Leit-Artikel

Liebe Freunde, das Feuerwerk ist verglüht, die Böller verklungen, das neue Jahr st nicht mehr ganz frisch. Gestattet jedoch ist noch die Frage - je nach Temperament - hoffnungsfroh oder bang. Was wird es uns bringen?

Wird LOTUS Notes uns Marshall McLuhans global village bringen? Werden wir - die Projektleiter zuerst - Alan Kay's Dynabook im codegeschützten Diplomatenkoffer tragen? Wird der TeraFLOP-Computer unseren Desktop zieren? Hmmm, wer weiß? Aber was, wenn das nicht vom blauen Bruder kommt?

Und wir? Wieder 50% Wachstum nach Umsatz und Mitarbeitern? Neue Projekte in Barcelona, Brisbane und Bobodioulassou (oder doch New York, Rio, Tokio). Niederlassungen in Zürich, Bahrein und hoffentlich - Hamburg? Standardsoftware für Pharmaberater und das Brauereiwesen?

Wir haben bei uns C-Hexer, Methodenfreaks und ein Verkaufsgenie - aber noch keinen Propheten. Die Zukunft kennen wir nicht. Aber oftmals wirkt bereits ein Blick zurück erhellend.

Mit vier Jahren sind wir ein junges Unternehmen - eine attraktive Schönheit - noch ohne Controlletti- Behördenmuff, Laufbahndenken und all die Runzeln eines Langen, von Kämpfen gezeichneten Lebens.

Wie sagen uns die Management-Auguren? "Nicht die Großen werden die Kleinen fressen, sondern die Schnellen die Langsamen. Time-to-Market wird der Wettbewerbsfaktor, Entscheidung die kritische Ressource der Zukunft. Kreatives Chaos outperforms perfekte Organisation? Aber kein Tag ohne Nacht, keine Sonne ohne Regen - Sie sagen einem wachsenden Unternehmen - wie das Erreichen von definierten Wegmarken - das Durchlaufen von Zeiten des Umbruchs ja Krisen, voraus.

Von der ersten, der Führungskrise, wo die mittelständigen Führungsstrukturen der Gründungsphase der Genesis - nicht mehr tragen. Bis zur letzten, der Innovationskrise, Wenn ihnen die Ideen ausgehen und sie sich bis zum ehrenvollen Exitus nur mehr selber verwalten. - Gut, aber da sind wir noch nicht.

In der kurzen Zeit, die ich hier bin, hat GENESiS erstaunliche Integrationskraft bewiesen, der PC- / HOST-Graben wird überbrückt, die Design-Lücke beginnt sich zu schließen. Auf einem denkwürdigen Treffen der ersten und zweiten Führungsebene in Bad Radkersburg wurde ein Projektmanagement-Handbuch verbindlich verabschiedet und die Installation der dort vorgeschlagenen Service-Funktionen und Competence Center beschlossen.

Ein Jahr des Wandels? Das wird '92 erst recht.

Streamlining und neue Herausforderungen stehen an. Es gilt (wir steigern das Bruttosozialprodukt ...) unsere Entwicklungs-Produktivität weiter zu steigern. Einige Großprojekte stehen zur Beendigung an. Wir müssen den Softwareproduktionsprozess einem Finetuning unterziehen. Wir werden eine technisch innovative Entwicklungsplattform realisieren und die GENESIS Application Architecture (GAA) zu einem Standardprodukt machen.

Die ersten Verfolger werden versuchen, sich auf unsere Fährte zu setzen, GUI-Programmierung1 unter OS/2 wird mainstream - GENESiS verlässt die Nische.

Also nach den Jahren der GENESiS nun die der METAMGAPHOSIS? Nach Innovation nun Consolidation? Sind die Böller verklungen, das Feuerwerk verglüht und GENESiS so energiegeladen wie eh und je?

*1 graphical User Interface
Krumpendorf, Januar 1992, Horst Walther