wüste Danakil",
broschiert, 234 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 6., Aufl. (Dez. 1994)
ISBN: 3492218091

... ist inzwischen verschiedenen Auflagen und Aufmachungen erschienen. Sogar der Verlag hat einmal gewechselt. Der Film "Danakil - zu Fuß durch das Höllenloch der Schöpfung" war später im ZDF zu sehen. Der "Stern" und einige andere Zeitschriften brachten später groß aufgemachte Artikel und Rüdiger tingelte mit einer Dia-Show durch die Lande und verkauft sein Buch.

Der Weg ...

mein Äthiopisches Visum Addis Abbeba - eine Synphonie in rostigem Wellblech Das Harambee-Hotel Des Bäckers neue Kleider Wir beötigen wüstentaugliche Kleidung eine Postkartenschönheit Meine Touristen_ID-card Klaus Denart blickt kommenden Abenteuern entschlossen entgegen Rüdiger hat ein 'Kunstwerk' erstanden

Wir flogen genau am Neujahrstag 1977 vom Hamburger Flughafen ab. Das Geld dafür hatte ich "eigentlich" nicht. Ich musste es mir erst leihen. Mein Freund Hans Stange kam tatsächlich noch am Vortag zu mir und drückte mir 5.000,- DM in die Hand - damals viel Geld.

Zunächst einmal war es gar nicht so einfach, in die Wüste zu gelangen. Äthiopien war - und ist immer noch - kein übliches Reiseziel. Der Flug war teuer - speziell mit all dem Expeditions(über)gepäck.

Das Land war von einer Militärdiktatur unter Mengistu Haile Mariam regiert. Mengistu, wie man ihn hier nur nannte war einer der Offiziere, die den Kaiser Haile Selassi drei Jahre zuvor gestützt hatten. Jetzt wollte er das Land mit seinem "DERG" (Revolutionsrat) vom Feudalismus in den Sozialismus führen. Das tat er ohne Rücksicht auf Verluste.

So war auch die Danakil-Wüste für Ausländer gesperrt. Denn deren Bewohner die Afars, von den Arabern auch Danakil genannt, befanden sich im offenen Aufruhr gegenüber der neuen Regierung. Nur den bisher dort tätigen Missionaren war der Zutritt gestattet. Einem solchen wollten wir uns anschließen. Doch zunächst hieß es Ausrüstung vervollständigen, Kontakte knüpfen und warten.

Der Aufbruch ...

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Nach Wochen der Ungeduld in Addis Abeba, der "neuen Blume", wie die Amharische Bezeichnung auf Deutsch heißt, konnten wir drei endlich losziehen. Osman unser Führer, unsere "Lebenversicherung", war eine Empfehlung unseres Missionars. Nur wenn er mit seinem Leben für das unsere garantierte, kämen wir wieder heil aus der Wüste heraus.

Mit jedem Meter Abstieg aus dem ~ 2000 m hoch gelegenen Plateau in die teilweise unter dem Meeresniveau liegende Afarsenke wurde es heißer, trockener und gefährlicher. Zunächst folgten wir dem einzigen größeren Fluss in dieser Gegend, dem Awash.

Kritische Situationen

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Irgendwann eröffnete uns Osman, der von seinem Vater Homed und zwei Treiber begeleitet wurde, dass die Hirten in der Gegend, die wir nun betraten, seinen Clan nicht mehr kannten. Sicherheit aber war nur durch die Drohung mit der Rache seines Clans zu erreichen. Osman wollte wieder zurück. Auf keinen Fall wollte er mit uns weiter ziehen. Auch wenn er uns das zu Beginn versprochen hatte.

Nach langen Verhandlungen, bei denen wir dennoch ein schlechtes Geschäft machten, kauften wir ihm die Kamele ab und fanden einen neuen Führer: Ato Haye, den wir wegen seines finsteren Aussehens "das Schlitzohr" nannten. Auch er hat uns brav geführt.

Packen und Treiben mussten wir jetzt selber. Das bedeutete, erst einmal den "Kamelführerschein" zu machen. Kamele sind robuste Arbeitstiere. Aber sie haben eine sensible Seele und sind leicht beleidigt. Dann gehen sie einfach "nach Hause".

Unser "Alltag"

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Bald waren unsere Vorräte aufgebraucht und wir lebten von Kamelmilch in allen Variationen: frisch aus der Kamelstute, sauer oder als Dickmilch - am liebsten mit Berberi, einem Salz-Chilipulver-Gemisch.

Das Gefühl, nichts Festes im Bauch zu haben, ließ uns trinken, bis wir Kugelbäuche hatten. Als ich später gefragt wurde, wie viel wir denn jeder so bei diesen Strapazen abgenommen hätten, traute ich mich nicht zu sagen, dass ich dank dieser äußerst gehaltvollen Ernährung sogar spürbar an Gewicht zugelegt hatte.

Immer wieder mussten wir uns neue Führer suchen. Junus zum Beispiel. Er hatte sich uns angeboten, wir ihn aber abgelehnt, da wir noch versorgt waren. Gleich danach wollte unser Führer nicht mehr. Ihm machte die neue Gegend Angst. Jetzt schickten wir nach Junus. Er gab sich tief beleidigt und ließ sich erst zum doppelten Preis zu dieser niederen Dienstleistung herab. Aber auch nur aus Freundschaft, weil er uns so gern hatte.

Begegnungen ...

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Die Afars oder Arabisch Dankalia (Plural von Danakil) galten bei den Hochlandsbewohnern als leicht reizbar und sehr gefährlich. Berühmt ist ihre sehr archaische Form der Bevölkerungskontrolle für ihren kargen Landstrich: Bevor ein Jüngling eine Frau in seine Hütte führen durfte, musste er traditionell, die abgeschnittenen Genitalien eines Feindes präsentieren können. In der Westler-Kolonie wurden sie daher auch salopp die "Herrenschneider" genannt. Und so manchem von ihnen schauderte bei dem Gedanken, sich dorthin begeben zu müssen.

So ganz sicher waren auch wir uns nicht, dass nicht einer von diesen schönen Menschen in uns nicht nur eine wandelnde "Trophäe" für die Brautzeremonie sah und seinen allgegenwärtigen Krummdolch, die Gille, gegen uns richten würde.

Wasser aus der Luft ...

experiments in the laboratory   ... measuring the moisture by Hand-Assmann   ... Der Zeolith saugt sich mit Wasser voll   ...   ... Ein Sonnenspiegel erhitzt die Chemikalie Das Wasser wird heraus destilliert.   ... ... und getrunken

Meine Aufgabe war ja das "Wassermachen". Dafür schleppten wir einiges an Gerät mit. Dreimal täglich galt es, die Luftfeuchtigkeit zu messen. Dazu hatte ich mir im Institut für Geophysik in Hamburg ein "Assmansches Aspirationspsychrometer", kurz "Handassmann" genannt, ausgeliehen. Das war zwar "Amtshilfe" gegenüber den Institut für Physikalische Chemie, in dem ich an meiner Diplomarbeit schrieb. Dennoch musste ich mich dabei gegen schwere Bedenken durchsetzen und das gute Stück auch gut versichern. Denn Bei Rüdiger Nehbergs Reisen - das wusste man ja hinreichend aus der Presse - ging schließlich immer vieles zu Bruch.

Einen Sonnenkocher hatten wir gerade erst auf einer Tourismusmesse entdeckt. Die Destillationsanlage lieh ich mir vom Institut und ließ mir vom hauseigenen Glasbläser noch einige Sonderanfertigungen machen. Die Trockenmittel Silikagel und Zeolith stiftete uns das Herstellerunternehmen Bayer.

Na ja, mit den produzierten Mengen hätten wir nicht überleben können. Aber funktioniert hatte es schon. Nur der Abrieb machte uns zu schaffen: Wir mussten die Substrate am Abend auf einer Folie ausbreiten und der Restfeuchte der Luft exponieren, morgens einsammeln und mittags die Feuchtigkeit mit Sonnehilfe wieder heraus destillieren. Dabei hat sich das Substrat immer mehr in Staub verwandelt. Geschmeckt hat das selbstproduzierte destillierte Wasser übrigens erst nach Zugabe einer Prise salzigen Wüstensandes.

Der Erta'ale Vulkan ...

Das Afar-Dreieck bildet die nördliche Forstsetzung des Ostafrikatischen Grabens, des Rift Valleys, und ist damit Teil eines großen geologischen Bruchsystems. Wenn wir etwas Geduld haben und einige Millionen Jahre warten können, werden wir hier die Geburt eines neuen Kontinents erleben. Die östlich vom Ostafrikanischen Bruchsystem liegende Landmasse wird als selbständiger Kontinent vom Indischen Ozean umspült werden.

Ähnlich, wie auf Island und überhaupt im gesamten mittelatlantischen rücken, sind auch hier zahlreiche, zum Teil recht aktive, Vulkane die natürlichen Begleiterscheinungen. Einen von ihnen, den Erta’ale, sahen wir auf unserem Marsch schon lange vorher an jedem Abend als rötlichen Schimmer am Horizont.

Vor uns war gerade erst der berühmte französische Vulkanologe Haroun Tazieff dort. Wir haben noch eine leere französische Mineralwasserflasche am Kraterrand gefunden. Er hatte den Helikopter gewählt. Wir aber waren wohl die ersten, die mit Kamelen bis kurz unterhalb des Kraterrandes aufgestiegen waren.

Unsere Führer hatten sich geweigert mitzukommen. "Dort oben wohnt der Teufel." Sagten sie. "Ihr könnt ihr doch selber am Abend den Schein seines Feuers sehen." Das war fatal. Denn irgendwie wohnte dort oben wohl doch der Teufel. Jedenfalls wurden wir bald von einer anderen Gruppe Reisender eingeholt - drei bewaffnete Männer zogen auf diesem einsamen Weg in Richtung Rotes Meer. Waren es Schmuggler, Verfolgte, zwielichtige Gesellen, die diesen abgeschiedenen und sonst von allen Bewohnern gemiedenen Weg wählten?

Nach einigen teilnahmsvollen Fragen nach dem woher und wohin und dem Taxieren unserer Stärke und unserer Ausrüstung schauten wir dann unvermittelt in die Mündungen ihrer Gewehrläufe. Unser Geld waren wir los. Unsere Kameras warfen sie in einen Abgrund. Aber unser Leben ließen sie uns mit verächtlicher Geste nachdem Rüdiger mit seinen wenigen Brocken Arabisch an ihre islamische Brüderlichkeit appelliert hatte.

Dallol ...

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Das war es wohl, das "Höllenloch der Schöpfung". "Hell-Whole of Creation" hatte der Engländer L.M.Nesbitt die Gegend um Dallol in seiner theatralischen Art getauft, als er ~ 50 Jahre zuvor durch diese Gegend gewandert ist.

Hier blubbern heiße Salzquellen. Die darin gelösten Eisensalze oxidieren bei Kontakt mit dem Luftsauerstoff zu farbigen Oxiden, die je nach Verdünnungs- und Oxidationsgrad in Braun- und Rottönen schimmern. Dazu kommt das Gelb des Schwefels, das Weiß anderer Salze. Eine nach "Unterwelt" riechende bunte Welt.

Der Kamelunfall ...

Unser Lastkamel bricht mit den Vorderbeinen ein Der heiße Salzschlamm ist bodenlos Das Tragetier von seiner Last befreien Das Kamel - Bein für Bein - aus dem heißen Salzschlamm ausgraben Obwohl ausgegraben will das Kamel nicht mehr - es hat schon aufgegeben Erschöpft waren wir so eingeschlafen Erst einmal ein kräftiges Frühstück Und dann den Salzschlamm abwaschen Wasser - ist das schön

Im Süden am Awash war das Afar-Dreieck noch voller exotischen Lebens gewesen. Nach Norden hin wurde der Bewuchs immer spärlicher, die die Menschen abweisender, die Wüste extremer und heißer.

Das Hochland von Eritrea war schon zu ahnen, da mussten wir noch über unsicheres Terrain ziehen - ausgetrocknete Salzseen. Hart und trocken waren sie nur oberflächlich. Unter der harten Kruste aus Salzton erstreckte sich unergründlich tief eine Schicht vulkanisch aufgeheizten Salzschlamms.

Unserem Gewicht hielt die dünne Kruste noch stand. Unser schwer bepacktes Lasttier aber brach ein. Erst mit den Vorderbeinen, dann nach verzweifelten Befreiungsversuchen, komplett. Als seine Kraft erlahmte gab es auf und legte sich zum Sterben nieder.

Schnell schnitten wir die Lasten los und schleppten sie auf sicheren Grund. Dann - ohne unsere kostbare Kleidung - begann die Knochenarbeit. Jedes der Kamelbeine, die wie Streichhölzer senkrecht im heißen Salzschlamm steckten, einzeln ausgaben. Dann das Kamel, das ja nicht mehr leben wollte, auf die Seite legen, eine Rutschbahn aus Schlamm legen, Seile an den Kamelfüßen befestigen und dann - vier Männer und vier Seile - das Tier auf der Schlammrutschbahn auf festen Grund ziehen.

Doch das nützte noch nicht viel: Unser Tier hatte doch beschlossen, dass nun alles aus sei. Hier bewies sich unser junger Führer als wahrer Kamelflüsterer. Er überredete das tief verunsicherte Tier, sich zitternd wieder auf seinen wackeligen Beinen aufzurichten. Seine Zecken war unser gutes Kamel los. Aber trockenen Seeboden hat es nie wieder betreten.

Afar-Rebellen ...

In Eritrea ...

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Wieder zurück ...

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Heute ...

Rüdiger Nehberg geht noch weitere 20 Jahre auf Abenteuertour Rüdiger Nehberg ist noch immer ein Medien-Star Klaus Denart, Rüdiger Nehberg und Horst Walther 28 Jahre später im Juni 2005
Horst Walther, Hamburg